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Vera Cruz

Originaltitel: Vera Cruz__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1954__Regie: Robert Aldrich__Darsteller: Gary Cooper, Burt Lancaster, Denise Darcel, Cesar Romero, Sara Montiel, George Macready, Jack Elam, Ernest Borgnine, James McCallion, Morris Ankrum, James Seay, Henry Brandon, Archie Savage, Charles Bronson, Charles Horvath u.a.
Vera Cruz

Gary Cooper und Burt Lancaster spielen in „Vera Cruz“ ein ungleiches Revolverhelden-Duo, zu ihrer Gang gehört Charles Bronson

Ursprünglich hatte United Artists den aufstrebenden Star Burt Lancaster nur für zwei Filme verpflichtet, doch nachdem sie mit „Massai“ sahen, waren sie so zufrieden, dass sie das Ganze auf einen Sieben-Picture-Deal ausweiteten, während er an „Vera Cruz“ arbeitete. Wie bei „Massai“ führte hier Robert Aldrich („Ein Zug für zwei Halunken“) Regie, dem von seinem Star nun allerdings wesentlich mehr reingeredet wurde, was die Dreharbeiten anstrengend für den Maverick Director machte.

Dabei gibt es zwei Stars und zwei gleichberechtigte Hauptfiguren in „Vera Cruz“, die beide während eines Bürgerkriegs in Mexiko als Revolverhelden nach Möglichkeiten des Geldverdienens suchen. Benjamin Trane (Gary Cooper) ist ein früherer Südstaatenoffizier, dessen Pferd lahmt und dem er den Gnadenschuss gibt, als er ein neues erwirbt. Verkäufer des besagten Hottehü ist der jüngere Hallodri Joe Erin (Burt Lancaster) – der Trane einen Gaul andreht, der ihm gar nicht gehört, weshalb die wahren Besitzer bald Jagd auf die beiden machen. Als Trane bei der Flucht vermeintlich draufgeht, will sich Erin noch dessen Taschen ausräumen, kassiert aber eine Faust ins Gesicht und verliert sein eigenes Pferd an den Älteren, womit Aldrich und das Drehbuch-Duo Roland Kibbee („Valdez“) und James R. Webb („Die Organisation“) ihre Protagonisten gleichermaßen pointiert und actionreich einführen.

Bald darauf treffen die beiden wieder aufeinander, als Erins Gang den vermeintlichen Mörder ihres Anführers lynchen will, und beschließen sich zusammenzutun. In einem mexikanischen Kaff versuchen sowohl die Einheimischen als auch die Truppen des österreichischstämmigen Kaisers Maximilian (George Macready) die Bande anzuheuern. Die Ausländer locken mit hohen Geldsummen, die Mexikaner drohen mit Waffengewalt, doch mit Bauernschläue und Skrupellosigkeit kann Erin den Abzug erzwingen, um sich in den Dienst der kaiserlichen Truppen zu stellen. Alle Konfliktparteien werden als nicht sonderlich zimperlich dargestellt, wobei die mexikanischen Behörden sich wohl so über die Darstellung ihrer Landsleute echauffierten, das zukünftige Hollywooddrehs in Mexiko (etwa für „Die glorreichen Sieben“) deutlich kritischer im Vorfeld unter die Lupe genommen werden.

Am kaiserlichen Hof erhalten Erin, Trane und die Gang ihren ersten Auftrag: Sie sollen die Gräfin Marie Duvarre (Denise Darcel) nach Vera Cruz bringen, weil diese von dort aus nach Paris reisen will. Doch schon bald nach der Abreise stellen Erin und Trane fest, dass dies nur ein Vorwand ist, um mit in der Kutsche verstecktem Gold Truppen aus Frankreich anzuwerben. Gold, das bald Begehrlichkeiten bei vielen Menschen weckt…

Schaut euch den Trailer zu „Vera Cruz“ an

„Vera Cruz“ wird oft nachgesagt, dass er bereits Elemente des Italo- und des Spätwestern vorwegnahm, zehn Jahre bevor Sergio Leone erstes Genre mit „Für eine Handvoll Dollar“ aus der Taufe hob, bevor US-Produktionen wie „Die gefürchteten Vier“ oder „The Wild Bunch“ ein deutlich düsteres, desillusioniertes Bild des Wilden Westen zeichneten. Im Gegensatz zu diesen Filmen entstand „Vera Cruz“, als der Hays Code noch wesentlich mehr in Kraft war, womit Aldrich kreativ umgeht: Als Erin „son of a“ ausruft, wird das nächste Wort von Fanfarengetöse geschluckt, manche Gewalttat findet außerhalb des Bildes statt und am Ende siegt die Moral gemeinsam mit einer Figur.

Doch innerhalb dieser Grenzen präsentiert sich „Vera Cruz“ definitiv abgeklärter als die meisten anderen Western seiner Zeit: Auch die Protagonisten sind in erster Linie auf Geld aus, für das Gold sind verschiedene Parteien bereit zu tricksen, zu lügen und zu betrügen. Mit Blick auf das große Ganze des Krieges ist Aldrich merklich auf Seiten der Einheimischen, während der Kaiser als affiger Popanz gezeichnet wird, der seine Schießkünste besser einschätzt als sein Hofstaat es tut. Der schmierige Marquis Henri de Larbordere (Cesar Romero) und die aufgeblasenen Offiziere der kaiserlichen Armee werden als ähnlich skrupellos und ähnlich lächerlich wie ihr Gebieter dargestellt, was dem Film eine satirische Note gibt. Allerdings gibt es auch unter den Mexikanern Figuren wie die blitzgescheite Diebin Nina (Sara Montiel), die Trane erst das Portemonnaie klaut, es später auf größere Beute abgesehen hat.

Vera Cruz

Joe Erin (Burt Lancaster) führt eine Gang an, zu der auch Pittsburgh (Charles Bronson) gehört

Gerade im Anfangsdrittel funktioniert „Vera Cruz“ auch als Buddy Movie im Westerngewand, das von den Gegensätzen seiner Hauptfiguren lebt. Trane ist der Southern Gentleman, der die Umgangsformen kennt, Fremdsprachen beherrscht und nach einem Ehrenkodex lebt. Erin dagegen ist ein Hallodri und Lebemann, der sich für keine List zu schade ist und den kaiserlichen Hofstaat aus der Fassung bringt, wenn er sich das Brathähnchen mit blanken Pfoten schnappt, ohne Messer und Gabel isst und mit Wein herunterspült, den er halb verschüttet. „Vera Cruz“ nutzt diese Gegensätze gleichzeitig für Komik und Charakterisierung seiner Hauptfiguren, denn es entsteht eine eigenwillige Partnerschaft. Diese ist von Respekt für den anderen und sein Vorgehen geprägt, lässt aber auch Raum für Brüche.

Denn je weiter „Vera Cruz“ fortschreitet, desto schwammiger werden die Allianzen. Fast alle haben es auf das Gold abgesehen und sind bereit dafür andere übers Ohr zu hauen: Die Gräfin den Marquis, mit dem sie verlobt ist, die Revolverhelden ihre Auftraggeber (die ihnen wohlweislich nichts von der wahren Mission erzählt haben), Erin eventuell die eigene Gang und vielleicht sogar Trane. „Vera Cruz“ sägt am Image des ehrbaren Westeners, denn hier geht es weniger um Überzeugungen als um Kohle – die Unterschiede zwischen den Figuren sind da graduell. Bisweilen wiederholt sich die gegenseitige Betrügerei etwas, der Ausgang wird vielleicht etwas zu deutlich vorgezeichnet, sodass „Vera Cruz“ vor Beginn des Schlussakkords nicht mehr ganz so sehr fesselt wie zuvor.

Im Finale kommt es dann zum handfesten Konflikt um die begehrte Ware: Mexikanische Kämpfer lauern den kaiserlichen Truppen auf, es gibt Überfälle und Belagerungssituationen, eine Jagd auf die Kutschen der Kaiserlichen, außerdem größere und kleinere Gefechte, inklusive eines finalen Duells. Aldrich inszeniert die Actionszenen des Films meist sauber und wuchtig, angesichts des Hays Code ohne blutige Details, aber mit Konsequenz: Wenn die Protagonisten am Ende durch die Straßen streifen, dann sind diese mit Leichen gepflastert. Hart sind auch manche Handlungen der Hauptfiguren: Erin droht mit dem Mord an Kindern, um sich und seine Gang zu retten, einige Cowboys wollen über Nina herfallen, ehe Trane sie davon abhält, und auch innerhalb der Bande gibt es immer wieder Streitereien, Rivalitäten und Provokationen, die eventuell mit dem Tod eines der Beteiligten enden können.

Vera Cruz

Benjamin Trane (Gary Cooper) hat in mehr als einer Hinsicht ein Auge auf die gerissene Nina (Sara Montiel)

Im Casting spiegeln sich auch die Hauptfiguren wider. Gary Cooper („High Noon“) war damals der alteingesessene Star mit großer Leinwanderfahrung, der seinen Ex-Südstaatler als ruhige Natur mit Gravitas anlegt. Trane ist nicht verbittert, ein Mann mit Ehrenkodex, der sich nicht in den Vordergrund spielt, aber dann anpackt, wenn es sein muss. Burt Lancaster („Treffpunkt Todesbrücke“) war der aufstrebende Star, stellt Erin auch als Showman dar, der sich immer produzieren muss. Seine laute, launische Art bildet den Gegenpol zum ruhigen Cooper, während der ehemaliger Zirkusakrobat Lancaster seine Fähigkeiten gegen Ende kurz vorführen darf.

Die beiden bilden das Zentrum des Films. Denise Darcel („Kesselschlacht“), Cesar Romero (der Joker aus der „Batman“-Serie mit Adam West), Sara Montiel („Es begann in einer Silvesternacht“) und George Macready („Tora! Tora! Tora!“) supporten da nur ordentlich in eher grob gezeichneten Nebenrollen. Als Part von Erins Gang sind unter anderem die Charakterfressen Jack Elam („Spiel mir das Lied vom Tod“), Ernest Borgnine („Laser Mission“) und Charles Bronson („Kalter Hauch“) in kleinen Parts zu sehen – letzterer zum letzten Mal unter seinem Geburtsnamen Charles Buchinsky.

Mit „Vera Cruz“ setzte Robert Aldrich nicht nur ein erstes großes Ausrufezeichen als wagemutiger Maverick Director, der sich einen abgeklärteren Blick auf etablierte Genres und klassische Heldengeschichten gönnt. Hier kann er auf zwei starke Hauptdarsteller bauen und seine Geschichte um Freundschaft und Gier mit schicken Schauwerten anreichern. Der Wechsel vom Buddy-Western zur zunehmend düsteren Verratsgeschichte gelingt dem Script ziemlich gut, auch wenn „Vera Cruz“ vor dem Showdown ein wenig die Puste ausgeht und er etwas repetitiv wird. Ein gelungener Western, der seiner Zeit voraus war, ist er dennoch.

„Vera Cruz“ ist in Deutschland bei Capelight Pictures auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es auf der DVD Trailer und einen Audiokommentar von Alex Cox, auf der Blu-Ray zusätzlich noch Featurettes zu Burt Lancaster und Gary Cooper.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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