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Civil War

Civil War

“Civil War” lieferte die Inspiration für den dritten “Captain America”-Film. © Panini-Verlag

Stamford, Connecticut. Ein Fernsehteam begleitet für eine Reality-Show eine Gruppe unbekannter Superhelden. Diese wollen live vor den Kameras eine Bande Superverbrecher ausschalten. Doch sie werden schnell entdeckt und es kommt zum Clash beider Parteien. Die liefern eine gewisse Zeit einen tollen Kampf für die Kameras. Doch dann läuft alles aus dem Ruder: Einer der Superverbrecher ist der brandgefährliche Nitro. Der entfesselt mal eben seine Superkraft und legt den gesamten Ort in Schutt und Asche. Mit Mann und Maus…

Die Empörung der amerikanischen Bevölkerung ist gigantisch. Immer wieder kommt es zu zig Kollateralschäden, wenn die ach so hilfsbereiten Superhelden losziehen, um die Welt zu retten. Weitere verlustreiche „Fehlschläge“ anderer Superhelden verschärfen die Lage nur noch. Es kommt bald zu Übergriffen. Beispielsweise wird die menschliche Fackel Johnny Storm von besorgten Bürgern krankenhausreif geschlagen. Es muss gehandelt werden.

So dauert es nicht lange, bis die US-Regierung ein Gesetz verabschieden will, das Superhelden zwingt, sich registrieren zu lassen und ihnen bestimmte behördliche Stellen als Vorgesetzte vorschreibt. Unerwarteter Fürsprecher dieser Initiative wird ausgerechnet Tony Stark. Sein erbitterter Gegner in dieser Sache ist Captain America. Zwischen beiden kommt es zum offenen Streit und sie gehen fortan getrennte Wege…

Als es Tony Stark gelingt, ausgerechnet Peter Parker alias Spiderman dazu zu bringen, sich zu registrieren, landet er einen Riesencoup. Viele Superhelden folgen dem Beispiel und das Gesetz wird mit viel Rückenwind verabschiedet. Um selbiges durchzusetzen, agiert Tony Stark mit eiserner Härte. Er lässt nicht registrierte Superhelden knallhart verfolgen und inhaftieren.

Derweil baut Captain America im Untergrund den Widerstand auf. Eines Tages kommt es dann zum Unvermeidlichen: Die Parteien prallen in einer Schlacht aufeinander. Danach sind die Fronten vollends verhärtet. Stark greift zu moralisch höchst bedenklichen Mitteln, um das Gesetz durchzudrücken. Und Cap? Der verfällt dem Wahnsinn…

Dieses Comic veränderte das Marvel Universum

„Civil War“ von Mark Millar gilt vielen als Meilenstein. Was nicht verwundert, denn dieses Epos packt von seiner ersten Seite an und lässt den Leser nicht wieder los. Mark Millar baut dabei das zugrundeliegende Szenario um die zunehmend verängstigten Menschen flott und glaubwürdig auf. Um dann das Marvel Universum unvermittelt in zwei Hälften zu zerreißen.

Dabei entfesselt er ein echtes Inferno, das auch in Comicheften abseits der „Civil War“-Miniserie Auswirkungen hatte. Er spaltet etablierte Teams. Er lässt sie wie Feinde aufeinanderprallen. Und er tötet sogar Helden. Rundherum errichtet er ein interessantes Gerüst aus vielen moralischen Implikationen:

Rechtfertigt das Begehren der Menschen nach der Registrierung der Superhelden all die Gefahren, die daraus resultieren, dass die Helden ihre Geheimidentität für die Registrierung aufgeben? Kann man verantworten, von menschlichen Interessen geleitete Instanzen zu den Befehlshabern der „Superwaffen“/Superhelden zu machen? Schaden die auf eigene Faust agierenden Superhelden dem Ansehen der Instanzen, die eigentlich für Recht und Ordnung zuständig sind?

Die Antworten darauf liefert Millar vornehmlich anhand der beiden Figuren Tony Stark und Captain America, die er in eine erstaunliche Abwärtsspirale schickt. Vor allem Stark entwickelt dabei extrem finstere Seiten. Doch auch die perfekte Hülle Captain Americas bekommt tiefe Risse. Millar macht es sich und dem Marvel-Universum nicht leicht. Und natürlich erlaubt er sich kein versöhnliches Ende.

Vom Comic zum Film: Die Unterschiede

Civil War

Anlässlich des Filmstarts erschien auch eine edel aufgemachte Limited Edition von “Civil War”. © Panini-Verlag

Zunächst einmal das Offensichtlichste: „Civil War“ von Mark Millar (“Nemesis“) war für den neuesten Marvel Streifen „The First Avenger: Civil War“ kaum mehr als eine lose Vorlage bzw. eine Inspiration. Im Grunde wird nur die Grundidee übernommen, dass die Superhelden an Ansehen und Rückhalt in der Bevölkerung verlieren, weil ihre Aktionen immer wieder Menschenleben fordern und sie losgelöst von jedweder behördlicher Kontrolle agieren.

Zudem wird ein Schlüsselmoment des Comics übernommen, in dem eine Frau Tony Stark mit einem Foto ihres verstorbenen Jungen konfrontiert und sie den Lebemann für dessen Tod mitverantwortlich macht. Obendrein behält der Film die grundlegenden Fronten bei: Macht Iron Man zum Anführer derer, die für eine Registrierung der Superhelden sind. Und Cap zum Antipoden. Eine eigentlich erstaunliche Wahl (der Lebemann wird zum blinden Folger, der Überkorrekte zum Rebell), die schon im Comic nicht ganz rund erscheinen will, dort aber noch besser verklausuliert wird als im Film.

Davon abgesehen geht der Film vollkommen eigene Wege. So beschränkt er aus lizenzrechtlichen und finanziellen Gründen den „Bürgerkrieg“ aller Marvel-Helden auf die Rächer. Eine notwendige, leider aber wenig elegant anmutende Verknappung. Zudem installiert er einen eigentlich nicht notwendigen Oberbösewicht, der eine eigene Vendetta verfolgt und damit den „Bürgerkrieg“ von außen kommend zusätzlich mit anschiebt. Und die Story um Captain America und seinen Kumpel, den Winter Soldier, wirkt etwas legitimierend vorangetrieben, damit sich der Film nicht vollends wie „The Avengers 3“ anfühlt.

Dabei lässt der Film einige interessante Elemente der Comicvorlage zu leichtfertig links liegen: Beispielsweise entwickeln Stark und Rogers keinerlei wirklich finstere Seiten. Vor allem der Captain bleibt wie gewohnt ein strahlend sauberer Superheld, dem man die Rebellenrolle, die er einnehmen soll, nie so wirklich abnimmt. Es erstaunt zum Beispiel, dass ausgerechnet er nie hinterfragt, welche Opfer seine Einsätze im Allgemeinen so fordern. Das tut er im Comic zwar auch nicht, da entwickelt er aber wenigstens aus sich heraus einige düstere Züge.

Der im Vorfeld einiges Interesse weckende Auftritt von Spiderman verkommt im Film zum bloßen Momentum. Im Comic dagegen hat Spiderman eine wichtige Schlüsselrolle inne, wenn er sich zunächst gegen die Registrierung sträubt, um seine Familie und Freunde mit der Offenlegung seiner Peter-Parker-Geheimidentität nicht zu gefährden, dann aber doch einwilligt und damit Stark in die Hände spielt. Und er bleibt darüber hinaus megawichtig für die Story. Auch ist der Comic um ein Vielfaches düsterer. Wenn hier die Helden aufeinanderprallen, nehmen die Bilder apokalyptische Ausmaße an. Es wird mit härtesten Bandagen gekämpft. Dagegen wirken die Filmkonfrontationen doch eher humorig denn wuchtig.

Und von dem starken Ende des Comics, das die Synapsen kitzelt und alles andere als Happy oder 0815 ausfällt, bleibt im Film nichts erhalten. Hier endet leider alles in Friede, Freude, Eierkuchen und etwas Missstimmung, die aber schnell zur Aufbruchsstimmung umgeswitcht wird. So kann man freilich einfach weitermachen wie bisher – ohne Ecken und Kanten.

Comic vs. Film: Der Comic gewinnt

Das soll nun alles nicht bedeuten, dass „The First Avenger: Civil War“ ein schlechter Film wäre. Das ist er mitnichten. Er ist ein unterhaltsames, leicht geschwätziges Eventmovie mit fetten Schauwerten und topp aufgelegten Darstellern. Das Ding ist nur, dass der Film gegen seine Inspiration in Comicform kaum einen Stich macht. Die ist um ein Vielfaches epischer angelegt. Kommt überlebensgroß daher, ist intelligent, stellt moralisch verzwickte Fragen und entwickelt eine ungeahnte Muse, ein ganzes Erzähl-Universum komplett auf Links zu drehen. Dieser Mut und diese Wucht hätte „The First Avenger: Civil War“ verdammt gut gestanden, doch der geht lieber den einfacheren Weg. Es sei ihm gegönnt. Eine originalgetreuere Adaption von „Civil War“ wäre aber mehr als wünschenswert. Doch das dürfte dank des „Bürgerkrieges“ zwischen Fox und Marvel eher ein Traum bleiben.

Alle Informationen zu „Civil War“

Der Panini Verlag vereinte alle Einzelhefte der “Civil War” Miniserie in einem edel aufgemachten Sammelband, der neben den Heften auch eine Cover-Galerie enthält. Eine Limited Edition des Sammelbandes kommt im Hardcover-Einband und hat ein weiteres “Captain America” Heft im Gepäck.

Civil War
von Mark Millar (Autor) und Steve McNiven (Zeichner)
Broschiert: 208 Seiten
Verlag: Panini; Auflage: 1 (12. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866075801

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In diesem Sinne:
freeman

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