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Evil Feed

Originaltitel: Evil Feed__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Kimani Ray Smith__Darsteller: Laci J Mailey, Terry Chen, Alain Chanoine, Alyson Bath, Derek Gilroy, Bishop Brigante, Curtis Lum, Sebastian Gacki, David Milchard, Carrie Genzel u.a.
Evil Feed

Schwarzhumorig, derb, geschmacklos und ziemlich unterhaltsam: “Evil Feed”

The Long Pig ist ein Restaurant mit einer ganz besonderen Speisekarte. In dem China-Restaurant werden nur menschliche Körperteile und Organe serviert. Die Spezialität des Hauses ist der „Schwanz im Schlafrock“, was genau das ist, wonach es klingt. Als der alte Inhaber das Lokal ohne das Wissen seines Sohnes verkaufen will, klinkt dieser aus und schneidet seinem alten Herren den Kopf ab, um hernach die Restaurant-Leitung zu übernehmen.

Die Speisekarte ändert sich dabei nicht sonderlich, aber das Entertainment darum herum. Erlebnis-Gastronomie lautet die Losung der Stunde. Und so kann man sich beispielsweise erst erotisch massieren lassen, um hernach zu futtern. Oder man schaut brutalen MMA Fights zu, bei denen der Lieferant der eigenen Wunsch-Speise erst windelweich geprügelt und dann umgebracht wird. Immerhin ist dann das Fleisch zarter.

Als die Schergen des Long Pigs eines schönen Tages einen jungen Kerl entführen, haben sie sich mit den Falschen angelegt. Denn der junge Mann hat sehr gute Freunde, die es einfach nicht hinnehmen wollen, dass man ihren Kumpel entführt. Sie folgen den Kidnappern bis zum Long Pig und marschieren in den heiligen Hallen ein. Nicht ahnend, dass sie hier die Hölle auf Erden erwartet…

„Evil Feed“ ist mal ein wirklich wilder Genrebastard. Horror nach altbewährter „Hostel“-Manier trifft auf knochentrockene Martial Arts Action. Das wird garniert mit einer extrafetten Ladung sehr schwarzen Humors. Dazu kommen ordentlich Titten und Ärsche, extrem viel Blut und bis zur Karikatur verzerrte Figuren. Darüber stülpt man einen extraschrammeligen Heavy Metal Score und fertig ist ein ziemlich unterhaltsames Stück Film. Und schaut man auf den Lieferanten der Story, wird einem schnell klar, dass man hier gar nichts anderes als einen wilden Ritt erwarten durfte: Ryan Nicholson, streitbarer Regisseur von Seltsamkeiten wie „Hanger“, ersann „Evil Feed“.

Schnell fällt allerdings auf, dass gerade die Fokussierung auf eine gewollte Abgedrehtheit dem Film die größten Probleme beschert. Vor allem die Story kann hierbei nämlich nie Schritt halten. Während die Ausgangssituation noch relativ schnell etabliert ist und richtig gut funktioniert, verzettelt sich der Film bald in einem überbordenden Wust an Figuren. Dabei fokussiert er keine einzige richtig, weshalb man sich auch schwer tut, einen „Hauptcharakter“ zu benennen. Die Folge: Der Handlung fehlen sowohl ein echtes Zentrum als auch eine Figur, mit der man mitgehen kann. Das hat freilich auch Auswirkungen auf die Spannungskurve, die vor allem im Mittelteil einige Male extrem durchhängt.

Langweilig wird es dabei allerdings nie. Denn Regie-Debütant Kimani Ray Smith, bisher vornehmlich als Stuntman in Hollywood aktiv, drückt durchgängig auf die Tube und schichtet Absurdität, Ekel, Action und schwarzen Humor beherzt Lage für Lage aufeinander. „Evil Feed“ ist aufgrund dessen immer in Bewegung, erweckt aber zunehmend auch den Eindruck einer lose zusammenhängenden Nummernrevue.

Diese ist weitgehend auf die Lokalität des „Long Pig“ beschränkt und sieht aus wie ein wilder Comictrip. Knallige Komplementärfarben bestimmen die Szenerie. Harte Kontraste und mal wirklich allerdunkelstes Schwarz schlucken so manches Detail. Die Kamera ist beständig auf der Suche nach abgefahrenen Einstellungen und der wilde Soundtrack gibt gerne mal die Schnittfrequenz vor. In diesem technischen Rahmen agieren Darsteller, die durch die Bank das berühmte Quäntchen drüber sind. Overacting allerorten. Mal nervig, mal stimmig. Dabei müssen die Kerle vornehmlich ordentlich hinlangen, während die Damen blank ziehen. Letzteres ist definitiv nicht zum Nachteil des Zuschauers, denn die Damen in „Evil Feed“ sind wahrlich sehr angenehm anzuschauen. Absolutes Highlight und definitiv der Showstealer dieser wilden Fahrt: Alyson Bath als vollkommen abgedrehte, dauerjuckige Yuki.

In der Action des Filmes erwarten den Zuschauer erstaunlich solide und knackige Martial Arts Fights, die stark auf Effektivität getrimmt wurden und flott montiert sind. Zudem enden sie meist mit wirklich brachialen Finishern, bei denen Kehlen heraus- und Gesichter abgerissen werden. Hierbei schwanken die Effekte beständig zwischen Splatstick und teilweise sehr derben, auf Ekel ausgerichteten Momenten. In der deutschen Fassung bekommt man davon leider nicht viel zu sehen. Diese wurde wirklich großräumig ihrer blutigen Schauwerte beraubt und fährt leider alles auf, was man in Sachen Zensur längst ausgestanden zu haben meinte: Tonsprünge, Anschlussfehler, logische Inkonsistenten und spurlos verschwindende Charaktere.

Allerdings hätte man ein solches „Massaker“ vermutlich schon im Vorfeld vorhersehen können, denn auch abseits der Action ist „Evil Feed“ ein extrem derbes Ding. Da werden Schwänze abgerissen und verspeist, allgemein ist die Kannibalismus-Thematik allgegenwärtig und ausgekotzte Aale oder zertrümmerte Schädel sind per se nichts, worauf der deutsche Jugendschutz steht. Da reichte offensichtlich auch der schwarze Humor, der den Film beständig durchbricht, nicht aus, um FSK und Co. milde zu stimmen. Was ebenfalls verständlich ist, da der Humor meist eher sehr zynischer Natur ist.

In „Evil Feed“ ist einmal von Delitainment die Rede. In diese Sparte, nämlich deliziöse Unterhaltung, fällt der deftige Splatterspaß definitiv nicht. Dazu ist seine Story zu zerfahren, krauchen zu viele Charaktere etwas zu ziellos durch die Handlung und sind der aufgefahrene Humor, das hektische Overacting und manch beknackter Dialog zu sehr Geschmackssache. Dennoch kann man an dieser kleinen Geschmacklosigkeit durchaus Spaß haben. Das Tempo ist mehr als flott und die harte Action sowie die mal heftigen und mal witzigen Splattereinlagen setzen hübsche Highlight-Momente. Und Yuki-Darstellerin Alyson Bath alleine ist das Ansehen schon wert. Von der hübschen Comicoptik ganz zu schweigen. Sobald also der Appetit nach einem politisch völlig unkorrekten Filmhappen bei euch aufkommt, wäre „Evil Feed“ definitiv eine gute Wahl.

Die deutsche DVD und Blu-ray erscheint am 21. November 2014 von Mad Dimension. Leider nur in der schwer zensierten FSK 18 Fassung. Man darf sicher hoffen, dass das Label für eine Unterlizensierung ins deutschsprachige Ausland sorgen wird. Ansonsten bleibt nur der Griff zur Regionalcode 1 Scheibe aus den USA, wo der Film ausschließlich auf DVD erschien. In Australien gibt es auch eine Blu-ray, allerdings ist mir nicht bekannt, ob „Evil Feed“ hier uncut durchgewunken wurde.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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