Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Boss Level (+Videokritik)

Originaltitel: Boss Level__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Joe Carnahan__Darsteller: Frank Grillo, Mel Gibson, Naomi Watts, Will Sasso, Annabelle Wallis, Sheaun McKinney, Selina Lo, Michelle Yeoh, Ken Jeong, Meadow Williams, Mathilde Ollivier, Rio Grillo u.a.

Bei einem Zeitschleifenactioner mit Frank Grillo, Mel Gibson und Michelle Yeoh sagen wir Actionfreunde freilich nicht nein. Was der „Und täglich grüßt das Action-Murmeltier“-Streifen „Boss Level“ kann, verraten wir euch sowohl in unserer Videokritik als auch in den nachfolgenden „normalen“ Reviews.

Video: Kritik zu „Boss Level“ mit Mel Gibson und Michelle Yeoh

Einer dieser nie enden wollenden Tage…

Boss Level

In Joe Carnahans “Boss Level” steckt Frank Grillo in einer Zeitschleife, in Nebenrollen wirken Mel Gibson, Naomi Watts und Michelle Yeoh mit

Wenn ich mir vorstelle, ich wäre jemand, der sich aufgrund lang gehegter und gepflegter Vorurteile der Marke „Emmett-Furla-Oasis produzieren eh nur Schrott“, „der Lack bei Regisseur Joe Carnahan ist schon seit Ewigkeiten ab“ oder „Filme mit dem religiösen Irren Mel Gibson darf man sich nicht anschauen“ deren neuesten Film „Boss Level“ entgehen ließe, ich würde mir selbst in den Hintern treten. Warum? Das verrate ich euch fortfolgend.

Es ist mal wieder einer dieser Tage für Roy Pulver. Der Ex-Delta-Force-Soldat erwacht neben einer scharfen Blondine und ein Machete schwingender Typ will ihm ans Leben. Kaum ist der ausgeschaltet, wird mit einer Minigun aus einem vor seinem Fenster schwebenden Helikopter auf Roy geballert. Bei einer Tasse Kaffee entgeht Roy dem Bleiregen hinter einer fetten Säule in seiner Wohnung.

Hernach hechtet er aus einem Fenster, während seine Wohnung hinter ihm explodiert. Kaum am Boden angelangt, wollen ihn zwei scharfe Ladys killen und er entkommt geradeso einer Kollision mit einem Bus in einem soeben gestohlenen Sportwagen. Dann ein wenig im Imbiss seiner Wahl ein Frühstück genießen und dann, ziemlich genau um 12:47 Uhr, sterben.

Was ein Tag. Und das Beste? Wenn Roy wieder in seinem Bett „aufersteht“, steigt der Tag erneut. In einigen Nuancen variiert. Was immer gleich ist: Roy wird erneut sterben, wieder in seinem Bett erwachen, die scharfe Blondine neben ihm und eine scharfe Machete über ihm. Einen rechten Antrieb, dieser Zeitschleife zu entkommen, entwickelt Roy lange Zeit nicht. Doch mit jeder Wiederholung dämmert ihm mehr, dass seine Frau, deren Forschungen, ein finsterer Geschäftsmann namens Colonel Ventor und Roys Sohn Joe Schlüssel zum Ausbrechen aus dem Loop sein könnten.

Schaut in „Boss Level“ mit Mel Gibson und Michelle Yeoh hinein

Wenn es um Zeitschleifenfilme geht, wähne ich mich selbst in einer Art Zeitschleife. Denn immer, wenn ich einen entsprechende Streifen wie „Retroactive“, „Source Code“ oder „A Day“ bespreche, sehe ich mich dann schreiben: Ich liebe Zeitschleifenfilme! Und wie! Dementsprechend hatte „Boss Level“ sofort einen Stein bei mir im Brett. Was noch dadurch angeheizt wurde, dass der neue Film von Joe Carnahan („The Grey“) seinen Zuschauer mitten in das Loop-Geschehen hineinwirft.

Wenn wir Roy das erste Mal begegnen, hat der schon weit über 100 Durchläufe hinter sich. Hat Routinen entwickelt, seinen Gegnern Fantasienamen gegeben und ein Gespür dafür entwickelt, welche Tode richtig unangenehm sind. Denn Roy hat eigentlich alles durch. Er wurde gesprengt, zermatscht, überfahren, enthauptet, erschossen und hat sich auch den einen oder anderen tödlichen Unfall erlaubt.

All das erfahren wir aus dem Off von Roy, während der erneut durch einen seiner üblichen Tage hechtet und sich seiner Haut erwehrt. Joe Carnahan pumpt in dieser Phase unermüdlich Adrenalin in seine Bilder. Springt immer wieder in der Erzählzeit, startet kurze Rückblicke in andere Zeitschleifen, springt wieder nach vorne und treibt Roy in den nächsten Tod.

Boss Level mit Frank Grillo und Minigun

Roy haut amtlich auf die Kacke!

Nach furiosen 20 Minuten erdet Carnahan dann das comichafte Treiben. Installiert Roys Ehefrau Jemma sowie deren Chef Colonel Ventor, der mit einem Projekt, an dem Jemma forscht, offensichtlich Finsteres vor hat. Gleichzeitig startet dann „Boss Level“ so richtig durch. Denn rund um Jemma und Ventor werden die storyauslösenden und storyantreibenden Elemente gezündet, die sich Roy auf einer Tour de Force der Gewalt mühsam erarbeiten muss – und die den Zuschauer permanent schmunzeln lassen.

Zumindest wenn der einen zynischen Sinn für Humor hat. Aber wer hat den nicht? Seht ihr! Doch auch allen anderen dürfte der Weg zum ersten Showdown des Filmes gut unterhalten. Diesen Weg spickt Carnahan mit zig gelungenen Actionszenen, die atemlos aufeinander folgen. Explosionen, Autostunts, Miniguns, Hubschrauber, in Wohnungen krachende Hubschrauber, Geballer, Schwertkämpfe und und und.

Alles schön comichaft überzogen, mit herumwaberden Blutwolken, abgehackten Köpfen und allem, was dem Actionfan sonst Spaß macht. Hier und da sitzen die Effekte nicht hundertprozentig, sieht man die Pixel und Bytes, aber es stört kaum – passt in seiner Künstlichkeit eher zu dem surrealen Treiben auf dem Bildschirm. Und dann ist der Showdown vorbei… und „Boss Level“ startet gefühlt noch einmal neu.

Naomi Watts als Jemma

Hat Jemma etwas mit der Zeitschleife zu tun, in der Roy festhängt?

Carnahan fokussiert plötzlich auf ganz andere Aspekte seiner Geschichte, es wird gefühliger. Trotzdem kommt keine Sekunde Langeweile auf. Man lernt noch einmal andere Seiten von Roy kennen und die gefallen. Und sie ermöglichen einen zweiten Showdown. Als sei bisher nicht genug Action gestiegen. Leider hat der zweite Showdown mit dem ersten eine Sache gemein: Er wirkt ein wenig antiklimaktisch. Auch weil Mel Gibson („Get the Gringo“) als Oberlump tatsächlich zweimal komplett verschenkt wird und so der Eindruck entsteht, dem „Boss Level“ fehle der Bossgegner.

Mel Gibson gibt seinem Fieswicht viel Würde mit und hat bei einer Story rund um Macheten schwingende Gegner, eine Schlange und ein Wildschwein einen großartigen schauspielerischen Moment, der die ganze Gefährlichkeit seiner Figur trefflich nach außen kehrt. Ansonsten hätte man Gibson einfach nur viel mehr Screentime gewünscht. Doch das geht insofern nicht, dass Carnahan seiner Hauptfigur Roy wirklich so gut wie nie von der Seite weicht. Wenn zehn Minuten von „Boss Level“ ohne Frank Grillo („The Purge: Election Year“) auskommen, ist das viel.

Der hat Spaß an seiner Rolle, passt mit seiner kantigen Ausstrahlung wie Arsch auf Eimer und macht sowohl in den emotionaleren als auch in den actionbetonten Momenten alles richtig. Besonders stark sind all seine Szenen mit seinem tatsächlichen Sohn Rio Grillo, der Joe gibt. Die Überpräsenz von Grillo bekommt auch Michelle Yeoh („Crazy Rich Asians“) zu spüren, die als Schwertkampftrainerin von Roy ein leider viel zu kurzes Gastspiel gibt. Dass die Blondine, die jeden Morgen neben Roy aufwacht, Annabelle Wallis („Die Mumie“) ist, verpasst man ebenfalls, wenn man einmal zu oft blinzelt.

Boss Level mit Frank Grillo und Rio Grillo

Frank Grillo mit seinem Real-Life-Sohnemann Rio.

Und sogar der ach so witzige Ken Jeong („Hangover 3“) muss sich mit zwei Zeilen Dialog und ein oder zwei doofen Blicken in die Kamera zufriedengeben. Nur Naomi Watts („St. Vincent“) kommt von der Screentime her auf ähnliche Werte wie Mel Gibson und hat mit Grillo ein paar hübsche Momente zugeschanzt bekommen. Ansonsten ist das hier tatsächlich die ganz große Frank Grillo Show.

Optisch ist „Boss Level“ immer auf Dynamik bedacht. Eine flotte Montage, „Level“-Einblendungen und eine ansprechende Kameraarbeit gefallen, ein 8-Bit-Vorspann und entsprechende Gameboy-Mucke locken sogar kurzzeitig auf eine falsche Spur (man denke an die „Im Netz der Versuchung“-Auflösung), münden aber dennoch in ein schlüssiges Szenario rund um Videospiele. Der Soundtrack selbst macht Laune und treibt die flotte Chose immer wieder ordentlich an.

„Boss Level“ macht immer wieder Laune!

Zugegeben, viel Neues hat „Boss Level“ nicht zu bieten. Der Film ist eine Art Best-of der bekannteren, actionreichen Vertreter des Zeitschleifenfilms. Eine Maschinerie wie in „Retroactive“, eine irre hohe Schlagzahl an Zeitschleifen wie in „Edge of Tomorrow“ und viel Komik wie im Urknall des Subgenres „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Einen Strick werde ich „Boss Level“ daraus ganz sicher nicht drehen, dazu ist der Streifen einfach viel zu unterhaltsam und obendrein so kurzweilig getaktet, dass man es kaum glauben mag, wenn dann plötzlich – und leicht fies platziert – der Abspann anrollt. Für die einen dürfte danach alles gesagt sein, die anderen werden auf einen ähnlich überdrehten Trip in einer storyseitig durchaus möglichen Fortsetzung hoffen.

Bis dahin kann man sich diesen witzigen Comicstrip voller Action, abgedrehter Tode, guter Darsteller – inklusive einem Top-Hauptdarsteller – und verrückter Ideen immer wieder anschauen und sich selbst eine Art „Boss Level“-Zeitschleife kreieren. So schnell dürfte einem dabei trotz leicht unterfordertem Mel Gibson, verschenkter Michelle Yeoh und einigen schwächeren Effekten nicht langweilig werden.

07 von 10

In diesem Sinne:
freeman


……


„Boss Level“ hat richtig Schmackes

Zeitschleifenfilme gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen: Als RomCom wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder „Palm Springs“, als Sci-Fi-Thriller wie „12:01“ oder „Retroactive“, als Slasherfilm wie „Happy Deathday“, als Actionspektakel wie „Edge of Tomorrow“ oder nun eben „Boss Level“.

Dabei stellt der Film von Joe Carnahan („The Grey“) deutlicher als viele seiner Verwandten heraus, dass das Trial-and-Error-Prinzip von Zeitschleifenfilmen etwas von einem Videospiel hat: Nicht nur der Titel dient als direkter Verweis, auch die Nennung der Produktionsfirmen in Pixel-Optik und der Startbildschirm vorm eigentlichen Filmbeginn sprechen da Bände. Für Roy Pulver (Frank Grillo) ist der Start in seinen Murmeltiertag dann auch Routine wie für einen Gamer, der das Anfangslevel seines Lieblingsspiels mit verbundenen Augen meistern könnte: In Roys Fall muss er sich direkt mehrerer Attentäter erwehren, die ihn erst im Bett erdolchen, danach mit der Gattling-Gun vom Hubschrauber aus erledigen wollen, ehe ihm dann seine Bude um ihre Ohren fliegt. Nach weit über 100 Versuchen kann der Ex-Special-Forces-Soldat währenddessen noch gemütlich Kaffee trinken.

Boss Level

Auge in Auge: Roy Pulver (Frank Grillo) will mit dem Mörder seiner Ex-Frau abrechnen

Allerdings geht Roys Tag danach genauso weiter, denn eine Horde durchgedrehter Auftragsmörder will ihm ans Leder, darunter asiatische Katana-Killerinnen, Redneck-Kopfgeldjäger und kleinwüchsige Bombenleger. Und das Schlimmste: Roy weiß gar nicht wieso. Ihm dämmert nur, dass dies mit dem Tod seiner Ex-Frau Jemma Wells (Naomi Watts) zu tun haben könnte, die in einem Labor für Colonel Clive Ventor (Mel Gibson) forschte. Warum Roy trotz eindeutiger Hinweise viele seiner Murmeltiertage in einer Kneipe verbringt, bis die Häscher ihn finden und ihm das Licht auspusten, macht zwar innerhalb der Handlung nur bedingt Sinn, aber „Boss Level“ will auch nicht mehr als ein comichaftes Actionspektakel sein, dass Gags und Schauwerte über solche Fragen stellt.

Doch irgendwann findet Roy heraus, warum die Assassinen ihn immer wieder so zielgenau finden, und damit auch Hinweise auf die Hintermänner. Neu motiviert geht Roy dem Mordkomplott und den Ursachen der Zeitschleife auf den Grund – und nimmt dabei Kontakt zu seinem Sohn auf, der gar nicht weiß, dass Roy sein Vater ist…

„Boss Level“ paart seinen Zeitschleifenplot mit Over-the-Top-Action-Comedy auf den Spuren von Werken wie „Crank“, „Deadpool“ und „Guns Akimbo“, gerade auf stilistischer Ebene. Also kommentiert Roy das Geschehen lakonisch aus dem Off, die Kamera folgt dem Helden, wenn er bei einem Crash durch die Scheibe eines Busses geschleudert wird, an anderer Stelle wird er mit einem Enterhaken durch den Hals getötet, als er gerade ein Sandwich verdrücken will, und die Häscher sind allesamt schräge Vögel. Leider vergisst „Boss Level“, im Gegensatz zu beispielsweise „Accident Man“, diesen schrillen Schurken auch eine Persönlichkeit zu verpassen: So bleiben diese Fußnoten, die kaum über grobe Zuschreibungen wie „die deutschen Brüder“ oder „der Doppelgänger“ hinauskommen. Damit verschenkt „Boss Level“ leider mächtig Potential, denn diese Meuchelmörderriege ist eigentlich ziemlich interessant.

Immerhin ist ja noch Mel Gibson („Fatman“) als Ober-Baddie da. Der ist zwar etwas unterbeschäftigt, zumal er in direkten Kämpfen mit dem Helden immer schnell die Segel streichen muss, aber der Actionstar spielt ihn mit diebischer Freude, zumal er eine Szene hat, in der so richtig glänzen kann. Darin monologisiert er über ein Erlebnis während seiner Zeit als Special-Forces-Scharfschütze im Krieg (was sofort an Martin Riggs und „Lethal Weapon“ denken lässt), bei dem es um Feinde mit Macheten, ein Wildschwein und eine Python geht. Ebenfalls richtig gut drauf ist Frank Grillo („Jiu Jitsu“), der sich als Produzent diese Rolle auf den muskulösen Leib schreiben ließ und sich mal wieder als verlässlicher Actionstar aus der zweiten Reihe erweist. Sowohl den toughen Fighter als auch den verletzten Ex-Mann nimmt man ihm jederzeit ab. Der Rest der Welt hat dagegen wenig zu vermelden, egal ob Naomi Watts („Die Bestimmung – Allegiant“) als Ex-Frau, Michelle Yeoh („Master Z: The Ip Man Legacy“) als Schwertkampflehrerin mit gerade einmal zwei Szenen im Film, Ken Jeong („Crazy Rich“) als Barmann, Will Sasso („Army of One“) als Sicherheitschef oder Annabelle Wallis („Die Mumie“) als Kneipenbekanntschaft.

Boss Level

Als Colonel Clive Ventor ist Mel Gibson in einem ähnlich launigen Baddie-Modus wie in “Machete Kills” oder “The Expendables 3”

Man merkt schon an dieser Auflistung, dass Grillo und Carnahan als Produzenten ein prominentes Ensemble für einen vergleichsweise bescheiden budgetierten Film zusammenbekommen haben, dessen Limitierungen man vor allem dann sieht, wenn Kollege Computer gefragt ist, beispielsweise bei den Hubschrauberszenen. Im Gegensatz zu vielen Filmen aus dem Hause Millennium Films werden diese Szenen dann auch entsprechend kurz gehalten, sodass dies nicht allzu störend auffällt. Begleitet wird die flotte Actiongaudi von einem beschwingten Soundtrack, auf dem unter anderem Boston, Black Flag und Lynyrd Skynurd zu hören sind und dessen Songs das Thema „Zeit“ schon oft im Titel tragen („Foreplay – Long Time“, „Time Has Come Today“, „Day After Day“ etc.).

So ist der ganze Film passend als flapsige, schwarzhumorige Actionkomödie gehalten, in welcher Held über Todesarten philosophiert, sich in einer Phase der Demotivation jeden Tag gleich morgens abstechen lässt, wie „Boss Level“ in einer Montage zeigt, oder sich an einer Stelle mal diverse Zähne mit einer Zange zieht. Meistens ist die Trefferquote der Gags ganz gut, die zwar eher von der simplen Sorte sind, aber sitzen, nur einige Running Gags ermüden und manche schräg gedachte Idee wirkt unbeholfen, etwa jene um den Vorbesitzer der Knarre einer bestimmten Attentäterin. Diesem schrägen Brachialhumor stehen dann ernste, emotionale Momente gegenüber, wenn Roy über den Verlust seiner Ex-Frau trauert oder den Murmeltiertag dafür nutzt den entfremdeten Sohnemann besser kennenzulernen. Überraschenderweise funktioniert diese Mixtur sogar, da der Filme seinen Ton immer an die aktuelle Stimmung Roys anpasst, die bei Fehlschlägen schwermütiger, bei Erfolgen euphorischer wird.

Boss Level

Dieses schräge Schurkenrudel will das auf Roy ausgesetzte Kopfgeld kassieren

Erfolge und Fehlschläge, Trial and Error – diese Videogame-Struktur ist das Grundgerüst von „Boss Level“ und leider auch ein wenig seine Schwäche. Denn durch das Zeitschleifengerüst fehlt Ganzen ein wenig die Konsequenz – die Heldin in „Happy Deathday“ beispielsweise wurde mit jedem Tod schwächer. Andere Zeitschleifenhelden mussten dagegen echte Ermittlungsarbeit leisten, während für den Zuschauer hier schon bei einer langen Rückblende in das Gestern des Murmeltiertags, kurz nach der Exposition, klar ist, wer die Zeitschleife auf welche Art und aus welchen Gründen bereitet hat. Also entfällt auch die Spurensuche mit dem Helden, der etwas länger braucht, um auf den Trichter zu kommen.

Doch immerhin hat „Boss Level“ eine gehörige Portion Action, die darüber hinwegtröstet, dass der Held gewissermaßen unsterblich ist. Roy haut, schlitzt und schießt sich durch die Gegnerschar, in stets sauber inszenierten und gelungen choreographierten Kampfszenen, die jedoch gelegentlich etwas länger sein dürften. Doch Szenen wie das Schwertduell gegen Guan-Yin (Selina Lo) oder das große Aufräumen im Schurkenhauptquartier am Ende sorgen für Laune. Man muss allerdings damit leben können, dass der furiose Auftakt ein Tempo und eine Actionschlagzahl vorgibt, mit welcher der restliche Film nicht mithalten kann. Und so einen richtig guten Boss-Fight hat Carnahans Actionsause trotz des Filmtitels nicht, da bis auf Guan-Yin niemand dem guten Roy so wirklich lange etwas entgegenzusetzen hat – und die wird schon vor dem Showdown besiegt.

Dafür, dass die EFO-Schmiede zu den Produzenten von „Boss Level“ gehört, hat der Film richtig Schmackes, denn hier holen nicht nur irgendwelche Altstars lustlos nach wenigen Drehtagen den Gehaltsscheck ab, sondern Gibson, Watts und Co. sind trotz kleiner Rollen wirklich motiviert dabei. Die Action stimmt auch weitestgehend, die Gags machen meist was her und die Zeitschleifenprämisse ist im Actiongenre noch nicht ausgelutscht. Nur schade, dass „Boss Level“ seine Karten so früh auf den Tisch legt und die Tatsache, dass der Held bei einer Niederlage quasi keine Konsequenzen trägt, dem Film an Fallhöhe raubt. „Boss Level“ ist so zwar eine Parabel auf das Trial-and-Error-Prinzip von Videogames, wirkt aber auch manchmal so, als schaue man bloß einem erfahrenen Zocker beim Spielen zu.

„Boss Level“ kommt in Deutschland von Leonine auf DVD, Blu-Ray und Video on Demand und ist ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Auf den Discs gibt es als Bonusmaterial ein Making Of.

© Nils Bothmann (McClane)

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