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Utopia

Originaltitel: Utopia__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: James Bamford__Darsteller: Moe Dunford, Daniel Bernhardt, Charlotte Vega, Michael D. Xavier, Alix Villaret, Wanda Banda, Jade Coatsworth, Lucy Akhurst u.a.
James Bamford präsentiert Utopia Artwork Poster

James Bamford eröffnet mit „Utopia“ einen Deluxe-Puff.

Der Unternehmer Jeremy Zenner ist überzeugt, dass es einer perfekten Frau bedarf, damit sich ein Mann richtig entfalten kann. Diese leicht sexistische Sichtweise brachte ihn auf eine brillante Geschäftsidee. Warum nicht eine Welt errichten, in der nur perfekte Frauen herumkreiseln und der (gut betuchte) Mann nur zugreifen muss? Diese Welt errichtet er in dem osteuropäischen Fantasiestaat Astovia und nennt sie Utopia.

Das eigentliche Problem: Entgegen der Behauptung Zenners, die Frauen würden sich in rauen Mengen auf Jobs in seinem Deluxe-Puff bewerben, werden sie von der Straße entführt und mittels Computerchips im Hirn gefügig gemacht. Willenlos ziehen sie infolgedessen in den Themenwelten von Utopia blank und werfen sich den Kerlen an den Hals.

Doch eines Tages entführen Zenners Henchmen die Falsche. Denn deren Ex Damon ist nicht bereit, sich mit einem „Sie ist verschwunden“ zufrieden zu geben. Er aktiviert seinen alten MI5-Kumpel Rupert und stattet Utopia einen Besuch ab.

Schaut in den Film hinein

„Westworld“ in der Puff-Version

Die Inhaltsangabe und der Trailer sollten überdeutlich machen, wovon sich die „Utopia“-Story-Lieferanten Ian Neligh und Steven Paul inspirieren ließen. Michael Crichtons Roman „Westworld“ und vor allem dessen Serien-Adaption durch Jonathan Nolan scheinen hier wirklich an allen Ecken und Enden durch. Allerdings alles einige Nummern kleiner und deutlich primitiver in der Ausrichtung. Was man „Utopia“ aber nicht zwingend vorhalten sollte, immerhin gibt der nie vor, mehr sein zu wollen, als ein kleines B-Movie.

Blöd ist allerdings, dass „Utopia“ keinen rechten Zug entwickeln mag. Während die eigentliche Story angenehm flott auf den Schienen ist, scheint das Drehbuch mit der Ankunft Damons in Utopia nicht mehr so recht zu wissen, was es erzählen soll. Stattdessen haut es dem Zuschauer die nackten Brüste um die Ohren, dass es nur so scheppert. Durchaus hübsche Sets des antiken Roms, eines französischen Örtchens während des Zweiten Weltkrieges und einer Western-Stadt bilden den Rahmen für die hübschen nackten Ladys.

Das lenkt durchaus ein wenig von der dürren Story ab, es macht aber nicht satt. Man hat nicht einmal das Gefühl, dass Damon richtig ermitteln würde. Und man erfährt enttäuschend wenig über Utopia selbst. Vor allem dessen Betreiber, mithin ja die Bösewichte, erfahren keinerlei Vertiefung. Was sie arg gesichtslos und egal wirken lässt. Erst gegen Ende kommen Drehbuch und Regie etwas ins Erzählen. Da ist es allerdings schon zu spät und die jetzt erfolgenden Enthüllungen machen sogar die letzten Abweichungen vom „Westworld“-Vorbild vollkommen hinfällig.

Leider macht „Utopia“ auch recht wenig Action, um von seinen erzählerischen Defiziten abzulenken. Dabei machen die ultrakurzen Einlagen durchaus Laune. Vor allem die Handgreiflichkeiten sind durchaus stark choreographiert und haben richtig Wumms. Leider dominieren im dann endlich größer angelegten Showdown reichlich steife Ballereinlagen. Nur ein Fight zwischen Damon und der rechten Hand Zenners bietet hier ein wenig Eyecandy. Was auch nicht verwundert, wird die rechte Hand doch von Daniel Bernhardt („Atomic Blonde“) gegeben.

Leider bekommt der Schweizer Actionheld sehr wenig zu tun. Den Held der Chose gibt Moe Dunford („Texas Chainsaw Massacre (2022)“). Der kommt als Damon reichlich blass und charismabefreit rüber. Was genauso sowohl für seinen Love Interest, gespielt von Charlotte Vega („The Last Gunfight“), als auch seinen eigentlichen Gegenspieler Zenner, gegeben von Michael D. Xavier, gilt. Wanda Banda, Alix Villaret, Maddy Ambus und Jade Coatsworth punkten mit ihrer Freizügigkeit. Spielen können, nein müssen sie nicht. Jason Flemyng („A Working Man“) versucht sich als Rupert zumindest ansatzweise als Schauspieler, kann in seinen wenigen Minuten aber nicht viel reißen.

Der Unterhaltungswert von „Utopia“ ist eher utopischer Natur

James Bamford, der mit den enorm unterhaltsamen „Air Force One Down“ und „The Last Gunfight“ zu punkten vermochte, legt mit „Utopia“ zwar keinen formvollendeten Bauchklatscher hin, so richtig gut ist seine „Westworld“-Variante aber auch nicht. Der technisch ordentlich in Szene gesetzten Science-Fiction-Mär fehlen Tempo, Spannung und ein charismatischer Held ebenso wie ein cooler Bösewicht oder irgendein cooles Alleinstellungsmerkmal. Die sexistische Prämisse reicht da nicht.

Zumindest sorgt sie für etwas, was aktuell Mangelware in vor allem amerikanischen Filmen ist: Nackte Haut. Davon gibt es in „Utopia“ einige zu genießen. Wer angesichts eines Namens wie Daniel Bernhardt auf nette Action hoffte, der wird allerdings enttäuscht aus dem Streifen rausgehen, denn Action war diesmal leider nicht das Ziel. Was überhaupt das Ziel von „Utopia“ war, ist angesichts des Ergebnisses nicht so ganz klar. Ein Film der Marke „Kann man gucken, muss man aber überhaupt nicht“.

03 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mit nichts bekannt. In den USA kann man den Film bei diversen VoD-Plattformen erstehen.

In diesem Sinne:
freeman

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