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Rising Hawk

Originaltitel: The Rising Hawk__Herstellungsland: USA/Ukraine__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: John Wynn, Akhtem Seitablaev__Darsteller: Robert Patrick, Tommy Flanagan, Alison Doody, Poppy Drayton, Alex MacNicoll, Rocky Myers, Oliver Trevena, Alina Kovalenko, Oleg Karpenko, Tserenbold Tsegmid, Oleh Voloschenko u.a.
Rising Hawk

Action-Abenteuer mit Robert Patrick und Tommy Flanagan: “Rising Hawk”

Action-Abenteuer vor historischem Hintergrund sind in Hollywood rar geworden, weshalb inzwischen die Europäer immer mal wieder im Alleingang oder als US-Co-Produktion in dieser Lücke reüssieren: Hierzulande startete die Netflix-Serie „Barbaren“, aus Großbritannien kamen „Centurion“, „Ironclad“ und dessen Sequel und mit „Rising Hawk“ kommt die Ukraine zum Zug. Die Regie bei dieser US-ukrainischen Co-Produktion teilen sich der Amerikaner John Wynn („Screwed“) und der Ukrainer Akhtem Seitablaev („Last Resistance – Im russischen Kreuzfeuer“), während das Ganze in der Ukraine gedreht wurde und auf einen Roman des ortsansässigen Schriftstellers Ivan Franko zurückgeht.

Man schreibt das 13. Jahrhundert, die Mongolen stehen auf der Matte, doch die einzelnen Clans der Hochländer in den Karpaten sind zerstritten. Vor allem deshalb, weil sich Tugar Vovk (Tommy Flanagan) zum Herrscher über die Lande erklärt hat, was Zakhar Berkut (Robert Patrick) und die Seinen nicht so ganz einsehen. Getreu den Regeln des Genres sind Zakhar, seine Frau Rada (Alison Doody) und seine Söhne Maksim (Alex MacNicoll) und Ivan (Rocky Myers) freiheitsliebende, edle Farmer und Jäger, aber natürlich auch mit Weisheit gesegnet. Also ordnet Zakhar an, dass seine Sprösslinge mit Tugar jagen und ihn zur Kooperation bewegen wollen, weil das Familienoberhaupt die Gefahr durch die anrückenden Horden unter der Führung von Burunda Khan (Tserenbold Tsegmid) schon erkennt.

Bei der Jagd rettet Maksim auch Tugars Tochter Myroslava (Poppy Drayton) vor einem angreifenden Bären, der zwar aufgrund der Produktionsumstände aus dem Rechenknecht kommen muss, aber gemessen daran sogar recht gut aussieht. Sowieso sind die wenigen CGI-Effekte für eine gerade einmal 5 Millionen Dollar teure Produktion nicht zu verachten, auch wenn mancher digitale Panorama-Shot der Landschaft dann doch etwas künstlich aussieht. Jedenfalls sichert die Aktion nicht nur die Unterstützung Tugars, sondern lässt auch die Funken zwischen Myroslava und Maksim fliegen. Doch die Liebschaft muss natürlich geheim gehalten werden, da die Tochters des Clanchefs sein Augenstern ist.

Schon bald fallen die Mongolen ein und über Zakhars Dorf her, als er und die Söhne gerade fort sind, wobei Rada und diverse Dorfbewohner als gefangengenommen werden. Maksim und Ivan führen eine Rettungsaktion an und sind erfolgreich, doch bei der Gefangenenbefreiung killt Maksim den Sohn des Khan, worauf der Herr Papa nun umso emsiger Rache schwört…

Rising Hawk

Clanchef Zakhar Berkut (Robert Patrick) ist die Titelfigur des zugrundeliegenden Romans

Die inhaltlichen und ästhetischen Vorbilder dieses History-Actiondramas sind unschwer zu erkennen, darunter „Gladiator“, „Braveheart“ und „Der 13te Krieger“. Vor allem zu Letzterem werden Assoziationen geweckt, da es auch hier eher um kleine Kampftrupps und Schwertkampfaction geht, weniger um das große Epos – was vielleicht auch an Produktionsbedingungen liegen könnte. Denn für riesige Schlachten mit hunderten von Statisten war keine Knete da. Vielleicht hätte sich „Rising Hawk“ dann auch lauflängentechnisch besser an McTiernans Film orientiert, denn 90 bis 100 Minuten hätten dem Film sicher besser zu Gesicht gestanden als die etwas mehr als zwei Stunden, die er im Endeffekt geht. So zieht sich die erste Hälfte merklich, welche zwar die Charaktere und die Grundsituation vorstellt, beides aber nicht tiefgreifend genug ausarbeitet, um den Zeitaufwand zu rechtfertigen. Vieles ist hier Klischee, von den einfachen, aber gutherzigen Freiheitskämpfern über die Frauen und Kinder meuchelnden Angreifer mit den vernarbten Schurkenfressen bis hin zu der Liebe, die im „Romeo und Julia“-Stil eigentlich nicht sein darf.

Immerhin wird die Heldentruppe mit markigen Nebenfiguren eingeführt, der neben der Berkut-Familie unter anderem ein taubstummer Schmied und ein vorlauter befreiter Gefangener, der sich den Karpaten-Jungs anschließt, angehören. In Hälfte zwei krachen die Klingen dann richtig, nachdem es zuvor nur ein paar Scharmützel gab, wobei Wynn und Seitablaev trotz ihrer stereotypen Figuren hin und wieder starke Momente abseits der Action gelingen. Der Abschied eines vergifteten, sterbenden Kriegers von seiner Familie hat überraschende emotionale Wucht und das, obwohl der Film sonst wenig über diese Figur zu erzählen hatte. Nicht jedes Heldenopfer hat diesen Impact; dabei ist „Rising Hawk“ überraschend deftig im Umgang mit seiner Protagonistenschar, denn das Filmende erlebt nur ein Bruchteil davon. Hätte „Rising Hawk“ diese Figuren teilweise noch besser vertieft, dann wäre bei dem handelsüblichen Dezimierungskampf vielleicht sogar das anvisierte Epos draus geworden. So ist es dann doch eher Stangenware mit den üblichen Plottwists, die unter anderem Verrat durch einen Verbündeten und die obligatorische Kriegslist, mit der man eine Übermacht besiegt, umfassen.

Rising Hawk

Sprechen die Klingen, dann fließt auch Blut

Zu den Stärken des Films zählt sicherlich die Action, die angemessen ruppig und roh daherkommt. Man beharkt sich mit Pfeilen, Äxten und Schwertern, wobei es weniger um tänzerische Eleganz als um das nackte Überleben geht. Die Kämpfe in „Rising Hawk“ sind kein graziles Fechten, sondern ein dreckiger Überlebenskampf, in dem man auch Kopfstöße und Knietritte einsetzt, um den Gegner kaltzumachen. Gelegentlich verliert die Regie ein wenig die Übersicht, aber als historische Hack-and-Slay hat „Rising Hawk“ schon seine Meriten, inklusive eines netten Finalfights auf einem Felsblock inmitten reißender Fluten.

Die US-Stars der B-Klasse sind dann vermutlich in erster Linie für bessere Vermarktung und einfachere Finanzierung an Bord, doch das Casting zahlt sich auch darstellerisch aus. Gerade Robert Patrick („Faculty“) kann als Clanchef sein ganzes Charisma in die Waagschale werfen und ist das schauspielerische Highlight neben Tommy Flanagan, mit dem zusammen er auch schon in „Sons of Anarchy“ spielte. Während die beiden als Oberhäupter unterschiedlicher Couleur auftreten, ist die jüngere Generation, vertreten durch Alex MacNicoll („Last Rampage“), Rocky Myers („Cyborg X“) und Poppy Drayton („The Shannara Chronicles“) eher im Okay-Bereich, derweil Alison Doody („Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“) nie so recht im Film ankommt. Sonst besteht der Cast größtenteils aus einheimischen, international unbekannten Darstellern, die Brauchbares, aber nichts Herausragendes liefern – nur Tserenbold Tsegmid („In der Ferne zu Hause“) kann als Oberschurke noch ein paar Akzente setzen.

So bleibt okaye Historien-Action, die vor allem von Patrick und Flanagan sowie den rohen, wenn auch manchmal etwas unübersichtlichen Kampfszenen profitiert. Das kann allerdings nur teilweise verbergen, dass „Rising Hawk“ mit einer Laufzeit von rund zwei Stunden etwas zu lang bemessen ist und sowohl Charaktere als auch Handlungsverlauf ziemlich 08/15 sind – die großen Vorbilder dieser US-ukrainischen Co-Produktion müssen da keine Konkurrenz fürchten.

Hierzulande hat Capelight „Rising Hawk“ auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. In Sachen Bonusmaterial gibt es Trailer und Making Ofs.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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