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The Ice Cream Truck

Originaltitel: The Ice Cream Truck__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Megan Freels Johnston__Darsteller: Deanna Russo, Emil Johnsen, John Redlinger, Sam Schweikert, Hilary Barraford, Bailey Anne Borders, Jeff Daniel Phillips, Dan Sutter, Dana Gaier, Lisa Ann Walter, Declan Michael Laird, LaTeace Towns-Cuellar u.a.

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The Ice Cream Truck Cover

Das Mediabook Cover C von “The Ice Cream Truck”, limitiert auf 222 Stück

Die Unheimlichkeit des Eisverkaufs

Der Eisverkäufer und sein Eismobil. An einem heißen Sommertag kann er der Retter in der Not sein. Er bringt die überfällige Erfrischung direkt bis an den Vorgarten des biederen Eigenheims. Wenn man es rechtzeitig schafft, sich aufzurappeln, die Geldbörse zu schnappen und einen Zehn-Meter-Sprint bis zum Bürgersteig einzulegen, bekommt man zur Belohnung ein wenig Medizin gegen die knallende Hitze, vor der es sonst kein Entrinnen gäbe (es sei denn, man schlägt ein Zelt vor dem Kühlschrank auf).

Obwohl der mobile Eisverkäufer im Sommer ähnlich wie der Weihnachtsmann im Winter als freundlich lächelnder Heilsbringer in Erscheinung tritt, indem er süße Belohnungen verteilt, wohnt ihm etwas Verdorbenes inne, das ihn zu einem klassischen Monster der Vorstädte und Spießer-Wohngebiete werden lässt. Er repräsentiert den amerikanischen Alptraum in vielerlei Hinsicht. Er ist die clowneske Überzeichnung einer perfekten Idylle, wie sie die progressiven Stadtplaner der 50er Jahre erträumten, er ist der Kinderschreck, der im Stil eines Rattenfängers Köder aussetzt, er ist der absonderliche Einzelgänger, hinter dessen Fachgebiet der cremigen Wunder ein dunkler Schatten lauert.

Seine gekühlte Ware verhalf bereits vielen Filmen zu manch erinnerungswürdigem Moment. Man erinnere sich nur… Forrest Gump, der zum Trost gegen die schmerzhafte Kugel im Hintern gleich zwei Kugeln Eis verputzte. Vincent Vega, der im Jack Rabbit Slims mit seiner Begleitung das Preis-Leistungsverhältnis eines Milchshakes erörterte. Der kleine Danny Torrance, der bei Koch Hallorann telepathisch Schokoladeneis bestellte. Oder ein kleines blondes Mädchen, das in John Carpenters Belagerungsstreifen „Assault on Precinct 13“ ungefragt ein Erdbeertopping zum Vanilleeis bekommen sollte. Doch die zahlreichen Horror-Assoziationen, die ein Eisverkäufer auslösen kann, nutzte die Filmgeschichte noch ausgesprochen selten zur Geburt eines echten Gelato-Killers. Der „Ice Truck Killer“ aus der TV-Serie „Dexter“ geht zumindest in die Richtung, Tom Hollands „Masters of Horror“-Episode „We All Scream For Ice Cream“ vermischt den bizarren Clownshorror von „ES“ und „Killer Klowns from Outer Space“ mit dem Speiseeisgewerbe. Und dann ist da natürlich noch der „Ice Cream Man“ aus dem gleichnamigen Fun-Horror des Jahres 1995, in dem Clint Howard zum wiederholten Mal das traumatisierte kleine Kerlchen spielt, das wegen schlechter Erfahrungen mit der Welt zum Psychopathen mutiert.

Emanzipation am Abgrund familiärer Kleinstadtidylle

Theoretisch also freie Bahn für Regisseurin und Drehbuchautorin Megan Freels Johnston, um mit “The Ice Cream Truck” eigene Wege zu erkunden. Es stehen ihr alle Wege offen, den Eismann nach Belieben und ohne Vorbelastungen auszuschmücken, mit Klischees oder eben auch ohne. Doch interessiert ist sie in erster Linie nicht am Killer, sondern an ihrer Hauptdarstellerin Deanna Russo.

Der Ansatz klingt auf Anhieb gar nicht so falsch. Gerade das Slasher-Genre hat unter Beweis gestellt, das es oft besonders gut funktioniert, wenn es sich ganz und gar der Hauptfigur widmet. Hier geht es nun um eine junge Frau namens Mary (Russo), die zunächst – und das wird für die Dauer des Films auch so bleiben – alleine in ihrem frisch erworbenen Haus in der Vorstadt lebt, während ihr Mann und ihre beiden Kinder vorerst noch in Seattle verweilen und nachkommen, wenn das Schuljahr abgeschlossen ist. Prompt macht Mary auch schon Bekanntschaft mit der neugierigen Nachbarin Jessica (Hilary Barraford), einer klassischen Vertreterin der Natürlich-Blond-Kategorie, die am selben Tag noch einmal mit ihrer ebenso neugierigen Mädels-Fraktion vorbeischaut und die Neue zum Barbecue einlädt. Dort lernt Mary den deutlich jüngeren Max (John Redlinger) kennen, mit dem sie sich fast wieder wie in der High School fühlt…

Offensichtlich hat Johnston anstatt eines konventionellen Slashers einen abenteuerlichen Film über selbstbestimmte Weiblichkeit im Sinn, der sich an der Kippe zum drohenden Kleinstadt-Alptraum mit Staubsauger und Kochlöffel abspielt. Der Eisverkäufer fährt dabei hin und wieder als bügelweißes Warnschild am Haus vorbei und vermittelt, dass es nicht gesund ist, hier zu wohnen. Was sich in der Theorie durchaus interessant anhört, verkommt in der Umsetzung zu einer Hölle ohne Ausweg, gefangen im erbarmungslosen Bermuda-Dreieck aus Schnitt, Dialog und Gegenschnitt.

Schaut in den Trailer

Verirrte Blicke und fehlgeschlagene Kommunikation

Ja, man kann Deanna Russo prinzipiell eine gewisse Ausstrahlung attestieren. Nur verändert die sich in einen Ausdruck von Debilität, wenn sie quälend lange Sekunden wahlweise verträumt, verwirrt, verdutzt, verärgert, verzückt oder verliebt ihren Dialogpartner anstarren muss, bevor sie endlich eine Dialogzeile aufsagen darf, die irgendwo auf dem Weg zu einer wie auch immer gearteten Bedeutung jämmerlich im Sand verkümmert. Der enorm zähe Schnitt wiederholt dieses Trauerspiel dann mit dem jeweiligen Gegenüber, das ebenso verloren zurückblickt, bevor eine gleichermaßen inhaltsleere Floskel zurückgeschossen wird. Die dabei aufgetragenen Gesichtsausdrücke lassen den als natürlich gedachten Informationsaustausch dann auch noch wie eine Maskerade wirken; anstatt von fließendem Smalltalk bekommt man so stotternden Buchstabensalat aus verzerrten Mündern, die unter den nichtssagenden Augen ein Eigenleben führen.

Auch wenn sich die Frauen in drei von vier Fällen als falsche Biester entpuppen, hat es die Männer besonders schwer getroffen. Noch bevor der Eismann so richtig loslegt, wurde Mary bereits von einem Möbellieferanten mit dem Look eines abgeranzten Pornostars belästigt und dann abends noch von einem wahren Schmuckexemplar unter den XY-Chromosomen aus der Kategorie abgehalfterter Autoverkäufer. Beide Unholde wehrt Russo mit dem gleichen fragenden Blick ab, mit dem sie seltsamerweise später den Nachbarburschen in ihre Wohnung einlädt. Es entwickelt sich langsam eine Twilight Zone der peinlichen Begegnungen, bei der man einen Eiskremkiller im Grunde schon gar nicht mehr braucht, um seinen Spaß zu haben.

Rächer der Alten Schule

Und doch, der Norweger Emil Johnsen gibt sein Bestes, wenn er gelegentlich mit 5 Kilometer pro Stunde durch die verkehrsberuhigten Straßen gockeln darf, dabei in Zeitlupe der Strohwitwe zuwinkt und sich auch nicht darum schert, ob es gerade Tag oder Nacht ist. Kudos an die rücksichtsvolle Nachbarschaft, denn bei jeder Privatfeier stünde sie aufrecht im Bett mit der 911 im Anschlag. Hier aber duldet sie während der Nachtruhe brav den Eiskrem-Jingle, der in einer Hitparade der schrecklichsten Geräuschquellen irgendwo zwischen „Fingernägel auf Tafel“ und „Zahnarztbohrer“ landen würde. Johnsen entspricht mit seiner schlanken Statur und seinem eher jugendlich-unschuldigen Aussehen nicht unbedingt dem Klischee des fetten, schmierigen Widerlings, wie er beispielsweise in der Comic-Franchise „Spawn“ (mit der Figur Billy Kincaid) kultiviert wurde. Wenn er dann gezielt Passanten anspricht, um seine Ware loszuwerden, offenbart er im Gespräch eine altmodische Erziehung. Er schließt von der Wahl der Eissorte stets auf das Wesen des Kunden, nicht ohne dazu milde lächelnd einen klugen Spruch abzusondern, der unter dem Strich aber dann doch kaum mehr Gehalt aufweist als die Gartenzaungespräche von Klatschweib zu Klatschweib.

Die Summe dieser Eindrücke führen zu einer völlig entrückten Zeichnung des Villains, von dem man manchmal gar nicht so genau weiß, ob er tatsächlich existiert oder nicht doch nur eine Einbildung der fantasierenden Eigenheimbesitzerin ist, die sich im Laufe der Zeit auch wieder mit dem Konsum von Gras anfreundet. Damit der Eismann überhaupt halbwegs materialisiert bleibt, schustert ihm das Drehbuch immer mal wieder ein Opfer zu, das offenbar eigens zu diesem Zweck hineingeschrieben wurde. Es wird dann ziemlich auffällig aus der Herde gelöst, so dass der Täter mitten im bemerkenswert unaufmerksamen Suburbia vor aller Leute Nasen zu Werke gehen kann. Blutbesudelt in der strahlend leuchten Arbeitskleidung mitten in der Nacht oder gar zur Mittagszeit einen tiefen Luftzug nehmen, umringt von Fenstern, die nachweislich neugierigen Menschen gehören… das muss man erst mal bringen.

Trotz dieser doch sehr exklusiven Eigenschaften bleibt der steife Mann mit der Fliege aber ein schlecht ausgearbeiteter Holzschnitt, dem etwas mehr Profil gutgetan hätte. Bis dato wurde ein Killer bislang noch immer über seine Kills bewertet, und was das angeht, fehlten offenbar Mut und Mittel, um mal richtig zu liefern. Das breitgefächerte Arsenal an Arbeitsinstrumenten, das in der Auswahl fast dem des Operationsbestecks eines Mediziners Konkurrenz machen kann, hätte auf so wunderbare Weise zweckentfremdet werden können. Die Eiskelle, die Spaghettieispresse, der Quirl, dazu Schirmchen und Strohhalm als Garnitur. Diese Möglichkeiten werden kaum genutzt, stattdessen sterben zwei, drei Early Twens recht unspektakulär im Off, zumeist durch das berühmt-berüchtigt-langweilige Küchenmesser, das wohl eher einem Metzgermörder als Accessoire gestanden hätte. Ein in Anzahl und Umsetzung jedenfalls enttäuschender Bodycount, der weit davon entfernt ist, ein haptisches Gefühl für weiche Eismasse im knusprigen Hörnchen zu erzeugen. Zumindest Komponist Michael Boateng eilt dem sich redlich mühenden Johnsen zur Hilfe, indem er dessen Auftritte mit einem wunderbar passenden Synthie-Score unterlegt, der Frostkristalle in der warmen Luft entstehen lässt.

Gut gedacht, schlecht gemacht

Mit welch abwegigen Wendungen der Film schließlich auf sein Finale zusteuert, lässt sich gar nicht so richtig in Worte fassen. Die Mär vom irrationalen Teenie, das im Angesicht der Gefahr die dümmsten Entscheidungen trifft, gilt gleich doppelt und dreifach für die Ü30-Mutter und all ihre neuen Bekanntschaften. Aus dem Haareraufen kommt man da gar nicht mehr heraus. Aber was macht das schon, wenn das Drehbuch anschließend die Rolle der Putzfrau übernimmt und alles sauber macht, als wäre nichts gewesen. Es wird zwar in der Auflösung eine Lesart angedeutet, mit der die eklatanten logischen Defizite an Gewicht verlieren, nichts jedoch ändert das an dem völlig verkorksten Aufbau von Szenen und der mangelhaften Verknüpfung von Slasher-Elementen und emanzipatorischer Bewältigung von weiblichen Bedürfnissen.

Insofern ist von einem spektakulär gescheiterten Vorstadtexperiment zu sprechen. Es steckt tatsächlich sogar ein ambitionierter Film in „The Ice Cream Truck“, zumindest handelt es sich nicht um einen handelsüblichen Psychokiller-Streifen von der Stange. Allerdings fehlt jeglicher Zugriff auf das sich verselbstständigende Geschehen am Set, das von dem wirklich seltsamen Drehbuch auch noch permanent in die falsche Richtung gescheucht wird. Wäre man in so einem Vorort der Eismann, würde man nur zu gerne selbst aufräumen…

2 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “The Ice Cream Truck”

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Rawside Edition #6

Eis schmeckt auch im Winter, dachte man sich bei Rawside und sorgte mitten in der dunklen Jahreszeit für die deutsche Disc-Premiere von “The Ice Cream Truck”, der seit mittlerweile drei Jahren im Eisfach liegt. Hat die Welt darauf gewartet? Nun… vielleicht nicht speziell auf dieses Exemplar. Neugierig ist man aber ja doch, welche Sorte Selbstgemachtes diese zwielichtige Produktion einem andrehen will. Stellen wir uns also brav in die Warteschlange…

Die Verpackung

Wie vom Label kaum anders gewohnt, hat der Interessent die Auswahl zwischen drei Waffeln (aka Mediabook-Varianten), in denen sich jeweils zwei Kugeln mit dem gleichen Geschmack befinden (aka Blu-ray und DVD mit identischem Inhalt). Aber Achtung, von jeder Waffelsorte passen nur jeweils 222 Stück in den Eiswagen. Da heißt es für die fröhlichen Kinderlein mit ihren Centmünzen in den Schmutzpfoten: Schnell sein, denn wenn weg, dann weg. Werfen wir doch gleich mal einen Blick auf die Angebotstafel. Da sehen wir folgende Beschreibungen:

Sorte „Seelenfänger“ (Cover A): Hier ist die Eiswaffel der Star. Die magentafarbene Sorte Himbeere (?) wird in einer unförmigen Kugel präsentiert, in der schreiende Gesichter und ausgestreckte Hände auf sich aufmerksam machen. Währenddessen schmelzt die warme Sonne die untere Lage und lässt sie mit der metallischen Note frischen Blutes die Waffel herunterlaufen. Eine blasse Leichenhand mit der Textur eines Clownshandschuhs präsentiert die Waffel professionell und verschmilzt dabei mit dem weißgrauen, detailarmen Hintergrund zu einer Einheit. Verliert euch in der Tiefe des fruchtigen Kerns!

Sorte „Mobile Diele“ (Cover B): Lasst euch die erfrischenden Köstlichkeiten direkt vor die Haustür liefern! Wenn ihr beim Blumenpflanzen im Vorgarten die Erkennungsmelodie vernehmt, lauft schnell zur Straße, denn der Eiswagen ist bald da. Der weiße Van mit der Minz-Pastellverkleidung lässt euch auch im Zwielicht des Sonnenuntergangs eines heißen Juliabends nicht im Stich. Und macht euch keine Sorgen wegen der blutigen Fingerabdrücke und eingesprungenen Fensterscheiben – wo gehobelt wird, da fallen eben Späne.

Sorte „Süßigkeiten von Fremden“ (Cover C): Der Mann auf dem Bild sieht nicht überhaupt nicht so aus wie der echte Eisverkäufer? Das macht nichts, ihr könnt ihm vertrauen! Er ist ein echter Experte seines Fachs, das sieht man an seiner Berufskleidung. Die Spitze des Hörnchens wirkt ein wenig zu spitz? Ach, das sieht nur so aus, macht euch deswegen keine Sorgen. Achtet lieber auf das leckere rosa Eis… und ignoriert den Regen, der wohl nur aus stylishen Gründen vom Himmel fällt…

Mediabooks

“The Ice Cream Truck” erscheint über Rawside Entertainment in drei verschiedenen Mediabook-Varianten

Das Booklet

Für welche Sorte auch immer ihr euch entscheidet, das Innere des Trucks sieht immer gleich vertraut aus, so wie es sich für eine erfolgreiche Eismarke gehört. Hinter den Disc-Halterungen wartet ein abstraktes Chaos aus Fliesen und Blutspritzern, auch die Discs selbst sind im klassischen Rawside-Rot gehalten. Die Booklet-Vorder- und Rückseite ist mit der Detailaufnahme einer Eiswaffel verziert, während vom oberen Rand langsam die rote Soße runterläuft. Im Inneren dann die bunte Überraschung: Zitronengelbe Seiten und ein unwiderstehliches Duo aus Softeishörnchen und Popsicle, das auf jeder Seite reproduziert wird, bestimmen das Design. Da lacht das Kinderherz! Im Booklet-Schlaraffenland findet der geneigte Leser einen ausführlichen Text von Christoph N. Kellerbach, der über sämtliche Produktionsstadien des Produkts aufklärt. Im ersten Abschnitt geht es um „das Kino des mittelständischen Horrors“, begonnen bei den Werbebroschüren der 50er Jahre, mit dem der Eisverkauf bis zum heutigen Tag konnotiert ist. Damit dürfte der Autor den Schokoladenkern auch schon freigelegt haben, bedenkt man, wie stark die Regisseurin die Vorstadtkulisse in ihrem Film herausarbeitet. Im zweiten Kapitel geht er nochmals auf die Rolle des Feminismus im Horrorfilm ein, wobei die gezogenen Referenzen zunächst etwas willkürlich anmuten, denn das Thema ist zu breit gefächert, um es pauschal auf jeden beliebigen Horrorfilm mit feministischen Tendenzen anzuwenden. Gegen Ende des Kapitels wird Kellerbach aber konkreter und zeigt auf, worauf er hinauswill. In Kapitel 3 steigt er dann schließlich in die Produktionsgeschichte von „The Ice Cream Truck“ ein, die einige interessante Details zu Tage fördert, begonnen schon bei der schlichten Tatsache, dass es sich bei der Regisseurin um die Enkelin von Elmore Leonard handelt. Elegant geht er dann über in den Bewertungsteil, in dem auch einzelne Aspekte wie Soundtrack oder Kamera beurteilt werden. Insgesamt kommt der Film erstaunlich gut weg. Die positiven Aspekte werden über Gebühr gelobt (und mit leider allzu fernen Referenzen wie Lynch, Argento oder Hitchcock gespickt), während die nicht wegzudiskutierenden Mängel leider nicht erwähnt werden. Aber auch der Eismann führt ja schließlich die Farb- und Konservierungsstoffe nur deswegen (in schwierig zu lesenden Kleinbuchstaben) auf, weil er es muss…

Bonus

Deanna Russo hatte sichtbar Spaß bei den Dreharbeiten.

Bild und Ton

Wie sieht es denn nun mit der Konsistenz aus? Cremig und schmackhaft, zweifellos, mjamjam. Prickelt auf der Zunge und im Gehörgang. „The Ice Cream Truck“ verfügt über ein knackiges Bild, dessen aufkeimende digitale Künstlichkeit ausnahmsweise kein Malus ist, sondern gut zum gesamten Ambiente passt. Obwohl es sich nicht um einen übertrieben bunten Film handelt, wird im Zwielicht gelegentlich mit Kontrasten aus Weiß und einer bestimmten Farbe experimentiert – nicht nur was den Van und die Arbeitsbekleidung des Geschmackbringers angeht, sondern auch in Bezug auf die Interieurs und die allgemeine Garderobe. Auch akustisch gibt es nichts zu mäkeln, der 5.1-Ton klingt voluminös und punktet vor allem beim Soundtrack. Allenfalls die Qualität der Synchronisation lässt ein paar Wünsche offen. Man hat schon viel Schlimmeres in viel besseren Filmen gehört, aber zur Profi-Garde würde man die Sprecher in dieser Verfassung nun nicht zählen. Schön aber, dass überhaupt eine Synchronisation dabei ist. Wer es authentischer haben will, kann immer noch zum Originalton greifen, der auf Wunsch auch deutsch untertitelt wurde.

Der Audiokommentar

Wer noch ein paar Kirschen, etwas Sahne und einen Berg bunte Streusel auf sein Eis haben will, der kann sich mit den Extras vergnügen – sofern Englischkenntnisse vorhanden sind, denn anders als der Hauptfilm sind diese nicht untertitelt. Der Dauerlutscher unter den Bonusfeatures ist natürlich der Audiokommentar der Crew. Mit dabei sind Regisseurin / Autorin Megan Freels Johnson, Darstellerinnen Deanna Russo (Mary) und Hilary Barraford (Jessica) sowie die Produzent(inn)en Yumee Jang und Omid Shamsoddini. Typische Hahn-im-Hennenkorb-Situation also. Gemäß der Anzahl der Beteiligten wird dann auch jede Menge quer durcheinandergequatscht, es wird gelacht und das Beisammensein genossen. Und nebenbei erfährt der Zuhörer das ein oder andere über die Einflüsse, die Intentionen oder auch einfach kleine Details zur jeweiligen Szene. Obgleich in einigen Momenten der Eindruck entsteht, dass die Beteiligten einiges von ihrer eigenen Arbeit halten, so gehen sie mit manch missglückter Sequenz auch durchaus selbstironisch um.

Bonus

Synchronsprecher Wilhelm R. Garth leiht dem Bösewicht seine Stimme.

Die Extras

Die übrigen Extras fallen etwas fettärmer aus als gedacht. Das „Making of Murder“ bringt lediglich sechs Minuten auf die Waage und besteht aus einer B-Roll, in der man ein paar Takes in der Wohnung des Schokoladeneis-Pärchens und auf dem Karussell beiwohnen darf. Die mit ironischem Saxophon, Klavier oder Rassel untermalten „Outtakes“ laufen sogar nicht einmal vier Minuten und zeigen vor allem feixende Darsteller kurz vor oder nach „Action“. Das „Making of Synchro“ wäre dann noch ein Feature speziell für den deutschen Markt. Wir bekommen hier Einblick in die Lokalisationsarbeit, wenn sich Lutz Harder (als Spediteur), Wilhelm R. Garth (als Eismann), Jan Andres (als Max), Nico Nothnagel (als Steve), Manuel Vaessen (als Rick), Margrit Straßburger (als Jessica) und Heiko Akrap (als Nick) ans Mikro stellen. Mutmaßlich wurden die Aufnahmen gleich in einem Zug mit denen zu „Last Girl Standing“ gemacht, der ebenfalls unter Rawside erschien.

Eiscreme-Jingles, ähm, Trailer in Deutsch und Englisch sowie eine Eiskarte, äh, Slideshow runden das Angebot ab. Insgesamt eine reichhaltig gefüllte, hübsch verzierte Eistüte. Die Geschmacksrichtung ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber Geschmäcker sind ja verschieden…

Bildergalerie

The Ice Cream Truck Screenshot 1

Würden Sie diesem Mann Eis abkaufen?

The Ice Cream Truck Screenshot 2

Mary (Deanna Russo) wärmt schon mal das frisch gekaufte Haus für ihre Familie vor.

The Ice Cream Truck Screenshot 3

Der Eismann ist bei weitem nicht der einzige Weirdo im Film.

The Ice Cream Truck Screenshot 4

Die Gang checkt erstmal ab, wie die Neue so drauf ist.

The Ice Cream Truck Screenshot 5

Das war dann wohl ihr letztes Schokoladeneis.

The Ice Cream Truck Screenshot 6

Taylor Lautner hatte keine Zeit, aber wir haben ja noch John Redlinger, Ladies.

The Ice Cream Truck Screenshot 7

Na mal sehen… dem jungen Mann empfehlen wir doch Praline-Sahne.

The Ice Cream Truck Screenshot 8

Moment, Sie haben noch nicht bezahlt!

Sascha Ganser (Vince)

Was hältst du von dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Rawside Entertainment / Wicked Vision__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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