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Twister

„Twister“ ist einer der Hauptvertreter des Booms von Katastrophenfilmen in den 1990ern. In Jan de Bonts zweiter Regiearbeit spielen Bill Paxton und Helen Hunt ein zerstrittenes Ehepaar, das sich mit der Erforschung von Wirbelstürmen beschäftigt und diesen deshalb nachjagt, was für reichlich Katastrophen-Action sorgt.

Originaltitel: Twister__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Jan de Bont__Darsteller: Helen Hunt, Bill Paxton, Cary Elwes, Jami Gertz, Philip Seymour Hoffman, Lois Smith, Alan Ruck, Sean Whalen, Scott Thomson, Todd Field, Joey Slotnick, Zach Grenier, Jake Busey, Alexa Vega u.a.
Twister

In Jan de Bonts “Twister” jagen Bill Paxton und Helen Hunt Wirbelstürme

In den 1990ern erlebten die Katastrophenfilme einen neuen Boom, sicherlich auch durch die Fortschritte in der CGI-Tricktechnik, dessen kommerzieller Höhepunkt der Rekord von „Titanic“ war. 1996 schickte man „Twister“ auf die Leinwand, produziert von Steven Spielberg und nach einem Drehbuch Michael Crichtons – deren gemeinsamer Erfolg „Jurassic Park“ dürfte nicht ganz unschuldig am Katastrophen-Blockbuster-Boom gewesen sein.

„Twister“ startet mit einem Prolog aus dem Jahr 1969, in dem die kleine Jo (Alexa Vega) von ihren Eltern aus dem Bett geholt wird, weil ein Wirbelsturm aufzieht. Man flieht in den hauseigenen Schutzkeller, doch aufgrund einer fehlerhaften Tür wird Daddy weggeweht. Natürlich kann man die Logik der Szene hinterfragen (hätte der Papa sich nicht so wie Jo und seine Frau einfach tiefer im Keller verstecken können?), aber so ein persönliches Trauma als Motivation für Actionhelden hat ja seine Tradition im Genre, wobei es hier ausnahmsweise mal eine Frau mit derartigem Motiv ist.

In der Gegenwart ist Jo (Helen Hunt) nun auf der Suche nach einem verbesserten Frühwarnsystem. Um dieses zu bekommen, wollen sie und ihr chaotisches Team Sensoren in einem Wirbelsturm platzieren – das Gerät heißt frei nach „Der Zauberer von Oz“ Dorothy und ist in vierfacher Ausführung vorhanden. Früher erhielt Jo Hilfe von ihrem Mann Bill Harding (Bill Paxton), der inzwischen lieber als Wetteransager arbeitet und nun eigentlich nur im ländlichen Oklahoma vorbeischaut, damit Jo endlich die Scheidungspapier unterzeichnet, im Schlepptau seine Neue, die Psychiaterin Melissa Reeves (Jami Gertz). Natürlich fliegen schon direkt die Funken und Fetzen zwischen Jo und Bill, wobei erste die Papiere noch nicht vollständig unterschrieben hat, während letzterer allen Leuten als Running Gag versichern muss, dass er nicht zurück sei. Die Fertigstellung Dorothys interessiert ihn natürlich sehr und so zieht natürlich auch direkt der erste Wirbelsturm auf, an dem sie das Gerät testen wollen.

Der Versuch geht schief, doch Bill hat Blut geleckt. Als dann noch der ehemaligen Kollege Jonas Miller (Cary Elwes) auftaucht, ein Sellout mit Konzernfinanzierung im Nacken und großer Arroganz, wirft sich Bill an der Seite von Jo nur noch emsiger in die Tornadojagd, die ihm im Blut liegt…

Twister

Das wird knapp: Jo (Helen Hunt) und Bill Harding (Bill Paxton) fliehen vor einem Tornado

Man muss kein Nobelpreisträger sein, um zu wissen, dass natürlich erst Dorothy Nr. 4 Erfolg haben wird, das arrogante Konkurrenzteam keinerlei Schnitte macht und sich Jo und Bill während des Ganzen wieder kriegen. Dementsprechend nutzt Jan de Bont die Kenntnisse aus seiner ersten (wesentlich besser geschriebenen) Regiearbeit „Speed“ und tritt einfach durchweg aufs Tempo. Ein Festessen bei Jos Tante und die Beziehungssubplots füllen die Ruhepausen aus, doch ehe sie zu lange dauern und man den eher dünnen Unterbau der Geschichte wirklich merkt ist auch schon der nächste Tornado am Start. Die Zankereien von Jo und Bill haben einen leichten Screwballfaktor, während der Film sowieso viel auf gelegentliche Comedy-Einlagen setzt, mit denen er wissend die Absurdität seiner ganzen Prämisse unterstreicht.

So ist die Rasselbande an Jos Seite auch ein schräger Haufen von unkonventionellen Nerds, in deren Reihen man talentierte (und teilweise erst später zu Ruhm gelangende) Gesichter wie Philip Seymour Hoffman („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“), Alan Ruck („Ferris macht blau“) und Sean Whalen („Cable Guy“) sieht. Im Team von Cary Elwes („Reach Me“), der auf eher eindimensionale, aber routinierte Art den arroganten Schleimscheißer gibt, kennt man das Konterfei von Zach Grenier („RoboCop“). Jami Gertz („Renegades – Auf eigene Faust“) hingegen bekommt die Rolle der Städter-Therapeutin, die im ländlichen Kontext immer fehl am Platze ist, wird aber vom Drehbuch erfreulich gut behandelt: Es gibt ein paar eher sanfte Witze auf ihre Kosten, wenn sie mitten im Sturm Anrufe therapiebedürftiger Kunden annimmt, aber im Gegensatz zu manch ähnlich gelagerter Figur wird sie nicht als nicht-lebensfähige Großstadtbitch gezeichnet (anderswo wäre sie vermutlich alle drei Minuten mit hochhackigen Schuhen in Kuhfladen getreten, zur Belustigung von Zuschauern und Figuren). Stattdessen streicht sie irgendwann ganz freundlich die Segel und macht den Weg für die Liebe Protagonisten frei. Die sind dann auch darstellerisch Zugpferde des Films: Bill Paxton („Term Life“) hat sichtlich Spaß daran mal nicht nur der ewige Sidekick zu sein und spielt den zupackenden, instinktgetriebenen Wetterfrosch mit Elan, während Helen Hunt („Was Frauen wollen“) als Powerfrau mit lockerem Mundwerk und Charme überzeugt.

Twister

Aus der Ferne sind die Tornados imposant, aus der Nähe brandgefährlich

Ansonsten dekliniert „Twister“ die Underdog-Geste des Actionfilms durch: Jonas und seine Truppe sind arrogante Heinis, die anderer Leute Ideen klauen, sich auf Technik verlassen und mit völlig identischen Corporate-Vehikeln durch die Gegend fahren, während der Tross von Jo bunt zusammengestoppelt ist und Bill die Tornados einfach instinktiv besser und genauer einschätzen kann als jedes Equipment. Dass Jonas selbst in Notlagen nicht hilft und auch im entscheidenden Moment keinen guten Rat annehmen will (mit entsprechenden Konsequenzen), versteht sich von selbst. Aber hier geht es ja nur sekundär um Menschen, sondern – der Titel sagt es schon – um die Wirbelstürme. Und die inszeniert de Bont teilweise wie Personen: Eher amüsant ist die Begegnung mit jenen Tornados, die eine Kuh (oder mehrere, da sind die Protagonisten sich nicht ganz sicher) in einer vielzitierte Sequenz fliegen lassen, im Gegensatz ist das Aufziehen eines schweren Sturms fast wie das Herannahen eines Horrorfilmkillers inszeniert – sein Zerstörungspotential betrifft dann auch sinnigerweise ein Autokino, in dem gerade „Shining“ läuft.

Natürlich sorgen die Tornados vor allem für ordentlich Action. Anno 1996 war „Twister“ einer der Special-Effect-Blockbuster der Saison, Jahre später sind seine CGI-Effekte nicht ganz so zeitlos wie jene des Maßstäbe setzenden „Jurassic Park“, aber immer noch gut anzusehen. Vor allem aber lässt de Bont so einiges an echten Requisiten aus den digitalen Wolken regnen, darunter Autos, landwirtschaftliche Maschinen, einen bei Aufschlag explodierenden Laster und sogar ein ganzes Haus, durch das die Heroen mit ihrem Truck hindurchbrettern. Das sorgt für gewaltige Schauwerte der Bombastsorte, auch wenn „Twister“ dabei sehr leicht verdauliches Popcornfutter bleibt: Tote hinterlassen selbst die Rekordwirbelstürme nur selten, zumindest onscreen, und das gezeigte Sterben dient immer einem dramaturgischen Zweck. Und manchmal wird die Glaubwürdigkeit sehr gedehnt, etwa wenn die Helden sich durch das Festketten mit Lederriemen an tiefsitzende Rohre vor der Sogkraft eines Riesentornados bewahren können.

Andrerseits ist „Twister“ damit auch ein Popcorn-Reißer, der sich seines Status nicht schämt: Hier ist nichts so wirklich komplex, die Handlung übersichtlich und der Glaubwürdigkeitsfaktor gering, doch das unterläuft der Film durch seine phasenweise humorvolle, ziemlich effektive Inszenierung und sein schräges, aber dadurch überzeugendes Personal. Außerdem geht genug kaputt, dass man mit „Twister“ freudig für knappe zwei Stunden die Kuh fliegen lassen kann, auch wenn Klassiker anders aussehen.

© Nils Bothmann (McClane)



Nachdem Jan de Bont in „Speed“ nahezu im zehn-Minuten-Takt die Fetzen fliegen lässt, lässt er in seinem zweiten Film „Twister“, der ganz klar auf dem Gebiet Katastrophenfilm anzusiedeln ist – was man in mancherlei Hinsicht doppeldeutig sehen kann ;) – buchstäblich die Kuh….äh Kühe fliegen.

Twister

Bill legt sich mit Schmierlappen Jonas Miller (Cary Elwes) an

Hierzu ist ganz klar zu sagen (und ich glaube, das schreibe ich bei einem Film dieser Art echt zum ersten Mal!), dass die Handlung sich auf unterem Soap-Niveau bewegt. Der Typ, um den sich die ganze Chose irgendwie dreht, will heiraten und sucht deshalb seine Ex-Frau auf, damit die ihm die entsprechenden Dokumente unterschreibt. Jetzt könnte der Film schon vorbei sein, aber: die Frau, also diese Jo, die ist echt crazy drauf. Ich meine, ich hab schon von echt schrägen Hobbies gehört, aber die jagt doch echt Tornados!!! – Also wer auf eine spannende Nebenhandlung hofft, wird enttäuscht, da gibt es nichts. Klischeehafter könnte man das kaum gestalten. Die eine Frau will ihn haben, die andere auch irgendwie, dann gibts da noch ne dritte Frau, die da mit zu tun hat…ach ne Quatsch, Dorothy war ja die Maschine, die irgendwie Stürme vorhersagen können soll. Bemerkenswert, denn das Ding sieht ein wenig aus wie ein überdimensionaler Mülleimer mit so Silberkügelchen drin, und selbst MacGyver hätte das Ding nicht dazu bekommen, irgendwas zu tun, geschweige denn, Stürme vorhersagen…

Natürlich darf auch der typische Bösewicht nicht fehlen, ein gewisser Jonas “Arschkriecher” Miller. Der hat irgendwie den Entwurf von dieser Dorothy geklaut, weil der irgendwie auch an den Quatsch mit dem Vorhersagen glaubt…man war das ein dämliches Drehbuch….*gg* – jedenfalls der Typ ist nicht blöd, der nennt das Ding natürlich nicht Dorothy, sondern Dot 3, weil so merkts natürlich keiner…

Aber egal, denn was zählt und noch was reißen kann, ist die Action. Allerdings sind die ersten zwei kleinen Stunts zwar spektakulär, ihr Zustandekommen allerdings übertrifft in punkto Dämlichkeit noch das gesamte Drehbuch. Hatte ich schon mal gesagt, dass das nicht so toll war…?

Die erste halbe Stunde kommt auch noch gänzlich ohne jeden Humor aus, dafür gibts den genretypischen „really dramatic rückblick“, der natürlich erstmal erklärt, warum die Jo so geil auf Stürme ist…

Die Effekte und einige Actionszenen sehen gut aus, das Kickergefühl eines Speed erreicht der Film zu keinem Zeitpunkt. Dafür sorgt schon sein lahmes Drehbuch, was ich glaub ich noch gar nicht erwähnte und die Klischeekiste…viele Explosionen gibts auch nicht, und ich muss sagen, selbst die hat man schon mal besser gesehen. Der Showdown ist ganz ordentlich, es fliegt einiges durch die Luft und witzigerweise den Helden der Story genau vor den Kühler. Das macht halbwegs Spaß, hat Action, aber wirklich umhauen tuts nicht.

© Cinefreak

Die deutschen DVDs und Blu-Rays von „Twister“ sind ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Das Bonusmaterial der Special-Edition-DVD und der Blu-Ray umfasst einen Audio-Kommentar von Jan de Bont & dem Koordinator der Visual Effects, das Making Of, „Die Anatomie des Tornados“ und ein Van-Halen-Musikvideo.

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