| Originaltitel: Ash__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Flying Lotus__Darsteller: Eiza González, Aaron Paul, Iko Uwais, Kate Elliott, Beulah Koale, Flying Lotus, Andrew B. Miller |

„Ash“ mit Iko Uwais und Eiza Gonzalez.
In der Zukunft ist die Menschheit auf der Suche nach einem erdähnlichen Planeten, um das Überleben der eigenen Spezies zu sichern. Riya und ihr Team sind bester Dinge, in dem von ihnen „Ash“ getauften Planeten einen Volltreffer gelandet zu haben. Auch wenn dessen Atmosphäre nicht hundertprozentig für menschliches Leben geeignet scheint, sind sie doch voller Vorfreude, ihre Erkenntnisse an ihre Vorgesetzten weiterreichen zu können.
Doch eines Tages wacht Riya aus einem wirklich furchtbaren Albtraum voller menschlicher Gedärme sowie Mord und Totschlag auf. Das Schlimme: Nach ihrem Erwachen beginnt erst der wahre Albtraum! Denn als Riya desorientiert und benommen von der üblen Nacht durch die Space-Station wandelt, stolpert sie bald über ihre Kollegen. Die liegen in ihrem eigenen Blut und auch die Technik der Station scheint heftig in Mitleidenschaft gezogen.
Riya, die mit immensen Erinnerungslücken zu kämpfen hat, versucht nun alles, herauszufinden, was passiert ist. Dabei legen die wiederkehrenden Erinnerungsfetzen bald nahe, dass Riya ihre Kollegen auf dem Gewissen haben könnte. Und auch Ash selbst scheint ein düsteres Geheimnis zu bergen.
Sci-Fi-Horror mit Eiza Gonzalez und Iko Uwais
Der hinter „Ash“ stehende Regisseur heißt Steven Ellison und ist unter seinem Künstlernamen Flying Lotus als DJ und Musik-Produzent bekannt. Als solcher hatte er auch schon immer Connections in die Filmwelt, spielte selbst in Filmen mit oder komponierte den Soundtrack. 2017 debütierte er mit „Kuso“ als Regisseur und drehte des Weiteren das Segment „Ozzy’s Dungeon“ für den Episodenfilm „V/H/S/99“.
2022 wurden erstmals Nachrichten rund um seine neueste Regie-Arbeit „Ash“ gestreut. Jetzt ist der Film endlich fertig und setzt zunächst einmal massiv auf einen unzuverlässigen Erzähler. Denn Riya mag bei ihren Ermittlungen über verschiedene „Wahrheiten“ stolpern, hat aber selbst keine Ahnung, ob diese tatsächlich wahr sind. Und aufgrund der als Flashbacks über den Zuschauer hereinbrechenden Erinnerungsfetzen ist bei dem das Vertrauen in Riyas Wahrheiten ebenfalls nicht sonderlich groß.
Ist die Grundprämisse von „Ash“ dann hinlänglich und vor allem funktional etabliert, baut der Film plötzlich ab. „Ash“ ereilt eine gewisse Ereignislosigkeit. Weder werden Riyas Bemühungen um die Wahrheit intensiviert noch schafft es der Film, irgendwelche aufregenden Momente zu generieren. Um den Film nicht vollends zu parken, werfen Regie und Drehbuch eine weitere Figur in den Ring. Diese kommt von außen, heißt Brion und bringt etwas mehr Leben in die Bude. Gleichsam fällt aber auch auf, dass das Drehbuch die offensichtlich intendierte Paranoia von Riya gegenüber dem Fremden nie so wirklich lanciert bekommt. Was sich im weiteren Filmverlauf noch rächen und ein vollkommenes Eintauchen in den Film verhindern wird.
Was den sehr kostengünstig inszenierten „Ash“ über die Runden rettet, sind sein Look und Feel. Flying Lotus arbeitet mit massiven Farbfiltern, die seine in Originalgröße errichtete Raumstation in ein immer interessantes Licht tauchen. Vieles verschwindet in Schatten. Alles in der Station wirkt wunderbar abgegriffen und authentisch. Eine transportable Krankenstation sorgt sogar für schwarzen Humor und die Raumanzüge sehen wundervoll seltsam aus in ihrer Vereinigung von glatter Technologie und organischen Elementen. Dass die Effekte um Raumschiffe sichtlich als Modelltricks inszeniert wurden, bringt weitere Sympathiepunkte.
Der wuchtige Sound sorgt für ein nahezu immersives Erleben und hüllt den Zuschauer im Heimkino förmlich ein. Lässt einen die Story also nicht wirklich in den Film hinein, Bilder und Sound tun es und kreieren eine unwahrscheinlich dichte Atmosphäre. Kurzum: Der teils zu langsame Erzählfluss lässt den Zuschauer früh mutmaßen, dass „Ash“ als Kurzfilm vermutlich deutlich besser funktioniert hätte. Auch und vor allem, weil der Film in seinem letzten Drittel richtig einen raushaut und da beinahe zu etwas vollkommen Anderem wird!
Plötzlich setzt es interessante Erkenntnisse, das Tempo geht hoch, Panik und Chaos regieren, vermeintlich tote Charaktere tauchen wieder auf und eine sich selbst replizierende Technik sorgt für derbe Bilder. Schädel platzen auf, Gesichter werden zermantscht, ein Tentakelmonster wetzt durch die Gänge und wir werden dank POV-Sicht von Iko Uwais zusammengeschlagen und fliegen durch die Gegend. Klasse.
Dazu läuft die Tonspur nun vollends Amok. Flying Lotus besorgte neben dem Soundtrack auch das Sounddesign und dreht hier an allen Reglern. „Ash“ wird richtig intensiv, hämmert sich in den Schädel und erzeugt mittels seiner Bilder und seines Sounds nicht nur bei Riya Panik. Endlich ist „Ash“ ein echter Horrortrip.
Eiza Gonzalez („Ambulance“) müht sich als Riya redlich und spielt sehr intensiv. Wie ihr Co-Star Aaron Paul („Need for Speed“) steht sie jedoch vor dem großen Problem, dass sich Flying Lotus und das Drehbuch von Jonni Remmler nicht sonderlich um die Figuren scheren. Selbst wenn Gonzalez und Paul direkter miteinander interagieren, haben sie sich nichts zu erzählen. Flying Lotus ist als Crew-Mitglied Davis ultrakurz zu sehen. Minimal mehr Screentime hat Iko Uwais („Mile 22“) als Captain der Station und er darf sogar etwas Action machen.
„Ash“ reißt das Ruder im Finish herum
Was kann man noch über „Ash“ berichten? Er wurde von „District 9“-Regisseur Neill Blomkamp („Chappie“) produziert, komplett in Neuseeland realisiert und präsentiert sich als Style-over-Substance-Geschoss erster Güte. Dem ordnet Flying Lotus alles unter. Er will eine unheilschwangere Atmosphäre schaffen, was ihm auch gelingt. Blöderweise packt die nie so richtig zu, weil „Ash“ trotz flotten Handlungseinstieges und vorhandenen Grundlagen für Spannung satt zu lange nichts zu erzählen hat.
Einzig, wenn die Horrorbilder aus Riyas Erinnerung beinahe subliminal über den Zuschauer hinwegfegen, reißt es selbigen auch mal heftiger aus der Lethargie der ersten rund 70 Minuten Film. Im letzten Drittel geht der Science-Fiction-Horror-Mix dann endlich steil und haut köstlich schreckliche Horrorbilder raus. Diese präsentieren einen überzeugenden Mix aus handmade und digitalen Effekten und sind äußerst blutig geraten. Hier hat einen der Film, er wird spannender, chaotischer, furchteinflößender und klingt so um ein Vielfaches besser aus, als er begonnen hat.
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Der Film wurde am 24. April 2025 heimlich still und leise bei Prime Video veröffentlicht. Hier läuft er uncut mit einer wohlmeinenden Freigabe ab 16.
In diesem Sinne:
freeman
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