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Stratton

Originaltitel: Stratton__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Simon West__Darsteller: Dominic Cooper, Tom Felton, Connie Nielsen, Gemma Chan, Tyler Hoechlin, Thomas Kretschmann, Derek Jacobi, Austin Stowell, Igal Naor, Cristian Lazar u.a.
Stratton DVD Cover

Simon West schickt die Romanfigur “Stratton” auf ihren ersten Leinwandeinsatz.

Simon West verkündet im Bonusmaterial von „Stratton“, dass er schon länger auf der Suche nach einem britischen Helden neben James Bond war. Allerdings sollte dieser Held ein wenig geerdeter daherkommen, rauer und direkter. Ohne die Girls und den Martini. Irgendwann stolperte er über eine Buchreihe, die ihm aufzeigte, dass es da zumindest literarisch gesehen einen solchen Helden bereits gab…

„Stratton“ hieß die nach ihrem Helden benannte Romanserie von Duncan Falconer, die die Abenteuer des britischen SBS-Agenten (Secret Boat Service, sozusagen die Navy Seals der britischen Royal Navy) schildert. Und genau dieser Figur nahm sich Simon West („The Expendables 2“) mit seinem neuen Actionthriller an und stürzt sie direkt in den ersten Minuten in eine ziemlich aus dem Ruder laufende Geheimmission, bei der im Irak Massenvernichtungswaffen sichergestellt werden sollen.

In dem allgemeinen Chaos segnet Strattons Partner und enger Freund Marty, ein amerikanischer Navy Seal, der mit dem SBS schon bei diversen Einsätzen kooperierte, das Zeitliche. Stratton hat diesen Schock noch gar nicht richtig verdaut, da wird klar, dass die Mörder von Marty bei dem verhunzten Einsatz eine extrem gefährliche Biowaffe namens Satan’s Snow gestohlen haben.

Der MI6 findet schnell heraus, dass ein eigentlich totgeglaubter russischer Geheimagent des FSB, Grigory Barovsky, dahintersteckt und offensichtlich einen Anschlag auf Russland plant, um sich für einen herben Verrat in der Vergangenheit zu revanchieren. Stratton, Agenten des SBS und des MI6 sowie ein neu zum Team stoßender Navy Seal setzen nun alles daran, Barovskys Pläne zu durchkreuzen. Die entpuppen sich als weitaus perfider, als zunächst angenommen!

Schaut in den Actionthriller „Stratton“ rein

Simon West verschafft der Romanfigur „Stratton“ einen zeitgemäßen, höchst soliden Einstand in der Filmwelt, der seine altbekannte Story mit hohem Tempo durchzieht und die hinlänglich bekannten Versatzstücke des Genres (etwa die Maulwurfsjagd in den eigenen Reihen, die Reibereien zwischen dem Helden und dem Ersatz für dessen besten Kumpel,…) souverän abhakt und gegen Ende mit ein paar kleineren Story-Schlenkern hinsichtlich der Ziele des Oberbösewichtes anreichert.

Das verfeinert der Actionregisseur West mit insgesamt vier größeren Actionscharmützeln, die er zudem an internationalen Schauplätzen steigen lässt. Actionszene Nummer eins bietet dabei einen soliden Shootout, der in eine nett gemachte Autoverfolgungsjagd mündet und einen ordentlichen Bodycount generiert. Actionszene Nummer 2 bietet einen ähnlichen Ablauf (Shootout wird zur Verfolgungsjagd), mutet aber durch die engen Straßen des italienischen Schauplatzes durchaus ein wenig spektakulärer an.

Stratton Dominic Cooper in Action

John Stratton macht auch auf dem Wasser gerne Action.

Im Mittelpunkt von Actionszene Nummer 3 steht eine Bootsverfolgungsjagd und im großen Showdown konzentriert sich alles auf einen dahin rasenden Bus und einen fetten Schlussstunt. Die Action ist dabei absolut souverän in Szene gesetzt. Zwar könnte sie in jedem Fall immer noch ein wenig aufwändiger sein, aber im Großen und Ganzen macht sie schon Laune. Zumal West bei seiner bodenständig wirkenden und auf Realismus bedachten Inszenierung weitgehend auf Effekte aus dem Rechenknecht verzichtet. Einzig bei zwei Explosionen griff man leider auf blöde digitale Raucheffekte zurück.

Die deutsche Freigabe ab 12, die dem von West propagierten Ansatz vom raueren Spezialagenten irgendwie zu widersprechen scheint, erscheint im Übrigen angesichts platzender Bloodpacks (CGI-Blut hat bis auf eine Szene komplett Pause!) und teilweise ziemlich unvermittelter Kopfschüsse aus nächster Nähe als durchaus fragwürdig.

Stratton Gemma Chan

Gemma Chan macht als Analystin eine gute Figur. Jawohl!

Auch abseits der dynamisch in Szene gesetzten Action ist Wests Inszenierungsstil angenehm flott, setzt auf kräftige Farben und profitiert von einem offensichtlich üppigeren Budget, das den geneigten Zuschauer vor Hinterhofsettings und tristen Farbwelten bewahrt. Leider findet Soundtrackschöpfer Nathaniel Mechaly kein wirklich griffiges Thema für den neuen britischen Helden.

Der wird von Dominic Cooper („Need for Speed“) überzeugend mit Leben erfüllt. Zwar leidet Cooper ein wenig darunter, dass West und das Drehbuch von Warren Davis und „Stratton“-Erfinder Duncan Falconer erstaunlich wenig über ihren Helden zu erzählen haben, zumindest aber den kämpferischen, vorwärtsdrängenden Agenten nimmt man dem Mimen definitiv ab.

Stratton Cooper Hoechlin

Stratton versucht seinen Kumpel Marty zu retten…

Flankiert wird Cooper von ordentlich aufspielenden Co-Stars wie Connie Nielsen („Wonder Woman“), Tom Felton („Apparition“), Derek Jacobi („Gladiator“) und der „Humans“-Entdeckung Gemma Chan („Transformers: The Last Knight“). Eine hervorragende Figur macht zudem Austin Stowell („Bridge of Spies“) als neu zum Stratton-Team stoßender Navy Seal Hank, der mit Cooper eine prächtige Chemie hat! Eine echte Schau allerdings ist Thomas Kretschmann („Central Intelligence“) als Bösewicht. Endlich darf ein Fieswicht mal wieder fies sein, diverse Menschen killen, einen hinterhältigen Plan entwickeln und mit einer wahrlich unangenehm beunruhigenden Coolness agieren. Einfach Klasse.

Und obwohl man einen stark aufgelegten Bösewicht hat, der finsterste Vergeltungspläne schmiedet und obendrein des Helden besten Freund gekillt hat, will das Duell zwischen ihm und dem SBS-Agenten Stratton nie so richtig mitreißen. Vielleicht ist es Simon Wests grundlegendem realistischen Ansatz geschuldet, dass sein Actionthriller immer ein wenig zu nüchtern und kalt wirkt und irgendwie kaum Emotionen zuzulassen scheint. Vielleicht ist dieser Umstand aber auch schon in den Romanen begründet. Problematisch ist in jedem Fall, dass darunter die Spannung enorm leidet. Und dass man als Zuschauer immer ein wenig außen vor bleibt und nie wirklich in die Welt Strattons einzutauchen vermag. So kann man dem kleinen Bruder von Bond eigentlich nur wünschen, dass er noch weitere Filmabenteuer erleben darf, um dabei ein deutlicheres Profil entwickeln zu können. Der Bedarf für einen neuen Actionhelden ist jedenfalls immer da.

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 28. Juli 2017 von Universum Film und Square One und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Diverse Interviews zum Film und eine Featurette erlauben ein paar Blicke hinter die Kulissen der englischen Produktion.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film / Square One__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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