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Monster Hunt

Originaltitel: Zhuo Yao Ji__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Raman Hui__Darsteller: Bai Baihe, Jing Boran, Jiang Wu, Elaine Jin, Wallace Chung Hon-Leung, Eric Tsang, Sandra Ng, Tang Wei, Yao Chen, Yan Ni, Bao Jianfeng u.a.
Monster Hunt

“Monster Hunt” ist ein wilder Genremix aus Fantasy-Abenteuer, Klamauk und Martial-Arts-Action

Raman Hui machte erst Karriere als Animator und Regisseur bei DreamWorks Animation, ehe der gebürtige Hongkonger nach China zurückkehrte und mit seinem ersten Realfilm „Monster Hunt“ einen Besucherrekord aufstellte, der kurz darauf von „The Mermaid“ gebrochen wurde.

So ganz scheint er seine Wurzeln jedoch nicht verleugnen zu können, denn die Monster, um die es in dem Film geht, sehen weniger wie fotorealistische Biester, sondern eher wie einem „Drachenzähmen leicht gemacht“-Spin-Off entlaufen aus. Monster und Menschen lebten dereinst in der gleichen Welt, doch es entspann sich Krieg zwischen den Spezies, wonach die Monster sich in eine eigene Welt verzogen. Allerdings kommt es auch dort zu Kämpfen um den Thron, als Ursupatoren den Monsterkönig stürzen und die schwangere Königin stiften geht. Begleitet wird sie von zwei Getreuen, gemeinsam flieht man in die Menschenwelt.

Dort ist Song Tianyin (Jing Boran) gleichzeitig Ortsvorsteher und Dorftrottel in einem kleinen Örtchen – ein herzensguter Tollpatsch, den keiner trotz seines Amtes ernst nimmt. Dorthin verschlägt es auch die Königin und ihre beiden als Menschen verkleideten Begleiter, die nicht nur den Verrätern aus der eigenen Welt entfliehen wollen, sondern auch Monsterjäger fürchten müssen. Jene Truppe wurde ausgebildet, um das Menschenreich vor den Monstern zu behüten. Auch die junge Hu Xiaolan (Bai Baihe) gehört zu den Jägern – eine klassische Wuxia-Amazone, wie man sie im Hongkong-Kino bereits seit Jahrzehnten findet.

In der Taverne, in der Song Tianyin arbeitet, kommt es zum ersten Kampf der flüchtigen Monster und der Jägerin, wobei der junge Mann von der Monsterkönigin markiert wird. Hu Xiaolan will ihn von da an als Köder benutzen, doch beim nächsten Aufeinandertreffen pflanzt die Monsterkönigin ihren Nachwuchs ein. Den muss der junge Mann nun austragen – und wird damit von allen Seiten gejagt, mit der Jägerin als unfreiwilliger Begleiterin an seiner Seite…

Monster Hunt

Tollpatsch Song Tianyin (Jing Boran) und Monsterjägerin Hu Xiaolan (Bai Baihe) bilden das ungleiche Heldengespann des Films

„Monster Hunt“ ist mal wieder ein Beweis, dafür dass in asiatischen Gefilden in weniger engen Genrebahnen als im Westen gedacht wird. So ist der Film gleichzeitig Fantasy-Abenteuer, Martial-Arts-Action und knuffiges Kinderkino, inklusive Musik- und Gesangseinlagen und einer großen Portion des berühmt-berüchtigten Klamaukhumors aus dem Hongkong- und chinesischen Kino. Dadurch, dass „Monster Hunt“ dabei alles auf einmal sein will, fehlt es dem Ganzen jedoch auch an einer klaren Linie. Während die animierten Kreaturen mit ihren Kindchenschema-Gesichtszügen und ihren klobigen Formen eher an Animationsfilme für die ganz Kleinen erinnern, so geht es gleichzeitig darum, dass Menschen und Monster einander gerne futtern. Da fragt man sich schon einmal, ob die Menschenhäute, mit denen die Monster sich als Menschen kostümieren, vielleicht Vorbesitzer hatten, während die explizite Darstellung eines Restaurants, in den Monster zubereitet und serviert werden, kindliche Zuschauer vermutlich ähnlich schlimmer traumatisieren dürfte wie das Schicksal des Cartoon-Schuhs in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“.

Auch schafft der Film es durch seinen Klamauk-Charakter selten eine echte Fallhöhe zu etablieren: Dass das Schicksal mindestens einer, wenn nicht sogar zweier Welten auf dem Spiel stehen könnte, ist kaum greifbar; lediglich die Tatsache, dass der knuffige Monsternachwuchs, der irgendwann aus Song Tianyin entschlüpft, draufgehen könnte, appelliert an die Beschützerinstinkte des Publikums. Damit zerfällt der Film auch: Anfangs geht es noch um den Krieg der Welten, in der zweiten Hälfte fast nur noch um das Einzelschicksal des bedrohten Nachwuchses, Wuba genannt, ehe das Finale diese beiden Stränge dann wieder verknüpft. Doch für das große Epos ist „Monster Hunt“ dann viel zu wenig episch und zu sehr auf seinen übergroßen Humoranteil bedacht. Manche Comedy-Einlage strapaziert zudem des Zuschauers Nerven, gerade jene überlange Blödelei, in welcher Wuba schlüpft, die Helden dies als normale Schwangerschaft ausgeben möchten und dabei gleichzeitig mehrere Parteien (darunter eine Hebamme und ein freches Kind) in Schach halten müssen.

Monster Hunt

Die Monster sind eher knuffig als fotorealistisch animiert

Die beiden Leads Bai Baihe („Go Away Mr. Tumor“) und Jing Boran („The Climbers“) haben auch kein Superstarpotential, sind aber durchaus sympathisch in den Hauptrollen, die klassische Geschlechtervorstellungen umkehren: Song Tianyin wird nicht nur schwanger mit Wuba, sondern übernimmt auch gerne klassische „Frauenaufgaben“ wie Kochen, während Hu Xiaolan als Actionheldin und forscher Klotz mit mangelnden Manieren dargestellt wird. Wallace Chung Hon-Leung („Drug War“) als Antagonist ist dagegen eher eine Luftpumpe, Charismapunkte sammelt Jiang Wu („The 800“) als altgedienter Monsterjäger. Der Rest der Leistungen ist durchwachsen, wobei es ein Wiedersehen mit Hongkong-Urgestein Eric Tsang („Operation Golden Job“) gibt, der als menschliche Form eines Beschützers der Königin ganz brauchbar agiert.

Obwohl „Monster Hunt“ manchmal zu klein und zu harmlos für die Geschichte wirkt, die er eigentlich erzählen möchte, so ist der Film nicht ohne Reiz. Der wilde Genremix ist definitiv mal etwas anderes und die Martial-Arts-Einlagen von Action-Inszenator Huen Chiu Ku („Iron Monkey“, „14 Blades“) sind recht sehenswert, gerade wenn man bedenkt, dass es vor allem Wirework-Einlagen sind, in denen Schauspieler und Stuntleute sich mit grobschlächtigen CGI-Wesen prügeln. Manchmal kämpfen auch Menschen gegen Menschen(förmige). Trotzdem wirkt die Choreographie nie zu absurd, sondern sogar ziemlich bedacht mit Blick auf Körperformen und Fähigkeiten mancher Beteiligter. Zum reinen Actionfilm wird „Monster Hunt“ dabei nicht, denn die Kampfszenen treten in den ersten zwei Drittel eher sporadisch auf, ehe das Finale dann mit längeren Auseinandersetzungen aufwartet.

So ist „Monster Hunt“ dann auch ein Film, der es dem westlichen Zuschauer nicht einfach macht, wenn er zwischen kindischem Klamauk und Erzählen über Menschenfressermonster schwankt, wenn er zig Genres gleichzeitig, aber keines so vollends bedient. Das ist eine ungewohnte Seherfahrung, trotz der alles andere als realistischen Effekte ganz fetzig anzuschauen, aber das große Epos entsteht zwischen Kitsch, Klamauk und Kloppe dann auch nicht.

„Monster Hunt“ ist hierzulande bei Falcom Media auf Blu-Ray und DVD erschienen und ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Falcom Media__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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