| Originaltitel: The System__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2022__Regie: Dallas Jackson__Darsteller: Terrence Howard, Jeremy Piven, Tyrese Gibson, Marrese Crump, Ric Reitz, Lil Yachty, Laura Aleman, Caleb Spillyards, Jeremy Sande, Curtis Lyons, Eric Walton u.a. |

Tyrese Gibson klöppelt sich durch „The System“.
Das Leben hat es mit dem Marine Terry Savage nicht gut gemeint, seit er aus dem Dienst ausgeschieden ist. Er lebt mit seiner Tochter in einer ranzigen Sozialwohnung. Obendrein laboriert seine Kleine an einem Blutgerinnsel. Um die Behandlung zu bezahlen, ist kaum Geld da. Darum beschließt Terry, einen örtlichen Drogendealer zu überfallen und dort ordentlich Cash abzugreifen. Der kampfstarke Marine ist den Verbrechern zwar haushoch überlegen, doch die örtliche Polizei hat von dem Überfall Wind bekommen und verhaftet Terry.
Der soll für zehn Jahre einfahren. Zehn Jahre, in denen Terry nicht für seine Tochter da sein kann. Dementsprechend lässt er sich auf einen Deal ein. Er soll in ein Privatgefängnis einfahren. Dessen Betreiber steht im Verdacht, Menschenrechtsverletzungen und Korruption in seinem Knast zu befeuern. Sammelt Terry Beweise für derartige Umtriebe, winkt eine Begnadigung.
In dem Knast angekommen, kann Terry binnen weniger Tage viel belastendes Material sammeln. Darunter auch Hinweise für die Existenz eines sogenannten Kerkers. Räumlichkeiten in dem Gefängnis, die für arrangierte Zweikämpfe genutzt werden. Natürlich soll Terry die Existenz dieses Kerkers bestätigen. Schnell gelingt es ihm, sich in den Kerker vor zu arbeiten und dort große Siege einzufahren. Doch plötzlich reagiert sein Kontakt in der Außenwelt nicht mehr…
Schaut in den Actionfilm hinein
Knastaction der Güteklasse B
In seinen ersten 60 Minuten fühlt sich „The System“ rundweg wie ein Rückfall in die Zeiten von B-Knastthriller-Action der Marke „Mit stählerner Faust“ oder „Hard Attack“ an. Ein schweigsamer Held, ein Knast voller Klischee-Gefangener, gefährliche Umtriebe und eine Story, die vor Logiklöchern nur so strotzt. Nichts macht hier groß Sinn. Warum finden beispielsweise die Fights in dem sogenannten Kerker statt? Weder wird gewettet noch werden die Fights irgendwie irgendwohin übertragen. Warum kämpfen die Männer in den Fights? Wieso proben die Zuschauer, die ausschließlich aus Häftlingen bestehen, nicht den Aufstand gegen die drei Wachen vor Ort? Und warum zum Teufel ist die Wargear der Fighter kugelsicher?
Kurzum: Das Drehbuch von „The System“ ist der pure Kokolores. Schiebt aber zumindest seine Story sehr flott an, schmeißt jeden sinnlosen Ballast wie Charakterzeichnung oder sinnhafte Dialoge über Bord und hakt die wesentlichsten Knastklischees geflissentlich ab. Terry prügelt sich früh mit anderen Mithäftlingen, in der Kantine wird ihm das Essenstablett aus der Hand geschlagen, Naziinsassen gucken ihn böse an, schwarze Insassen wollen ihn in ihre „Familie“ holen, Terry trainiert, er landet im Loch, man kennt das.
Mit der Einführung des Kerkers wird es interessanter. Viel macht zwar, wie angedeutet, null Sinn, aber „Undisputed“-Knastgekicke geht doch eigentlich immer. So auch hier. Terry wird von einem anderen Häftling trainiert, der noch pathetischer daher labert als er selbst, und in regelmäßigen Abständen gibt es nun aufs Fressbrett. Dabei kann unsere Hauptfigur zwar nur derbe Schwinger verteilen, die anderen Fighter haben es aber durchaus drauf.
Vor allem der extrem schnell und elegant kämpfende Marrese Crump („Jiu Jitsu“) setzt dabei beeindruckende Duftmarken. Leider sind die Fights allesamt recht kurz und wenig brutal, dafür aber schön dynamisch. Und sie haben auch ein paar nette „Ideen“, etwa wenn ein im Vorfeld wilde Katas abfeuernder Kämpfer mit einem einzigen wuchtigen Hieb gefällt wird oder ein Fighter die umstehenden Zuschauer nutzt, um zwischen ihnen abzutauchen und an anderer Stelle wieder aus ihnen hervor zu schießen und seinen Gegner so zu überraschen.
Spaß hat man bei „The System“ jedoch nicht nur aufgrund des flotten Tempos. Spaß macht auch die unfreiwillig komische, in Pathos und Weinerlichkeit erstickende Performance von Tyrese Gibson („Fast & Furious 10“) als Terry, bei dem man für keine Sekunde glaubt, dass er einen Knast wie diesen auch nur zehn Minuten überleben könnte.
Flankiert wird er von Terrence Howard („Cut Throat City“), der in jeder seiner Szenen „Wie bin ich hier nur reingeraten?“ zu rufen scheint, und trotzdem dem Film mit seiner grundsoliden Performance eine gewisse Erdung verleiht. Und dann ist da noch der absolut famose Auftritt des wieseligen Wiesels Jeremy Piven („American Night“), der als Knast-Direktor dem Affen ordentlich Zucker gibt und jede einzelne Szene stiehlt. Großartig.
Glaubt es, oder glaubt es nicht: In den letzten 30 Minuten fängt „The System“ plötzlich mit dem Erzählen an! Es setzt – erwartbare – Twists, unvermutete Hilfe taucht auf, Logiklöcher werden zugefahren, weitere Bedrohungen aufgebaut und freilich muss ja auch noch der Showdown her.
Plötzlich wird es richtig rummelig. Viele der Entwicklungen machen keinen rechten Sinn. Etwa ein Heelturn eines vermeintlich Guten, der Logikprobleme en masse aufmacht und direkt fragen lässt, ob der Typ bei seiner Bösewichtwerdung gleich noch sein Hirn mit an der Kasse abgegeben hat. Aber der ohnehin flotte „The System“ nimmt nun nochmal mehr Fahrt auf – und wird endgültig zu reuelosem B-Müll.
In technischer Hinsicht bietet der Film von Dallas Jackson („Welcome to Sudden Death“) etwas arg schmucklose DtV-Optik, unter der ein Rap-lastiger, teils irgendwie unpassend klingender Soundtrack wabert. Das Setting funktioniert als Knast, auch wenn man nie den Eindruck hat, ein richtiges Bild von der Örtlichkeit, seinen Ausmaßen und seiner Ausformung zu haben. Insgesamt bekommt man auch arg wenige Räumlichkeiten zu sehen. Vor allem das Büro von Pivens Gefängnisdirektor wirkt richtiggehend trashy. Und auch der Kerker ist kaum mehr als ein fantasielos bebilderter Kellerraum. Dieser punktet zumindest mit einem coolen Detail: Dem Thron von Jeremy Piven.
„The System“ oder: Dumm fickt gut
Tyrese Gibson hat schon mit „Rogue Hostage“ bewiesen, dass er gerne mal den B-Helden gibt. „The System“ unterstreicht dieses Ansinnen und ist im Gegensatz zu etwa „Rogue Hostage“ richtiggehend unterhaltsam. Das aber auch nur wegen seiner zahlreichen irren Macken. In der ersten Stunde macht hier nicht viel Sinn. Das hohe Tempo reißt aber mit und brettert über diverse Problemherde hinweg. Im letzten Drittel dann überschlägt sich der Film beinahe, wirkt, als wolle er noch einen Film in den bereits vorhandenen Film stopfen.
Viel mehr Sinn kommt so nicht in „The System“, eher mehr Wahnsinn. Und noch mehr Probleme und Logikfehler. Ein entfesselter Jeremy Piven, der souveräne Terrence Howard und der pathetische Tyrese Gibson halten den Film aber auf Spur, der Actionanteil passt und am Ende kommt alles zu einem hanebüchenen Happy End, bei dem DEA-Agenten wie von Zauberhand im Knast auftauchen und um sich ballern. Wie gesagt… Wahnsinn. Von Marrese Crump will ich derweil mehr B-Action sehen. Final ist der Actioner dumm wie Brot, voller Logiklöcher und Klischees sowie häufiger extrem unfreiwillig komisch. Gleichzeitig ist „The System“ aber auch irre kurzweilig und auf beklatschte Art herrlich unterhaltsam.
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In Deutschland gibt es den Film ausschließlich auf Video-on-Demand-Plattformen. Universal Deutschland scheint bei seinen DtV-Projekten keinen Bock mehr auf physische Veröffentlichungen zu haben. In den USA erschienen von dem Label Vertical sowohl eine DVD als auch eine Blu-ray.
In diesem Sinne:
freeman
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