Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Spiel mir das Lied vom Tod

Originaltitel: C’era una volta il West__Herstellungsland: Italien/USA__Erscheinungsjahr: 1968__Regie: Sergio Leone__Darsteller: Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Charles Bronson, Gabriele Ferzetti, Paolo Stoppa, Woody Strode, Jack Elam, Keenan Wynn, Frank Wolff, Lionel Stander, Fabio Testi u.a.
Spiel mir das Lied vom Tod

Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale und Jason Robards spielen die Hauptrollen in Sergio Leones epischem Western “Spiel mir das Lied vom Tod”

Ende der 1960er lieferten gleich zwei Meisterregisseure Western der Extraklasse ab: Sam Peckinpah legte bei seinem zynischen Spätwestern „The Wild Bunch“ noch den Grundstein für moderne Actioninszenierung, Sergio Leone schuf mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ ein Westernepos par excellence.

Schon die Eingangssequenz ist ebenso ungewöhnlich wie denkwürdig: Drei Killer warten auf die Ankunft eines Zuges. Mit ihm kommt ein namenloser Mundharmonikaspieler (Charles Bronson), von allen Harmonika genannt, der sie im Duell erschießt. Jedoch inszeniert Leone während der Credits bereits das Warten in großer Langsamkeit, um den Zuschauer bereits auf das gemächliche Tempo seines Films einzustimmen.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ erzählt zwei Rachegeschichten. Den Grund für die erste erfährt man anfangs nicht, nur dass Harmonika nach Frank (Henry Fonda) sucht. Dieser ermordet den Farmer Brett McBain (Frank Wolff) mitsamt seinen Kindern. Währenddessen kommt Jill (Claudia Cardinale), die neue Frau des Ermordeten an – der Farmer hatte bereits geheiratet. Zwei Rachegeschichten, die sich überschneiden, deren Protagonisten nur durch den Fiesling zusammengeführt werden.

So wacht Harmonika über die Witwe McBain, denn Frank und seine Killer wollen das Land im Namen der Eisenbahngesellschaft requirieren, koste es, was es wolle. Eine Hilfe für die beiden ist der Bandit Cheyenne (Jason Robards), dessen Bande Frank den Mord an den McBains in die Schuhe schieben wollte…

Mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ nimmt Sergio Leone Topoi auf, die bereits seine Dollar-Trilogie eingeführt hatte, u.a. der namenlose Fremde, das Rachemotiv, das sich erst in den letzten Minuten offenbart (ähnlich wie in „Für ein paar Dollar mehr“) und eine Dreierkonstellation ähnlich „Zwei glorreiche Halunken“: Der gute, aber emotionslose Harmonika, der böse, kaltblütige Frank und der brutale, aber doch mit einem Herz gesegnete Cheyenne.

Spiel mir das Lied vom Tod

Der namenlose Rächer (Charles Bronson) wird nur Harmonika genannt

Jedoch variiert Leone diese Topoi und kopiert sie nicht einfach nur. So ist Cheyenne doch eher eine Randfigur, während Jill stärker in den Fokus rückt und die Geschichte beeinflusst. Vor allem aber stilistisch unterscheidet sich „Spiel mir das Lied vom Tod“ von der Dollar-Trilogie: Stets erzählt Leone in epischen Bildern, jede Szene geht gemächlich vonstatten, aber langweilig ist dies so gut wie nie (allenfalls die Szenen um den Bahnhofsbau sind vielleicht ein wenig zu lang geraten).

Doch die Geschichte hat trotz der Erzählweise viel Drive und ist sehr spannend, dass man selbst der Aufdeckung des eher handelsüblichen Motivs für Harmonikas Rachefeldzug entgegenfiebert. Allein Leones Erzählweise überhöht den Rachefilm hier zum Epos, das den Zuschauer von der ersten Sekunde an in seinen Bann zieht. Im Zusammenspiel mit Ennio Morricones genialem Soundtrack gelingen Leone mitreißende Bilder und Gänsehautmomente par excellence, z.B. wenn die verborgenen Mörder der McBain-Familie einer nach dem anderen aus ihren Verstecken treten.

Spiel mir das Lied vom Tod

Alle männlichen Hauptfiguren kreisen um die Witwe Jill McBain (Claudia Cardinale)

Von epischer Wucht sind auch die Schießereien, die mit der üblichen Leone-Qualität inszeniert sind. Nie artet „Spiel mir das Lied vom Tod“ in großes Geballer aus, doch wenn sich dann mal duelliert wird, dann erzeugt Leone die größtmögliche Spannung. Größter Pluspunkt des Films, neben seiner einzigartigen Inszenierung, sind die Charaktere. Harmonika als cooler Rächer, Frank als brutaler Killer, der trotzdem für viele wie ein Relikt wirkt. Sein Partner, der todkranke Chef der Eisenbahner, wirft ihm vor nie die wahre Waffe, das Geld, zu nutzen. Cheyenne tötet seine Bewacher bei seiner Flucht, wirkt aber trotzdem stets freundlich und schafft damit eine interessante Ambivalenz. Auf der weiblichen Seite ist da noch Jill, eine für Western-Verhältnisse ungewöhnlich toughe Frau, was wohl daran liegt, dass sie früher Prostituierte in Chicago war, wie Frank erzählt.

Ähnlich wie Spätwestern der Marke „The Wild Bunch“ ist „Spiel mir das Lied vom Tod“ gleichzeitig ein entromantisierender Blick auf den Western. Der Eisenbahnbau, eine letzte Variante des Frontier-Mythos, ist zum fanatischen, todbringenden Traum eines sterbenden Eisenbahners geworden, der Held ist der zynische Rächer des Italowestern und zum Schluss sind fast alle Hauptcharaktere tot oder auf dem Weg ins Ungewisse, allein Jill bleibt zurück.

Spiel mir das Lied vom Tod

Ein Pferd zu wenig oder zwei zu viel? Die berühmte Auftaktszene

Charles Bronson („Nevada Pass“) ist der einsilbige, schweigsame Rächer, eine Rolle, die ihm später in „Death Wish“ und dessen Epigonen noch weiter auf den Leib geschrieben wurde, und er spielt die Rolle mit wenig Mimik, aber trotzdem erstklassig. Henry Fonda („Die letzte Schlacht“) hat unheimlich diabolisches Charisma und auch Claudia Cardinale („Die gefürchteten Vier“) kann sehr gut neben den beiden bestehen. Jason Robards („Der Staatsfeind Nr. 1“) fällt nur leicht ab, die Nebendarsteller leisten ebenfalls gute Arbeit.

Zuvor hatte sich Leone von Film zu Film gesteigert, um mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ seinen besten Film abzuliefern. Ein Westernepos der Extraklasse, langsam erzählt, aber nie zu lahm, kraftvoll inszeniert mit großartigem Soundtrack und packenden Bildern. Ganz großes Kino, obwohl das Ganze im Grunde genommen nur ein einfacher Rachewestern ist.

Starke:

„Spiel mir das Lied vom Tod“ wurde hierzulande von Paramount auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Alle Versionen bieten Audiokommentare zum Film, die Special Collector’s Edition DVD und die Blu-Ray-Versionen zusätzlich noch drei Dokumentationen, eine Featurette, Bildergalerien und Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 9438189 andere Actionnerds