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Montana – Rache hat einen neuen Namen

Originaltitel: Montana__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Mo Ali__Darsteller: McKell David, Michelle Fairley, Lars Mikkelsen, Ashley Walters, Adam Deacon, Alexandra Weaver, Zlatko Buric, Dominique Tipper, Ryan Oliva, Clint Dyer u.a.
Montana

“Montana” entpuppt sich als realistisch harte “Leon – Der Profi” Variation.

Montana ist ein junger Kerl aus London mit viel Geschäftssinn. Anstatt zur Schule zu gehen, erledigt er kleine und große Kurierdienste für den Groß-Drogenhändler Lazarus. Dieser sieht in Montana eine willfährige Geldquelle, hat in Bezug auf Montana aber auch ein finsteres Geheimnis. Eines Tages wird Montana bei einem seiner Kurierdienste überfallen und ausgeraubt. Grund genug für Lazarus, den Jungen fallen und endlich aus dem Weg räumen zu lassen. Doch seine Handlanger versagen. Vielmehr landen sie sogar selbst in der Kiste, weil mit Dimitrije eine dritte Partei auftaucht, mit der niemand gerechnet hat.

Dieser ist ein berühmter Auftragskiller, der eine ganz persönliche Vendetta mit Lazarus auszutragen hat. Als sich der wieder aufgepäppelte Montana bereit erklärt, ihm zu helfen, an Lazarus heranzukommen, beginnt er den Jungen für eine heftige Konfrontation auszubilden. Und Montana erweist sich als lernbegieriger Schützling, erfährt er doch, was Lazarus ihm gegenüber für ein Geheimnis hat und will sich dafür an ihm rächen…

„Hab keine Angst, bleib immer in Bewegung und behalte die Kontrolle!“

Ganz grob zusammengefasst könnte man „Montana“ als Zwitter aus „Karate Kid“ und „Leon – Der Profi“ bezeichnen. Ein alter „Meister“ bildet einen wissbegierigen Jungen aus und macht ihn fit fürs Leben (Karate Kid). Dabei geht es bei der Ausbildung nicht um Karate, sondern um das Umbringen von Menschen (Leon). Dabei fehlt ihm das Kindlich-Naive von „Karate Kid“ und der leicht märchenhafte Faktor von „Leon“ geht ihm vollends ab. „Montana“ ist stark in unserer Realität verwurzelt, härter, geradliniger und vor allem realistischer als die beiden „Vorbilder“. Und dabei immer näher an „Leon“ als an „Karate Kid“.

Montana

Dimitrije und Montana liegen auf der Lauer.

Seine Geschichte zieht der Film dabei weitgehend sehr geradlinig durch. Er erlaubt sich nur wenige Nebenschauplätze. Etwa das Aufbegehren von Lazarus’ Handlangern gegen dessen Führung oder Montanas kleine Liebesgeschichte mit einem netten Mädel aus der Nachbarschaft. All diese Nebenhandlungen laufen spätestens im großen Showdown zusammen und werden zu einem befriedigendem Ende gebracht. Die eigentliche Story um Montana und Dimitrije und deren Rachefeldzüge funktioniert vortrefflich, weil die Chemie zwischen den beiden Figuren auf den Punkt sitzt.

Was vor allem der Verdienst der beiden Darsteller Lars Mikkelsen und McKell David ist. Während der Bruder von Mads Mikkelsen nicht ganz dessen Charisma und Ausstrahlung hat, das aber mit sehr souveränem Schauspiel ausgleicht, ist der bisher unter dem Radar gebliebene McKell David als Montana eine einzige Wucht! Er spielt absolut natürlich, einnehmend, mit gutem Timing in Sachen Humor und fernab jedwedem Nervpotentials. Vor allem im Mittelteil, wenn Mikkelsen McKell David trainiert, gelingen „Montana“ tolle kleine Szenen, die trefflich aufzeigen, wie beide Charaktere zusammenwachsen und wie Dimitrijes Vorstellungen von Ehre und Pflichterfüllung auf den freigeistigen Jungen übergehen. Einzig in Sachen Charakterzeichnung von Montana hätte man sich ein paar Informationen mehr gewünscht. Schade ist, dass beiden Darstellern eher schwach gezeichnete Bösewichter gegenüberstehen. Vor allem sind es für einen Film dieser Bauart gefühlt viel zu viele, weshalb das Drehbuch keinen so wirklich herauszustellen versteht.

Angesiedelt ist „Montana“ im vor Leben strotzenden London und taucht in dessen Halb- und Unterwelten ein. Hier darf vor allem im flotten Doppelshowdown ordentlich gegen Drogenhändler und korrupte Bullen ausgeteilt werden. In der Action gibt Lars Mikkelsen den souveränen Part, der mit wenigen effektiven Bewegungen und Aktionen die Gegnerhorden überwiegend mit Großkalibern niedermäht, während McKell David auch ein paar nette Martial Arts Moves vom Stapel lassen darf. Vor dem Showdown weist nur der Prolog sauber inszenierte Action auf, danach herrschen eher sehr kurze Schwarmützel vor, die schneller vorbei sind, als sie eingeleitet worden. Der Härtegrad der Action ist definitiv nicht zu verachten (sehr harsche Headshots und bis auf eine Szene wird vollkommen auf CGI-Blut verzichtet) und das weitgehend sehr koordinierte, unaufgeregte Vorgehen der beiden Rächer weiß sehr zu gefallen und erinnert an Sondereinsatzkommandos.

Montana

Dimitrije räumt in Londons Unterwelt auf!

In Szene gesetzt wurde der Streifen von Mo Ali, der mit seinem Streifen „Shank“ zumindest einen kleinen Achtungserfolg feiern konnte. Er verleiht seinem „Montana“ einen modernen, dynamischen Look voller stylischer Überblenden, flotter Montage, Splitscreens und vielen Spielereien mehr, ohne den Bogen jemals zu überspannen. Gerade in den Momenten mit Dimitrije und Montana nimmt er sich und seinen Film sehr zurück und arbeitet mit geerdeten, in weitgehend kalten Farben erstrahlenden, ruhigen Bildern. Doch in der Action oder den Trainingsmontagen legt er deutlich an Tempo zu und lässt seinen Film zusätzlich mit einem wirklich treibenden, extrem modernen Soundtrack vorantreiben, der von fettem Düsterrap bis zu Trip Hop und finstersten elektronischen Klängen alles bedient, was in Englands Clubs derzeit angesagt ist. Alleine durch seinen Score bekommt der Film etwas beständig Getriebenes und eine innere Unruhe, die unausweichlich auf die finale Konfrontation hinauslaufen muss.

Unterm Strich ist es wirklich schade, dass Montana und Dimitrije kein wirklich ebenbürtiger Kontrapart entgegensteht. So will „Montana“ letzten Endes nie so richtig durchstarten, bzw. der letzte, der finale Kick, er fehlt irgendwie. Vor allem, weil die Bedrohlichkeit des Obermotzes weitgehend nur auf Behauptungen basiert. Was freilich auch der Spannungskurve keine sonderlich prägnanten Ausprägungen beschert. Auf der Habenseite kann „Montana“ seinen geradlinigen, höchst funktionalen Plot, sein starkes Hauptdarsteller-Gespann, gute Darsteller in den weiteren Haupt- und Nebenrollen (so erlebt man etwa „Game of Thrones“-Star Michelle Fairley als ermittelnde Polizeichefin), eine dichte Atmosphäre, eine tadellose technische Umsetzung und die mehr als ordentlichen Actionszenen verbuchen. Jenen fehlt eigentlich nur etwas Druck und Aufwand, denn eine nette Explosion oder eine Autoverfolgungsjagd hätten „Montana“ sehr gut gestanden. Am Ende bleibt eine interessante, realistischer gehaltene und ruppigere Version von „Leon – Der Profi“.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 31. Oktober 2014 von Entertainment One/WVG und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Entertainment One/WVG__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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