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The Bayou

Originaltitel: The Bayou__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Taneli Mustonen, Brad Watson__Darsteller: Athena Strates, Elisha Applebaum, Madalena Aragão, Isabelle Bonfrer, Sarah Priddy, David Newman, Tayla Kovacevic-Ebong, Andonis Anthony, Mohammed Mansaray u.a.
The Bayou DVD Cover

In „The Bayou“ heißt es Mensch versus Alligator.

Zu Beginn des Creature Features „The Bayou“ stürmt eine DEA-Einheit ein Drogenlabor. Einige Drogenköche versuchen panisch, alle Beweise verschwinden zu lassen. Infolgedessen gelangen einige gefährliche Chemikalien ins angrenzende Ökosystem. Die Chemikalien haben vor allem auf die hier lebenden Alligatoren großen Einfluss.

Ein animierter Vorspann zeigt uns, wie die Tiere sich verändern. Zeitungsberichte von brutalen Alligatorenattacken verdeutlichen, dass die Echsen nun nur noch gefährlicher geworden sind. All das ist Kyle und ihren Freunden egal. Die sind unterwegs, um die Asche von Kyles verstorbenem Bruder in den Florida Keys zu verstreuen. Nach einem kurzen Road Trip, bei dem diverse Konflikte innerhalb der Reisetruppe aufbrechen, steigt man in ein Flugzeug um.

Das machte samt Kapitän schon beim Start nicht unbedingt den vertrauenserweckendsten Eindruck. Und wirklich: Mitten im Flug fängt eine Turbine Feuer. Die andere folgt bald nach und die Maschine stürzt in den Louisiana Everglades ab. Und damit in genau der Sumpflandschaft, in der das Drogenlabor vom Einstieg steht und die mutierten Alligatoren beständig nach Fingerfood Ausschau halten.

Schaut in den Film hinein

Alligatoren auf Menschenjagd

Der druckvolle Zugriff der DEA auf das Drogenlabor zu Beginn von „The Bayou“ ist mal erfrischend anders im Genre. Die Versuche, die Beweise für das illegale Tun verschwinden zu lassen, wirken entsprechend nachvollziehbar. Warum die Materialien nun vor allem Alligatoren durchdrehen lassen, wird zwar nicht erklärt, ist aber auch nicht notwendig. Auch die kurzen Animationen und die Montage aus Berichten von Alligatorenangriffen funktionieren. Kommt hier etwa ein erfrischend frischer Genre-Beitrag auf uns zu?

Kaum werden jedoch die Figuren auch nur ansatzweise vorgestellt, sinkt man innerlich in sich zusammen. Denn hier mag sich der gelungene Einstieg nicht widerspiegeln. Im Gegenteil: Kyle und ihre Freunde sind einfach nur pure Horrorklischees. Allen voran Kyle selbst, die als Heldin so turbolangweilig daherkommt, dass einem bei allen öden und vorhersehbaren Informationsfetzen zu ihr sofort die Füße einschlafen.

Athena Strates in "The Bayou"

Athena Strates als langweilige Heldin an der Absturzstelle des Flugzeuges.

Auch sonst verlässt sich „The Bayou“ vor allem auf Klischees, um ansatzweise so etwas wie Spannung zu erzeugen. Ist man abgestürzt, funktioniert kein Handy mehr. Die Idioten im Team werden zu Vollidioten. In Gefahrensituationen stolpert man lang und breit oder verliert wichtige Gegenstände, die es in ach so spannenden Szenen wieder zu erlangen gilt. Dumme und irrationale Entscheidungen bestimmen die Szenerie und natürlich fallen Sätze wie: „Wer hat dich zur Chefin erklärt?“.

Es gibt sogar eine Szene an einer Tankstelle, in der unsere Helden vor den „Gefahren da draußen“ gewarnt werden. Spätestens hier ist man sich nicht mehr sicher, ob der Film eine Parodie oder ernst gemeint sein soll. So hoffnungsvoll „The Bayou“ begann, so belanglos und klischiert verläuft der Rest vom Film. Und wo andere Creature Features zumindest versuchen, ein paar interessante Figuren aufzubauen, versagt „The Bayou“ komplett.

Und dies, obschon der Film neben Kyle und ihren Freunden noch mehr Figuren in der Sumpflandschaft abwirft. Blöderweise sind dem Drehbuch diese Figuren aber noch egaler als die bereits etablierten. Weshalb es den Zuschauer auch nicht juckt, wenn diese nach und nach wegschnabuliert werden. Womit wir bei den schuppigen Hauptdarstellern wären.

Alligator in "The Bayou"

Einer der eigentlichen Hauptdarsteller von „The Bayou“.

Deren Umsetzung weiß nämlich tatsächlich zu gefallen. Gereicht wird ein Mix aus realen Aufnahmen, Modell-/Animatronic-Momenten und CGI-Effekten. Da keine der Sparten irgendwelche sonderlichen Problemstellen aufweist, funktioniert dieser Mix auch noch richtig gut. Leider macht „The Bayou“ daraus vor allem zu Beginn nicht viel. Die Angriffe der Echsen geraten zunächst wenig druckvoll. Es wird auch nicht sonderlich brutal. Zumeist werden die Opfer unter Wasser oder in Büsche gezerrt.

Gegen Ende dürfen die Alligatoren dann deutlich mehr aufdrehen. Da werden Köpfe abgebissen, Gliedmaßen abgerissen und Menschlein mit Wucht durch die Gegend geschleudert. Hier ist „The Bayou“ dann endlich bei sich und gelingen tatsächlich Szenen, die aus sich heraus spannend sind. Etwa wenn über schlafende Alligatoren gestiegen werden muss. Wenn dann allerdings ein Alligator unterm Dachfirst in luftigen Höhen herumkrabbelt, wird es auch mal im ansonsten gelungenen Abgang unfreiwillig komisch.

Die Helden des Alligatoren-Horros

Ei gugge a moal! Eine laufende Handtasche!

Wie die tierischen Hauptdarsteller ist auch der Film selbst wertig in Szene gesetzt. Und er weiß, was er kann und was nicht. Beispielsweise filmten die Macher den Absturz des Flugzeuges nur aus dem Inneren heraus. So sparte man sich Desasterbilder und eventuell schlechte CGIs. Schade ist, dass der Film seinen faszinierenden Schauplatz ziemlich verschenkt. Nur ein paar Drohnenbilder fangen mal dessen Schönheit ein. Ansonsten klebt „The Bayou“ zu sehr an seinen egalen Figuren, anstelle das Umfeld richtig zu zelebrieren. Schade.

Darstellerisch ist bei „The Bayou“ nicht viel zu holen. Keiner der Schauspieler kommt auch nur ansatzweise gegen das Skript und die darin verankerten leeren Hüllen an. Wirklich mies spielt aber auch keiner. Licht und Schatten, wohin man bei „The Bayou“ auch schaut. Dem passt sich sogar die deutsche Synchronisation an. Während sie bei den jungen Darstellern immer mal wieder reichlich verunglückt wirkt, wird beispielsweise der Pilot der Unglücksmaschine gewohnt professionell von Charles Rettinghaus (Van-Dammes-Stammorgan) vertont.

„The Bayou“ schnappt nie richtig zu

Was am Ende bleibt, ist ein hübscher Einstieg ins Geschehen und ein druckvoller Abgang. Dazwischen regieren leider die Klischees. Diese ersticken gemeinsam mit den egalen Figuren sämtliche Anflüge von Spannung. Das geht sogar so weit, dass man irgendwann mehr mit den Echsen mitfiebert als mit den Menschen. Denn, ohne zuviel zu spoilern, aufgrund des Verhaltens einer Figur sind eigentlich die Menschen die Bösewichter in diesem Film. Das hat das Drehbuch selbst aber nicht mitbekommen.

Das Ergebnis ist kein kompletter Reinfall und vor allem die gelungene Umsetzung der tierischen Hauptdarsteller weiß zu begeistern. Wie sehr Letzteres in die Hose gehen kann, bewies zuletzt „The Flood“. Doch alleine die Tatsache, dass der Zuschauer die Alligatoren trotzdem nie als allgegenwärtige Gefahr wahrnimmt, macht nur deutlich, dass mit „The Bayou“ vom Regie-Duo Taneli Mustonen („Lake Bodom“) und Brad Watson („The Siege“) etwas nicht stimmt.

04 von 10

Der Film erscheint am 09. Mai 2025 von Wild Bunch Germany und LEONINE Studios auf DVD und Blu-ray und ist mit einer Freigabe ab 16 ungschnitten. Abgesehen von Trailern haben sich keine Extras auf die Datenträger verirrt. Streamen könnt ihr den Film natürlich auch.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label LEONINE Studios__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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