Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Tin Soldier

Originaltitel: Tin Soldier__ Herstellungsland: USA-GB__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Brad Furman__ Darsteller: Scott Eastwood, Jamie Foxx, Robert De Niro, Nora Arnezeder, John Leguizamo, Shamier Anderson, Saïd Taghmaoui, Yul Vazquez, Rita Ora, Joey Bicicchi, …

Tin Soldier

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Action-Thriller „Tin Soldier“ wäre eins dieser typischen B-Movies der Sparte solcher wie „Savage Salvation“ oder „Alarum“ – doch eigentlich ist dem gar nicht so. Für amtliche 45 Millionen Dollar 2022 in Griechenland gedreht, hatte Regisseur und Co-Autor Brad Furman zuvor rund vier Jahre lang an dem Skript gearbeitet, welches klassische Genre-Elemente mit einer Geschichte über PTSD und den Machenschaften einer Jonestown-/Branch-Davidians-artigen Sekte verband sowie er stolz als „an ambitious, important and deeply personal Work“ bezeichnete. Genügend Erfahrung besaß er – das hatte er mit Veröffentlichungen wie „the Lincoln Lawyer“, „Runner Runner“, „the Infiltrator“ und „City of Lies“ bereits bewiesen – doch muss irgendwann irgendetwas wohl „schiefgelaufen“ sein. Bis 2025 hörte man im Grunde nichts mehr von dem Projekt – bis der Film plötzlich kurzfristig in nur ein paar wenige US-Kinos gebracht wurde sowie vielerorts „direct to Streaming“ ging; jeweils mit bloß einem Minimum an Promotion sowie frei begleitender Interviews oder Statements Furmans. Eine Ursache dafür hätte sein können, dass das Abgelieferte schlichtweg schlecht geraten war – und obgleich das (angesichts des Ergebnisses) durchaus zutreffend sein mag, deuten Gegebenheiten wie das Einsetzen des Abspanns nach nicht einmal 79 Minuten auf weitere Faktoren hin, die da vielleicht mit reingespielt haben…

Von seinen Erlebnissen im Rahmen seiner Militär-Einsätze psychisch zerrüttet, hatte Leon Prudhomme (Jamie Foxx) einst eine Selbsthilfe-Gruppe für an post-traumatische Belastungsstörungen leidende Veteranen gegründet: „The Program“. Sich beherzt für dieses wichtige Anliegen engagierend, erhielt er Unterstützung seitens der Regierung und schuf auf einem abgeschiedenen Anwesen in Idaho eine Einrichtung, in der Betroffene „unter sich“ innerhalb einer ein Stück weit New-Age-esken Gemeinschaft „Frieden finden“ konnten. Nach und nach resultierte Prudhomme’s Verbitterung darüber, wie diese Männer und Frauen von ihrem Vaterland und der Gesellschaft ausgegrenzt und im Stich gelassen wurden, jedoch darin, dass seine Wut immer weiter anwuchs sowie daraus zunehmend radikalere An- und Absichten erkeimten, welche er in seine Ausführungen integrierte und somit auf seine Teilnehmer übertrug – die er schon bald seine „Shinjas“ zu nennen begann, während er für sich selbst den Namen „The Bokushi“ auserwählte (beides aus dem Japanischen: Gläubige sowie Pfarrer/Pastor). Sich fast völlig von der Außenwelt abschottend, fingen sie eine „utopische Gesellschaft“ anzustreben sowie große Mengen an Chemikalien zu beschaffen an, um so eine Serie von Anschlägen mit potentiell fatalen Auswirkungen verüben zu können: Ein angepeiltes „Stürzen des Systems“ als Vergeltung für das, was man ihnen angetan hat – mit ihnen selbst dann an ihrem Rückzugsort „Eutierra“ in Sicherheit…

Als die Behörden mehr und mehr über die Umtriebe und Pläne des Kults mitbekommen – u.a. via einer Kontaktperson (Rita Ora) in dessen Reihen – entscheidet man sich schließlich fürs gezielte Entsenden einer einzelnen Einheit, um den Bokushi zu ergreifen – doch misslingt das Vorhaben: Bis auf Team-Leader Luke Dunn (John Leguizamo) werden alle (inklusive der Informantin) getötet – mit dem einzigen Erfolg der Aktion zumindest die Rettung einiger Kinder. Eins jener hat einen Brief bei sich, der die Möglichkeit beschwört, dass Evoli Carmichael (Nora Arnezeder) eventuell noch am Leben ist: Sie und ihr Partner Nash Cavanaugh (Scott Eastwood) hatten sich bei The Program kennen und lieben gelernt und waren zusammen geflohen, als sie schwanger wurde. Allerdings kamen sie nicht sehr weit: Das Ramm-Manöver eines sie jagenden Fahrzeugs ließ Nash einen Unfall bauen sowie ihren Wagen von einer Klippe hinunter in einen Fluss stürzen – wo die Strömung sie voneinander trennte und sie allem Anschein nach ertrank; im Gegensatz zu ihm. Letzteres ist bereits eine Weile her – bedrückt Nash aber weiterhin schwer, da er sich die Schuld daran gibt. Antriebslos sowie des Öfteren dem Alkohol zugetan, tritt Emmanuel Ashburn (Robert De Niro) nun mit dieser neuen Entwicklung an ihn heran, um ihn für eine kleine Strike-Force zu rekrutieren, die er gerade aufstellt, um den Bokushi auszuschalten, bevor das FBI das Gelände (mit hohen Verlusten befürchtet) stürmt…

Von seiner erzählten Story her könnte sich „Tin Soldier“ – bei der Titel-Einblendung übrigens noch mit einem „the“ davor – relativ gradlinig entfalten – doch wurde jener Pfad hier nicht beschritten. Als Nash, Dunn sowie die „Special Operator“ Jackson (Shamier Anderson) und Kollock (Yul Vazquez) im Schutze der Dunkelheit Zugang zu dem Gebäude-Komplex erlangen – mit Nash’s Kenntnissen der Örtlichkeiten wie erhofft zu ihrem Vorteil – brechen prompt diverse durch die vertraute Umgebung und damaligen Geschehnisse getriggerte Erinnerungen über ihn (wie auch übers Publikum) herein – was zusätzlich noch Halluzinationen bei ihm auslöst, seinen Fokus kritisch beeinträchtigt sowie Jackson’s Argwohn ihm gegenüber offenbar bestätigt. In diesem „Schleier“ aus seiner eigenen angeknacksten Psyche, der angespannten aktuellen Situation, dem hängengebliebenen „Toxismus“ The Bokushis sowie den frisch aufgewühlten Gedanken und Emotionen hinsichtlich Evoli – ihres Zeichens ja die Basis seiner unermüdlichen Hingabe – eskaliert die Lage und bricht ein wüstes Chaos aus; u.a. samt Shootouts, Fights, einschlagender Raketen und gelegter Brände. Dem anvisierten „Fiebertraum-Feeling“ dieser Phase steht die gewählte Struktur in der präsentierten Form jedoch eher im Wege – mit den Flashbacks das Momentum regelmäßig ausbremsend, ohne das Ganze dafür wenigstens mit einem einträglichen Grad an beklemmender Desorientierung oder „Tiefe“ anzureichern…

Der Angriff des FBI mündet in einem Desaster in der Richtung jenes 1993 in Waco – im Vorliegenden allerdings mit mehr Opfern bei den Anrückern. U.a. wird ein „Black Hawk“ abgeschossen, Kultisten stürzen sich quasi als „menschliche Bomben“ aus oberen Etagen auf die Gesetzeshüter – nunja, anstatt einfach den Sprengstoff runterzuwerfen – während via des Sprinkler-Systems allerorts Benzin versprüht wird und die Gefechte (Bundesbeamte wider im Laufe ihres Landes-Diensts seelisch geschädigte, gut ausgebildete Ex-Kameraden und deren Kinder, wohlgemerkt) unvermindert anhalten: Prinzipiell ein überaus intensives Szenario – dessen dahingehendes Potential der Film bedauerlicherweise aber nur bedingt auszuschöpfen vermochte. Mit der Vergangenheit und Gegenwart sich heftig vermischend, kämpft und schreitet Nash weiter voran – geleitet von der Zuversicht und Chance, dass Evoli (nach all der Zeit) entweder eine Gefangene des Bokushis ist oder sie sich erneut in seine Ränge eingegliedert hat; vielleicht, weil man sie davon überzeugte, dass er tot sei? Unweigerlich erwächst beim Zuschauer derweil die Vermutung, es mit einem Streifen der Sorte „Jacob’s Ladder“ oder „the Jacket“ zu tun zu haben – zumal Furman’s Background im Werbe- und Musikvideo-Bereich (so wie bei Adrian Lyne und John Maybury) in den betreffenden Passagen stilistisch immer wieder hervorschimmert; womit ich aber gar nicht mal eine irritierende Gesangs-Nummer The Bokushis meine…

Ja, bei einer der „Pep-Rallys“ von The Program gibt Foxx überraschend eine Cover-Version des 1970er Soul&Funk-Songs „(Don’t Worry) If there’s a Hell below, we’re all going to go“ Curtis Mayfields zum Besten: Ein bizarr-schräger Einfall – ebenso wie dass der in einem subterranen Versteck der Gruppe (unterhalb eines gewaltigen Staudamms) angesiedelte Showdown aus einem Mano-a-Mano-Brawl zwischen Nash und dem Bokushi in einem großen „Open-Air-Ring“ besteht; dramatisch intoniert von Taiko-Trommlern sowie komplett mit Flutlichtern und Flammensäulen-Pyrotechnik drum herum („total unauffällig“ vor dem Hintergrund, dass diese Leute eigentlich verborgen halten wollen, dass sie in dem Inferno ein paar Meilen weiter nicht ums Leben gekommen sind). Lieber nicht drüber nachdenken. Den Aufbau einer ergiebigen Connection zu ihnen blockierend, sind die Charaktere in dieser „dünnen“ Handlung durchweg oberflächlich ausgestaltet worden. Scott Eastwood („Fury“) bemüht sich redlich, Nash die nötigen Facetten und Empfindungen zu verleihen – verbleibt dabei allerdings (wie generell des Öfteren, wenn man ihm so etwas abverlangt) zu „blass“, um einen mit ihm mitfiebern zu lassen. Als eingangs nicht alles gleich preisgebender Ashburn steuert Robert De Niro („Joker“) derweil in einer nicht bloß von der Screen-Time her „limitierten“ Rolle soliden Support bei – und auch über Nora Arnezeder („Tides“) und John Leguizamo („the Crash“) muss man sich nicht beklagen…

Die ins Auge stechendste Figur in „Tin Soldier“ ist The Bokushi – welchen Jamie Foxx („God is a Bullet“) mit einer seltsam drapierten Afro-Perücke auf dem Kopf unfiligran „Scenery-chewing hammy“ portraitiert. Was ihn so charismatisch macht, um seine Anhänger derart an ihn zu binden und zu radikalisieren, vermag nie richtig vermittelt zu werden. Des Weiteren ist Sängerin und ab-und-zu-mal-Aktrice Rita Ora („Southpaw“) für kaum mehr als ein Cameo mit von der Partie, hat man Yul Vazquez („the Super“) und Shamier Anderson („John Wick: Chapter 4“) als Soldaten brauchbar gecastet, verkörpert John’s Tochter Allegra Leguizamo („the Floaters“) eine der Shinjas und wurde Saïd Taghmaoui (u.a. aus „La Haine“, „Wonder Woman“ sowie dem „the Killer“-Remake) als Haupt-Henchman des Bokushis nahezu rundum „verschenkt“. Es ist absolut möglich, dass das von Furman, Pablo F. Fenjves („Man on a Ledge“) und Newcomerin Jess Fuerst verfasste Skript ursprünglich keinen solch grob gestrickten Inhalt aufgewiesen hat – genau genommen gehe ich sogar fest davon aus – doch selbst wenn man das gelöst der ärgerlichen Beschaffenheit des in der Beziehung so nun Gebotenen betrachtet, ändert das bspw. nichts an der fundamentalen Gegebenheit, dass es in der Geschichte an PTSD leidende Veteranen sind, die förmlich „in Massen“ zur treuen Gefolgsschaft des Bokushis werden: Das entsprechend damit Suggerierte weist schon einen gewissen „Beigeschmack“ auf…

Im einordnenden Sinne eines „B-Movies“ kann man dem Werk durchaus das eine oder andere abgewinnen: Weil ständig irgendwas passiert, fühlte ich mich persönlich nie gelangweilt, stellte mich der Produktions-Aufwand zufrieden und sind weder Furman’s Regie, Chris Hajian’s („First Position“) Score, Tim Maurice-Jones‘ („Bastille Day“) Bebilderung noch die vereinzelt mit eingebundenen CGIs von schlechter Qualität. In Sachen Action gibt’s Shootouts, Fights und Explosionen – mit Profis wie Vlasto Ivanovic („Expend4bles“) und Vladimir Orlov („the Bricklayer“) unter den Verantwortlichen im Stunt-Team – und obwohl der Film an klaren Editing-Problemen krankt, schließt das keineswegs die gesamte Arbeit Jarrett Fijals („Stealing Cars“) und Padraic McKinleys („Wheelman“) mit ein. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, dass dem Projekt an einem Punkt das Geld ausgegangen war – mit bestimmten Szenen noch nicht abgedreht – oder dass das Vorgelegte beim Studio keinen Anklang fand und jemand daraufhin die Anweisung gab, quasi „das Ambitionierte“ Furmans überwiegend zu entfernen sowie aus dem Material zumindest noch „einigermaßen simpel-kompakte Genre-Kost“ zu basteln. Das Resultat ist ein frustrierendes „loses Gerüst“, welches sich hinsichtlich seiner Story und Protagonisten-Motive nun auf Dinge wie ein klischeehaft-ödes Voiceover verlässt sowie trotz Text-Tafeln zu Beginn und einem arg gestreckten finalen Zoom-Out nicht einmal die 80-Minuten-Marke erreicht…

gute7 von 10

Hierzulande ist „Tin Soldier“ bei „Amazon Prime Video“ erschienen (im Abo enthalten).

Stefan Seidl

Tin Soldier

(© Samuel Goldwyn Films & Amazon Prime Video)

Was hältst Du von „Tin Soldier“?
zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright des „Tin Soldier“ Postermotivs und der Pics: Unified Pictures / Samuel Goldwyn Films / Signature Ent. (GB) / Amazon Prime Video (D)__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-16__ DVD/BluRay: nein/nein (in GB gibt es aber eine DVD-VÖ)

Tagged as: , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 24167139 andere Actionnerds