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Stowaway

Originaltitel: Stowaway__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2022__Regie: Declan Whitebloom__Darsteller: Ruby Rose, Frank Grillo, Patrick Schwarzenegger, Luis Da Silva Jr., Major Dodge, Emma Maddock, James Di Giacomo, Danny Bohnen, Scotty Bohnen u.a.
Stowaway - The Yacht mit Ruby Rose und Frank Grillo DVD Cover

Frank Grillo und Ruby Rose geben sich ein Stelldichein in “Stowaway”, der in unseren Breiten den wenig sexy klingenden Titel “The Yacht” tragen wird. Copyright: Altitude

Bella staunt nicht schlecht, als sie von einem Typen namens Meeser angerufen wird, der ihr verkündet, dass ihr Vater verstorben sei und ihr eine gewaltige Yacht hinterlassen habe. Neugierig vereinbart sie mit Meeser ein Treffen. Der entpuppt sich als alter Kriegskamerad ihres Vaters und erklärt ihr, dass ihr Vater sie immer geliebt habe und ihr nach seinem Ableben etwas Gutes tun wollte. Das mit dem Liebhaben kann Bella nur schwer glauben, war ihr Verhältnis zu ihrem Vater doch mehr als zerrüttet.

Doch die Yacht verspricht ein neues Leben für Bella. Da sie chronische Angst vor tiefen Gewässern hat, plant sie, das Boot zu verkaufen und es sich hernach gut gehen zu lassen. Da die Formalien erst am nächsten Tag erledigt werden können, beschließt Bella, ihr Erbe zu feiern. Sie lacht sich einen sexy jungen Mann an und verführt ihn auf ihrem neuen Besitztum.

In den frühen Morgenstunden wird Bella von Geräuschen geweckt. Sie geht dem auf den Grund und beobachtet drei vermummte Gestalten, die an Bord ihres Bootes etwas zu suchen scheinen. Schnell bemerkt sie, dass ihr Vater und die Kerle eine gemeinsame Vergangenheit zu haben scheinen. Doch was soll sie den Räubern entgegensetzen?

Schaut in den Actionthriller mit Ruby Rose und Frank Grillo hinein

Ruby Rose laviert seit einem eigentlich guten Start („Orange is the New Black“, „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ und „John Wick 2“ seien genannt) gefühlt ziemlich ziellos durch das Filmbusiness. Kernschrott wie „Vanquish“ stehen gerade mal solide Streifen wie „The Doorman“ oder okaye Filme wie „SAS: Red Notice“ gegenüber. Ihr lustloser „Batwoman“-Serieneinsatz dürfte ihr auch noch einige Zeit nachhängen. Und mit „Stowaway“ gelingt Ruby schonmal keine Kurskorrektur.

Denn „Stowaway“ ist ein wahrlich stinklangweiliger Actionthriller geworden, dessen Story ausschließlich aus x-beliebig zusammengeschütteten Klischees besteht. Selbst die Versuche des Drehbuchs, Überraschungen zu lancieren, kann man einfach nur kehlig lachend als peinliche Nullnummern abfeiern. Einfach weil sich jedwede Überraschung meilenweit am Horizont abzeichnet. Zudem hat die Logik in dem Film immer wieder unangenehm lange Pausen und fragt man sich infolgedessen häufiger, wie sämtliche handelnden Personen überhaupt bis zum Anfang der hier gezeichneten Ereignisse überleben konnten.

Ruby Rose in Stowaway aka The Yacht

Ruby Rose muss in “Stowaway” leiden.

Highlight ist ganz sicher eine Szene um den Besuch der Küstenwache an Bord von Bellas Yacht. Zum einen rückt die Küstenwache hier mit einer Nussschale an, in der drei Männer mit Taschenlampen herumfuchteln, weil die Produktion kein Geld für einen Scheinwerfer hatte. Dann durchsuchen die Männer das Boot und die sich selbst eingesperrt habende Bella denkt nicht einmal im Traum daran, irgendwelche Geräusche zu machen und auf sich aufmerksam zu machen. Man bedenke: Sie selbst hat die Küstenwache um Hilfe angerufen und sie bemerkt deren Ankunft! Eine strunzdumme Szene – nur eine von vielen.

Schön auch, dass die britische DVD von „High Octane Action“ fabuliert. Es dauert ganze 65 Minuten, bis Bella physisch mit einem der Lumpen aneinandergerät. Da langt sie plötzlich hin, als habe nicht ihr Vater sondern sie gedient. Warum sie kann, was sie kann, mögen auch Flashbacks in ihre Kindheit nicht verraten. In diesen sieht im Übrigen die eingesetzte Schauspielerin Ruby Rose nicht für einen Cent ähnlich, weshalb man sich auch lange schwer tut, die Flashbacks mit der Handlung überein zu bringen.

Stowaway mit Frank Grillo und Ruby Rose

Frank Grillo übergibt Ruby Rose ihre neue Yacht.

Wer dachte, dass Bella nun vielleicht endlich in den God Mode schaltet und auch die restlichen zwei Lumpen killt, der irrt. Wieder versteckt sich Bella nur und flieht irgendwann mit einem aufblasbaren Gummiboot von der Yacht. Blöderweise geht dem Bötchen direkt nach zwei Metern das Benzin aus – Sprit ist teuer in diesen Tagen! Und schwupps, ist sie wieder auf der Yacht und der Zuschauer weiß: „Stowaway“ hat alle Chancen verpasst, irgendwie durchzustarten. Und wirklich: Eilig wird nun der Superlump auf die Yacht verfrachtet. Der reicht alle bereits erratenen Motive nach und es folgt der toppenöde Showdown mit „fetter“ CGI-Explosion aus dem Amiga.

Ruby Rose, so fair muss man sein, spielt deutlich besser als etwa in „Vanquish“, bekommt vom Drehbuch aber eine wirklich reichlich öde und nichtssagende Figur an die Backe geklebt. Eine Figur, die sich den ganzen Film über nur versteckt und diese Passivität viel zu lange nicht ablegt. Warum sie sich andauernd versteckt, man weiß es nicht. Denn die Bösewichter bleiben immer brav in einem Raum und schauen irgendeinem Programm zu, wie es einen Code entschlüsselt.

Ruby Rose in The Yacht

Ruby Rose nach Hause telefonieren…

Die Darsteller der Übelwichte entwickeln so freilich keinerlei Bedrohlichkeit. Zumal ja auch nichts zum Killen oder Bedrohen da ist. Patrick Schwarzenegger („Midnight Sun“) flieht nach einem Schäferstündchen mit Bella einfach aus dem Film und irgendein Security-Guy ist nicht wirklich interessant genug, um für ihn Empathie zu entwickeln. Und Frank Grillo („Beyond Skyline“)? Der hat eine Art Bruce-Willis-Part abbekommen. Spielt nur eine kleine Rolle und seilt sich Ewigkeiten aus seinem eigenen Film ab. In seinen wenigen verbliebenen Szenen kann er weder Profil noch einen glaubwürdigen Charakter erschaffen.

In technischer Hinsicht ist „Stowaway“ ganz ordentlich in Szene gesetzt. Der Film schafft es tatsächlich, dass man trotz des beengten Schauplatzes nie das Gefühl hat, dass man nur zwei oder drei Räumlichkeiten zu sehen bekommt. Was man auch deshalb hoch anrechnen muss, weil der Film null aufs Umfeld der Yacht setzt. Es wird also nicht im Wasser geschwommen, unterm Boot lang getaucht oder ähnliches. Letzten Endes karrte man selbiges nur auf den Ozean, um Bella zu isolieren. Was ebenfalls ganz nett geraten ist, ist der elektronische Score, der tatsächlich einen besseren Film verdient hätte.

„Stowaway“ säuft einfach nur ab

Eine blinde Passagierin, die sich den ganzen Film über versteckt, und Lumpen, die sie eigentlich nie suchen. Das ist in „Stowaway“ etwa 90 Minuten lang genauso spannend, wie es klingt. Regisseur Declan Whitebloom, der hiermit sein Langfilmdebüt gibt und bisher nur Musikvideos gedreht hat, bekommt seinen Film nie wirksam angeschoben. Selbigem fehlte aber bereits vonseiten des Drehbuchs alles, was ihn hätte gut machen können: Eine zupackende Heldin, echte Fieswichte, Tonnen dieser Fieswichte, Spannungsmomente, geile Action und vor allem eine wirklich gute Handlung mit einem ordentlichen Pacing. So bleibt kaum mehr als ein echter Langweiler.

2 von 10

Für Deutschland ist für den 18. November 2022 eine Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray von Leonine vorgesehen. Der Film kommt mit dem Titel „The Yacht“ und wird voraussichtlich eine FSK 16 vor sich hertragen. Das Review basiert auf der in Großbritannien erschienenen DVD von dem Label Altitude. Freigegeben ab 15 ist der wenig blutige Actionthriller ungeschnitten und hat neben Trailern keinerlei Extras zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: LEONINE__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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