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A Day

Originaltitel: Ha-roo__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Sun-ho Cho__Darsteller: Myung-Min Kim, Yo-han Byeon, Hye-Sun Shin, Eun-hyung Jo, Hee-Jung Han, Ji Kyu Im, Yuha Lee, Jae-myung Yoo u.a.
A Day deutsches DVD Cover

“A Day” ist ein Zeitschleifen-Thriller aus Südkorea.

Ich habe ein wirklich großes Faible für Zeitschleifen-Filme. Vor allem, wenn diese richtig munter eskalieren, macht mir die Präsentation der ständig gleichen Szenerie mit immer neuen Details und Entwicklungen einfach riesigen Spaß. „Retroactive“ ist eines der gelungensten Beispiele mit Actionfokus. Dicht gefolgt von dem grandios unterhaltsamen „Edge of Tomorrow“. Mit „A Day“ wollen die Südkoreaner beweisen, dass sie auch Zeitschleifen-Streifen beherrschen.

Kim Jun-young (Myung-Min Kim) erwacht in einem Flugzeug. Eine Frau will ein Autogramm von ihm, denn er ist ein in Südkorea enorm bekannter Art. Seine Entscheidung, irgendwann aus dem finanziell reizvolleren Privatsektor auszutreten, um sein Können in den Krisenherden dieser Welt einzusetzen, ringt seinen Landsleuten riesigen Respekt ab. Die einzige, für die der Lebenswandel des Arztes nur Nachteile hat, ist dessen Tochter Eun-jung. Nie ist ihr Vater da. Nicht einmal an ihren Geburtstagen. Doch vielleicht klappt es ja diesmal, denn Kim Jun-young kommt pünktlich zu Eun-jungs Geburtstag von einem Vortrag vor der UN zurück.

Kim Jun-young kann zwar nicht behaupten, explizit an den Geburtstag seiner Tochter gedacht zu haben, doch er beschließt dennoch, mit ihr einen schönen Nachmittag zu verbringen. Man verabredet sich an einem gewissen Ort und der Arzt rast dorthin. Auf dem Weg zu seiner Tochter kommt er jedoch an einer Unfallstelle vorbei. Nicht nur seine Profession als Arzt verbietet es ihm, einfach an dem Unfall vorbeizufahren.

Bis der Notarzt eintrifft, versucht er einen verunglückten Taxifahrer zu stabilisieren. Als der Notarzt endlich da ist, will Kim Jun-young weiterfahren, als sein Blick über die Straße schweift. Dabei fällt ihm auf, dass der Taxifahrer vor seinem Unfall jemanden erfasst zu haben scheint. Er läuft zu der überfahrenen Person. Es ist Eun-jung, seine Tochter.

Kim Jun-young erwacht in einem Flugzeug… Er ist erleichtert, verbucht alles bislang Geschehene unter der Kategorie „schlechter Traum“. Da will eine Frau ein Autogramm von ihm. Ein Déjà-vu jagt nun das nächste. Und schon steht er wieder vor seiner toten Tochter. Wieder erwacht er im Flugzeug. Beim nächsten Durchlauf wird ihm gewiss, dass er es schaffen muss, seine Tochter zu retten. Nur dann wird er die Zeitschleife, in der er sich augenscheinlich befindet, überwinden können.

Als dem Arzt nach zig Rettungsversuchen bewusst wird, dass egal, was er auch unternimmt, er Eun-jung niemals wird retten können, spricht ihn ein Mann (Yo-han Byun) an und fragt, ob er auch in einer Zeitschleife festhänge. Da beginnt Kim Jun-young zu ahnen, dass das Schicksal seiner Tochter mit jenem dieses Mannes verwoben zu sein scheint…

Schaut in den Zeitschleifen-Thriller “A Day” hinein

„A Day“ legt vor allem zu Beginn ein wahrlich irres Tempo vor. In wenigen Minuten ist die Grundsituation etabliert, sind die wichtigsten Figuren verortet und wurden die ersten Schlüsselmomente eingeführt, deren Wiederholung in immer neuen Variationen den Fan von Zeitschleifen-Filmen frohlocken lassen. Das Kind, das fast am Bonbon erstickt. Die Dame von der Mautstation. Das eigentümliche Gebrabbel von Kim Jun-youngs Manager. Schon im zweiten Durchlauf finden die ersten Änderungen in den Abläufen statt.

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Sun-ho Cho lässt den bekannten Ablauf nun zigfach wiederholen. Clever montiert, rasant geschnitten und bald nur noch auf die wesentlichen Eckpunkte fokussiert, wird „A Day“ immer atemloser. Ähnlich den Bemühungen Kim Jun-youngs immer noch schneller zu dem Treffpunkt mit seiner Tochter zu gelangen. Und obschon es keinerlei Action im eigentlichen Sinne gibt, sorgt die dynamische Bildsprache für einen wahren Adrenalinrausch.

Als der Mann auftaucht, der ebenfalls in einer Zeitschleife festhängt, legt „A Day“ plötzlich an Komplexität zu. Zudem ziehen beide Männer an einem Strang, um der Zeitschleife zu entkommen, was aufgrund des neuen Charakters weitere Kreise zieht und neue Schauplätze in „A Day“ einführt. Und dann passiert etwas Unvorhergesehenes. Eine weitere Person taucht auf, die von den Vorgängen weiß.

Und „A Day“ verändert sich deutlich. Denn mit der neuen Figur beginnt „A Day“ auf die Erklärung des großen Ganzen hinzuarbeiten. Aus der wilden Actionsause wird ein Drama mit wirklich schweren Themen. Es geht um Schuld, um Sühne, um Verlust, um Rache. Die Dynamik zwischen den Figuren wird immer interessanter. Vor allem die bisher zusammenarbeitenden beiden Männer der ersten Filmstunde werden beinahe zu Antagonisten.

Der Zuschauer befindet sich nun auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Die beiden bisherigen Helden werden ihm genommen. Plötzlich wird er mit gleich drei höchst ambivalenten, sperrigen Charakteren konfrontiert, die beinahe starrköpfig einer jeweils eigenen Agenda folgen. Dabei tritt der Zeitschleifenaspekt deutlich in den Hintergrund. Sentiment und eine stärkere Emotionalität übernehmen. Und obschon die Rasanz ein wenig aus „A Day“ weicht, bleibt die Spannung auch im letzten Drittel immer oben. Die Hintergründe werden mit dem Auftauchen des dritten Zeitschleifen-Charakters zwar schnell beinahe vollends geklärt, die Ungewissheit, wie sich das alles auflösen soll, pumpt allerdings weiterhin unaufhörlich Spannung in den Film.

All das mündet in ein Finale, welches teilweise die Grenzen zum Kitsch sprengt. Die starken Darsteller können mit ihren geerdeten Performances diesen Umstand zwar ganz gut abfedern. Zu rührselig wirkt das Finale aber dennoch. Allerdings ist das Finale nicht der einzige Grund zum Meckern. „A Day“ hat zudem immer mal wieder mit einem sichtlich schmalen Budget zu kämpfen.

Beispielsweise hört der Zuschauer die großen Moneyshot-Szenen nur. Aufwändige Actionmomente hat es bis auf einen cool umgesetzten Autocrash in der Folge nie. Den rasant geplanten Autofahrten von Kim Jun-young zur Rettung seiner Tochter fehlt es an Druck. Zudem wirken manche Schauplätze reichlich billig. Vor allem eben im Vergleich zu den sonstigen Hochglanzproduktionen aus Südkorea.

Von Hochglanz merkt man diesmal sowieso nicht so viel. Wenngleich die raue und unmittelbare Bildsprache vorzüglich zur Handlung passt. Und obschon ich die Darsteller soeben noch gelobt habe, muss ich anmerken, dass Yo-han Byuns („No Tears for the Dead“) extrem emotionales Spiel als zweiter Zeitschleifen-Charakter im Mittelteil des Streifens teilweise stark die Grenzen zum Overacting überschreitet. Zum Glück fängt er sich in Richtung Finale.

“A Day” pumpt neue Ideen in den Zeitschleifen-Film

Zeitschleifen-Filme sind ja meist dadurch gekennzeichnet, dass sie ein sich stetig wiederholendes Szenario mit immer den gleichen Schauplätzen und Figuren reichen, das der Hauptcharakter irgendwie durchbrechen muss, um aus der Zeitschleife herauszukommen. „A Day“ geht hier interessante neue Wege, indem er die Zeitschleife mit jeder mit Bedacht eingeführten Figur immer weitschweifiger und vor allem deutlich komplexer macht.

Stetig kommen neue Schauplätze, Ereignisse und vor allem Charaktere hinzu. Das erweitert die zu Beginn recht simpel wirkende Handlung um die Rettung von Kim Jun-youngs Tochter deutlich. In der Folge dreht sich „A Day“ am Ende um soviel mehr als „nur“ das Ausbrechen aus der Zeitschleife. Damit geht auch ein grundlegender Umschwung im Film einher, der sich von der beinahe atemlosen Hatz nicht ganz problemlos zum gefühligen, schwere Themen bedienenden Drama wandelt, ohne allerdings an Intensität einzubüßen.

7 von 10

„A Day“ lief im Rahmen der „KAZÉ Movie: Asia Nights 2018“ in ausgewählten Kinos an nur einem Tag. Für September 2018 ist eine Veröffentlichung von „A Day“ auf DVD und Blu-ray vorgesehen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: KAZÉ__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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