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The Legend of Hercules

Originaltitel: The Legend of Hercules__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Renny Harlin__Second-Unit-Regie: Isaac Florentine__Darsteller: Kellan Lutz, Scott Adkins, Gaia Weiss, Roxanne McKee, Liam Garrigan, Liam McIntyre, Rade Serbedzija, Johnathon Schaech, Luke Newberry, Jukka Hilden, Kenneth Cranham, Mariah Gale u.a.
The Legend of Hercules

Unter der Regie von Renny Harlin und der Second-Unit-Regie von Isaac Florentine tritt Kellan Lutz als Herkules gegen Scott Adkins an

Mit Actionfilmen aus der Mid-Budget-Klasse, vor allem natürlich der „Expendables“-Reihe, sind Millennium Films durchaus erfolgreich, zuletzt mit „OIympus Has Fallen“, den sie vor der „White House Down“-Konkurrenz ins Kino bekamen. „The Legend of Hercules“, den Krawall-Maestro Renny Harlin („Born American“) inszenierte, avancierte allerdings zum Riesenflop.

Dies übrigens trotz eines gewaltigen Startterminvorsprungs gegenüber Brett Ratners im Sommer anlaufenden „Hercules“-Film. Mit der eigentlichen Sage um den griechischen Helden hat Harlins Film allerdings nur Grundzüge gemein: König Amphitryon (Scott Adkins) und Königin Alkmene (Roxanne McKee) sind die nominellen Eltern des legendären Hero, wahrer Papa ist allerdings Zeus, welcher der Königin beiwohnte. Herkules (Kellan Lutz) ist der Bruder von Iphikles (Liam Garrigan), der hier allerdings älter und nicht sein (komplett menschlicher) Zwilling ist. Und den Löwen mit der unverwundbaren Haut würgt Herkules hier auch tot, wenn auch in anderem Kontext als in der Sage, und damit hören die Gemeinsamkeiten dann auch fast schon auf.

Eine letzte Figur aus der Sage ist Hebe (Gaia Weiss), dort allerdings eine Göttin, mit der Herkules nach seinem Tod vermählt wurde, hier eine Prinzessin und die Jugendliebe des Göttersohns, der nichts von seiner Herkunft weiß. Die noble Familie der Sage ist zu einem Intrigantenstadel geworden, Amphityron ist sauer über den vermeintlichen Seitensprung Alkmenes und ein grausamer Ursupator, Iphikles ein verlogenes Weichei unter Papas Schutz, während Alkmene die geknechtete Gattin darstellt. Dann macht das Bruderherz dem Heroen auch noch die Frau streitig, denn Amphitryon will Hebe und Iphikles vermählen, um mit Hebes Vater eine Allianz einzugehen, den ungeliebten Zweitsohn schickt er dann an der Seite des Kommandeurs Sotiris (Liam McIntyre) in den Krieg.

Dort wird das Heer allerdings Opfer eines Hinterhalts, den Amphitryon geplant hat: Bis auf Herkules und Sotiris werden alle Männer getötet und nur aufgrund einer Verwechslung lässt man Herkules, das eigentliche Ziel des Anschlags, am Leben, um ihn als Gladiator zu verkaufen…

The Legend of Hercules

Macht man ihm die Frau streitig, dann guckt er böse: Herkules (Kellan Lutz)

Klingt irgendwie nach der „Spartacus“-Serie? Ein Eindruck, der durch das Casting von Liam McIntyre noch verstärkt wird, der den Serienhelden in den Staffeln „Vengeance“ und „War of the Damned“ gab, nachdem der eigentliche Hauptdarsteller Andy Whitfield an Krebs starb. Hier spielt er nun die zweite Gladiatorengeige neben Kellan Lutz („Java Heat“) und das ohne sonderlich aufzufallen. Klotz, ähhh Lutz fällt in der Hauptrolle allerdings auch bestenfalls durch einen massiven Körperbau auf, während seine Minimalmimik und sein angestrengtes Schauspiel eher negativ zu bemerken sind. Blass bleiben Roxanne McKee („Wrong Turn 5“) und Gaia Weiss („Vikings“) als hilflos schmachtende Frauen, unfreiwillig komisch overactet Liam Garrigan („Strike Back“) als intriganter Bruder. Einzig und allein Scott Adkins („Universal Soldier: Day of Reckoning“) strahlt als herrlich fieser Möpp noch Charisma aus, wenngleich er schauspielerisch in seinen wenigen Szenen auch nicht groß gefordert wird.

Die „Spartacus“-Parallelen gehen bei Geschichte und Inszenierung weiter – vor allem in letzterer Hinsicht beschränkt sich Harlin darauf den Stil der Serie, gerade in Sachen Zeitlupeneinsatz, wieder und wieder zu kopieren, wobei schon „Spartacus“ sich deutlich bei „Gladiator“ und „300“ bediente. Auch der für die Second-Unit-Regie verantwortliche B-Maestro Isaac Florentine („Ninja – Pfad der Rache“) und die Kampfchoreographen Guillermo Grispo („Riddick – Überleben ist seine Rache“) und Borislav Iliev („Enemies Closer“), die schon früher als Stuntleute für Florentine arbeiteten, können dem Film kaum einen eigenen Stempel aufdrücken: Kurz blitzt der Florentine-typische Wechsel von Slow- und Fast-Motion durch, ansonsten ist das mal bessere (Gladiatoren-Qualifying, Amphitryon vs. Herkules), mal schlechtere Pflichterfüllung (Herkules gegen sechs Gladiatoren, Scharmützel im Dorf). Eines ist jedoch auffällig: Die Actionszenen sind enttäuschend kurz, trotz behaupteter Riesenheere und Gladiatorenerfolge (gerade von letzterem wird fast nur gesprochen, selten etwas gezeigt), nur selten einfallsreich und wenn, dann leider nicht immer im guten Sinne: Wenn Herkules zwei an Ketten befestigte Steine gegen seine Widersacher schwingt, die aussehen wie CGI-animiertes Styropor, dann ist das weder dynamisch noch hat das wenigstens Trashcharme.

The Legend of Hercules

Die mal mehr, mal weniger geliebte Verwandtschaft: Amphitryon (Scott Adkins), Alkmene (Roxanne McKee) und Iphikles (Liam Garrigan)

Sowieso: Das CGI. Das Budget von rund 70 Millionen Dollar sieht man dem Film kaum an, das CGI ist auf dem gehobenen Fernsehniveau von eben „Spartacus“ und Co., manche Effekte sind eher mau (der Löwe, die erwähnten Steine), doch was viel wichtiger ist: Hier schient keiner der Beteiligten jemals groß versucht zu haben so etwas wie Flair aufzubauen, den Zuschauer in eine mythische Welt zu entführen. Stattdessen ist „The Legend of Hercules“ eine sterile Kopie der Vorbilder, teilweise sogar enttäuschend schlurig gemacht: Während Scott Adkins im Vergleich zur Auftaktszene später tatsächlich wie ein gealterter König aufgrund von Bartwuchs und grauem Haar aussieht, da vergisst das Make-Up-Department Roxanne McKee nach dem Epilog auch nur einen Tag älter aussehen zu lassen.

Vielleicht lag es ja auch am Drehbuch, dass hier schon beim Dreh allgemeine Verweigerungshaltung an den Tag gelegt wurde. Geschrieben von Daniel Giat, der nur die TV-Filme „Path to War“ und „Begrabt mein Herz am Wounded Knee“ auf dem Kerbholz hat, und Sean Hood, auf dessen Drehbuchkonto schon diverse saure Gurken wie „Cube 2“, „Halloween 8“ und das „Conan“-Remake gehen, ist „The Legend of Hercules“ eine traurige Aneinanderreihung von Szenen, die nie so richtig in einen Fluss kommen, die holzschnittartig aneinandergepappt sind und überhaupt keinen Effekt haben: Wenn ein Charakter seine ermordete Frau findet, die man vorher nie zu Gesicht bekam, dann wirkt das null dramatisch und erscheint lediglich als das Drehbuchteilchen, das Herkules‘ Revolte kurzzeitig erschweren soll, das es auch ist.

Eigentlich war die Rückkehr Renny Harlins in höhere Budgetregionen grundsätzlich ein Anlass zur Freude, von der mit „Stirb langsam 2“ und „Cliffhanger“ erworbenen Action-Credibility ist kaum etwas zu merken, ebenso wie von Isaac Florentines Talent bei der Second-Unit-Regie. Stattdessen wirkt „The Legend of Hercules“ wie ein pflichtschuldig heruntergefilmtes Derivat der „Spartacus“-Serie (und ist es vermutlich auch), dessen Actionszenen nur selten Biss haben, dessen Drehbuch nie zu packen weiß und dessen Darsteller bis auf den recht charismatischen Scott Adkins durchweg blass sind.

„The Legend of Hercules“ startet am 1. Mai 2014 in den deutschen Kinos. In den USA ist er bereits auf DVD und Blu-Ray erschienen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid/Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 1.5.2014 in den deutschen Kinos

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