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the Acquirer: Lucien

Originaltitel: the Acquirer: Lucien__ Herstellungsland: USA_ Erscheinungsjahr: 2008__ Regie: Matt Schulze__ Darsteller: Matt Schulze, May Anderson, Tom Sizemore, Nathan Anderson, Sebastian Knorr, Asaf Gabay, Mohammad El Achi, Hugo Bariller, …
the Acquirer

Ein Promo-Motiv von “the Acquirer”.

Ursprünglich verfolgte das Multi-Media-Entertainment-Unternehmen “Briggs Digital Media” in Gestalt des Projekts “the Acquirer” (2008) die ambitionierte Absicht, eine wegweisende, ausschließlich fürs Internet produzierte Serie zu realisieren, die mit Hilfe der Einbindung und Nutzung der sich bietenden Möglichkeiten moderner Technologien neue Geschäftsfelder auf dem betreffenden Unterhaltungs-Sektor “ausloten” sollte. Nicht bloß kurze Webisodes waren angedacht, sondern vollwertige Episoden – mit je knapp 45 Minuten Laufzeit, namhaften Beteiligten sowie einem Budget, das eine achtbare Umsetzung an ausgesuchten internationalen Locations zulassen würde. Ihren Platz erhielt die Veröffentlichung auf der firmeneigenen Online-Plattform “Cinsay.com” – wobei die Verantwortlichen neben einzelnen Social Networking Features (wie etwa eine Webcam-Chat-Funktion zum Ansehen der Videos gemeinsam mit anderen Usern) eine ganz spezielle Form von Interaktivität anstrebten, durch welche sie sowohl ihre Finanzierung sichern als auch den Interessierten einen übers “passive Konsumieren” hinaus reichenden Mehrwert bieten wollten: Zum Beispiel per Öffnen eines Links zur Ferrari-Website, wenn man auf das Logo eines zu sehenden Fahrzeugs jener Marke clickt – ebenso wie (entsprechend) zum Hersteller einer markanten Lederjacke oder zu einer Info-Seite über die beteiligten Akteure, während der Stream in der Zwischenzeit “pausiert”. So zumindest der Plan…

Am 21. März 2008 feierte die erste Folge, welche den Titel “Lucien” trägt sowie von ihrem Hauptdarsteller Matt Schulze verfasst und in Szene gesetzt wurde, schließlich ihre (von gewissen technischen Problemen geplagte) Premiere. Weitere sollten in jeweils zweimonatigen Abständen “nachgelegt” werden – wozu es letztlich jedoch nicht mehr kam, da das Projekt wenig später kurzerhand (ohne einer offiziellen Angabe von Gründen) eingestellt wurde. Ob man sich zu diesem Schritt auf Basis der Kosten, des Aufwands, einem Mangel an Zuspruch, der Qualität des fertigen Produkts und/oder irgendwelcher sonstiger Faktoren entschlossen hat, vermag ich nicht genau zu sagen – allerdings bin ich davon überzeugt, dass in irgendeiner Weise eine Kombination all dieser Punkte dafür entscheidend war. Auf der Story-Ebene werden dem Zuschauer jedenfalls Ansätze verschiedener Plot-Stränge serviert, die erst im Rahmen der fortschreitenden Serie eine Konkretisierung erfahren hätten und von daher (in der vorliegenden Form) nicht allzu viel hergeben – an sich zugleich aber auch weder sonderlich reizvoll noch aufregend wirken, weshalb es einem im Prinzip “egal” verbleibt, wie es mit den eingeführten Personen und Handlungsfäden wohl vorangegangen wäre…

Bereits früh musste sich Lucien Hayes (Schulze) – seines Zeichens Sohn eines verschwundenen CIA-Agenten, dessen Mutter obendrein auch noch den Freitod als ihren “finalen Ausweg” wählte – allein auf der Welt zurechtfinden. Diesen Umständen geschuldet, hatte er sich im Laufe der Jahre u.a. zu einem knallharten Typen und Meisterdieb “entwickelt” – Knast-Aufenthalte inklusive. Zusammen mit seiner Freundin (May Andersen) hält er sich momentan gerade in Paris auf, wo er für einen Mittelsmann (Tom Sizemore) unterschiedliche Aufträge (á la das Stehlen von Edelsteinen) ausführt. Es ist jedoch so, dass alle drei inzwischen mit dem Gedanken spielen, aus diesem gefährlichen Geschäft auszusteigen, um endlich mal wieder ein “normales Leben” führen zu können. Bevor dieser Schritt in Angriff genommen werden kann, gilt es aber noch, Diverses zu erledigen – wie einen krönenden Coup zu landen sowie einige lose Enden zu verschnüren…

“the Acquirer: Lucien” eröffnet gar nicht mal unansprechend: Aus der blendenden Sonne eines anbrechenden Morgens heraus rast ein Helikopter übers offene Meer hinweg, während unser Hauptprotagonist (Meilen entfernt) vor dem im Hintergrund zum Teil von Frühnebel verhüllten Eifelturm eine alt-ehrwürdige Seine-Brücke überschreitet sowie kurz darauf ein mit rauer Stimme vorgetragenes Voiceover einsetzt, welches angesichts seines als gritty zu charakterisierenden Klangs und Inhalts einen netten Kontrast zu den vorherigen “Hochglanz-Impressionen” rund um den erwähnten Hubschrauberflug erzeugt. Die sinnlose Existenz einer frei von Kontext eingefügten “Stock-Footage”-Explosion lässt einen dann aber doch schonmal prompt mit der Stirn runzeln – allerdings ist es ja noch früh im Verlauf, und soll sich ein solcher “Ausrutscher” im Folgenden auch nicht wiederholen. Dennoch bleibt der Einstieg mit das Beste an diesem Werk – denn rasch entpuppt sich die ganze Angelegenheit als “zäh”; was zunehmend mit immer intensiver werdender Langeweile einhergeht…

Die gesamte Produktion mutet erstaunlich “unausgegoren” an: Ein in Anbetracht des zugrunde liegenden Drehbuchs erweckter Eindruck – denn jenes reiht eine einfallslose Sequenz an die nächste und gesteht seinen Figuren zudem keine sonderlich reizvollen Eigenheiten zu. In diesem Zusammenhang ist auch die dargebotene Präsentationsweise zu erwähnen, die seitens ihrer kompletten Art (u.a. im Hinblick auf die gewählten Stilmittel) eine relativ “unebene Impression” erzeugt und mit Sicherheit von einer gezielten Überarbeitung und “Straffung” im Editing-Room ein gutes Stück weit profitiert hätte. Einige Szenen, wie etwa Lucian und seine Lebensgefährtin bei einem gemeinsamen Essen, laufen irgendwie einen Zacken zu lang ab – worüber hinaus ersterer regelmäßig dabei gezeigt wird, wie er trainiert, seinen Ferrari durch die Straßen der französischen Hauptstadt steuert oder sich zu Fuß durch eben jene Metropole bewegt, was auf Dauer öde (weil repetitiv) anmutet. Gar schlimmer noch ist allerdings die gleichermaßen aufdringliche wie unentwegt triviale Erklärungen und gestelzte “Pseudo-Weisheiten” von sich gebende Erzählstimme aus dem Off…

Schulze´s mangelnde Erfahrung als Autor spiegelt sich in angrenzend allen Bereichen seines Skripts wieder: Von den ausdrucksschwachen Dialogen über die schlicht gezeichneten Rollen bis hin zur generellen Oberflächlichkeit des Plots. Selbst unabhängig dessen, dass einiges vermutlich in späteren Folgen “vertieft” worden wäre, können nicht einmal die abgeschlossenen “Jobs” in dieser hier überzeugen, bei denen es (bspw.) um Juwelen des letzten russischen Zaren sowie um eine Liste mit Namen von Banken geht, die im 2.Weltkrieg mit den Nazis kollaborierten. Nie kommt eine vernünftige “Connection” zum Zuschauer zustande – was mit daran liegt, dass ausgerechnet Lucian eine ziemlich unsympathische Person ist: Matt Schulze (“Blade 2“) verkörpert ihn, dessen Lieblingsfarbe schwarz zu sein scheint und der durchaus mal Whiskey direkt aus der Flasche konsumiert, seinem Tough-Guy-Image entsprechend – und obgleich er seine Freundin liebt und schützt, ändert das nichts an der Tatsache, dass er wenig mehr als ein ungeselliger Krimineller ist. Noch “farb- und konturloser” agiert derweil das dänische Model May Andersen als seine sich nach einem sorgloseren Leben sehende Screen-Partnerin – während Tom Sizemore (“the Relic“) mal wieder seine “gewohnte Routine” an den Tag legt…

Inszenatorisch sieht es ähnlich mau aus: Neben einer Menge uninspirierter Bildüberblendungen und unnützer Zeitlupen-Einstellungen fällt besonders eine Dusch-Strip-Sex-Ereigniskette ins Auge, bei der die “wechselnde” (sprich: unterschiedliche) Kleidung der Frau keinen rechten Sinn ergibt – ebenso wie ein unglaublich lahmer Diebstahl und mäßig choreographierter Fight, bei dem der spätere Zustand der Wohnung durchaus die eine oder andere Frage aufwirft (etwa hinsichtlich des Verbleibs zweier Körper oder etwaiger Kampfspuren, die eigentlich hinterlassen wurden). Immerhin vermitteln einzelne der in High Definition eingefangenen Pariser Locations einen gewissen “Flair” – wobei als weitere Drehorte ursprünglich mal San Francisco und Rom angedacht waren. Abgesehen davon passiert jedoch weder allzu viel noch ist das Gezeigte unbedingt der Rede wert. Am Ende wird der Zuschauer übrigens in Gestalt eines “Cliffhangers” zurückgelassen, der an den Einstieg (Stichwort: Helikopter) anschließt, Lucien´s “Herzdame” in Not zeigt sowie das Vorhaben einer Terrorgruppe offenbart, mit Hilfe zweier Privatjets nahe Chicago Anschläge auf US-Atomkraftwerke begehen zu wollen: Klingt einigermaßen okay – ist inzwischen aber ja ohnehin nicht mehr von Relevanz…

Fazit:  Bei “the Acquirer: Lucien” handelt es sich um die Pilot-Episode einer Web-Serie, die im Folgenden nie fortgeführt wurde – was angesichts ihrer zu gleichen Teilen langweiligen wie uninteressanten Beschaffenheit auch niemanden ernsthaft verwundern sollte. Versprach die Werbung noch “breathless intensity and heartpounding action”, ist im fertigen Produkt davon nicht der Hauch einer Spur. Eindeutig ist Regisseur, Skriptautor und Hauptdarsteller Matt Schulze für die meisten der auszumachenden Schwächen und “Verfehlungen” verantwortlich: Sein Versuch, über das Bekleiden von Nebenrollen hinaus mal etwas Neues innerhalb der Branche anzugehen, lässt sich jedenfalls treffend mit den Worten kläglich gescheitert zusammenfassen…

“the Acquirer: Lucien” war längere Zeit auf der offiziellen Website Cinsay.com zu sehen. Inzwischen ist dem aber nicht mehr so. Aktuell (01/2020) ist mir nicht bekannt, wo das Werk noch verfügbar ist...

Stefan Seidlthe Acquirer

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the Acquirer

Copyright des “the Acquirer: Lucien” Promo-Postermotivs und der Pics: Briggs Digital Media / Cinsay__ Infos zur VÖ:__ DVD/BluRay: nein/nein (wurde bislang bloß mal im Internet veröffentlicht)

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