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Renny Harlin, der finnische Journeyman-Director

Renny Harlin, "Harlin House" (EP4)

Seit 2026 betreibt Renny gemeinsam mit seiner Frau Johanna den Podcast Harlin House, im Rahmen dessen er u.a. Einblicke hinter die Kulissen der Filmindustrie gewährt (© YouTube sowie Renny & Johanna Harlin*).

„Making a film is like doing gymnastics, or piloting an aircraft:

While sticking your landings is held in high regard – and rightly so – even more important is walking away from the ones you don’t stick.

If you don’t believe me, I have two words for you: Cutthroat Island.“

Am 15. März 1959 als Renny Lauri Mauritz Harjola in Riihimäki geboren, begann Renny Harlin seine Karriere als Regisseur in Gestalt einiger „Shorts“ und Werbespots in seiner finnischen Heimat, bevor es ihn 1984 nach Los Angeles zog, um eine Karriere in Hollywood anzustreben. Dort lernte er seinen Landsmann Markus Selin kennen, mit dem er (im Fahrwasser von John Milius‘ Hit „Red Dawn“) den dramatischen Grenzverletzungs-Action-Thriller „Born American“ (1986) verfasste, welcher daraufhin zu seinem Spielfilm-Debüt wurde und ihm (obgleich weder Kritiker noch Zuschauer sonderlich angetan waren) „einen Fuß in der Tür“ bescherte – was wenig später dazu führte, dass man ihm anbot, den Horror-Streifen „Prison“ (1987) zu drehen, der aufgrund finanzieller Probleme des betreffenden Studios gerade in einer turbulenten Pre-Production-Phase feststeckte…

Harlin ergriff die Gelegenheit – und obwohl das fertige Werk eine Zeit lang keinen Verleih fand, führte genau das zu seinem „nächsten Schritt die Leiter rauf“: In jenem Zusammenhang bekam nämlich Robert Shaye – der Gründer und CEO von „New Line Cinema“ – den Streifen in die Hände, mochte ihn und rekrutierte Harlin daraus hervorgehend für „A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master“ (1988), nachdem mehrere Kollegen zuvor abgesprungen waren. Heraus kam der bis dato erfolgreichste Teil der Franchise – und die Leute fingen an, sich seinen Namen zu merken; auch, weil er bereits zum zweiten Mal bewiesen hatte, kurzfristig einspringen sowie trotz suboptimaler Bedingungen ein achtbares Ergebnis stemmen zu können. Erstmals war es ihm nun möglich, sich aus einigen ihm angebotenen Projekten relativ frei eins auszusuchen…

Seine Wahl fiel auf die schräge Mystery-Action-Comedy „the Adventures of Ford Fairlane”. Produzent Joel Silver zeigte sich derart zufrieden mit den „Dailies“, dass er ihm stracks das Big-Budget-Sequel „Die Hard 2“ anbot, als John McTiernan (Regisseur des Vorgängerfilms) wegen Termin-Überschneidungen mit seiner Tom Clancy Adaption „the Hunt for Red October“ für eine Rückkehr nicht zur Verfügung stand. Als Test-Screenings von „Ford Fairlane“ blamabel ausfielen, ordnete das Studio Reshoots an und schob den Kino-Start nach hinten. Derweil kam Harlin Silver’s „Wunsch“ nach, sich fortan voll auf den kostspieligen Bruce Willis Actioner zu konzentrieren – dessen Realisierung er souverän meisterte. Im Juli 1990 wurden beide schließlich mit nur einer Woche dazwischen in die US-Lichtspielhäuser gebracht: „Die Harder“ avancierte zu einem beträchtlichen Hit – der „Rock ’n‘ Roll Detective“ floppte dagegen mies…

Renny Harlin, Making of "Die Hard 2" & "Driven"

Harlin am Set von „Stirb Langsam 2“ (© Twentieth Century Fox, 1990*) und „Driven“ (© NWE Television, Home Box Office & Warner Bros. bzw. Warner Home Video, 2001*).

So nun in die „Oberliga“ aufgestiegen, folgte diesem Karriere-Schritt dann „Cliffhanger“: Am Set in den Dolomiten half er Sylvester Stallone u.a. beim Überwinden seiner Höhenangst – und am Ende konnte die 70-Millionen-Dollar-Produktion 1993 ein Gesamt-Einspielresultat von $255 Millionen vorweisen. Frisch mit Schauspielerin Geena Davis liiert, standen Harlin sozusagen „die Tore Hollywoods“ offen – und genau das nutzte er, um größere kreative Kontrolle bei seinem nächsten potentiellen Blockbuster zu erlangen; z.B. indem er durchsetzte, dass die Hauptrolle an Davis ging, welche er so in einem für sie bis dato ungewohnten Genre pushen wollte. Es handelte sich dabei um den aufwändigen Piraten-Action-Adventure-Streifen „Cutthroat Island“ – aus welchem Michael Douglas kurz vor Drehbeginn prompt ausstieg, als er verärgert bemerkte, dass die unentwegten Rewrites Harlins seinen Part gegenüber Davis‘ zunehmend kleiner werden ließ…

Der Shoot war von einer langen Reihe an Problemen geplagt – darunter Unfälle, Arbeitsniederlegungen, diverserlei Verzögerungen sowie ein Regisseur, der unbeirrt voranpreschte; häufig zum Unmut sowohl der Cast und Crew als auch der Geldgeber, denn „Carolco Pictures“ steckte da bereits tief in monetären Schwierigkeiten. Letztlich schwoll das Budget auf irgendwo zwischen $98 und $115 Millionen an und steuerte Harlin im Verlauf gar selbst eine Million seiner eigenen Ersparnisse bei, um einiges abermals umschreiben und die zusätzlichen Szenen verwirklichen zu können. Ein Dezember-Start für ein Werk dieser Art war wohl ebenfalls nicht die beste Entscheidung – und so debütierte jenes 1995 mit furchtbaren $2.37 Millionen auf Platz 13 in den Staaten. Weltweit kamen alles in allem bloß $16 bis $18.5 Millionen zusammen: Ein Desaster. „Carolco“ ging pleite – und die Liste der größten Flops der Film-Geschichte hatte eine neue Nummer eins…

Zu seinem Glück wurden Shane Black da gerade mächtige $4 Millionen für ein Skript gezahlt, dessen Hauptfigur jener mit Davis im Sinn verfasst hatte: „The Long Kiss Goodnight“ (1996). Die Produzenten wollen Stallone als Lead – doch Black setzte sich durch. Im Gegenzug veränderte Harlin die Vorlage allerdings ein merkliches Stück weit – machte daraus etwas weniger düsteres und gewalttätiges, als Black es erdacht hatte. Bei Zuschauern und Kritikern kam das Ergebnis zwar besser an als „Cutthroat Island“ – mit erwirtschafteten $89.5 Millionen gegenüber einem Budget von $65 Millionen scheiterte der Streifen aber dennoch finanziell. Es ist jedoch herauszustellen, dass sich beide Veröffentlichungen über die Jahre hinweg einen wohlgesonnen-positiven Ruf aufgebaut bzw. gesichert haben. 1997 trennte sich das Paar schließlich – und Harlin drehte „Deep Blue Sea“, der zu einem kommerziellen Erfolg wurde, obgleich sich das Studio mehr erhofft hatte; weshalb das eigentlich schon fest geplante Sequel stracks gestrichen wurde…

Es war zu jener Zeit, dass Stallone unbedingt ein von ihm verfasstes Rennfahrer-Projekt realisieren wollte – und für die Regie griff er auf Harlin zurück: „Driven“ (2001) floppte übel, wurde eigentlich nirgends positiv begegnet und beendete im Zuge dessen Harlin’s Big-Budget-Hollywood-Karriere. Er selbst schob Sly die Schuld zu, der wohl unentwegt irgendwelche Rewrites vorgenommen hatte, bis am Ende „nichts Gescheites“ mehr dabei rumkommen konnte. Seine nächsten Releases – „Mindhunters“ (2004), „the Covenant“ (2006), „Cleaner“ (2007) und „12 Rounds“ (2009) – schrieben im Rahmen ihrer Kino-Runs ebenfalls allesamt „rote Zahlen“. Überdies sprang er bei „Exorcist: The Beginning“ (2004) ein, als die Verantwortlichen mit Paul Schrader’s Sequel nicht zufrieden waren sowie weite Strecken des Ganzen noch einmal neu filmen ließen – mit mehr CGIs, Jump-Scares und Gewalt (kurzum: größer, lauter, schlichter). Keine der beiden Versionen wurde zu einem Hit – im Gegenteil…

Renny Harlin, Making of "Driven"

Wie im „Making of“ auf der US-DVD zu sehen, hatte Harlin am Set von „Driven“ trotz Stress und Ärger durchaus des Öfteren gute Laune (NWE Television, Home Box Office & Warner Home Video, 2001*).

Seit den 2000ern nahm Harlin eine Auftragsarbeit nach der anderen an – darunter ein paar TV-Episoden von Serien wie „Burn Notice“, „White Collar“ und „Graceland“. 2011 erschien sein dramatischer Action-Thriller „5 Days of War“, der zwar mit starker Action aufzuwarten vermag, allerdings einen mit einer fragwürdigen Ideologie verknüpften manipulativen Eindruck zur Schau stellt – bevor „the Dyatlov Pass Incident“ (2013) eine höchst unheimliche, mysteriöse wahre Geschehnisse als Grundlage für ein abstruses Sci-Fi-Horror-B-Movie nutzte und es irgendjemand für eine gute Idee hielt, rund $70 Millionen in das gern so wie „300“ und „Immortals“ sein wollende Epos „the Legend of Hercules“ (2014) zu investieren. Harlin sagte zu und schrieb am Drehbuch mit – das Publikum blieb fern: Bloß $61.3 Millionen wurden’s „unterm Strich“ global – und er erhielt seine bis dato sechste „Razzie Awards“ Nominierung. Also packte er die Koffer und zog nach China…

Drei Werke realisierte er während seiner Zeit dort: Mit der Jackie Chan und Johnny Knoxville Action-Comedy „Skiptrace“ landete er einen Überraschungshit – gefolgt von dem vielgescholtenen Boxoffice-Debakel „Legend of the Ancient Sword“ (2018) und dem mäßig profitablen Thriller „Bodies at rest“ (2019). Anschließend ging’s in die Vereinigten Arabischen Emirate für „Misfits“ (2021), nach Finnland für „Class Reunion 3“ (2021), nach Griechenland für „the Bricklayer“ (2023) sowie nach Bulgarien für „Refuge“ (2023). Letzteres Projekt übernahm er relativ spontan, als der Fantasy-Martial-Arts-Flick „Ninja Fury“, für den er eigentlich angereist war, kurzfristig gecancelt wurde. Für ihn waren das „Jobs“ – keine Passion Projects. 2022 stemmte er in der Slowakei über 52 Tage hinweg die komplette „the Strangers“-Reboot-Trilogie in einem Rutsch: Jährlich zwischen 2024 und ’26 veröffentlicht, zahlte sich die Mühe zumindest für die Geldgeber gewinnbringend aus…

In 2026 legte er mit „Deep Water“ seine Rückkehr zum Haifisch-Film sowie in Gestalt des Action-Thrillers „the Beast“ seine inzwischen dritte Kollaboration mit Samuel L. Jackson vor – während der Orca-Streifen „Black Tides“ für 2027 bereits in den Startlöchern steht. Zudem hat er mit seiner Frau Johanna, welche er 2021 ehelichte, nach der 2021-’23er Reality-TV-Serie „the Harlins“ jüngst einen Podcast gegründet: „Harlin House“. Inzwischen in seinen Sechzigern, wird sein Ruf als kompetenter „Director for Hire“ ihn in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiter mit Angeboten versorgen. Einst hatte er übrigens ein Jahr lang an „Alien³“ gearbeitet, bevor er wegen „kreativer Differenzen“ das Handtuch warf – sowie abgelehnt, als man ihm sowohl „Goldeneye“ als auch „Speed“ anbot. Auf sein Konto gehen mehr Flops als die meisten seiner Kollegen mit einem vergleichbaren Status – doch hat er der Welt ein paar Genre-Klassiker beschert und ist er der erfolgreichste finnische Regisseur aller Zeiten: Kunnioitus.

Harlin’s vollständige Filmografie: Imdb.com

Unsere Actionfreunde.de Reviews von Werken mit Harlin’s Beteiligung:

1986 Born American (aka „Arctic Heat“)
1988 Prison
1990 the Adventures of Ford Fairlane („Ford Fairlane – Rock’n’Roll Detective“)
1990 Die Hard 2: Die Harder („Stirb Langsam 2“)
1993 Cliffhanger
1994 the Foot Shooting Party (Produzent)
1999 Deep Blue Sea
2006 Cleaner
2007 the Covenant („der Pakt“)
2009 12 Rounds („Zwölf Runden“)
2011 5 Days of War
2011 Burn Notice (TV-Serie, 2 Folgen)
2013 the Dyatlov Pass Incident („Devil’s Pass“)
2014 the Legend of Hercules
2016 Skiptrace (OT: „Jue Di Tao Wang“)
2019 Bodies at Rest (OT: „Chen mo de zheng ren“)
2021 the Misfits
2023 the Bricklayer
2023 Refuge
2024 the Strangers: Chapter 1
2025 the Strangers: Chapter 2
2026 the Strangers: Chapter 3
2026 Deep Water
*Copyright der Screenshots:

„Harlin House“: YouTube, Renny Harlin & Johanna Harlin (EP4: The Reviews That Nearly Broke Me)__ „Die Hard 2“ (Making of): Twentieth Century Fox (RC1 DVD)__ „Driven“ (Making of): NWE Television, Home Box Office & Warner Home Video (RC1 DVD)

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Categorised in: Action-Regisseure, Die Actionstars

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