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The Desperate Hour

Originaltitel: Lakewood__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Phillip Noyce__Darsteller: Naomi Watts, Colton Gobbo, Andrew Chown, Sierra Maltby, Michelle Johnston, Woodrow Schrieber, David Reale, Jason Clarke, Debra Wilson, Christopher Marren u.a.
The Desperate Hour mit Naomi Watts und von Phillip Noyce

Naomi Watts durchlebt „The Desperate Hour“.

Ein Sarg und ein darin eingeschlossener Mann, mehr brauchte Chris Sparling nicht, um mit seinem Drehbuch zu „Buried“ ein so immersives wie intensives Thriller-Erlebnis zu kreieren. „The Desperate Hour“ funktioniert nun nach ähnlichem Schema. Wird von Sparling weitgehend als Einpersonenstück gereicht, dessen Hauptfigur ziemlich isoliert ist vom Rest der Welt. Offensichtlichste Abweichung: Naomi Watts ist nicht nur auf einen Schauplatz begrenzt. Etwas weniger offensichtlich, aber früh spürbar: „Buried“ war ein Glückstreffer, den Sparling hier nicht wiederholen konnte.

Amy und ihre beiden Kinder haben schwer mit dem plötzlichen Unfalltod des Ehemannes und Vaters zu kämpfen. Da sich dessen Todestag in absehbarer Zeit zum ersten Mal jährt, kommt die Trauer besonders geballt wieder hoch. Vor allem Sohnemann Noah zieht sich mehr und mehr in die Einsamkeit zurück.

Eines Tages bricht Amy zum Joggen auf, wobei sie Orte anläuft, die sie an ihren Ehemann erinnern. Unterwegs beobachtet sie plötzlich rasend schnelle Polizeiautos. Sie denkt sich jedoch nichts dabei. Da ereilt sie ein Anruf, dass mindestens ein Schwerbewaffneter in die Schule ihres Sohnes Noah marschiert sei. Die Polizei befürchte einen Amoklauf.

Amy, die auf ihrer Joggingroute weit von der Stadt abgekommen ist, aktiviert nun alle Kontakte, um herauszufinden, ob ihr Sohn in Sicherheit ist. Als sie jedoch ein Anruf der Polizei erreicht, der andeutet, dass ihr Noah der Amokläufer sein könnte, droht ihre Welt ins Wanken zu geraten.

Schaut in den Thriller hinein

Einpersonen-Thrill von Phillip Noyce

Ich bin kein wirklicher Fan permanenter Erreichbarkeit. Die Manie, in jeder ruhigen Sekunde das Smartphone zu zücken, befremdet mich sehr. Entsprechend waren die ersten 20 Minuten von „The Desperate Hour“ der pure Horror für mich. Das Telefon von Amy will ab dem Moment, an dem sie los joggt, nicht mehr still stehen. Die ganze Zeit, die Amy läuft, labert sie mit Bekannten und Verwandten, klärt Termine ab und organisiert den Tag.

Infolgedessen ist Amy beständig am Quatschen und strapaziert damit durchaus das Nervenkostüm des Zuschauers. Zumal der hier auch nichts Wesentliches erfährt und die Gespräche die Figur Amy auch nicht wirklich mit Leben füllen. Man schüttelt einfach nur den Kopf, dass die Frau sich null auf ihr Laufen oder die tolle Natur um sie herum zu konzentrieren vermag. Man fragt sich direkt, warum sie überhaupt laufen geht und nicht in ihrem Büro hockt.

Dann ziehen Regie und Drehbuch die Daumenschrauben etwas fester. Polizisten rasen an Amy vorbei. Eine Gesprächspartnerin stresst Amy zusätzlich, da sie Andeutungen macht, etwas könne passiert sein. Versuche, diese Informationshappen mit Leben zu füllen, etwa durch einen Anruf beim Notruf, scheitern arg konsequent. Hier spürt man direkt, dass Chris Sparling bei seinem Drehbuch für „The Desperate Hour“ offensichtlich herum konstruieren muss, um Spannung zu erzeugen.

Naomi Watts in The Desperate Hour

In „The Desperate Hour“ dreht sich alles um Naomi Watts.

Doch es fruchtet nicht. Weiß man dann, was die Uhr geschlagen hat, packt der Film immer noch nicht zu. Hauptproblem: Das Interessanteste am Film passiert gerade ganz wo anders. Die rennende und dauertelefonierende Naomi Watts reicht nicht, um in die Story hineinzuziehen. Auch und vor allem, weil man häufiger mal den Bezug zu Amy verliert.

Die will unbedingt zu der Schule gelangen. Fragt sich nur warum? Will die Finanzamt-Mitarbeiterin selbige stürmen? Auch ihre Telefonate verlaufen seltsam. So fragt sie nie, wie es um das Schicksal der anderen Kinder bestellt ist. Sie kreist nur um sich und ihren Noah und bindet mit ihren Telefonaten sowohl die Polizei als auch den Notruf.

In einer Szene gefährdet sie sogar aktiv das Leben eines Telefonpartners! Und Amy stolpert gerne. Einmal über eine Wurzel, woraufhin sie von Szene zu Szene mal mehr und mal weniger humpelt. Freilich gibt es auch einen Epic-Stolperer-Moment, bei dem sie sich direkt den Kopf anhaut. Muss man auch erstmal schaffen.

Dazu kommt, dass man dem Film als Zuschauer voraus ist. Früh beginnt man in Betracht zu ziehen, dass der verschlossene Noah ausgetickt sein könnte. Dafür reichen ein oder zwei Momente des Einstieges. Amy wird von dieser Vermutung auf der Hälfte des Filmes fast aus den Schuhen gehauen. Doch so sehr diese Vermutung bei Amy reinhaut, Phillip Noyce („Todesstille“) macht nichts aus diesem „Höhepunkt“. Stattdessen wirkt sein Film auf einmal auserzählt.

Naomi Watts im Thriller von Phillip Noyce

Naomi Watts joggt und joggt und joggt.

Um „The Desperate Hour“ noch über die Runden zu bekommen, schaltet Noyce in Sachen Unglaubwürdigkeiten einige Gänge höher. Amy erledigt nun mit einem Smartphone – irgendwann bedient sie sogar zwei gleichzeitig! – die Arbeit der Cops. Die fühlen sich zwar von der resoluten Frau Mama in ihrer Arbeit behindert, belassen es aber bei einem „Dududu!“ Immerhin löst Amy den Fall beim Joggen und man kann schnell zum Donut-Laden um die Ecke.

Etwaige interessante Zwischentöne werden so direkt plattgemacht und Noyce und das Drehbuch nehmen in jedweder Hinsicht die simpelsten Wege zum Erfolg. Spannung kommt so keine auf. Alles wirkt immer banaler und vorhersehbarer. Zumindest versucht Noyce, mit einer dynamischen Bebilderung zu punkten, unter der ein wirklich flotter Score pumpt. Zu sehen bekommt man aber eben nur Naomi Watts beim Joggen – und der Rest ist ein langes Hörspiel.

Dafür spielt Naomi Watts („Boss Level“) intensiv. Ihre Jogging-Optik mit Mütze und keck darunter hervorlugenden blonden Strähnen ist das pure Hollywood-Klischee. Aber Frau Watts ist bemüht, der Panik ihrer Figur Ausdruck zu verleihen. Einzig das platte Drehbuch lässt sie nicht vollends zur Entfaltung kommen. Davon abgesehen gibt es nur einige winzige Nebenrollen. Etwa Amys Kinder, ein paar Cops oder Amys verunglückter Ehemann. Etwas mehr Gehalt haben nur ein paar der Sprechrollen inne. Darunter Jason Clarke („Terminator: Genisys“) als Amys Arbeitskollege.

„The Desperate Hour“ läuft nicht rund

Einpersonenstücke sind freilich immer eine Herausforderung. Phillip Noyce nahm sie an und scheitert relativ früh ziemlich durch. Was auf dem Papier spannend klingt, mag in Bewegtbildform überhaupt nicht zupacken. Man ertappt sich früh bei dem Gedanken, dass ALLES spannender wäre, als jetzt Frau Watts beim Joggen zuzugucken. Aber mehr als das und schöne Naturbilder bekommen wir von „The Desperate Hour“ nicht geboten.

Es wird zwar viel über die Telefonate transportiert, doch selbst die beginnen irgendwann arg repetitiv zu wirken und schaffen es nicht, mehr Spannung zu erzeugen. Und in Richtung Finale regelt die taffe Mutti, die kurz zuvor noch kurz vor einer Panikattacke stand und mit Schwindel kämpfte, die ganze Chose im Alleingang. Spätestens da hat man innerlich komplett abgeschaltet.

03 von 10

Die DVD / Blu-ray zum Film erschien bei Eurovideo und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten. Ihr könnt den Film auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label Eurovideo / Wild Bunch__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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