| Originaltitel: Flight Risk__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Mel Gibson__Darsteller: Mark Wahlberg, Michelle Dockery, Topher Grace, Paul Ben-Victor, Leah Remini u.a. |

‚“Flight Risk“ von Mel Gibson startet nun auch in den Heimkinos durch.
Winston hat die letzten Jahre als Buchhalter für einen Mobster-Boss gearbeitet. Dabei lernte er nicht nur eine Menge über das Funktionieren der Geschäfte des Gangsters, er zweigte sich selbst auch immer wieder Teile des Reichtums seines Arbeitgebers ab. Als der Verbrecher davon Wind bekam, musste Winston schnell verschwinden und untertauchen. Er wählte Alaska als Zufluchtsort.
Kurz darauf stehen bereits Regierungsbeamte unter der Führung von Madolyn vor seiner Tür. Sie bieten Winston einen Deal an: Er erhält vollumfängliche Immunität, wenn er gegen die Mafia aussagt. Winston befürchtet, dass wenn bereits die Agenten ihn so schnell finden konnten, dies für die Mafia nicht viel schwieriger sein wird. Entsprechend stimmt er in den Deal ein.
Madolyn verfrachtet Winstons Arsch in eine Cessna und will gemeinsam mit ihm zu einem eilig anberaumten Gerichtstermin fliegen. Doch der Pilot des Flugzeuges irritiert Madolyn und offenbart bald, dass er nicht ist, wer er vorgibt zu sein.
Mark Wahlberg gibt für Mel Gibson den Bösewicht
Eine beengte Cessna, zwei Passagiere und ein turbofies frisierter Pilot: Mehr braucht Mel Gibson („Boneyard“) nicht, um ein spannendes Kammerspiel auf die Beine zu stellen, das in Sachen Charakterzeichnung, Storyentwicklung und Dramaturgie gehörige 90s-Vibes atmet. Dabei kennt der Regisseur kein Vertun und kurbelt seine gerade mal 90 Minuten lange Schnurre sehr schnell an. Winston und Madolyn werden wie die grundlegende Kronzeugen-Story flott und glaubwürdig etabliert.
Wenig später sitzen die Charaktere bereits in dem Flugzeug, dem ab sofort einzigen Schauplatz des Filmes. Hier darf Mark Wahlberg als vermeintlicher Pilot wunderbar prollig viel zu viele Fragen stellen und sich schön verdächtig machen. Wiederum kurz darauf sitzt der Pilot gefesselt im rückwärtigen Raum der Maschine und Madolyn und Winston müssen überlegen, wie sie aus der dann gegenwärtigen Situation herauskommen. Denn eben mal landen ist in den eisigen Regionen, die sie gerade überfliegen, unmöglich.

Schön geht anders: Mark Wahlberg in „Flight Risk“.
Das verfängt sofort. Das Pärchen aus Madolyn und Winston funktioniert einfach zu prächtig. Winston wird von Topher Grace („Take Me Home Tonight“) wunderbar humorig angelegt. Spruch um Spruch liefert sein Buchhalter ab und sorgt für viel Amüsement. Die von Michelle Dockery („Non-Stop“) angenehm taff angelegte Madolyn bildet zu dem lockeren Winston einen feinen Gegenpool. In ein oder zwei tiefergehenden Gespräch werden beide Figuren auch glaubwürdig mit Leben gefüllt.
Und Mel Gibson funktioniert seinen Thriller mehr und mehr zu einer Art „Hörspiel“ um. Denn Madolyn muss während ihren unfreiwilligen Flugstunden auch noch eine Maulwurfsjagd in der eigenen Behörde organisieren. Dabei weiß man nie mehr als die Agentin, auch weil Gibson gekonnt falsche Fährten legt. Wir sind infolgedessen dabei, wie die Agentin sich mal irrt und mal goldrichtig liegt. Was richtig und was falsch ist, erfahren wir aber tatsächlich erst in den Schlussminuten des Filmes. Diese Jagd nach Verrätern in den eigenen Reihen sorgt für hübsche Spannungsschübe und bringt mit Leah Remini („Old School“) und Paul Ben-Victor („Plane“) zumindest zwei bekanntere Gesichter stimmlich ins Spiel.

Michelle Dockery hält Mark Wahlberg in Schach.
Leider verschenkt Mel Gibson ausgerechnet seinen größten Namen. Mark Wahlberg („Arthur der Große“) bekommt als fieser Pilot nämlich erstaunlich wenig zu tun. Vor allem lässt der Regisseur seinen Star, der viel Mut zur Hässlichkeit beweist, nie durcheskalieren. Beständig wartet man als Zuschauer darauf, dass Wahlbergs Figur komplett abdrehen und weitere Spannungsspitzen generieren würde, doch das passiert leider nie. Vor allem im allgemein etwas zu groß gedachten Showdown ist es einfach schade, dass Gibson Wahlberg nicht richtig einsetzt.
Abgesehen vom Verschenken dieses Potentials hat Mel Gibson seinen Film allerdings komplett im Griff. Hält ihn straff am Laufen, sorgt für ein durchgehend hohes Tempo und lässt keinerlei Form von Langeweile aufkommen. Der einzige Schauplatz des Flugzeuges wird nie öde, kleinere Totalen des Fliegers, der die Natur Alaskas überfliegt, geraten dank der souveränen Bebilderung geradezu majestätisch. Momente, in denen das Flugzeug abzustürzen droht oder durch eine Schneewehe knallt, bringen zusätzlichen Pfeffer ins Spiel. Im knalligen Showdown mischen sich leider ein paar eher schwache Effekte unter, ohne jedoch aus der Spannung herauszureißen.
„Flight Risk“ gerät sehr unterhaltsam
Im Vergleich zu seinen bisherigen Regie-Arbeiten ist „Flight Risk“ für Mel Gibson eine kleiner angelegte Fingerübung. Eine Fingerübung, bei der er aber erneut beweist, dass er ein großartiger Geschichtenerzähler ist. Denn wie sich die Story in dem kleinen Flugzeug entfaltet und inhaltlich immer größere Kreise zieht, das ist schon klasse und wirklich spannend. Dabei kann er sich vor allem auf Topher Grace und Michelle Dockery vollumfänglich verlassen.
Warum Gibson aber Mark Wahlberg nie von der Kette lässt, verwundert schon. Immerhin ist der ein absolut unberechenbarer Faktor, der den alleinigen Schauplatz des Filmes nie verlässt. Es mutet fast schon fahrlässig an, das von der Figur ausgehende Spannungs- und auch Aggressivitätspotential nicht zu nutzen. Hinzu kommen ein paar sattsam bekannte Hollywood-Klischees, wenn es um Flugzeuge und damit verbundene Adrenalineinspritzungen geht. Infolgedessen haut der absolut souverän in Szene gesetzte Thriller leider nie so gut rein, wie er es vermutlich könnte.
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In diesem Sinne:
freeman
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Solider Kammerspielthriller von Mel Gibson
Als Darsteller hatten Mel Gibson und Mark Wahlberg schon bei dem Komödiensequel „Daddy’s Home 2“ und dem Drama „Father Stu“ zusammengearbeitet, als Regisseur inszenierte Gibson den Actionstar später in „Flight Risk“.
Die Handlung in Gang bringt Buchhalter Winston (Topher Grace). Der hat sich als Kronzeuge gegen seinen früheren Arbeitgeber, einen berüchtigten Gangsterboss, einspannen lassen, ging angesichts der Mordlust seines ehemaligen Bosses dann lieber in die Wildnis Alaskas stiften. Doch an der Blockhütte blökt erst ein semigut animierter CGI-Elch, danach steht U.S. Marshal Madolyn Harris (Michelle Dockery) nebst Unterstützung auf der Matte und kassiert den unwilligen Informanten ein. Eine knapp gehaltene Einleitung, auf die Lieferung der nötigsten Informationen fokussiert, und der einzige Part des Films, der nicht im oder um den Haupthandlungsort des restlichen Films spielt – eine kleine Chartermaschine.
Um Winston rechtzeitig zum Prozess zurück in die Zivilisation zurückzubringen, muss der Rückflug an Bord des besagten Flugzeugs aus der Wildnis sein. Ihr Pilot ist der redselige Hinterwäldler Daryl Booth (Mark Wahlberg). Dieser entpuppt sich jedoch schnell als Scherge von Winstons Ex-Boss, der den Kronzeugen ausschalten soll…
Schaut euch den Trailer zu „Flight Risk“ an
„Flight Risk“ hat eine interessante Prämisse, die mit kompletter Verdichtung arbeitet: Das kleine Flugzeug ist der beinahe ausschließliche Handlungsort, nach der Eröffnung läuft die Geschichte in Echtzeit ab. Knappe 90 Minuten soll der Flug dauern, quasi ebenso lang wie der Film. Die Figuren sind fast ausschließlich auf das Trio an Bord reduziert, andere Darsteller tauchen am Anfang und Ende kurz auf oder sind nur als Stimme über Funk zu vernehmen, wie etwa Leah Remini („The Clapper“) als direkte Vorgesetzte Madolyns. Das ist konzeptuell interessant, mit Anleihen bei ähnlich konzipierten, ebenfalls sehr verdichteten Thrillern wie „Gegen die Zeit“, „Nicht auflegen“ oder „Cohen & Tate“. Allerdings bedeutet eine derartige Reduktion auch, dass Schauspiel, Regie und Drehbuch möglichst tadellos sein sollten, doch da kann „Flight Risk“ nicht vollends überzeugen.
Das größte Pfund auf darstellerischer Seite ist sicherlich Mark Wahlberg („Arthur der Große“), der entgegen seinem üblichen Heldenimage mal als sadistischer und relativ unansehnlicher Schurke zu sehen ist – Wahlberg rasierte sich für den Part eine Halbglatze, mit der er wie ein Lookalike von Clint Howard aussieht. Aber er hat auch sichtlich Freude am Part des irgendwo zwischen irre und professionell schwankenden Auftragsmörders. Topher Grace („American Ultra“) klopft als windiger Gefangener vor allem sarkastische Sprüche und ist in erster Linie für die kleinen humorvollen Einlagen zuständig, welche den Film auflockern. Ausgerechnet Heldin Michelle Dockery („Boy Kills World“) kommt dann weniger gut im Film, liefert soliden Standard ab, aber bei einem derart figuren- und schauspielzentrierten Werk wäre noch mehr Strahlkraft vonnöten gewesen.
Auf dem Regiestuhl leistet Mel Gibson („Hacksaw Ridge“) handwerklich gelungene, aber eher bodenständige Arbeit. So verzichten er und sein Kameramann Johnny Derango („Red Right Hand“) auf extravagante Kamerafahrten, wie sie etwa der größer skalierte Flugzeugthriller „Non-Stop“ oder das noch reduziertere Lebeding-begraben-Kammerspiel „Buried“ als artverwandte Filme verwendeten, sondern inszenieren recht konventionell. Die wenigen Schauwertpassagen gelingen „Flight Risk“ und bieten kleinere Rangeleien an Bord, einen Beinahe-Crash der Maschine sowie das Finale, in dem natürlich eine fachfremde Person das Flugzeug notlanden muss. Aber das hat im Genre ja Methode, von den „Airport“-Reißern der 1970er über „Einsame Entscheidung“ bis hin zu „Snakes on a Plane“. Ob ein nachgeschobener Schauwert-Nachklapp auf den letzten Metern noch hätte sein müssen und ob das Finale dem Schurken Daryl gerecht wird, darüber kann man dann wieder geteilter Meinung sein.

U.S. Marshal Madolyn Harris (Michelle Dockery) muss sich auf engem Raum zur Wehr setzen und ihren Zeugen beschützen
Am ehesten schwächelt „Flight Risk“ dann aber beim Script aus der Feder von Jared Rosenberg, dessen erstes verfilmtes Drehbuch dieser Film darstellt. So wird Daryls Identität als Schurke früh enthüllt, wobei Trailer und Marketingkampagne dies ja schon früh herausschrien. Vor allem aber fällt ihm vergleichsweise wenig zu seiner Prämisse ein, sodass der Film immer wieder mit Subplots gestreckt wird: Madolyn schleppt ein Trauma aus einem früheren Einsatz mit sich rum, Daryl hat auch Fotos vom Haus von Winstons Mutter dabei, was den Kronzeugen weiter verängstigt, Madolyn vermutet einen Verräter in den eigenen Reihen, wobei der Film eigentlich nur zwei Verdächtige vorschlägt.
Zudem verbringt aus Logikgründen eigentlich immer mindestens eine Person den Flug gefesselt, da „Flight Risk“ bei vielen offenen Handgreiflichkeiten schnell vorbei wäre. Oft ist Daryl diese Person, was die Spannungskurve schnell nach unten drückt, denn wie gefährlich bitteschön wirkt ein angeketteter Schurke am Ende des Tages? Psychologische Spannung ziehen die eher einfach geschriebenen Dialoge auch nicht daraus, auch wenn Daryl immerhin Profil als sadistischer Mordbube erlangt, der seinen Opfern – egal welchen Geschlechts – sexuellen Missbrauch androht (was man ihm sofort glaubt) und die Leichen seiner Opfer grausam verstümmelt, wie man später erfährt. Das baut ihn als Schurken immerhin bedrohlich auf, verpufft aber auch ein wenig, da Rosenbergs Script wenig daraus macht.
Ob Daryl nun ein Auftragskiller mit sadistischer Ader ist oder ein Soziopath, der seine Neigungen noch zum Geldverdienen nutzt, das bleibt eine offene Frage, die das Drehbuch nicht offen stellt, geschweige denn eine Antwort darauf parat hat. Am ehesten gewitzt ist da noch das Wortspiel des Titels, der sich sowohl auf die Fluchtgefahr im Falle Winstons als auch auf den lebensgefährlichen Flug mit dem Killer an Bord beziehen kann.
„Flight Risk“ ist eine solide inszenierter Flugzeug-Kammerspielthriller, der aber vor allem durch Mark Wahlbergs Schurkenperformace gewinnt. Doch leider macht er zu wenig aus seiner Prämisse, kommt sowohl im physischen als auch psychischen Duell zwischen Heldin und Bösewicht nicht über Standards hinaus und verheddert sich ein wenig in lauter angerissenen, aber nie zu Ende gedachten Subplots. Das ist alles okay, aber verschenkt Potential, sodass das Einprägsamste an „Flight Risk“ wohl Wahlbergs rasierte halbe Pläte sein dürfte.
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Der Film läuft seit dem 20. Februar 2025 in den deutschen Kinos. Er hat eine Freigabe ab 12 erhalten und kommt von TOBIS. Ab 8. Mai 2025 könnt ihr den Film streamen. Am 16. Mai 2025 erscheint er auf DVD, Blu-ray und 4K UHD. Die Heimveröffentlichungen laufen über die LEONINE Studios.
© Nils Bothmann (McClane)
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