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Re-Kill

Originaltitel: Re-Kill__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Valeri Milev__Darsteller: Scott Adkins, Daniella Alonso, Bruce Payne, Roger R. Cross, Mike Mayhall, Jesse Garcia, Raicho Vasilev, Layke Anderson, Rocky Marshall, Henry Garrett u.a.
Re-Kill

Scott Adkins hat eine Nebenrolle in dem rasanten Horror-Action-Hybriden “Re-Kill”.

Erinnert ihr euch an die Nachrichten-/Werbe-Sendungen in den Paul-Verhoeven-Klassikern „Starship Troopers“ und „Robocop“? In denen scheinbar investigative Reportagen auf abgefahrene, teils megazynische Werbespots trafen? Und habt ihr bei der „Starship Trooper“-Frage „Möchten Sie mehr wissen?“ auch immer „Ja“ geschrien? Dann herzlich Willkommen zu „Re-Kill“! Ein Film, der das Prinzip dieser „Einschübe“ in die Verhoeven-Knaller mal eben auf 90 Minuten streckt und einen wilden Adrenalin-Ritt sondergleichen auf euch abfeuert.

Dabei wird gleich zu Beginn ordentlich losgeholzt. Wir erfahren innerhalb weniger Augenblicke, was im Amerika der Zukunft los ist: Vor fünf Jahren ist demnach ein Virus ausgebrochen, das fast alle Menschen befiel und veränderte. Das Wort Zombie nimmt in dem Film keiner in den Mund. Stattdessen heißen die Untoten hier Re-Ans, also Re-Animierte, und wurden nach dem großen Ausbruch in sogenannten Zonen hinter gigantischen Mauern eingesperrt. Die frei herumstreunenden Re-Ans werden von der R-Division gnadenlos verfolgt und noch einmal umgebracht. Re-Killed, sozusagen.

Zumeist live bei den Einsätzen dabei: Mitarbeiter des „Outbreak-Channels“. Ein TV-Sender der Zukunft, der die Bevölkerung mit Sendungen rund um das Thema Re-Ans und den damaligen Outbreak versorgt. Wie gefährlich die Arbeit für den Sender sein kann, zeigt bereits der erste Live-Bericht von einem Einsatz eines Teams der R-Division. Selbiges läuft unvermutet in einen Hinterhalt der Re-Ans und wird bis auf eine Person restlos aufgerieben. Auch die Kamerafrau des Senders fällt den Untoten zum Opfer.

Doch die R-Division-Kämpfer wehren sich bis in den Tod brachialst. Mit deftigsten Auswirkungen. Die Re-Ans werden vor dem Auge des Zuschauers förmlich zerrissen. Das Blut spritzt in großem Bogen. Gesichter werden abgerissen, Schädel perforiert und eingeschlagen. „Re-Kill“ macht in seinen ersten Minuten keinerlei Gefangene. Und die verdammt schnellen Zombies sorgen für eine Wucht und einen Impact, der in seinen besten Momenten an die Kriegsfilme moderner Prägung erinnert. Chaos, Schreie, Blut, Schüsse, dargereicht in extrem verwackelten Kamerabildern. Nach einer wilden Autofahrt, die aus POV-Sicht präsentiert wird und diverse Zombies auf der Windschutzscheibe zerplatzen lässt, gönnt uns „Re-Kill“ eine Pause. Mit… ja… Werbung!

Werbung für Sex! „It’s good! Do it tonight!“ Im weiteren Verlauf werden weitere herrlich kaputte Werbespots folgen. Diese verherrlichen neben dem Sex auch den Drogen- und Medikamentenmissbrauch und – natürlich – den Waffenbesitz. Bei den Werbespots, die politisch so unkorrekt sind wie irgendwas, wird einem erst so richtig klar, wie kaputt das Amerika dieses Filmes tatsächlich sein muss.

Re-Kill

Die R-Division beim Re-Killen.

Es schließen sich weitere R-Division-Einsätze an, die fortan einem speziellen Team folgen. Dessen Mitglieder werden uns in kurzen, zwischengeschnittenen Interview-Sequenzen kurz vorgestellt, während sie eigentlich voll in Action sind. Sie hetzen von Einsatzort zu Einsatzort und machen mit den Untoten kurzen Prozess. Bei einem Einsatz stoppen sie dann einen LKW, dessen Ladefläche gerammelt voll mit Re-Ans ist. Nach einem beispiellosen Massaker finden unsere „Helden“ heraus, dass der Bestimmungsort des LKWs eine der bereits erwähnten Zonen, genauer Manhattan, war. Das Team erhält den Befehl, in die Zone einzudringen und herauszufinden, was hinter diesen Vorgängen steckt…

Das wird immer wieder unterbrochen von Werbespots, Interviews, seltsamen Reportagen und dergleichen mehr. „Re-Kill“ wirkt in der Folge wie eine Live-Reality-Show („Cops“ sei mal als Initiator dieses noch überwiegend amerikanischen Trendes genannt. Die deutschen Varianten a la „Auf Streife“ kann man dahingehend ja nicht ernst nehmen) in der absolut verschärften Gangart. Und aus diesem Korsett bricht der Film auch so gut wie nie aus. Gegen Ende konzentriert sich „Re-Kill“ zwar mehr auf seine Story, die schnell erzählt einige Häkchen schlagen darf, ist sich aber auch hier nicht zu fein, bei den spannendsten Momenten urplötzlich Werbespots einzubauen.

Diese Brüche sind nicht immer vernünftig gesetzt und nerven ab und an auch, sorgen an manchen Stellen wiederum aber auch für zusätzliche Spannungsschübe, da sie der laufenden Handlung fiese Cliffhanger bescheren. Über das allgemeine Tempo des Filmes kann man sich nicht beschweren: Es nimmt einfach immer mehr zu! Einsatz türmt sich auf Einsatz und es wird jede Gelegenheit genutzt, um die wirklich brachiale Action zu entfesseln.

Re-Kill

Ein netter Werbespot für Waffen aus “Re-Kill”.

Zwar wird im weiteren Verlauf der irre Brutalitätsgrad der ersten Großballerei nicht wieder erreicht, aber das Zombie-Gemetzel hat in jeder einzelnen Szene absolut beeindruckende Dimensionen. Vor allem die Vehemenz und Rasanz, mit der die Untoten über die Spezialeinheit herfallen, sorgt für diverse beklemmende Momente und hat auch einige Spannungsschübe im Gepäck. Vor allem die ultrablutigen Schusswunden und das meiste Gesplatter wirken immer handgemacht. Allgemein hielt man sich mit CGIs weitgehend zurück. Ein paar wirklich miese CGIs um ein paar Kampfhubschrauber sind Teil eines Werbespots und somit im Rahmen des Filmes selbst fiktional genug, um nicht perfekt ausschauen zu müssen. In jedem Fall weiß das Zombie-Make-Up zu gefallen.

In der Action übertreibt es der Film leider sehr mit dem Wackel-Kamera-Einsatz. Zwar macht er hier Sinn, sind die Erlebnisse der R-Division doch im Found-Footage-Stil gehalten und der Kameramann so bei den infernalischen Actionszenen immer als Handelnder mittendrin, Übersicht und gute Blicke auf die Action sind so aber Mangelware. Hier wird „Re-Kill“ einige Horrorfans schwer verärgern. Auch abseits der Action ist der Film sehr dynamisch und verwackelt in seiner Bebilderung. Echter Hochglanz kommt nur in den Werbespots und den zwischengeschobenen Reportagen auf. Ansonsten ist „Re-Kill“ rau, roh und ungeschönt in seiner Anmutung. Die aufgetriebenen Schauplätze in Bulgarien doubeln überzeugend ein zerstörtes Amerika.

Die Figuren des Filmes werden einem zwar in kurzen Interview-Happen dargereicht, wirklich viel erfährt man so über sie aber nicht. Es passt aber freilich zum Ansatz des Filmes: Die TV-Sendung verspricht ihren Zuschauern Einblicke in die Aktionen der R-Division-Teams, nicht so sehr in deren Inneres. So definieren sich die Figuren weitgehend über ihre Taten, bleiben aber dennoch recht gesichtslos und sind weitgehend Stereotype. Dafür sind sie samt und sonders ziemlich gut gespielt. Bleibenden Eindruck können Bruce Payne („Passagier 57“) als gottesfürchtiger Verschwörungstheoretiker, sexy Daniella Alonso („The Hills Have Eyes 2“) als einzige Frau im Team und Roger R. Cross („Riddick – Chroniken eines Kriegers“) als umsichtiger Sarge der Einheit hinterlassen.

Re-Kill

Scott Adkins als Heißsporn.

Scott Adkins („Close Range“) hat als Hitzkopf der Truppe leider nur eine Nebenrolle abbekommen, die ihm keinerlei Möglichkeiten zum Glänzen gibt. Da in dem Film nur geballert wird, werden auch seine Martial-Arts-Kenntnisse nicht benötigt. Dafür darf er zumindest für einen Running Gag herhalten, bei dem er für eine wahre Flut an „Fucks“ sorgt, die NATÜRLICH – immerhin hier ist das amerikanische TV der Zukunft noch das alte! – weg gepiept werden. Die Angst vor Zombies ist sichtlich nicht groß genug, um die vor Fucks zu vergessen.

„Re-Kill“ wurde 2015 im Rahmen der neuesten After-Dark-Horrorfilmreihe „8 Films To Die For“ veröffentlicht. Diese sollte „Re-Kill“ eigentlich schon im Jahre 2010 beehren. Doch dann wurde er immer wieder aufs Neue verschoben. Was hier alles passiert ist, wissen wohl nur die Beteiligten selbst. Die Tatsache, dass aus einem Regisseur (Valeri Milev) inzwischen zwei geworden sind (Mike Hurst, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat), deutet darauf hin, dass man entweder mit den ersten Versionen des Filmes nicht wirklich zufrieden war oder es hinter den Kulissen heftige Unstimmigkeiten gab. Davon merkt man dem fertigen Film allerdings nichts an. Der unterhält mit mal wirklich druckvoller Zombie-Action und seiner interessanten formalen Beschaffenheit prächtig. Allzu viel nachdenken sollte man über das Gebotene allerdings nicht. Obendrein sollte man einen stabilen Magen für die Wackel-Kamera mitbringen. Für all jene, die mal eine Spezialeinheit im Kampf gegen Zombies sehen wollen und von dem gurkigen „Navy Seals vs. Zombies“ enttäuscht waren, ist „Re-Kill“ definitiv eine lohnende, sehr deftige, extrem hochtourige und vor allem unterhaltsame Alternative.

Über eine deutsche VÖ ist mir bislang nichts bekannt. In den USA gibt sich Twentieth Century Fox als Distributor alle Mühe, das Medium Film zum Wegwerf-Medium umzuwandeln. In der Folge kann man sich on demand bei Diensten wie Amazon.com auf DVD-R gebrannte Versionen des Filmes bestellen. Diese haben gerade mal einen Startbildschirm, der netterweise darauf hinweist, dass man mit der Skiptaste immer um 10 Minuten im Film vorspringen kann. *am Kopf kratz* Zumindest sind Bild- und Tonqualität der codefreien DVD brachial!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der amerikanischen VÖ: Twentieth Century Fox__Freigabe: Rated R__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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