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Piranhaconda

Originaltitel: Piranhaconda__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Jim Wynorski__Darsteller: Michael Madsen, Rachel Hunter, Shandi Finnessey, Teri Ivens, Rib Hillis, Chris De Christopher, Kurt Yaeger, Michael Swan, Christina DeRosa, Noah Blake, Jenny Lin, Cindy Lucas u.a.
Piranhaconda

Soviel nackte Haut hat es im ganzen Film leider nicht: Die Piranhaconda ist eher prüde.

Wenn man „Piranhaconda“ mit dem optionalen Vorwort eines ehemaligen Penthouse Pets startet, das einst von Deutschland in die USA auswanderte, um da Karriere zu machen, erfahren wir, dass sie vom titelgebenden Monster des Filmes beinahe beiläufig verschlungen wird. Ohne sie zu genießen, schlucke das Monster sie mit einem Happs herunter. Es kaue sie nicht einmal. Wir erfahren, dass sich die Dame für den nächsten Film einen eindrucksvolleren Auftritt wünscht, bei dem sie auch mal im Maul der Kreatur herumschreien und herumzappeln darf. Zappeln kommt einem auch in den Sinn, wenn man an Michael Madsens Karriere in den letzten Jahren denkt, scheint selbige doch in den letzten Zuckungen zu liegen. Für „Piranhaconda“ kramte er noch einmal sein Outfit aus dem Creature Feature „Croc“ hervor und spielte einfach noch einmal genauso gelangweilt wie im Krokohorror seinen Stiefel herunter. Glücklicherweise musste er diesmal nicht bis nach Thailand. Denn für „Piranhaconda“ erwählte man Hawaii als Schauplatz.

Hier dreht ein Filmteam einen Low Budget Slasher mit Titel „Head Chopper 2“ ab und scheint gar nicht zu merken, dass hinter den Kulissen irgendwas die Crew dezimiert und immer mehr Mitarbeiter spurlos in den Wäldern Hawaiis verschwinden. Nach einem besonders katastrophalen Drehtag, an dem man erfahren hat, dass das produzierende Studio die Finanzierung des Filmes eingestellt hat, fährt man frustriert gen Hotelanlage, kommt da aber nie an, denn ein paar Terroristen entführen das Filmteam und wollen ein erkleckliches Lösegeld bei dem Filmstudio loseisen. Man verbringt die Filmemacher auf ein altes Fabrikgelände, wo man schon einen Professor gefangen hält, der unwissentlich bei seinen Forschungen das Ei eines bisher unbekannten Wesens aus dessen Nest gestohlen hat. Eine Mutation aus Anaconda und Piranha, gesegnet mit einem rasend schnellen Wachstum. Dieses will natürlich sein Ei zurück und beginnt die Terroristenschar zu dezimieren. Hilfe bekommt die Kreatur indirekt von Stuntman Jack, der seine Kollegen auf eigene Faust befreien will…

Piranhaconda

Früher Wurm fängt den Vogel … oder wie hieß das nochmal?

Was die Terroristen mit Michael Madsens („Sin City“) Professor wollen, ist genauso schleierhaft wie die Tatsache, warum Madsen von einer Szene zur anderen seine Sonnenbrille auf hat oder eben nicht. Anschlussfehler und Storylücken hat es dementsprechend reichlich in „Piranhaconda“. Dass der Film freilich weder das eine noch das andere vermeiden will, dürfte allen Trashfans schon beim Einlegen des Filmes bewusst sein. Da verschwinden Filmcrewmitglieder, ohne dass sich irgendwer wundert oder eventuell eine Suchaktion startet. Wie die Terroristen auf die Idee kamen, ein Low Budget Filmteam zu entführen und so den großen Reihbach machen zu wollen, wirkt auch etwas arg konstruiert und wieso manche Nebenhandlung so breit ausgewalzt werden muss, versteht man auch nie wirklich. Eine Figurenzeichnung gibt es ebenso wenig wie gute Dialoge und wer sich von dem per se zum Horrorgenre gehörenden Streifen etwas Spannung versprochen hat, liegt mal so was von daneben.

Stattdessen legt „Piranhaconda“ von Minute eins an größten Wert darauf, den Wurm aus Anaconda- und Piranhagenen im Einsatz zu zeigen. Wie eine solche Mutation entstanden sein könnte, wird freilich auch nicht erklärt. Es wird von evolutionären Sprüngen gefaselt, das muss reichen. Und so wütet die Piranhaconda zum leicht überstrapazierten Titelsong durchs Figureninterieur und schlägt vollkommen willkürlich einfach immer da zu, wo ein Bikinibabe gerade durch den Wald streift oder in ein Wasserloch springt. Warum Jim Wynorski seinen durchaus ansehnlichen weiblichen Cast nicht ein Mal blank ziehen lässt, bleibt dabei eine ebenso große Frage, wie jene, warum man nicht mehr Selbstironie walten ließ. Ansätze dahingehend sind durchaus vorhanden, werden aber meist zu schnell wieder fallen gelassen. Die Attacken der Piranhaconda sind derweil komplett humorlos und Michael Madsen trant so gelangweilt durch den Film, dass er vermutlich nicht einmal einen Witz hätte reißen können, wenn man es ihm befohlen hätte.

Piranhaconda

Bei Zahnfleischbluten hilft …

Wynorski inszeniert seinen Film in einem durchaus ansehnlichen Look. Dafür sorgen schon alleine die tollen Impressionen von Hawaii, die einen sofort auf einen Lottogewinn hoffen lassen, um diese Gegend endlich auch einmal zu erkunden. Auch wenn einem die Drehorte mehr als bekannt vorkommen und man häufiger meint, dass etwa Szenen aus „Supergator“ oder „Sharktopus“ hergenommen wurden und man nur die CGI-Monstren ausgetauscht hat. Produzent Roger Corman scheint eine Art Vorrecht für Drehs an speziellen Punkten Hawaiis zu haben. Seine Darsteller hat Wynorski durchaus im Griff, manche haben sogar verstanden, in was für einen Film sie mitspielen und so agiert zum Beispiel Kimmy Darstellerin Shandi Finnessey immer schön drüber und Rib Hillis als Stuntman Jack gibt einen herrlich kernigen, aber leider unterbeschäftigten Helden ab. Die Bösewichter sind leider durchweg ziemliche Flachzangen und weder bedrohlich noch gefährlich. Wo „Piranhaconda“ durchaus überrascht, sind die CGI-Effekte. Die Piranhacondas (ja, es gibt mehrere) sehen ganz nett aus und interagieren durchaus gelungen mit ihrer Umwelt. Auch findet Wynorski immer Einstellungen, die manche CGI-Schwäche übertünchen können. Und so fällt wie schon bei „Sharktopus“ auf, dass man bei Roger Cormans Produktionen nach wie vor auch ein wenig Augenmerk auf Qualität legt, um seine Monstren nicht wie bei The Asylum Produktionen von ihrem ersten Auftauchen an zum Abschuss freizugeben.

Piranhaconda

Der Held darf nicht helden und die Ische darf nicht blankziehen! Welch ungerechte Welt!

Dennoch hat es gerade inszenatorisch auch einige eklatante Schwächen. Ich erwähnte bereits die Anschlussfehler. Wenn irgendwann eine Dame mit Minirock in die Fluten springt und mit Badehöschen herauskommt, ist ein weiterer Lacher garantiert. Und auch bei den Schlangen ist man teils sehr verwirrt, welche Schlange hier nun eigentlich am Wirken ist, da man rein von der Musterung der Biester her gesehen noch viel mehr Schlangen als zwei vermuten muss. Wenn dann aber eine, die gerade hopps gegangen ist, wieder ins Geschehen eingreift, wird es schon etwas seltsam. Seltsam umschreibt auch eine Verfolgungsjagd im Mittelteil sehr gut: Hier wird mittels Kamerabewegungen, Schnitthäufigkeit und der Autofahrlinie angedeutet, dass eine Verfolgungsjagd zwischen Auto und Schlangenwesen stattfinden soll. Leider sieht man von der Schlange weit und breit nichts. Und dass, wo die Kamera teils gefühlte Ewigkeiten hinter dem Auto filmt, um dem Zuschauer die Verfolger zu präsentieren. Ob man die Schlangen schlicht vergessen hat oder sie nicht mehr kostengünstig ins Material gesetzt bekam, kann ich leider nicht sagen. Auch beweist Wynorski ein mangelhaftes Gespür für das richtige Pacing. So geraten manche Einstellungen vor und nach einer Attacke viel zu lang. Teilweise fragt man sich schon, ob überhaupt noch etwas passieren wird, wenn die Musik anschwillt, die Kamera aber nichts zur Musik Passendes einfangen will …

Was bleibt, ist ein Film, der aufgrund der weitgehenden Abwesenheit von Humor, Spannung, Ironie und sympathischen Figuren im Mittelteil gewaltig durchhängt und sich durchaus beträchtlich zieht. Irgendwie nicht ganz die Werte, die man sich von einem Film erwartet hätte, der als Sequel zu dem grandios schrägen „Sharktopus“ gehandelt wird. Zudem langweilen die immer gleich ablaufenden Piranhaconda-Attacken, bei denen die Opfer seltsamerweise immer in Blutwolken zerstieben, die sich dann noch in Folgeeinstellungen auf die Optik auswirken. Splatter und ordentlich Gore spielen so leider auch keine große Rolle. Das unmotivierte Spiel von Michael Madsen wird so zum Gradmesser für den ganzen Film, der rundweg immer so wirkt, als könnte er deutlich witziger sein, aber zum einen zu lang und zum anderen viel zu wenig positiv trashig ist. Für einen kurzweiligen Filmnachmittag ist der Streifen aber dennoch durchaus zu gebrauchen und die Asylum Creature Feature Streifen schlägt er aufgrund seiner soliden Umsetzung (Optik, Hawaii-Impressionen, nette Special Effects und durchaus brauchbare Darsteller) um Längen.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Sunfilm und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film, Sunfilm__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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