Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals

Originaltitel: Tokarev__Herstellungsland: USA, Frankreich__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Paco Cabezas__Darsteller: Nicolas Cage, Rachel Nichols, Peter Stormare, Danny Glover, Aubrey Peeples, Pasha D. Lychnikoff, Elena Sanchez, Max Ryan, Michael McGrady, Judd Lormand, Weston Cage u.a.
Tokarev

Nicolas Cage als Racheengel in “Tokarev”.

Drei Jugendliche, ein Mädel und zwei Jungs, zocken ein wenig „Guitar Hero“ und chillen im Haus der Familie des Mädchens ordentlich ab. Da bemerkt einer der Jugendlichen ein paar finstere Gestalten, die sich von außen der Haustür nähern. Starr vor Schreck schaut er ihnen zu, wie sie eindringen und die Tochter des Hausbesitzers entführen. Beide Jungs sind der Polizei als Zeugen keine große Hilfe, können sie doch kaum brauchbare Angaben über die Täter machen. In der Folge stochern die Cops etwas unbedarft in dem Entführungsfall herum…

Paul Maguire, der Vater des Mädchens, beschließt daraufhin, die Sache in die eigenen bewährten Hände zu nehmen. Denn der vorgeblich erfolgreiche Geschäftsmann hat eine finstere Vergangenheit. Voller Zorn reaktiviert er seine Kumpel aus damaligen Zeiten und schaltet mit ihnen gemeinsam einige Gänge höher, um seine Tochter zu finden. Da trifft es Paul freilich wie ein Blitz, als ihm die Cops unterbreiten, dass sie seine Tochter tot in einem Fluss gefunden hätten. Da die Polizei um Pauls Vergangenheit weiß, rät sie ihm, keinen Rachefeldzug zu starten. Doch der lässt sich nicht einmal von seinem früheren Gangsterboss einbremsen. Nach langer, erfolgloser Suche nach den Übeltätern eröffnet sich plötzlich eine echte Spur. Eine Spur, die weit in Pauls Vergangenheit zurückführt und mit einer Waffe zu tun hat, die vornehmlich von der russischen Mafia benutzt wird: Eine Tokarev…

Auch wenn man Nicolas Cage („Kick-Ass“) in letzter Zeit gerne vorwirft, wirklich alles zu drehen, was Geld abwirft, wird bei “Tokarev” sehr früh offensichtlich, warum er die Hauptrolle in diesem nur anfänglich sehr glatt und belanglos wirkenden Film übernommen hat. Dazu muss man sich nur die von ihm verkörperte Figur des Paul Maguire genauer anschauen. Diese dürfte wohl seit Jahren Cages facettenreichste Figur überhaupt sein. Eingeführt wird sie als stocksteifer, ewig lächelnder und im Beruf erfolgreicher Langweiler, der sich weder gegen seine Tochter noch gegen seine Lebensgefährtin durchsetzen zu können scheint. Als Paul dann bei einem Abendessen mit Geschäftsfreunden von einem Cop informiert wird, dass seine Tochter entführt worden sei, bekommt diese aalglatte Fassade Risse, denn der Cop scheint einige sehr finstere Sachen über Paul zu wissen. Kurz darauf erfahren wir von Pauls Verbrecher-Vergangenheit und erleben, wie er seine Kumpanen von der Kette lässt. Hier bekommen wir einen Einblick, in welchen Kreisen er mal agiert haben muss. Später sehen wir ihn selbst eiskalt killen und durch die Reihen der potentiell Verdächtigen pflügen. Ohne mit der Wimper zu zucken und eiskalt zieht er seine blutigen Kreise. Auch im Umgang mit seiner Lebensgefährtin offenbart er plötzlich sehr rüde Verhaltensweisen. Der Geschäftsmann wurde eindrücklich zum Killer. Doch damit ist die Reise noch lange nicht vorbei, denn gegen Ende wird Paul komplett der Boden unter den Füßen weggezogen und sein gesamter Rachefeldzug in Frage gestellt. Und die Schuldfrage scheint gleich vollkommen unlösbar…

Tokarev

Ordentliche Frise, dicke Wumme, Cage macht wieder Spaß!

Eine dankbare Rolle für Nicolas Cage, der die Figur des Paul sehr engagiert und konzentriert angeht und vielschichtig anlegt. Vor allem zu Beginn, wenn der Wechsel vom Geschäftsmann zum eiskalten Rächer in der Handlung viel zu abrupt vonstatten geht, ist es Cages souveräne Leistung, die den Film zusammenhält und diesen Wandel ausreichend glaubwürdig wirken lässt. Im ambivalenten Modus zwischen tobendem Racheengel und Held der Chose funktioniert Cage dann am Allerbesten und hat auch ein paar starke „Nic-Cage-Momente“ abbekom- men. Highlight ist dabei freilich der Wahnsinnsmoment nach dem Verhör eines Verdächtigen auf einem Hausdach. Doch auch gegen Ende beherrscht Cage die Szenerie und bringt die Selbstzweifel seiner Figur stark rüber.

Diese Wandlungen in der Figur des Paul stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Tonalitäten von „Tokarev“. Zu Beginn ist der Film eine entspannte Alltagsbeschreibung der Familie Maguire. Auch Humor mischt sich unter und die Inszenierung ist sehr geerdet und ruhig. Wenn Paul dann beginnt, seine Tochter zu suchen, und später in den Rachemodus umschaltet, wird die Inszenierung deutlich dynamischer. Der Ton gerät deutlich ernster, die Musik wird düsterer und setzt immer mal wieder auf krachige Gitarrenriffs. Die Figuren werden einsilbiger und es steigen in geballter Form die Actionszenen des Filmes. Hierbei werden zunächst ein paar Russen in einem Hinterzimmer gekillt. Dabei wirkt die Action direkt ein wenig unbeholfen und scheint förmlich andeuten zu wollen, dass die Mannen um Paul erst einmal wieder warmlaufen müssen. Das ist spätestens zum Actionhighlight des Filmes geschafft. Hier stürmen Paul und seine Mitstreiter ein Drogenhaus der Russenmafia und machen es komplett platt. Ein treibender Score peitscht die Szene unentwegt voran und der Bodycount wird ordentlich nach oben getrieben. Messer werden in Körper getrieben, Kugeln durchlöchern die Bäddies und die Kamera filmt aus der Sicht von in Zeitlupe abgefeuerten Pumpguns.

Tokarev

Paul und seine Kumpel kurz vorm großen Plattmachen!

Mittendrin gibt es den lässigsten Moment des Streifens, den wohl selbst ein John Woo kaum cooler hätte umsetzen können: Paul liegt inmitten des Chaos’ auf dem Rücken. In der einen Hand eine Handfeuerwaffe, in der anderen eine Pumpgun. Die Arme sind vom Körper weggestreckt und zielen jeweils auf eine Tür zur Linken und zur Rechten von Paul. Er liegt ruhig da, behält irgendwie beide Türen im Blick, drückt im genau richtigen Moment ab und beendet zwei weitere Fieslingsleben…

An diese große Actionszene schließt sich noch eine weitere an, welche durch eine Verfolgungsjagd zwischen einem Auto und einem Motorrad eingeleitet wird. Parallel dazu geschnitten erleben wir Kane, einen Buddy von Paul, der sich seiner Haut erwehren muss. Während die Verfolgungsjagd durchaus aufwändig daherkommt und einige Blechschäden und gar eine Explosion auffährt, macht die kurze Ballerei mit anschließendem Faustkampf rund um Kane gewaltig was her und hätte gerne viel breiter ausgespielt werden können.

Nachdem das Actionblendwerk abgefeuert wurde, steigt dann wieder der storygetriebenere Part von „Tokarev“. Der Ton wird nun deutlich melancholischer und auswegloser und der Film macht es sich bei der Präsentation des Täters nicht unbedingt leicht. Zwar vermutet man als geübter Thriller-Zuschauer früh, dass es nicht die üblichen Verdächtigen sein können und auch der eigentliche Täter kommt nicht hundertprozentig überraschend, eine angenehme Abwechslung zum Thriller-Einerlei bietet „Tokarev“ in seiner Auflösung letztendlich aber schon. Zumal es die Sinnlosigkeit der bis dahin munter überdrehenden Gewaltspirale eindrücklich aufzeigt. Das alles andere als hollywoodtypische Ende rundet das sehr gelungen wirkende letzte Drittel treffend ab. Entsprechend ist die Inszenierung des „Showdowns“ deutlich gediegener: Es setzt nachtschwarze Bilder, coole Einstellungen inmitten strömenden Regens und Dauerbeschallung mit einem tollen, melancholischen Score.

Tokarev

Paul in Bedrängnis… Eine Kugel wird es richten!

Was hier durchaus stimmig klingt, hat aber dennoch auch seine Schattenseiten. Abgesehen von Drehbuchpatzern, etwa bei der bereits erwähnten Verfolgungsjagd zwischen Auto und Motorrad, bei der man nie weiß, wer hier eigentlich gerade wen verfolgt und wieso Cage überhaupt dem Motorrad hinterherjagt, schleichen sich zunehmend auch logische Ungereimtheiten ins Skript: Vor allem ein von Danny Glover („Shooter“) gut gespielter Detective handelt einige Male extrem wider dem gesunden Menschenverstand und viel zu stark zugunsten von Paul, ohne das je klar würde, warum. Auch verwindet Paul den Tod seiner Tochter seltsam ungerührt, was den Drama-Anteil des Filmes arg oberflächlich wirken lässt. Dass auch seine Lebensgefährtin wenig von dem Tod der Ziehtochter mitgenommen wird, erstaunt dann noch mehr. Dadurch entsteht dann erst recht der Eindruck, dass der Film mit Rachel Nichols’ („Alex Cross“) Figur so gar nichts anzufangen weiß. Sie spielt dann leider auch entsprechend. Allgemein hätte man sich einfach viel mehr Einblicke in die Vergangenheit von Paul gewünscht, was dem Film deutlich mehr Komplexität verliehen hätte. Dass Paul und seine Kumpel in den wenigen Rückblenden von vollkommen anderen Darstellern gespielt werden, wobei man rein optisch nicht einmal ansatzweise ausmachen kann, wer hier eigentlich wen in jungen Jahren verkörpern soll, ist auch eine blöde Nachlässigkeit des Filmes. Und wieso Peter Stormare („Hänsel und Gretel: Hexenjäger“) in dem Film eine so nichtssagende und unwichtige Rolle spielt, weiß vermutlich auch nur sein Kontoverwalter.

Was bleibt, ist ein durchaus interessanter Film. „Tokarev“ präsentiert mal einen Helden, der nicht ganz so leicht zu greifen ist, wie man es sonst aus dem Genre gewohnt ist. Dies bietet Nicolas Cage eine tolle Bühne – inklusive der berühmt berüchtigten „Nicolas Cage Momente“. Wenn er beispielsweise einen seiner wenigen Freunde zusammenstaucht, läuft es einem irgendwann kalt den Rücken runter. Auch die eigentliche Geschichte des Filmes funktioniert ganz gut und macht es sich nicht zu leicht. Leider trüben einige Nachlässigkeiten des Drehbuchs den gelungenen Gesamteindruck und abseits von Nicolas Cages Figur weiß eigentlich nur noch Max Ryan („Death Race“) als Kane so richtig zu gefallen. Die Action des Filmes konzentriert sich im Mittelteil und macht vor allem in der großen Ballerei in dem Drogenhaus richtig was her. Hier sammelt der Film dann auch einige Punkte für seine hohe FSK-Freigabe, zumal Cages Figur am liebsten mit Messern hantiert. Die restliche Action ist solide und routiniert in Szene gesetzt, lässt aber die letzte Konsequenz ein wenig missen. Am Ende bleibt vor allem das relativ untypische, schön melancholisch und stark inszenierte Finish vor dem geistigen Auge hängen und plötzlich will man den Film direkt ein wenig besser finden als er ist.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Ascot Elite und ist mit einer FSK 18 Freigabe uncut. Neben einer Vielzahl an Interviews haben sich eine B-Roll, Deleted Scenes, ein alternatives Ende und sogar ein Audiokommentar auf die Datenträger verirrt!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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