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Weekend of Horrors 2014

Weekend of Horrors 2014

Auf diesem Plakat wird noch mit Eric Roberts und Michael Madsen geworben, tatsächlich kamen aber die Actionstars Mark Dacascos und Cary-Hiroyuki Tagawa zu der Veranstaltung

Vom 14. bis 16. November dieses Jahres fand wieder das Weekend of Horrors statt, die mittlerweile 12. Ausgabe des 2005 aus der Taufe gehobenen Festivals. Zu den diesjährigen Stargästen sollten auch zwei große Helden der Actionfreunde zählen, nämlich Eric Roberts und Michael Madsen. Beide sagten kurzfristig wegen Dreharbeiten ab, so kurzfristig, dass sie noch prominent auf dem Poster genannt werden. Doch bei den Ersatzgästen handelte es sich um zwei andere Actionstars: Mark Dacascos und Cary-Hiroyuki Tagawa füllten die leeren Plätze, die Roberts und Madsen hinterlassen hatten.

Die Convention, die ich am Samstag besuchte, nutzte nur einen Teil der Turbinenhalle aus. Das Herzstück war sicherlich die Halle, in der die Stars Autogramme verteilten und mit ihren Gästebetreuern an den Ständen saßen, wo man auch kurz mit ihnen reden oder ein Foto machen konnte. Es sei denn, sie machten gerade Pause, waren Gast bei einem Star Talk auf der abgetrennten Bühne der Halle oder zu einem Fotoshoot mit Fans in einem Nebenraum. In der Halle hatten sich außerdem Künstler und Make-Up-Artists aufgebaut, die ihre Arbeiten präsentierten oder Besucher im Zombie-Look schminkten. In einem Raum auf der Galerie wurden Filme und Serienfolgen gezeigt, darunter Episode 15 und 16 der vierten „The Walking Dead“-Staffel und „Sharknado 2“.

In einer weiteren Halle waren DVD- und Merchandising-Händler untergebracht, darunter auch die „Ausstellung“ von „Freitag, der 13te“-Kostümen, die dann aus der Zurschaustellung der Jason-Kostüme aus Teil 2, 3 und 8 bestand. Bei den DVD-Händlern gab es einige günstige, die meisten verkauften aber überteuerte DVDs und Blu-Rays oder Sammlereditionen in Mediabooks, Spezialboxen oder ähnlichen Verpackungen, die sich rein an die ganz hartgesottenen Fans richteten. Am Stand von ’84 Entertainment signierte Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger seine Bücher und DVDs und Blu-Rays, bei denen er den Audiokommentar eingesprochen hatte. Das Online-Magazin Wicked-Vision verkaufte seine erste Print-Ausgabe und auch das Horror-Print-Magazin „Der Zombie“ hatte einen eigenen Stand; diesen sogar in der Haupthalle bei den Stars, da Phoenix Connolly aus dem „Evil Dead“-Remake hier zusätzlich Gratis-Ausgaben von „Der Zombie“ zu speziellen Uhrzeiten signierte.

Weekend of Horrors 2014

Mark Dacascos mit dem Autogramm für den freeman

Für Autogramme und Fotoshoots, bei denen man ein Bild von sich und dem gewünschten Star bekam, musste man jeweils extra zahlen, wobei vor allem Scott Wilson und Kim Coates ihre aktuelle Popularität durch „The Walking Dead“ bzw. „Sons of Anarchy“ ausnutzten. Bei Mark Dacascos beißt man als Fan allerdings doch in den sauren Apfel: Seine Unterschrift ziert nun meine „Drive“-DVD und auch für Kollege freeman wurde ein Autogramm abgestaubt. Mit dem extrem freundlichen Dacascos konnte man sich nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch unterhalten, da er in Hamburg aufgewachsen ist und die Sprache immer noch sehr gut beherrscht. Mehr dazu hatte er bei seinem Star Talk zu erzählen, von denen ich einige während meines Besuchs mitnahm.

Die Star Talks

Kurz nach Einlass konnte ich noch einen Teil des Talks mit William Forsythe mit erleben – ein Schauspieler, der Actionfans noch als Agent aus „The Rock“, als fieser Biker aus „Stone Cold“ und vor allem natürlich als Schurke aus „Out for Justice“ bekannt ist. Für Horrorfans war vor allem seine Rolle als Sheriff in „TDR – The Devil’s Rejects“ von Wichtigkeit, von der er zu berichten wusste, dass Rob Zombie ihm diverse Freiheiten bei der Gestaltung seiner Rolle ließ. Der Wutausbruch dem Reporter gegenüber, der Elvis beleidigt, war ein solcher Einfall Forsythes: Sheriff Wydell würde das nicht einfach so hinnehmen, so seine Argumentation gegenüber dem Regisseur. Außerdem gab Forsythe an, stets intensiv für seine Rollen zu recherchieren: Als er Al Capone in der „The Untouchables“-TV-Serie spielte, traf er sich mit vielen Vertrauten Capones, weshalb er den Gangsterboss weniger psychopathisch als andere Darstellungen anlegte, die seiner Ansicht nach dem wahren Capone nicht gerecht werden.

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Auch William Forsythe war mit von der Partie

Sehr informativ war auch der Talk mit Special-Effects-Designer Tom Woodruff Jr. Der für die Tricks von Werken wie „Aliens – Die Rückkehr“, „Predator“ und „Odd Thomas“ verantwortliche FX-Wizard war zudem in „Alien 3“, „Alien – Die Wiedergeburt“ und „Alien vs. Predator 2“ selbst ins Kostüm der Kreatur geschlüpft. Er berichtete von seinen Anfängen bei Stan Winston, dabei vor allem von der Arbeit an „Aliens – Die Rückkehr“, aber auch davon, wie Winston ihm bei der Gestaltung der titelgebenden Kreatur in „Pumpkinhead“ große Freiheiten ließ, da Winston die Regie bei jenem Creature Feature übernahm und damit gut ausgelastet war. Während Woodruff Jr. die „Alien vs. Predator“-Filme als weniger düstere, eher an lockere Horrorspäße wie „Frankenstein Meets the Wolfman“ erinnernde Werke verteidigte, fand er für die Macher der „The Thing“-Neuauflage von 2011 nur wenig positive Worte: Nachdem es anfangs hieß, dass ihre Effektarbeit von den digitalen Tricks lediglich unterstützt werden sollte, verwehrte man ihm und seiner Effektcrew den Zutritt zum Schneideraum, sodass sie erst bei einem Screening des fertigen Films sahen, dass jeder ihrer Tricks von CGI-Effekten überlagert worden war. Dies war seiner Meinung nach ein gewichtiger Grund das schlechte Abschneiden des Films.

Als nächster war Jeff Kober dran – derzeit vor allem wegen seiner Gastrollen in „The Walking Dead“ und „Sons of Anarchy“ im Gespräch, Actionfans vor allem aus Filmen wie „One Tough Bastard“, „Extreme Rage“ und „Alien Nation“ bekannt, wo er meist den Schurken gab. So ist es auch kein Wunder, dass eine seiner ersten Rollen die des großen bösen Wolfs war, wie Kober zu berichten hatte. Er war einst einer Frau nach Hollywood gefolgt und hatte ursprünglich gar nicht vor, Schauspieler zu werden. Während er sonst nicht so ausführlich antwortete, konnte er zu seiner „Walking Dead“-Rolle zumindest noch eine Anekdote erzählen. Doch richtig viel erzählte er zur (von mir gestellten Frage) nach „The First Power“. Zum einen war Kober beim Prozess des Hillside Strangler dabei gewesen, hatte dessen leere Augen gesehen und diesen Soziopathen studiert, dem die Anklage wegen mehrfachen Frauenmordes offensichtlich nicht anders vorkam als ein Ticket wegen Falschparkens (vermutlich meinte Kober einen der beiden Täter, da sich bei der Verhaftung herausstellte, dass sich hinter dem Hillside Strangler zwei Cousins verbargen). Außerdem kam ihm der Dreh des Films beinahe verflucht vor, da es so viele Verletzungen gab: Eine Produzentin brach sich ihr Fußgelenk und Kober selbst wurde eine Rippe in einer Szene gebrochen, in der Lou Diamond Phillips ihn gegen eine Wand schleuderte.

Beim nächsten Panel waren drei „Freitag, der 13te“-Stars vereint: Lar Park Lincoln aus Teil 7, Erich Anderson aus Teil 4 und Jason-Darsteller Kane Hodder aus Teil 7-10. Lincoln erzählte nur kurz von den Dreharbeiten zu „Sky Sharks“ unter der Regie von Marc Fehse, von dem Teile in einem abgetrennten Bereich auf dem Weekend of Horrors abgedreht worden, und dass ihr Ehemann als großer „Freitag, der 13te“-Fan damals erkannt hatte, dass das als „Birthday Bash“ betitelte Drehbuch ein weiterer Jason-Film sein würde. Anderson berichtete, dass er damals am Set von „Freitag, der 13te – Das letzte Kapitel“ mit Corey Feldman am 31. Oktober zum Trick or Treat gegangen sei, da dessen verantwortlicher Großvater keine Lust gehabt habe. Zudem habe er, da Jason die Leiche seines Charakters als Wurfgeschoss benutzt, zwei Wochen lang den toten Mann spielen müssen – bei Regen- und Nachtdrehs, wie schon die ganze Zeit über. Außerdem verriet er, dass die Angst in Cory Feldmans Gesicht echt sei, wenn in einer Szene der Jason-Darsteller Ted White auf ihn losgeht. White war nämlich von den Allüren des Kinderstars richtig genervt und ließ Feldman das auch spüren. Derartige Geschichten waren natürlich Steilvorlagen für den conventionerfahrenen Kane Hodder, der allerlei Anekdoten im Gepäck hatte. So berichtete dieser davon, wie er einen Jason-Darsteller auf einer „Freitag, der 13te“-Convention davon abhalten musste, einen anderen Darsteller zu verprügeln, davon, dass er darüber verärgert war, dass man ihm die Jason-Rolle nach Teil 10 nicht mehr anbot, und von seinem Glück, mit der „Hatchet“-Reihe dann eine weitere Franchise gefunden zu haben. Auch von seiner Stunt- und Schauspielerfahrung am Set von Actionfilmen konnte er berichten. So betonte er, dass man auch bei Stunts sehr genau vorausplanen müsse. Etwa am Set von „Deadly Revenge“, wo er einen der Schurken spielt, der von Steven Seagal erschossen wird, ehe es zum Endkampf kommt. Die Darsteller mussten für den zwei Wochen langen Dreh des Endkampfes in der gleichen Position verharren, was für denjenigen, der “tot” an den Kühlschrank gelehnt lag, zur echten Belastungsprobe wurde, während Hodder sich schlauerweise auf ein Sofa hatte fallen lassen. Weniger schlau dagegen war sein Einfall, beim Dreh einer Szene von „Best of the Best“ gegen die Wand zu schlagen – nach unzähligen Wiederholungen, die identisch aussehen mussten, bereuten Hodder und seine Hand den Einbau dieser dramatischen Geste.

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Ein echter Stimmungsmacher: Kim Coates

Aus Zeitgründen mussten danach weitere Talks zusammengefasst werden, die ursprünglich separat abgehalten werden sollten. Also trat Mark Dacascos mit „Insidious 2“-Darstellerin Danielle Bisutti ans Mikrophon. Diese erzählte von früheren Engagements als Cruella de Ville in Disneyland und vom Frust darüber, dass die Puppe in „Curse of Chucky“ mehr Großaufnahmen als die menschlichen Darsteller bekam. Wesentlich mehr hatte Dacascos zu berichten. Wie er erst nach Taiwan ging, um Mönch zu werden – „I have a wife and three kids, so, obviously, I didn’t become a monk.“ Stattdessen wandte er sich der Kampfkunst zu und trat über die Jahre hinweg im Ring gegen ungefähr 900 verschiedene Kämpfer an. Seine Helden waren Jet Li, Jackie Chan und Bruce Lee, weshalb ein Traum für ihn in Erfüllung ging, als er am Set von „Cradle 2 the Grave“ 9 Tage lang mit Jet Li kämpfen durfte, als sie den Endkampf drehten. Zwar waren beide Schauspieler nicht unbedingt glücklich damit, was der Schnitt daraus machte, aber schon die Erfahrung wäre es wert gewesen, so Dacascos. Außerdem korrigierte er die Angabe, dass er für „Only the Strong“ Capoeira gelernt habe: Nach einer Trennung von einer Frau sei er durch die Straßen gewandert und sei dabei auf eine Capoeira-Schule gestoßen, bei der er dann angefangen habe zu trainieren. Zwei Monate später bekam sein Agent das Angebot für „Only the Strong“, was ein glücklicher Zufall für Dacascos war.

Relativ bizarr wurde das nächste Panel mit „Scream“-Randy Jamie Kennedy und Tony Moran, dem Michael Myers aus dem ersten „Halloween“. Nicht nur bestand Kennedy darauf, jemanden übersetzen zu lassen, weil das Publikum ja angeblich nichts verstehe (ein Eindruck, den die sonstigen Talks nicht bekräftigten), der offensichtlich gut mit Bier betankte Darsteller verfiel auch in eigenwillige Witzeleien. Mehr Inhaltliches hatte Tony Moran zu berichten, der den Film damals vor allem wegen Donald Pleasance annahm und nicht verstand, warum die ein Jahr jüngere Jamie Lee Curtis ein Star sein sollte. Eine witzige Episode am Set war jene, als die Maskenbildnerin ihm neben Kostüm und Maske ein großes Glas Vaseline reichte. Auf die Frage, ob sie hier Pornos drehen würden, antwortete diese, dass er sich diese in die Haare schmieren solle, damit die Maske ihm diese nicht ausreiße, was das Missverständnis aufklärte.

Das Highlight dürfte das rund 30minütige Gespräch mit Kim Coates gewesen sein. Der in Filmen vor allem in Nebenrollen beschäftigte „Sons of Anarchy“-Darsteller hatte Einiges zu erzählen und erwies sich als Stimmungsmacher. Von seinem besten Kumpel William Fichtner, mit dem er „Black Hawk Down“ drehte, berichtete er, dass dieser ihn später zu einer Gastrolle in „Prison Break“ überredete. Ein Gefallen, den Coates ihm bei „Sons of Anarchy“ nicht tun konnte, da zu viele prominente Bewerber für Gastrollen parat standen. Für die hochgelobte, erst wenige Tage zuvor komplett fertig gedrehte Bikerserie versprach Coates ein unerwartetes, dramatisches Ende, gerade die letzten 4 Episoden hätten es in sich. Auch von seinen Filmprojekten hatte er zu berichten. Von seiner ersten großen Rolle in „Last Boy Scout“ etwa: Hier bat er Tony Scott, seine Todesszene für einen Take anders spielen zu dürfen. Und genau dieser Take wurde dann verwendet (ursprünglich sollte Coates in den Pool stürzen). Er berichtete von seiner Freundschaft zu Tony Scott, wie auch zu Kevin Costner, mit dem er erst beim Dreh von „Open Range“ wirklich Zeit verbringen konnte. Bei seiner „Waterworld“-Rolle hatte Coates nur einen sehr kleinen Part, außerdem durchlief Costner zu diesem Zeitpunkt eine Scheidung, hatte mit den Katastrophen am Set zu kämpfen und führte halb Regie bei dem Film. Von seiner Arbeit für Michael Bay, für den er zweimal uncredited („Bad Boys“, „The Island“) und einmal mit Nennung im Abspann („Pearl Harbor“) gespielt hatte, erzählte er ebenfalls. Zweimal agierte er ungenannt, da er die Parts für zu klein hielt und deshalb nicht genannt werden wollte. Außerdem erklärte er, er habe von den schlimmen Geschichten über Bay gelesen. Zu ihm sei der Regisseur aber immer nett gewesen. Ansonsten warte er auf neue Projekte, sei froh mal etwas anderes als Tig aus „Sons of Anarchy“ spielen zu können, habe bereits drei Filme abgelehnt und würde gerne einmal in einem Comedy-Projekt, gern fürs Kabelfernsehen, mitspielen.

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Cary-Hiroyuki Tagawa und Akira Tadara werfen sich in Pose

Beim letzten von mir besuchten Panel traten Cary-Hiroyuki Tagawa und Akira Tadara zusammen auf. Während Tadara, bekannt aus dem ersten „Godzilla“-Film von 1954, wenig Interessantes zu sagen hatte (dass „Godzilla“ sein liebster Kaiju-Film sei, dass man mit diesem die Gefahr von Atomwaffen habe thematisieren wollen und dass er das erste Mal in Deutschland sei), hatte Tagawa, Schurkendarsteller in unzähligen Reißern wie „Art of War“, „Soldier Boyz“ und „Showdown in Little Tokyo“, immerhin ein wenig mehr zu berichten. Er erzählte von seiner Kindheit als Sohn japanisch-amerikanischer Eltern, der in der Schule wegen seiner Herkunft angefeindet wurde und daher erste Schauspielerfahrungen darin sammelte, sich seine Angst nicht anmerken zu lassen. Von seiner Verbundenheit zu den Deutschen, die aufgrund der Geschichte in Amerika oft ähnlich angefeindet wurden wie er als Kind. Und davon, dass er sich die Rolle des Shang Tsung in „Mortal Kombat“ angeeignet habe, um Videospieler nicht zu enttäuschen, obwohl er selbst keine Videogames spielte, aber seinem Sohn beim Spielen zugesehen habe.

So ging dann mein erstes „Weekend of Horrors“ zu Ende, das ich als nette Erfahrung bezeichnen möchte, auch wenn ich nicht komplett von den Socken bin. Vielleicht liegt mir der allgemeine Starkult zu wenig, als dass ich jedes Jahr hinwollen würde – sollte aber jemand kommen, den ich schon immer mal treffen wollte, dann wäre ich wohl wieder dabei.

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