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Die Ledernacken

Originaltitel: Eroi dell’inferno__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Stelvio Massi als Max Steel__Darsteller: Miles O’Keeffe, Fred Williamson, Chuck Connors, Mike Malin, Daniel Alvardo, Scott Green, Gabriele Gori u.a.
Miles O'Keffee in Die Ledernacken Artwork Poster

„Die Ledernacken“ räumen in Vietnam auf.

Der von der Sinnlosigkeit des Krieges in Vietnam reichlich abgefuckte Sergeant Darkin wird abgestellt, um einen Senator bei dessen Besuch an der Front zu beschützen. Das hält den fiesen Vietcong freilich von gar nichts ab. Der verübt ein abgefeimtes Attentat, das den Senator aus dem Leben reißt. Auch zig von Darkins Kameraden beißen ins Gras. Er selbst wird von einer heftigen Detonation erfasst, in einen Fluss geschleudert und fortan als tot geführt.

Doch Darkin überlebt. Pflichtbewusst kehrt er zu seiner Einheit zurück, wird hier aber nicht als Überlebender gefeiert, sondern als Deserteur gebrandmarkt. Entsprechend soll er vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Zuvor wird er mit anderen vermeintlichen Kriegsverbrechern in eine Zelle geworfen. Und die haben Glück im Unglück, denn der Vietcong greift das US-Lager an und Darkin und Co. können das Chaos zur Flucht nutzen.

Fortan schlagen sich Darkin und seine neuen Kameraden auf eigene Faust durch.

Schaut in den Actionfilm hinein

Italienische Vietnam-Kriegsaction mit Miles O’Keeffe

Der italienische Regisseur Stelvio Massi („Gesichter des Todes 5“) agierte bei seinem Film „Die Ledernacken“ unter seinem Pseudonym Max Steel. Das klang freilich richtig markig und sollte dem Film helfen, ihn auf dem amerikanischen Videotheken-Markt gut an den Mann zu bringen. Um das zu forcieren, packte Massi alle Klischees des Vietnam-Kriegsfilmes in seinem Streifen hinein, die er finden konnte.

Vom Krieg genervte und dennoch heldenhafte Amis, fiese Vietcongs, derbe Menschenfallen, viel Dschungel, Gefolter, ballernde Hubschrauber, explodierende Hütten und ein amtlicher Bodycount. Welche Klischees zum Vietnam-Kriegsfilm euch auch in den Sinn kommen mögen, ihr werdet sie in „Die Ledernacken“ finden. Dafür kann man Herrn Massi definitiv mal Anerkennung zollen. Nur beim Rest wird es buchstäblich finster! Doch der Reihe nach.

Beginnen wir bei der Story: Hier fällt früh auf, dass man irgendwie gar nicht erklärt bekommt, was die Mannen um Darkin eigentlich erreichen wollen, sobald sie auf freiem Fuß sind. Dem Vietcong werden sie sich sich nicht anschließen. Zu ihren amerikanischen Verbündeten können sie als verurteilte Flüchtlinge auch nicht. Entsprechend ziellos latschen unsere Helden nun durch den Wald. Der stand im Übrigen in Venezuela und bietet tatsächlich eine mal etwas spektakulärere Naturkulisse als das Gros der Vietnam-Filme, das zumeist auf den Philippinen entstand.

Und Regisseur und Kamera nutzen diese exotischeren Naturpanoramen durchaus aus und liefern ein paar schöne Bilder. Nur sind vor einem geilen Wasserfall minutenlang zelebrierte auf- und absteigende Helikopter nicht ganz das, was der Actionfan sehen will. Doch davon hat der Regisseur eh keine rechte Ahnung. Statt geiler Daueraction präsentiert er nämlich seine Helden immer wieder beim Anschleichen an fiese Vietnamesen. Aufgrund der bereits angedeuteten Finsternis, erkennt man zumeist aber nicht, was Regisseur Massi uns eigentlich zeigen möchte.

Sein sichtlich im Nachgang auf Nacht umgeswitchter Streifen (achtet auf den beständig knallig blauen Himmel!) ist so dunkel, dass man nicht einmal ahnt, wer da gerade was macht. Meist huschen Schemen über den Schirm. Ob Freund oder Feind, man weiß es nicht. Das angestrengte In-den-Bildschirm-Starren ermüdet schnell. Zudem will so auch keine Spannung entstehen. Müsste es aber, so oft wie „Die Ledernacken“ genau dieses Szenario immer wieder durchexerziert.

Der Film wird länger und immer länger und meist knallt es nur in den letzten zwei oder drei Minuten derartiger Momente mal. Dann steigen auch Feuerbälle gen Himmel, sterben einige Vietnamesen und platzen auch mal schön fette Bloodpacks. Wirklich entertainen will einen das Gebotene aber nicht – zumal auch hier einiges im Dunkel absäuft.

Es gibt trotzdem ein paar coole Szenen, etwa wenn ein mit Handgranaten behangener Mitstreiter Darkins auf die Ladefläche eines Mannschaftstransporters der Vietnamesen springt und sich hier irre lachend selbst sprengt. Verbrennende Stoffpuppen, die echte Menschlein doubeln, inklusive. Oder wenn in einem liebevoll umgesetzten Miniaturmoment ein ganzer Berg explodiert. Solche Szenen sind aber insgesamt Mangelware.

Genauso wie gute Schauspielleistungen. Miles O’Keeffe („Phantom Raiders“) findet als Held Darkin so gut wie gar nicht statt. Was ihn zum Helden macht, man erfährt es nie. Allgemein erfährt man nichts über ihn. Wie auch über seine Mitstreiter. Einer wird immerhin von Fred Williamson („Atomic Eden“) gegeben, hat hier aber auch nicht wirklich viel zu tun. Die anderen drei Mitstreiter Darkins kann man nicht einmal optisch auseinanderhalten. Die Venezuelaner bleiben als Vietcong hinreichend gesichtslose Opfermasse. Einer darf dann doch mal mit einem Ami parlieren und ihn lachhaft foltern. Danach wird er aber genauso egal abgeräumt wie der Rest.

Zur Optik habe ich bereits viel gesagt. Zu ergänzen wäre, dass das letzte Drittel in totaler Dunkelheit stattfindet und man eigentlich gar nichts mehr erkennt. Und dass Regisseur Massi ein Faible für ewig lange Einstellungen hat, in denen nichts passiert. Wenn hier ein Konvoi an der Kamera vorbeizuckelt, dann in voller, mehrminütiger und gefühlt nicht enden wollender Länge. Ähnlich schaut es aus, wenn Darkin und Co. durch den Wald latschen und sich nichts zu sagen haben. Großes Kino.

„Die Ledernacken“: Wer was sieht, gibt ein Signal!

Irgendwie ist es schon seltsam, dass ein gegen den Krieg eingestellter Soldat nach einem Abenteuer, bei dem zig seiner Kameraden sinnlos verreckten, vor soldatischem Pathos nicht mehr laufen kann und auf einem LKW herumgefahren werden muss. Nicht die einzige Inkonsistenz in diesem schlecht geschriebenen, noch schlechter gespielten und noch viel schlechter inszenierten Dschungelkriegsfilm. Im Grunde kann man eigentlich froh sein, dass man die meiste Zeit von dem Elend nichts erkennt. Mühelos einer der ödesten Vietnam-Actioner überhaupt.

02 von 10

„Die Ledernacken“ hat es in Deutschland bislang nur zu VHS-Auswertungen gebracht. Unter anderem bei Prime Video ist seit dem 15. Mai 2026 eine offensichtlich digitalisierte VHS-Kopie zu sehen, die mit den ohnehin schlechten Sichtverhältnissen des Filmes so gar nicht zurechtkommt und einem einen irren Bildermatsch präsentiert. Dafür mutet die Fassung uncut an, ist in der Form ab 18 freigegeben und kommt von UCM.ONE.

In diesem Sinne:
freeman

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