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Race against Time

Originaltitel: Race against Time__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Geoff Murphy__Darsteller: Eric Roberts, Cary Elwes, Sarah Wynter, Chris Sarandon, Diane Venora, Michael Greyeyes, Terry Simpson, Joel McNichol, Daniel Magder, Karen Cliché u.a.
Race against Time

Um seinen Sohn zu retten, geht Eric Roberts in “Race against Time” einen Pakt mit dem Teufel ein!

James Gabriel treibt relativ ziellos von Job zu Job – und das, wo er eigentlich für jeden Dollar dankbar sein müsste, denn die Behandlungskosten seines Sohnes, der aktuell im Krankenhaus liegt, reißen riesige Löcher in Gabriels Geldbeutel. Eines Tages, Gabriel hat gerade wieder einen Job verloren, kommt es ganz besonders schlimm. Der behandelnde Arzt unterbreitet Gabriel, dass sein Sohn an einem Virus erkrankt sei, der längst ausgerottet schien. Der Impfstoff gegen dieses Virus dagegen sei so teuer, dass Gabriel in Vorkasse gehen müsse, sonst würde man seinen Sohn sterben lassen.

Verzweifelt denkt Gabriel nach, was er für seinen Sohn tun kann. Da kommt ihm „Lifecorps“ in den Sinn. Ein Unternehmen, das seinen Kunden 300 000 Dollar bietet, wenn sie ein Jahr nach Vertragsschluss freiwillig Selbstmord begehen und ihre Organe von „Lifecorps“ verkauft werden dürfen. Verzweifelt geht Gabriel den Kuhhandel ein, kommt letztlich aber mit dem Geld zu spät. Sein Sohn ist bereits verstorben. Wütend stapft Gabriel zu „Lifecorps“ zurück, denn die Firma erweist sich als ebenjene Institution, die Gabriels Sohn in letzter Konsequenz die Impfung versagte. Gabriel macht in der Firma ein Riesenfass auf, aber die Schweinepriester beharren auf ihrem Vertrag. Und mehr noch, sie setzen Gabriel sofort auf die Abschussliste und lassen ihn von Jägern verfolgen, die säumige und vertragsbrüchige Kunden auftreiben und töten …

Damit ist die Jagd eröffnet. Selbige kommt allerdings an den temporeichen und durchaus spannenden Einstieg mangels Schauwerten nicht mehr heran. In den ersten 25-30 Minuten funktioniert „Race against Time“ nämlich richtig gut! Die Grundsituation um den Faust’schen Pakt zwischen Gabriel und den kapitalistischen Teufeln von „Lifecorps“ macht richtig Laune, wichtige Figuren werden mit Schmackes eingeführt und das Tempo ist wirklich enorm hoch. Zudem macht Regisseur Geoff Murphy („Alarmstufe Rot 2“) inszenatorisch richtig Druck und ackert beherzt mittels cooler Perspektiven, ebensolcher Einstellungen und flotten Schnitten gegen das dann zunehmend zu dünne Budget an und gibt seinem Streifen direkt einige kinotaugliche Bilder mit auf den Weg. Doch mit dem Budget geht dem Film dann auch ein wenig das Tempo aus.

Die nun anrollende Verfolgungsjagd im extrem geerdet gehaltenen Zukunftsszenario (der 2000 gedrehte Film spielt im Jahr 2018) ist wenig zwingend, wird nur ganz selten mal spannend und vor allem fehlen Szenen, die dem Film noch einmal ein paar Adrenalinstöße verleihen. Auch hat jetzt die gesamte Geschichte um „Lifecorps“ Pause und wird kaum weiter entwickelt. Das hebt sich Murphy für den Showdown auf, der so zwar kurzfristig spannender gerät, actiontechnisch aber vollkommen enttäuscht. Vor allem da sich hier die wirklich miesen CGI Effekte viel zu sehr Bahn brechen und der Showdown gefühlt nur aus ziemlich räudigen Polygongrafiken in Fahrstuhlform besteht, die in einem Hochhaus rauf und runter fahren. Zumindest gibt es ein paar nette Prügeleien zu begutachten und auch etwas – unblutiges – Geballer lässt den Actionfan kurz hochfahren.

Darstellerisch überrascht der TV-Film mit einer soliden Besetzung. Als finstere Lifecorps-Schergen bringen Cary Elwes („Saw“) und Chris Sarandon („Fright Night“) ordentlich souveränes Spiel in den Film ein, wobei vor allem Elwes als Chef der Jägertruppen mit einer ziemlich coolen Show aufzutrumpfen versteht. Diane Venora („Der Schakal“) darf als Gewissen der Lumpenfirma aufspielen, während Sarah Wynter („The 6th Day“) als Gabriels Love Interest und Kopfgeldjägerin für die meiste Action sorgt und dabei gar keine so üble Figur macht. Gabriel wird von einem gut aufgelegten Eric Roberts („The Expendables“) gegeben, der eine sympathische Heldenfigur entwirft, mit der man gerne mitfiebert. Leider macht er in der Action keine so gute, weil steife Figur …

„Race against Time“ ist einer jener Filme, die man trotz offensichtlicher Defizite irgendwie einfach gut finden will. Und wenn man ehrlich ist, fällt das auch gar nicht so schwer: Eric Roberts gibt einen sehr menschlichen Helden ab, die Schurken sind schleimig fies, die Frau an des Helden Seite hat Power und so manche Drehbucheinlage um die etablierte Grundsituation macht durchaus Laune. Obendrein ist das Tempo beständig recht hoch. Leider merkt man dem fürs Pay TV gedrehten Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr an, dass es einen ganzen Zacken mehr Kohle gebraucht hätte, um ihn richtig rund wirken zu lassen und vor allem auch eine glaubwürdigere Zukunftsvision zu entwerfen. So bleiben nur ein paar hübschere Actionszenen und der wirklich druckvolle Score von Don Davis („Matrix“) in Erinnerung, der die Chance zum Erstellen eines dominant daherrumpelnden Soundtracks mehr als ausnutzte und so beinahe im Vorgehen das stärkste Element des Filmes wuppte …

Die deutsche DVD ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten und stammt ursprünglich von Laser Paradise. Die verkauften die Rechte irgendwann an KSM, die im Grunde nur ihren Labelnamen aufs Cover pressten und ansonsten einen absolut identischen Silberling verwerten. Bild- und Tonqualität sind dabei auf gehobenerem Laser Paradise Niveau, haben also ungefähr VHS Qualität.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: KSM/Laser Paradise__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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