Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Fegefeuer der Eitelkeiten

Brian De Palmas Adaption des Tom-Wolfe-Bestsellers fiel 1990 an den Kassen und bei der Kritik durch, ist aber trotz einiger Schwächen eine ganz vergnügliche Abrechnung mit der New Yorker Gesellschaft. Bruce Willis gibt den Sensationsreporter Peter Fallow, dessen große Stunde schlägt, als der Börsenmakler Sherman McCoy in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, der zum Politikum wird.

Originaltitel: The Bonfire of the Vanities__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Brian De Palma__Darsteller: Tom Hanks, Bruce Willis, Melanie Griffith, Kim Cattrall, Saul Rubinek, Morgan Freeman, Alan King, John Hancock, Clifton James, Barton Heyman, Kevin Dunn, Donald Moffat, F. Murray Abraham, Rita Wilson, Kirsten Dunst, Terry Farrell u.a.
Fegefeuer der Eitelkeiten

Als versoffener Reporter gehört Bruce Willis zu den Hauptfiguren in Brian De Palmas „Fegefeuer der Eitelkeiten“

Mit seinen Thrillern und Horrorfilmen hatte sich Brian De Palma bis in die vorderste Hollywoodriege vorgearbeitet, dort mit „Scarface“ und „The Untouchables“ Kassenhits gelandet, doch dann scheiterte „Die Verdammten des Krieges“ am Box Office – ein Vorgeschmack auf den auch bei der Kritik wenig geliebten „Fegefeuer der Eitelkeiten“, dessen heftiger Flop und Produktionsgeschichte sogar Stoff für ein ganzes Buch abgaben, „The Devil’s Candy“, das bereits 1991 erschien.

Obwohl sich „Fegefeuer der Eitelkeiten“ ein wenig abseits von De Palmas Leib- und Magengenres im Bereich des Spannungsfilms bewegt, so kann er seine Inszenierung, gerade in Sachen Kameraführung, auch gewinnbringend in dieser Satire einsetzen. Bereits die erste Sequenz nach den Credits, eine rund 5 Minuten lange, aufwändige Plansequenz mit vielen Schauspielern und Statisten, zeigt nicht nur den Weg des Reporters Peter Fallow (Bruce Willis) bei der Verleihung des Pulitzerpreises von der Ankunft in der Tiefgarage bis zum Ballsaal, sondern eignet sich auch hervorragend zum Vermitteln des Trubels, der auf den schwer angetrunkenen Ehrengast einstürzt. Weitere, ebenso scharfsinnig eingesetzte Kabinettstückchen tragen die Handschrift des Regisseurs, von extremen Untersichten über lange, manchmal subjektive Kamerafahrten bis hin zu einer Splitscreen-Sequenz in der Filmmitte.

Doch Fallow ist der Off-Erzähler und der Nutznießer einer ganz anderen Geschichte, nämlich der des Börsenmaklers Sherman McCoy (Tom Hanks), der eigentlich alles hat: Knete ohne Ende, Erfolg im Beruf und das amerikanische Traumleben mit Ehefrau Judy (Kim Catrall) und Tochter Campbell (Kirsten Dunst). Darüber hinaus hat Sherman noch eine Geliebte, Maria Ruskin (Melanie Griffith), die junge Ehefrau eines alten Sacks aus der New Yorker Schickeria, mit der er auf dem Weg zum Schäferstündchen die falsche Abzweigung nimmt und in der Bronx landen. Als sich ihnen zwei junge Schwarze bedrohlich nähern, drückt Maria aufs Gas und fährt einen der beiden anscheinend an – wobei De Palma, ganz der Thrillerspezialist, nicht alles offenlegt: Ob die beiden jungen Männer das Paar tatsächlich überfallen wollen, wird nicht klar, auch ist nicht ganz sicher, ob Maria den Mann überfährt oder er von einem herumfliegenden Reifen getroffen wird.

Jedoch wird der Fall zum Politikum, da Abe Weiss (F. Murray Abraham), seines Zeichens Staatsanwalt mit Bürgermeisterambitionen, einen Weißen sucht, den er verknacken und sich damit die Wählergunst der Nichtweißen erkaufen kann. Als die Polizei auf die Spur des Unfallwagens und McCoys kommt, nachdem das junge Unfallopfer ins Koma fällt, bricht die Welt des Maklers zusammen…

Fegefeuer der Eitelkeiten

Sherman McCoy (Tom Hanks) befindet sich gesellschaftlich auf dem absteigenden Ast, während die Karriere von Peter Fallow (Bruce Willis) genau deshalb den entgegengesetzten Weg geht

Für die Verfilmung von Tom Wolfes Bestseller trommelte De Palma ein Staraufgebot zusammen, das sich gewaschen hat, wobei die Besetzung der drei Hauptdarsteller auf Nummer sicher geht. Nach Werken wie „Meine teuflischen Nachbarn“ und „Geschenkt ist noch zu teuer“ war Tom Hanks geradezu prädestiniert für die Rolle des amerikanischen Biedermann-Spießers am Rande des Nervenzusammenbruchs, zumal sein Börsenmakler kein eiskalter Gordon Gecko aus „Wall Street“ ist, sondern ein naiver wie selbstgefälliger Börsenspekulant, der glaubt er habe sich seinen American Dream so redlich verdient, dass auch ein paar Seitensprünge nichts ausmachen – er will den Unfall sogar melden. Melanie Griffith („Shade“) ist als dümmlich-opportunistisches Flittchen immerhin so treffend besetzt, dass ihre mäßige Schauspielleistung nicht zu negativ ins Gewicht fällt und Bruce Willis mag nicht so heroisch sein wie in seinen Actionvehikeln nach „Stirb langsam“, aber den versoffene Underdog, der es schafft obenauf zu bleiben, das ist für den verschmitzten Star eine Paraderolle, die er mit Verve verkörpert. Auch sonst kann der Cast sich durchweg sehen lassen, von F. Murray Abraham („Dead Man Down“) als betont liberalem Staatsanwalt und Saul Rubinek („Gridlocked“) als dessen etwas wurstige rechte Hand über Kim Catrall („Split Second“) als zickige Upper-Class-Ehefrau bis hin zu Kevin Dunn („Draft Day“) als Rechtsverdreher und John Hancock („Sundown“) als dick auftragendem Reverend. Als gutes Gewissen muss mal wieder Morgan Freeman („Last Knights“) herhalten, aber dessen Richter Leonard White gibt die einzige moralische Instanz mit einer Kodderschnauze und einem Durchsetzungsvermögen, dass auch diese Besetzung stimmt.

Zumindest über weite Teile des Films, denn im Finale muss White dann noch einen Monolog halten, der die Moral des Films für alle nicht ganz Aufmerksamen noch einmal mit dem Holzhammer zusammenfasst und zu einer überflüssigen Predigt verkommt – vielleicht soll es eine optimistische Note nach dem Trubel des Mainplots und vor der süffigen, von Fallow vorgetragen Abschlussrede sein, aber es verfehlt seine Wirkung. Denn bis dahin ist klar, dass hier keiner gut wegkommt: Fallow und seine Kollegen sind Aasgeier, Weiss und sein Team sehen nur die politische Seite an dem Fall, Reverend Bacon (John Hancock) und seine schwarze Gemeinde nur die pekuniäre – selbst die Mutter des Opfers gesteht am Krankenbett des Komatösen, dass sie Gerechtigkeit wolle, aber es wäre ja auch schön sich ein paar Sachen von einer Kompensationszahlung leisten zu können. Das ist rabenschwarz und teilt nach allen Seiten aus, wodurch der nette Schluffi und frühere Master of the Universe McCoy bald nur noch als harmlos erscheint, macht er sich doch nur des Ehebruchs schuldig ohne sich groß etwas dabei zu denken.

Fegefeuer der Eitelkeiten

Für Sherman und seine Geliebte Maria Ruskin (Melanie Griffith) wird die Luft dünner

So kriegt hier die High Society ihr Fett ebenso weg wie die fast die komplette Justiz und die ärmliche Gemeinde der Bronx – White und ein paar kompetente Cops bleiben in Nebenrollen leuchtende Ausnahmen. Doch schon früh ist klar, wie das Gesellschaftsbild von „Fegefeuer der Eitelkeiten“ aussehen soll und danach fällt De Palma und seinem Drehbuchautoren Michael Cristofer („Die Hexen von Eastwick“) wenig mehr ein als die Schraube noch etwas mehr anzuziehen, aber viel Raum bleibt da nicht mehr, sieht von der köstlichen Szene, in der ein entnervter McCoy auf einer High-Society-Party mit einer Pumpgun wedelt ,mal ab. Zudem sind die Figuren zu klar umrissen als dass das Geschehen irgendwann wirklich überraschen könnte – dass Maria ihren Lover fallen lassen wird, dass Judy ihren Mann verlassen wird, dass der Staatsanwalt jedwede Vernunft für Umfragewerte fahren lassen wird, all das und noch mehr ist spätestens zur Filmmitte überdeutlich geworden.

Auch der Humor ist abseits des mit Freude ge- und überzeichneten Gesellschaftsbildes mal mehr, mal weniger treffsicher. Dass Maria als Luxus-Dummchen andauernd Fremdwörter falsch ausspricht, hat sich als Running Gag irgendwann totgelaufen, ebenso die Tatsache, dass sich auf den Partys der oberen Zehntausend anscheinend nur Bekloppte und Opportunisten herumtreiben. Und doch gibt es dazwischen immer wieder starke Momente, etwa die genüssliche Betrachtung der Demontage McCoys, ein Zusammentreffen des geschafften Maklers und des abgewrackten Reporters Fallow, bei dem McCoy gar nicht weiß, wem er da begegnet und später sein Herz ausschüttet, oder eine Szene, in der Judy ihren Mann anpfeift, dass sie als Ehepaar auf einer Party seien und sich unmöglich miteinander unterhalten könnten – man müsse sich doch unters Volk mischen. Noch dazu hat die Wahl von Fallow als Erzähler und Kommentator noch den angenehmen Effekt, dass der gleichzeitig süffisante, abrechnende, aber doch irgendwo idealistische Kommentar für den Film ebenso wie für seine Figur einzunehmen weiß.

Sicher, „Fegefeuer der Eitelkeiten“ ist nicht die allerböseste Abrechnung mit der New Yorker Gesellschaft und im braven Abgang regelrecht versöhnlich, die große Ablehnung für De Palmas Film befremdet in der Rückschau etwas. Die meisten Darsteller sind gut aufgelegt, bei dem hämischen Rundumschlag bekommt fast alles und jeder sein Fett weg und die inszenatorischen Trademarks des Regisseurs werden gewinnbringend zur Karikatur der Beteiligten eingesetzt. Hat zwar nicht durchweg Schwung, aber definitiv seine Qualitäten.

Warner hat den Film auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Auf der Blu-Ray gibt es den Kinotrailer als Bonusmaterial, auf der DVD gar keins.

© Nils Bothmann (McClane)

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