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The Cutter

Originaltitel: The Cutter__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2005__Regie: William Tannen__Darsteller: Chuck Norris, Joanna Pacula, Daniel Bernhardt, Bernie Kopell, Todd Jensen u.a.
The Cutter

Chuck Norris auf der Jagd nach einem Diamantendieb, gespielt von Daniel Bernhardt.

Schaut man sich den Ausstoß an Videoware im Bereich Action in der laufenden Dekade an, kann man feststellen, dass vor allem drei gestandene Actionstars, die in den späten 80ern und noch bis weit in die 90er mit ihren Filmen in die Kinos kamen, hier kräftig mitmischen. Steven Seagal ist wohl der fleißigste von ihnen, dreht bis zu vier Filme im Jahr, nur leider geht bei seinen Filmen meist Masse vor Klasse. Etwas anders liegen die Dinge bei Dolph Lundgren. Er dreht allenfalls halb so viele Filme wie Seagal, von denen einige allerdings qualitativ recht herausragend sind (ich meine etwa „Direct Action“ und noch mehr aber „The Mechanik“). Beim Dritten im Bunde, Jean-Claude Van Damme, mischen sich imme rmal wieder kleinere Höhepunkte wie etwa „Wake of Death“ unter. Jetzt noch auf Mark Dacascos und Wesley Snipes einzugehen, würde sicher zu weit führen, zumal sie noch mal 10-20 Jahre jünger als die soeben genannten Recken sein dürften.

Wirklich rar gemacht hat sich in diesem Jahrzehnt Chuck Norris („Delta Force“). Neben „Bells of Innocence“ ist „The Cutter“ der einzige DTV-Beitrag im Bereich Action, ansonsten ist Norris nur im Fernsehen aufgetreten. Als ich nach Erhalt der DVD von „The Cutter“ mal kurz durchgezappt habe, stellte sich schon der erste Schrecken ein: Norris ist tatsächlich alt geworden. Ein Blick in die imdb hat es bestätigt: Norris ist Jahrgang 1940, beim Dreh zu „The Cutter“ also wohl 65 Jahre alt. Er ist damit der älteste der hier genannten Actionstars. Allein zu Van Damme beträgt der Altersunterschied 20 Jahre. Ist aber irgendwo auch logisch, wenn man weiß, dass Norris bereits seit den frühen 70ern im Filmgeschäft aktiv ist…

In der Wüste Sinai finden Archäologen bei Ausgrabungen in einer Höhle eine Mumie. Unser Hauptbösewicht Vladimir Yakov (Daniel Bernhardt „Perfect Target“) ist schon im wahrsten Sinne des Wortes im Anflug. Er erschießt das Archäologenteam kaltblütig und nimmt eine mit Edelsteinen besetzte, antike, goldene Brustplatte an sich.

Szenenwechsel. Spokane im US-Bundesstaat Washington. Ex-Cop und Privatdetektiv John Shepherd (Chuck Norris) bei der Arbeit. In wenigen Minuten wird ein Entführungsfall und seine Aufklärung abgehandelt: Eine Frau ist entführt worden. Die Entführer fordern Lösegeld. Ohne sich mit trockener Ermittlungsarbeit aufzuhalten, spürt Shepherd die Entführer auf. 2 (oder waren’s 3?) ballert er trocken und eiskalt über den Haufen. Das Entführungsopfer findet er nur noch tot vor. Da überrascht ihn noch ein weiterer Bäddie, mit dem sich Norris einen kurzen Zweikampf liefert. Diese Auseinandersetzungen dauern schätzungsweise zwei Minuten. Zum Abschluss schmeißt Norris seinen Gegner aus dem Fenster. Diese kurzen und recht unspektakulären Actionszenen geben eigentlich schon das Niveau des weiteren Filmverlaufs vor.

Jetzt geht’s wieder um die eigentliche Thematik des Films: Der mysteriöse Yukov sucht in Spokane einen 80-jährigen Diamantenschleifer, der ihm zwei der illegal in Besitz genommenen Edelsteine der antiken Brustplatte nach einer besonders ausgefallenen, seltenen und anspruchsvollen Schleiftechnik veredeln soll. Nach relativ kurzer Suche hat Yukov den Diamantenschleifer, Tanner, gefunden und entführt ihn unter dem Deckmantel der Seriosität aus seinem Haus. Tanners Nichte (Joanna Pacula („Sobibor“)) weilt nicht zuhause. Fast zeitgleich wird sie auf der Straße in ein Auto gezerrt und mitgenommen. Norris kommt gerade von der privaten Trauerfeier des getöteten Entführungsopfers vom Einstieg, da beobachtet er die Entführung der Nichte. Es entwickelt sich eine Auto-Verfolgungsjagd auf absolut durchschnittlichem Niveau, wie sie eigentlich in jeder zweiten Videoproduktion vorkommt. Norris kann letztendlich die Entführer stellen, einen erschießt er, den anderen erschießt die Polizei und die Entführte flüchtet.

Nun beginnt der Hauptteil der Handlung: Nach etwa 27 Minuten Filmlaufzeit sucht die Nichte Shepherd auf, da sie ihren Onkel vermisst. Sie beauftragt Shepherd, ihn zu suchen. Hier entwickelt sich der Film eher zu einem Krimi, weil hier vorwiegend die Ermittlungsarbeit von Shepherd im Vordergrund steht. Nachforschungen, Befragungen, Verdächtigungen und solche Sachen. Action gibt’s im Mittelteil praktisch keine, außer einem kurzen Zweikampf mit einem Helfershelfer der Bösen. Der ist allerdings recht kurz, unauffällig, die Kamera ist immer etwas zu nah am Geschehen.

Im letzten Drittel kriegt der Film dann einigermaßen die Kurve. Die Spannung nimmt bis zum Ende stetig zu. Besonders zu erwähnen wären die beiden Zweikämpfe zwischen Chuck Norris und Daniel Bernhardt, immerhin ein kleiner Schritt nach vorne, ohne dass sie über das Mittelmaß hinauskommen. Am Ende gibt es noch eine recht bescheidene Explosion, die einzige im Filme, wo aber anscheinend auch etwas getrickst wurde…

Ich konnte nach dem Ende des Films eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen. Klar, die Erwartungen waren ohnehin recht niedrig, aber der Film ist und bleibt letztendlich Videotheken-Massenware. Wer hier auf einigermaßen zahlreiche und spektakuläre DTV-Action gehofft hatte, wird enttäuscht. Die Action ist zu selten, zu kurz, zu harmlos. Eigentlich gibt’s nur in den ersten 20 Minuten ein bisschen, im Mittelteil nur einen kurzen Zweikampf mit dem Typen, der sich als Elektriker Zugang zu Norris’ Wohnung verschaffen will, am Ende die beiden Zweikämpfe Norris vs. Bernhardt und die Explosion am Ende, die aber eigentlich nicht zwingend erforderlich gewesen wäre.

Wenn der Film Stärken hat, so liegen sie im Bereich der Optik und der Handlung. Zwar wartet auch die Handlung nicht mit Überraschungen auf oder ist besonders originell, aber sie ist recht übersichtlich und reicht grade so aus, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Einige stilistische Spielereien gibt es hier auch, ohne dass sie jedoch anfangen zu nerven. Einige Rückblenden, ein bisschen Wisch-Optik, Verzögerungen, s/w-Einschübe, aber das alles wurde sehr zurückhaltend verwendet. Sie werten den insgesamt eher schwachen Film etwas auf. Ziemlich überflüssig fand ich nur die Auschwitz-Rückblenden (der Diamantenschleifer ist ein Überlebender des KZ Auschwitz), ansonsten wurden bei allen Bezügen auf das dritte Reich glücklicherweise übertriebene Emotionalität vermieden.

Die Riege der Bösen ist hier recht übersichtlich. Es gibt eigentlich nur Vladimir Yukov, den Mann im Hintergrund (ein Alt-Nazi) und den blonden Helfershelfer. Auf der Seite der Guten mischt noch ein bisschen das FBI mit und ein Cop-Duo, von dem der eine Chuck Norris wohlgesonnen ist, der andere eigentlich eher seine eigenen Vorteile im Blickfeld hat.

Mit Häme könnte man sagen, „The Cutter“ sei ein Seagal-Film mit Chuck Norris als Hauptdarsteller, wobei selbst einige der Seagal-Video-Produktionen noch mehr Action haben. Handlungstechnisch und handwerklich ist der Film allerdings recht solide. Man kann sich „The Cutter“ mal anschauen, wenn man absolut nicht besseres oder anderes auf dem Radar hat.

Wer sich die deutsche DVD von e-m-s gönnen will, kann beruhigt zuschlagen. Bild- und Tonqualität sind in Ordnung, uncut, Bildformat ist auch richtig. Richtig billig kommen allerdings Blu-ray Fans an den Film, ist er doch Teil der „The Last Action Heroes“ Edition von 3L Entertainment. Gemeinsam mit „Until Death“ und „The Defender“ gibt es den Norris Hauer auch für den schmalen Geldbeutel.

© Cyborg Cop

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Copyright aller Filmbilder/Label: 3L__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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