Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Fast & Furious 8

Originaltitel: The Fate of the Furious__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: F. Gary Gray__Darsteller: Vin Diesel, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Elsa Pataky, Ludacris, Kurt Russell, Jason Statham, Nathalie Emmanuel, Charlize Theron, Scott Eastwood, Kristofer Hivju, Luke Evans, Helen Mirren u.a.
Fast & Furious 8

„Fast & Furious 8“ hat fast so viele Stars wie PS, darunter Vin Diesel, Dwayne ‘The Rock’ Johnson, Jason Statham, Michelle Rodriguez und Kurt Russell

Nachdem „Fast & Furious 7“, vielleicht auch wegen Paul Walkers frühem Tod, zum Megaerfolg geworden war und sich bereits die Vorgänger als kassenträchtig erwiesen hatten, machte man auch ohne Walker mit „Fast & Furious 8“ weiter – natürlich in seinem Namen und zu seinen Ehren, wie das Produktionsteam gern verlauten ließ.

Fanwünsche waren natürlich auch im Spiel und so beginnt der achte Teil mit einem Straßenrennen, das manche Anhänger der ersten Stunde in den letzten Sequels vermisst hatten. Dominic Toretto (Vin Diesel), der inzwischen mit Freundin Letty Ortiz (Michelle Rodriguez) auf Kuba lebt, fordert den ortsansässigen Zampano zum Rennen heraus, als dieser das Auto von Doms Cousin pfänden will. Eine ganze statt einer Viertelmeile, Dom muss noch dazu die Schrottkarre des Cousins fahren, baut diese aber mit fünf Handgriffen zur rasefähigen Höllenmaschine um – Dom gewinnt natürlich trotz aller Widrigkeiten, während Kubas Anwohnerschaft (vor allem die junge weibliche) sofort zum Jubeln, Rumtanzen und Zugucken bereitsteht, außer an der Stelle, wo der Kontrahent ihn regelwidrig blockieren lassen will, doch einen Dom hält sowas nicht auf. Selbst wenn des Cousins Karre am Ende Schrott ist, Dom des Gegners Auto aus Großmut nicht kassiert und dem Cousin stattdessen den eigenen Flitzer gibt. Männerfreundschaft und Männerwettbewerb sind halt das allergrößte bei „The Fast and the Furious“.

Doch bald steht Cipher (Charlize Theron), Superhackerin mit blonden Dreadlocks, vor Dom und zwingt ihn zur Mitarbeit. Als Dom, Letty und der Rest des Teams zusammen mit Superagenten Luke Hobbs (Dwayne ‘The Rock‘ Johnson) eine EMP-Waffe stehlen, ist es dann soweit: Dom wendet sich gegen das Team und klaut das begehrt Objekt. Der Heist, der dem Verrat vorausgeht, wird ausgespart, nur das letzte Stückchen Verfolgungsjagd sieht man, damit die trailerfähige Szene kommen kann, in der eine riesige Abrissbirne sämtliche Verfolgerkarren von der Fahrbahn fegt, was leider auch die Sorgfalt andeutet, mit welcher spätere Set Pieces aufgebaut werden.

Nachdem Hobbs infolge des versuchten Diebstahls auch noch in den Knast wandert, da die Regierung jede Beteiligung an der Aktion bestreitet, ist die Stimmung auf dem Nullpunkt. Doch Wohltäter Mr. Nobody (Kurt Russell) boxt Hobbs und dessen Erzfeind Deckard Shaw (Jason Statham) aus dem Knast frei, damit sie gemeinsam dabei helfen Cipher und den abtrünnigen Dom zu finden. Doch die beiden sind weder einfach zu fassen noch am Ende ihrer Pläne…

Fast & Furious 8

Wie hat Oberschurkin Cipher (Charlize Theron) bloß Dominic Toretto ( Vin Diesel) auf ihre Seite bekommen)

Eigentlich gibt es ja eine Art Deal zwischen den späteren „Fast & Furious“-Filmen und den Zuschauern: Man ist darauf gefasst, dass die Filme viel Unsinn und Exzess bar jeder physischen Glaubwürdigkeit bieten, bekommt dafür aber einfallsreiche Set Pieces geliefert, welche die wahre kreative Arbeit der Macher erkennen lassen. Insofern gibt es viele Blödsinnigkeiten, über die man sich gar nicht aufregen braucht. Etwa, dass eine Bande von Autorenn-Rowdys sich inzwischen zu den Go-To-Guys von Regierung und Geheimdiensten gewandelt hat, wenn es um die Beschaffung von geheimen Technologien geht. Oder dass Mr. Nobodys junger Helfer (Scott Eastwood), nur Little Nobody getauft, sofort mit der Crew fahren darf, die sich eigentlich so dolle aufeinander verlassen muss (und tatsächlich macht Junior auch direkt Fehler).

Jedoch bricht „Fast & Furious 8“ dann mit diesem impliziten Verständnis, wenn es um die Action geht, obwohl man den vielbeschäftigten Stunt Coordinator und Second-Uni-Regisseur Spiro Razatos engagierte, der in dieser Funktion nicht nur bereits die Furious-Filme 5, 6 und 7 betreute, sondern auch Blockbuster wie „Captain America: Winter Soldier“, „The Expendables“ und „Kong: Skull Island“. Doch ausgerechnet für Razatos muss es am Set eher langweilig gewesen sein, obwohl sich „Fast & Furious 8“ in Richtung jener überzogenen Auto-Action-Krawallorgien bewegt, die Razatos dereinst für die B-Actionschmiede PM in Szene setzte. Doch ein Großteil der Autoaction kommt hier aus dem Rechner, was vielen Car Crashs und Verfolgungsjagden schon mal an Charme nimmt. Wenig besser sieht es bei den Nahkämpfen und Schießereien aus, die viel zu oft verwackelt und verschnitten sind, sodass die akrobatischen Einlagen Deckards oder die bullige Kampfsau-Präsenz Hobbs‘ leider kaum zur Geltung kommen. Auch bei mancher Autoactionszene ist der Schnitt etwas suboptimal, etwa wenn man im ersten Moment nicht sicher ist, auf welcher Karre eine gerade ausgefahrene Gattling überhaupt montiert ist.

Fast & Furious 8

Deckard Shaw (Jason Statham) unterstützt dieses Mal die Guten

Hin und wieder blitzen dann Einfälle auf, die zumindest kurzfristig für Laune sorgen. Da wäre zum einen ein großes Finale im ewigen Eis, bei dem neben der Fast-and-Furious-Family und ihren Gegenspielern noch eine (durchweg chancenlose) Terrormiliz mitmischt und ein U-Boot so zum Einsatz kommt, dass es an Spielbergs weißen Hai erinnert („We’re gonna need a bigger boat“ wird sogar indirekt zitiert). Parallel dazu kämpft sich Deckard durch ein Flugzeug und muss dabei noch eine besondere Fracht beschützen. Zum anderen gibt es eine Attacke auf den russischen Botschafter in New York, bei dem via Hack gestartete Autos als Waffe genutzt werden (mit den selbstfahrenden Autos ist man im F&F-Universum anscheinend schon deutlich weiter als in der Realität) und den Infiziertenhorden aus „World War Z“ ähnlich durch die Straßen walzen oder als fallende Geschosse genutzt werden. Das ist Banane, zeugt aber von Kreativität – wenn der Rechner nur nicht so oft und so offensichtlich eingreifen müsste um diesen Wahnwitz zu bebildern und das teilweise auch unnötig, denn manches CGI-Wrack könnte man auch durch das Zerstören einer echten Schrottkarre darstellen.

Problematisch ist allerdings, dass alle diese Set Pieces teilweise ausgesprochen lustlos verbunden werden: Die Motive Ciphers werden zwar zwischendurch kurz angesprochen, sind aber irgendwie vollkommen egal, während die Helden eher reagieren als agieren und dementsprechend oft nur hinter den Schurken herreisen anstatt selber elaborierte Heist-Pläne zu schmieden. Noch dazu lässt sich jede Wendung des eh nicht sonderlich komplizierten Plots meilenweit voraussehen: Wer den Löffel abgeben wird, wer seinen Tod nur vortäuscht, wer neu eingeführte Figuren sind, etwa jene zwielichtige Unterweltgröße (Helen Mirren), mit der sich Dom an einer Stelle des Films trifft.

Fast & Furious 8

Mr. Nobody (Kurt Russell) nordet Luke Hobbs (Dwayne ‘The Rock’ Johnson) für den Auftrag ein

Gleichzeitig muss man leider auch feststellen, dass manche Zutat der früheren Teile hier nicht so gut funktioniert. Die ironischen Brechungen, die immer wieder darauf verweisen, dass die Macher wissen was für einen Unsinn sie eigentlich inszenieren, gehen hier leider oft in handfesten Klamauk über, etwa wenn Hobbs das Fußballteam seiner Tochter zu einem seltsamen Ritual coacht und anschließend einen Anzug-Fuzzi wissen lässt, dass das Spiel wichtiger sei als „irgendsoein Regierungskram“, oder wenn Roman Pearce (Tyrese Gibson) sich andauernd zum Hampel macht. Auch die Machosprüche, gerade bei den Rivalitäten von Hobbs und Deckard, überschreiten oft die Grenze vom erträglichen Posertum und driften ins unfreiwillig Komische ab, so wie auch manche hirnrissige Stunteinlage bar jeder physikalischen Grundlage.

Für das Familienthema, das immer tragender für die Filmreihe wurde, ist da nur begrenzt Zeit. Zwar wird nicht nur die Raserfamilie, sondern auch der Shaw-Clan porträtiert, denn Deckard, der ultrafiese Bad Ass aus den Vorgängern, wird glattgeschliffen zum eigentlich doch ganz okayen Kerl, der alle Schandtaten nur für seinen Bruder beging. Auch Letty und Dom werden in den Fokus gerückt, gerade wenn es um das Thema Nachwuchs geht. Doch der Rest der Crew fungiert da nur als bessere Ansammlung von Stichwortgebern: Roman und Tej (Chris ‘Ludacris‘ Bridges) streiten sich um die Zuneigung der Hackerin Ramsay (Nathalie Emmanuel), die darf etwas hacken und sonst auf dem Beifahrersitz sitzen, während Hobbs außerhalb der Actionszenen kaum etwas zu tun hat, sieht man von seinem Knatsch mit Deckard ab. Doch auch die Antagonisten bleiben blass, sind sie doch bloß Auftragskiller und Hacker mit großer Professionalität und gelegentlichem Sadismus, aber ohne weitere tragende Eigenschaften.

Fast & Furious 8

Letty (Michelle Rodriguez) kämpft um und für ihren Dom

F. Gary Gray kennt die Besetzung: Mit Charlize Theron und Jason Statham drehte er bereits „The Italian Job“, mit Dwayne Johnson „Be Cool“ und mit Vin Diesel „A Man Apart“. Doch zu großen Höchstleistungen kann er nur wenige anspornen. Diesel („The Last Witch Hunter“) gibt gewohnt souverän den Macker und Johnson („Central Intelligence“) hat mal wieder ordentlich Spaß an der Rolle als harter Hund mit Herz, während Tyrese Gibson („Vier Brüder“), Ludacris („Max Payne“) und Nathalie Emmanuel („Maze Runner 2“) bloß routiniert ihre Parts runterreißen, Michelle Rodriguez („Tomboy“) sich solide schlägt ohne Akzente zu hinterlassen und Neuzugang Scott Eastwood („Suicide Squad“) absolut blass bleibt. Kurt Russell („Cutlass“) absolviert seinen besseren Gastauftritt charismatisch, doch Helen Mirren („R.E.D. 2“) beweist, wie man in nur zwei Szenen richtig den Film an sich reißen kann. Für kurze Szenen tauchen die Franchise-Rückkehrer Elsa Pataky („Give ‘Em Hell, Malone“) und Luke Evans („Dracula Untold“) auf, während Jason Statham („Mechanic: Ressurection“) als cooler Bad Ass das zweite große Highlight neben Mirren ist. Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“) und „Game of Thrones“-Wildling Kristofer Hivju schlagen sich angenehm fies als Schurken, können aber nur teilweise gegen die etwas farblosen Rollen anspielen.

Es war klar, dass auch „Fast & Furious 8“ absurder Unsinn jenseits von Logik und physikalischer Glaubwürdigkeit sein würde. Doch leider ist es auch ausgesprochen dröger Unsinn, dem die Leichtigkeit und die Kreativität früherer Franchise-Einträge abgehen und der phasenweise ausgesprochen bemüht wirkt. Hinzu kommt ein Zurückfahren handgemachter Auto-Action für noch übertriebenere CGI-Spielereien, eine Vernachlässigung vieler Stammcharaktere und eine oft lustlose Einleitung der Set Pieces. Immer wieder blitzt der Spaß der Vorgänger auf, Dwayne Johnson, Helen Mirren und Jason Statham sorgen für gute Laune, aber unterm Strich ist der achte Teil eine schwache Vorstellung.

Knappe:

„Fast & Furious 8“ startet am 12. April 2017 in den deutschen Kinos und ist ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 12.4.2017 in den deutschen Kinos

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