Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Nomad

Originaltitel: Nomad__Herstellungsland: Frankreich / Kasachstan__Erscheinungsjahr: 2004__Regie: Sergei Bodrov / Ivan Passer__Darsteller: Kuno Becker, Jay Hernandez, Jason Scott Lee, Doskhan Zholzhaksynov, Ayanat Ksenbai, Mark Dacascos, Ashir Chokubayev, Zhanas Iskakov u.a.
Nomad

Mark Dacascos in “Nomad”

Die weit verstreuten Völker der Nomaden Asiens haben vor Ewigkeiten unter beispielsweise Attila dem Hunnenkönig bewiesen, welche Schlagkraft sie entwickeln können, wenn sie vereint kämpfen. Doch diese Zeiten sind lange vergangen. Die Nomaden Zentralasiens sind längst wieder versprengt vor sich hin lebende Stämme, die von Weidegrund zu Weidegrund ziehen und sich gegen von außen eindringende Feinde nicht wehren können. Insbesondere die Mongolen machen es den kasachischen Nomaden sehr schwer. So schwer, dass bald das Gerücht einer Prophezeiung die Runde macht, dass bald ein Kind geboren werde, dass die Nomaden Zentralasiens im Kampf gegen die Eindringlinge verbinden werde.

Und natürlich geschieht nun in “Nomad” genau das. Das Kind wächst heran, schart schlagkräftige Kompagnons um sich und wird die Nomadenstämme zu einer schlagkräftigen Einheit vereinen. Doch was auf dem Papier nach einem echten Epos klingt, entpuppt sich recht schnell als Sturm im Wasserglas. Was hier an Möglichkeiten verschenkt wird, ist fast schon Legion! Denn “Nomad” legt seinen Fokus auf vollkommen uninteressante Aspekte der Geschichte, gewichtet die Story zugunsten einer verquasten Dreiecksbeziehung vollkommen falsch und weiß am Ende selber nicht mehr so recht, auf was er eigentlich hinaus will. Denn anstelle einen Helden zu präsentieren, der die Nomaden mit feurigen Reden vereint, steigt der lieber einer faden Nomadenbraut hinterher, auf die sein bester Freund auch ein Auge geworfen hat.

Nomad

Der farblose Held

Dann werden alle drei gefangen genommen, es finden nette Reiterspielchen statt und *schwupps* sitzt man auf einer befestigten Nomadenanlage und kämpft gegen die Mongolen. Alle Stämme eilen zu Hilfe und man weiß gar nicht, wieso. Es gab keine Szenen, die irgendwie die Auserwähltenstellung des Helden herausgestrichen hätten. Heldentaten hat er keine vollbracht. Keine Schlachten gewonnen. Seltsam. Er schwingt nicht einmal eine pathetische Rede. Aber alle folgen ihm. Warum nur? Und das Schlimmste: Der Film arbeitete 95 Minuten auf die nun folgende Schlacht hin und man spürt förmlich, dass jetzt der Höhepunkt des Filmes folgen muss! Vier Minuten später hören wir über seltsam geschnittene Kampfszenen den Off Kommentar verkünden, dass die epische Schlacht 100 Tage und Nächte gedauert habe und am Ende die Nomaden auf ewig vereint wurden … Abspann. Ende.

Himmel Hilf. Das war ja wirklich mal gar nichts. Auch und vor allem wegen den wirklich blassen Hauptdarstellern, die im Grunde genommen im Alleingang den Film kaputt machen. Latino Jay Hernandez, den ich seit “Hostel” eh gefressen habe, als Kasachen zu besetzen, ist schon eine arg billige Anbiederung an den Massenmarkt (auch wenn ein Budget von 40 Millionen Euro ein gehöriges Risiko für einen kasachischen Film darstellt), zumal der Mann auch nicht für einen Cent spielen kann. Glücklicherweise wird er recht früh aus dem Film herausgenommen, so dass er ihm nicht weiter schaden kann. Den eigentlichen Helden mimt Kuno Becker und au weija … er ist noch blasser als Hernandez! Warum sollte diesem Milchbubi irgendwer irgendwohin folgen? Ein echter Komplettausfall! Sonderlich sympathisch ist er obendrein auch nicht. Die Dreiecksgeschichte wird vervollständigt von Ayana Yesmagambetova und die sieht nicht nur aus wie eine 12jährige, sie hat auch eine ähnlich erotische Ausstrahlung, was die ganze Dreieckschose obendrein komplett unglaubwürdig macht. Ganz groß!

Nomad

Mark Dacascos als leider verschenkter Antipode.

Die einzigen verlässlichen Darsteller sind die alten Hasen im Cast. Jason Scott Lee (“Dragon – die Bruce Lee Story”) als väterlicher Mentor der Helden punktet mit physischer Präsenz, einnehmendem Wesen und einigen krass geil kitschigen Heldenreden. In die Action wird er zwar nicht eingebunden, dennoch macht er einen hervorragenden Job. Mark Dacascos (“Crying Freeman”) steht stellvertretend für das Hauptproblem des Filmes: Er wird einfach verschenkt. Darf er sich zunächst noch mit wilden Blick frauenmordend durch die Gegend säbeln, wird er zur Filmmitte aus dem Film genommen, ohne dass der Film auch nur ansatzweise einen ähnlich miesen Schurken als “Vertretung” lancieren könnte, den man irgendwie hassen könnte oder der dem Showdown einen involvierenderen Anstrich hätte geben können. Denn so prallen hier ohne Superschurke nur Kuschelkillermongolen, die die Nomaden achten und respektieren!!!, auf Nomaden, die die Mongolen achten und respektieren!!! Beste Voraussetzungen für eine epische Schlacht. Im Bezug auf Mark Dacascos muss man aber auch festhalten, dass seine eigentlichen Fähigkeiten (also die kickerischen) wie so oft in Big Budget Produktionen vollkommen außen vor bleiben.

Die Action selber hat den Anstrich episch auch nicht verdient. Es gibt ein paar wundervolle Reiterstunts zu betrachten und auch die eine oder andere Kampfszene macht durchaus mit solidem Hack und Slay ordentlich Laune. Wucht, Brutalität oder dynamische Inszenierung findet man hier allerdings nicht. Alles wirkt fast einen Zacken zu altmodisch umgesetzt. Und wenn dann der Showdown so simpel verpufft, wie oben angedeutet, dürfte klar sein, dass die Action in dem Film schon das eine oder andere Problem hat.

Nomad

“Nomad” bemüht sich zumindest um epische Bilder.

Episch wird’s dann wenigstens in der Optik. In allerbreitesten Bildern wird die herrliche Landschaft eingefangen. Die Ausstattung ist stimmig, detailreich und wirklich flirrend bunt gehalten und auch so manches Setting – wie die befestigte Nomadenstadt – lässt erahnen, wo die 40 Millionen hingeflossen sind. Auch so mancher Massenaufmarsch hat durchaus Flair, von anrückenden Reitereien ganz zu schweigen. Das alles wird edel und stilvoll bebildert und wirkt wirklich enorm gediegen. Vom wirklich feinen Score ganz zu schweigen, der einige Male eben wirklich episch aufspielen darf.

Leider findet diese „technische“ Epik eben keinerlei Entsprechung in der Handlung selber. Diese ist so uninspiriert und langweilig am Massenmarkt ausgerichtet, dass es fast schon schmerzt. Denn blassen und unsympathischen Helden beim langweiligen Balzen zuzusehen, ist dann nicht ganz das, was man sich im Allgemeinen von einem Epos erwarten würde. Hätte man doch Jason Scott Lee als Nomadenhelden und Mark Dacascos als seinen Antipoden installiert und darum herum eine wirklich epische Geschichte aufgezogen, “Nomad” hätte amtlichst rocken können. So bleiben zumindest wundervolle Bilder und die eine oder andere sehr nette Einzelszene … Viel mehr aber auch nicht.

Die DVD von EMS kommt mit einer FSK 16 uncut in sehr guter Bild- und Tonqualität, hat aber davon abgesehen leider keinerlei Extras zu bieten. Ein paar Extras müssen bei der aufwändigsten Produktion aus Kasachstan doch abgefallen sein?

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: EMS__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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