Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Railroad Tigers

Originaltitel: Railroad Tigers__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Ding Sheng__Darsteller: Jackie Chan, Jaycee Chan, Huang Zitao, Wang Kai, Darren Wang, Alan Ng, Sang Ping, Hiroyuki Ikeuchi, Xu Fan, Kôji Yano u.a.
Railroad Tigers deutsches Cover

Jackie Chan sorgt in “Railroad Tigers” für spektakuläre Action.

1941. Die Japaner versuchen ihren Einfluss in China weiter auszubauen. Doch der Widerstand in allen Teilen der chinesischen Bevölkerung wächst. So auch in einem kleinen Dörfchen irgendwo in China. Hier haben es sich ein paar Bahnarbeiter zur Aufgabe gemacht, den Japanern zu schaden, wo es nur geht. In einer Tour rauben sie unter der Führung von Ma Yuan japanische Züge aus und verteilen ihre Beute unter den Einwohnern des Dörfchens.

Eines Tages taucht ein angeschossener Soldat der chinesischen Armee bei Ma Yuan auf. Er berichtet, dass er und seine Kameraden entsandt wurden, um eine nahegelegene Brücke zu zerstören. Sei diese für den Nachschub der Japaner doch besonders wichtig. Plötzlich haben Ma Yuan und seine Gefolgsleute eine echte Aufgabe. Anstelle kleiner Raubzüge wollen sie vollenden, was der chinesischen Armee nicht gelang: Die Brücke zerstören und die Japaner von ihrem Nachschub abschneiden.

Doch diese neue Aufgabe gestaltet sich für die fliegenden Tiger, wie die Guerilla-Truppe um Ma Yuan sich selbst nennt, als äußerst schwierig und droht schon an den simpelsten Fragen zu scheitern. Etwa jener nach hinreichend Sprengstoff für eine gewaltige Explosion. Doch die bauernschlauen Widerstandskämpfer wissen sich ein ums andere Mal zu helfen…

Schaut in den actionreichen „Railroad Tigers“ mit Jackie Chan hinein

Wie in ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit „Little Big Soldier“ gibt Jackie Chan auch in Ding Shengs „Railroad Tigers“ einen bauernschlauen Vertreter des ganz einfachen Volkes, der seine Bestimmung darin findet, gegen das Unrecht aufzubegehren. Das hätte aufgrund der Thematik rund um den Kampf der Chinesen gegen die japanischen Besatzungsmächte in Kombination mit Jackie Chans neu entdecktem Sendungsbewusstsein in Sachen Patriotismus und Vaterlandsliebe ganz schön schiefgehen können. Doch „Railroad Tigers“ umschifft diverse Patriotismus-Untiefen und bietet stattdessen knallig kurzweiliges, unterhaltsames Entertainment, das bedeutend besser funktioniert als alle letzten Chan-Vehikel zusammengenommen.

Dabei erinnert „Railroad Tigers“ in erster Linie an ein historisches Heist-Movie im Stile der „Ocean’s Eleven“-Teile. In diesem Rahmen werden dem Zuschauer alle Figuren mittels animierter Standbilder gleich zu Beginn kurz vorgestellt. Kurz darauf erfahren wir auch schon, was das große Ziel der nächsten Filmminuten sein wird und ab da ist alles strickt auf die Herbeiführung des großen Showdowns hin ausgerichtet.

Railroad Tigers Jackie Chan als Ma Yuan

Ma Yuan (Jackie Chan) ist der Anführer der Flying Dragons.

Die einzelnen Story-Fragmente, die zum Finale hinführen, werden uns in Zwischenkapiteln mit jeweils eigener Überschrift gereicht. Langeweile kommt so keine auf. Echte Spannung aber leider auch nicht. Das liegt zum einen daran, dass für Ma Yuan und seine Spießgesellen alles ein ganzes Stück zu glatt läuft. Zum anderen sorgt die fast schon ausgewogene Darstellung der Japaner dafür, dass die Bedrohung durch selbige niemals wirklich greifbar wird. So platt etwa ein „Ip Man“ in der Dämonisierung seiner japanischen Antagonisten war, so spannungsfördernd und vor allem involvierend war der Freiheitskampf der Chinesen infolgedessen.

Ein weiteres Problem ist, dass die handelnden Figuren allesamt arg blass bleiben. Was auch damit zusammenhängt, dass „Railroad Tigers“ viel zu viele Helden lanciert und mit guten Szenen versorgen muss. In der Folge kommen manche Figuren kaum über ihre offensichtlichen körperlichen Charakteristika hinaus (genannt sei der „große komische Dicke“). Bei anderen fragt man sich noch im Showdown, ob man diese Figuren überhaupt schon einmal gesehen hat. Kurzum: So richtig hineingezogen wird man in die Abenteuer von Ma Yuan nicht. Zumal nicht einmal der sonderlich ausgereift wirkt.

Dafür ist man bei der Action mittendrin. Vor allem, wenn es um den ausufernd langen, sich immer mehr steigernden Showdown geht. Wo hier zu Beginn noch etwas unspektakulär und viel auf dem Zug herumgeklettert wird, gibt es bald Panzerrohr-Schwertkämpfe, werden Kanonen mitten auf dem Zug auf andere Wagons abgefeuert und kollidiert der Zug mit allen möglichem Kriegsgefährt, während ein nebenher fahrender Panzer für weitere Knalleffekte sorgt. Die dann grandios großen Bilder um die zu sprengende Brücke sorgen für weiteres Augenfutter satt!

Railroad Tigers Japanische Invasoren

Die Japaner halten China in ihrem eisigen Griff!

Dabei überzeugt nicht jeder der 2400 CGI-Effekte, wobei das Making Of Material zum Film schon staunen macht, wie großräumig hier im Nachhinein an einem runden Filmerlebnis geschraubt wurde. Die meisten Effekte bemerkt man nicht einmal ansatzweise. Erst im großen Spektakelfinale hat es dann die eine oder andere Schwäche, ohne dass diese jemals aus dem Filmerlebnis herausreißen würden.

Immer mittendrin als sein eigener Spezialeffekt: Jackie Chan („Kung Fu Yoga“). Der nimmt sich, wie von seinen letzten Produktionen gewohnt, deutlicher zurück. Lässt die jüngere Garde die spektakulärsten Szenen bestreiten, ist aber trotzdem beständig am Rennen, Retten und Schießen. In manchen Szenen vor dem Showdown blitzt sogar mehrere Male die gewohnte Leichtigkeit und Verschmitztheit in Chans Stunteinlagen auf. Etwa bei den witzigen und cool getimten Einlagen rund um einen Seilzug. Die große Jackie-Chan-Stuntshow sollte man sich von dem zunehmend zur Materialschlacht mutierenden Actionspaß aber nicht erwarten.

Ein Actionspaß, der gerade in Richtung Showdown aber auch ernstere Seiten entwickelt. Der seine Helden mit der Gewissheit losziehen lässt, den anstehenden Tag eh nicht zu überleben. Derweil zig Japaner im Kugelhagel automatischer Gewehre tanzen und sogar blutige Einschüsse und ein harscher Kopfschuss für roten Lebenssaft auf der Leinwand sorgen. Seine Leichtigkeit verliert der Film zwar nie, aber er lässt seine Helden schon ordentlich leiden.

Railroad Tigers Jackie Chan auf Zug

Jackie Chan macht in “Railroad Tigers” verschiedene Züge zu seiner Stunt-Spielwiese.

Die werden von einem okayen Ensemble zum Leben erweckt. Das hat vor allem mit den dünn geskripteten Figuren zu kämpfen und gibt sich etwas zu häufig dem Overacting und einem arg hysterischen Humor hin. Jackie Chan selbst macht als Anführer und Mentor der jungen Bandenmitglieder einen soliden Job, zehrt dabei aber mehr von seinem Charisma als von irgendwelchem Schauspielvermögen. In einer großen Nebenrolle ist im Übrigen auch Sohnemann Jaycee an Bord, der sich mehr als ordentlich schlägt.

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der einen zu Beginn ordentlich schlucken lässt, denn die Eröffnungsactionszene wirkt seltsam plan- und konzeptlos und richtig steif. Spätestens hier schwant einem Übles. Doch dann dreht Ding Sheng an allen Reglern. Wirft mit Animationssequenzen und erdig warmen, unverbrauchte Szenerien präsentierenden Bildern um sich. Und fliegt um und durch die rollenden Schauplätze seines Filmes, dass es eine wahre Freude ist. Einzig sein Schnitt verwundert. Mutet seltsam hastig und teilweise viel zu hart an. Doch die Marschrichtung ist klar: Das Tempo soll oben bleiben. Langeweile hat keinen Raum in „Railroad Tigers“. All das führt zu einem satten Showdown, der sich gewaschen hat und das heimische Wohnzimmer mehrere Male ordentlich erbeben lässt. Würde man nun noch richtig mitfiebern, „Railroad Tigers“ wäre ein richtig starker Film.

6 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 23. November 2017 von Koch Media und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Einige Extras erleben einen oberflächlichen Blick hinter die Kulissen der Großproduktion.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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