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Cult of Chucky

Originaltitel: Cult of Chucky__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Don Mancini__Darsteller: Jennifer Tilly, Fiona Dourif, Brad Dourif, Alex Vincent, Elisabeth Rosen, Michael Therriault, Summer H. Howell, Zak Santiago, Grace Lynn Kung, Allison Dawn Doiron, Adam Hurtig u.a.
Cult of Chucky Deutsches Cover

Chucky ist zurück und mordet wieder munter drauflos: “Cult of Chucky”

Nica landete nach den blutigen Ereignissen in „Curse of Chucky“, die fünf Menschen das Leben gekostet hatten, in psychiatrischer Behandlung. Behauptet sie doch steif und fest, eine Kinderpuppe sei für die Morde verantwortlich. Nicas Umfeld und sogar ihr Psychiater sind allerdings davon überzeugt, dass die junge Dame an den Morden nicht ganz unschuldig ist.

Um Nica besser überwachen zu können, lässt ihr Psychiater sie in die Heilanstalt verlegen, an der er selbst tagtäglich tätig ist. Hier will er Nica mittels Konfrontationsstrategie dazu bringen, ihre Schuld einzugestehen und so einer Heilung ihrer angeblich dissoziativen Persönlichkeit einen Schritt näher zu kommen. In der Folge ist Nica bald von mehreren Chucky-Puppen umgeben.

Doch diese scheinen nicht nur auf Nica einen unheimlichen Einfluss auszuüben. Auch die anderen Patienten finden sich bald in einer Art Massenpsychose wieder. Das ideale Umfeld für Chucky, denn der lässt sich freilich nicht zweimal bitten, diese Situation zu seinem mordlüsternen Vorteil auszunutzen.

Schaut in den optisch genialen „Cult of Chucky“ hinein

Mit „Curse of Chucky“ war es Don Mancini gelungen, das mit „Chucky’s Baby“ vor die Wand gefahrene Chucky-Franchise zu retten. Seine garstige Neubelebung der Reihe um die rothaarige Killerpuppe führt er nun mit „Cult of Chucky“ nahtlos fort, erweitert mit dem neuesten Eintrag seine Möglichkeiten für die Fortführung der Geschichte auf interessante Art und Weise und betreibt mal wirklich massiven Fanservice.

Cult of Chucky Chucky als nette Puppe

Nicas Psychiater verfolgt seltsame “Heilmethoden”.

Der setzt bereits mit dem Anfang des neuesten Chucky-Filmes ein, wenn der in Teil I und II den kleinen Andy spielende Alex Vincent auftaucht. Humorig wird präsentiert, wie die Ereignisse um Chucky Andys Leben bis in die Gegenwart hinein beeinflussen. Blöderweise weiß Mancini mit Alex Vincent aber nicht wirklich viel anzufangen. Lässt dessen Part sogar komplett ins Leere laufen. Dafür gibt es Rückblicke in den ersten Teil und auch die in „Chucky und seine Braut“ so herrlich schräge Jennifer Tilly darf wieder ran und den Film ordentlich aufsexen. Ihr Puppenpendant gibt es im Übrigen auch zu sehen.

Davon abgesehen hat sich Don Mancini für „Cult of Chucky“ mit dem Setting einer Irrenanstalt einen im Chucky-Universum bislang ungenutzten Schauplatz ausgesucht. Die hier steigende Handlung gehorcht leider in vielen Punkten zu sehr den Genre-Klischees und die Figuren sind in ihrer Anlage einfach zu durchschaubar geraten. Dadurch wird der Film arg vorhersehbar und scheitert vor allem bei seinen Bemühungen, dem Zuschauer ein Vexierspiel rund um Einbildung und Realität vorzugaukeln.

So weit, so vorhersehbar. Doch sobald Chucky dann richtig in der Handlung angekommen ist und wie gewohnt loslegt, ist das Unternehmen „Cult of Chucky“ wieder auf Kurs. Die Killerpuppe bricht das Treiben in der Irrenanstalt immer wieder ironisch auf, lanciert einen schwarzhumorigen Spruch nach dem anderen und lässt das Blut nur so spritzen.

„Cult of Chucky“ ist in einigen Momenten richtig derb geraten. Die FSK 18 Freigabe hat sich der Horrorfilm mühelos verdient. Dabei ist der Bodycount selbst gar nicht sonderlich hoch. Ganz im Sinne der Reihe, die nie ein Bodycount-Monster war. Aber wie es die Leute erwischt, das haut ordentlich rein. Das Schöne: Bis auf eine Szene wirken alle Einlagen handgemacht. Doch selbst diese eine Szene ist etwas ganz Besonderes.

Cult of Chucky Fiona Dourif als Nica

Nica fühlt sich in der Therapieeinrichtung wahrlich fehl am Platz.

Dabei handelt es sich das Highlight unter den Splatterszenen. Eine einerseits enorm brutal und andererseits einfach wunderschön anzusehende Enthauptung einer Anstaltsinsassin. In der Szene lässt Chucky mittels eines unter Druck stehenden Behälters ein Panoramafenster zerbersten. Blöd für die Frau, die unter dem Panoramafenster liegt. In Ultra-Zeitlupe lässt Mancini die schweren Glassplitter auf die gefesselte Frau herunter regnen. Die scharkantigen Scherben zerschneiden die Frau und ein besonders großes Stück trennt den Kopf vom Körper. Während der Kopf noch am Boden umher rollt, beginnt Schnee durch das nun offene Fenster auf den toten Körper herab zu schneien. Schrecklich schön… sozusagen.

Allgemein ist die Optik die größte Stärke von „Cult of Chucky“. Eine Gemeinsamkeit mit dem optisch ebenfalls schwer beeindruckenden Vorgänger. Und wie bei jenem nutzt Mancini die Gegebenheiten seines Schauplatzes, um diese in seine Optik einfließen zu lassen. Wo in „Curse of Chucky“ noch dunkle Schatten und verwinkelte Szenerien in dem Landsitz Nicas die Optik beherrschten, sind es nun die optische Klarheit und geometrische Korrektheit des riesigen Anstaltsgebäudes, die die Optik dominieren.

In der Folge wirkt „Cult of Chucky“ in jeder einzelnen Szene beinahe geometrisch genau ausgemessen. Immer wieder thronen Gegenstände und Personen exakt in der Bildmitte. Die Kamera folgt unaufgeregt klaren Linien. Lange Einstellungen setzen erneut eindrucksvolle Kontrapunkte zum kurzatmigen Horrorkino unserer Zeit.

Immer wieder schleichen sich auch herrlich schräge Perspektiven in den Film ein, die aufgrund der sonstigen Korrektheit richtig zu verunsichern wissen. Derweil scheint das kalte Neonlicht der klinisch sauberen Anstalt jedwede Sättigung aus den Farben gezogen zu haben. Alles wirkt kalt, bläulich/grau. Eine Umgebung, in der die blutigen Folgen von Chuckys Tun nur um so mehr knallen. Und in der die in Rot gewandete Jennifer Tilly eindrucksvolle Farbtupfer setzt.

Cult of Chucky Killerpuppe beim Morden

Chucky hat wieder viel Spaß mit den kleinen Menschlein…

Ein wenig schade ist, dass sich Mancini nicht mehr so sehr auf Hauptdarstellerin Fiona Dourif (lest unser Interview mit ihr zu „Curse of Chucky“) verlässt und sie mit einigen Nebenfiguren zu viel flankiert. Diese ziehen ordentlich Aufmerksamkeit von Fionas Nica ab. Infolgedessen ist man in ihren Überlebenskampf diesmal nicht ganz so stark involviert. Zumal Chucky lange Zeit auch kein wirklich großes Interesse an ihr zu haben scheint.

Aus Darstellersicht sei zumindest noch erwähnt, dass Fionas Vater Brad Dourif („Blood Shot“) natürlich wieder die Killerpuppe Chucky spricht. Und dabei sogar mehr zu tun bekommt als sonst, da er mehrere Ausgaben des blutrünstigen Lausebengels sprechen muss. Zudem weiß zu gefallen, dass die Anstaltsinsassen rund um Nica halbwegs zurückhaltend agieren, also nicht mit Overacting der Marke „Schauspieler spielt einen Verrückten“ nerven.

„Cult of Chucky“ setzt ordentlich fort, was mit „Curse of Chucky“ begonnen wurde. Eine Neuausrichtung der Franchise in Richtung ihrer garstigen Wurzeln. Ein blendend aufgelegter Chucky, krasse Splattereinlagen, fiese Witze und eine absolut brillante optische Umsetzung lassen dabei über so manche Ungereimtheit hinwegsehen. Leider ziehen die eher dünne Geschichte und ihre schwachen Figuren nicht so sehr in den Film hinein, wie das beim Vorgänger noch geschah. In der Folge zündet „Cult of Chucky“ nicht so sehr wie „Curse of Chucky“ und lässt es doch deutlich an Spannung mangeln. Zudem muss Mancini aufpassen, dass er mit weiteren Filmen keine Rolle rückwärts in Richtung „Chuckys-Kille-Kille-Nummernrevue“ vollzieht und neugewonnene/wiedergewonnene Fans (erneut) vergrault. Im Vergleich zu vielen B-Stinkern und vor allem diversen ADHS-Horrorfilmen moderner Prägung ist „Cult of Chucky“ dank seinem ruhigen und besonnenen Aufbau immer noch eine echte Wohltat.

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 9. November 2017 von Universal Pictures Home Entertainment und ist mit einer FSK 18 Freigabe uncut. Besser noch: Die Datenträger enthalten die Unrated-Fassung des Chucky-Spaßes.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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