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Afflicted

Originaltitel: Afflicted__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Derek Lee, Clif Prowse __Darsteller: Derek Lee, Clif Prowse, Michael Gill, Baya Rehaz, Benjamin Zeitoun, Zach Gray, Jason Lee, Edo Van Breemen, Gary Redekop, Lily Py Lee, Ellen Ferguson u.a.
Afflicted

“Afflicted” lässt euch teilhaben an der Genese eines Vampirs.

Filme im Mockumentary-Stil haben ihren Zenit längst überschritten. Mehr und mehr landen die scheinbar „wahren“ Geschichten, gefilmt im First Person Stil, auf dem Abstellgleis der Direct to Video Vermarktung. Kinoauswertungen, wie zuletzt bei „Katakomben“ oder den inkonsequenten „Storm Hunters“, bilden längst die Ausnahme. Und auch wenn man von den zumeist verwackelten Bildern und den immer im Money Shot Moment unscharf werdenden oder ausfallenden Kameras längst die Schnauze voll hat, wird man immer mal wieder von einem Mockumentary-Vertreter überrascht und fragt sich, warum nicht schon andere Filmemacher auf eine solche Idee gekommen sind. „Afflicted“ ist nun ein solches Werk. Auf den ersten Blick lehnt es sich stark an „Chronicle“ an, aber nur auf den ersten Blick…

Derek und Clif sind seit Ewigkeiten befreundet. Als bei Derek ein Hirnaneurysma diagnostiziert wird, ist beiden Freunden klar, dass sie nicht mehr viel Zeit miteinander haben werden. Also beschließt man, Dereks letzten großen Wunsch wahr werden zu lassen: Eine einjährige Weltreise, auf der es Derek und Clif noch einmal so richtig krachen lassen wollen. Alles beginnt ganz harmonisch in Barcelona und man macht die Partyszene von Spaniens Hauptstadt unsicher. Wenig später reist man gen Paris und trifft hier zwei andere Freunde, die gerade musikalisch auf Tour sind. Mit jenen zieht man auch in Paris intensiv feiernd um die Häuser. In einer Disco reißt der chronisch schüchterne Derek auch noch sexy Audrey auf und verschwindet mit ihr…

Doch seine Freunde gönnen ihm seinen Erfolg nicht und wollen das Schäferstündchen Dereks mit Audrey stören. Als sie jedoch die Tür zu Dereks Hotelzimmer aufreißen, liegt dieser bewusstlos in seinem Bett und schwimmt in seinem eigenen Blut. Als seine Kumpels ihn aufgeweckt haben, werden Dereks Wunden versorgt, die wider Erwarten deutlich geringfügiger ausfallen, als zunächst befürchtet. Derek und Clif reisen nach dieser wilden Nacht ab in Richtung Italien. Dabei fallen Clif zunehmend Veränderungen an seinem Kumpel auf und Derek kann nichts Gegessenes mehr bei sich behalten. Der junge Mann baut infolgedessen optisch deutlich ab, entwickelt gleichzeitig aber auch seltsame Kräfte. Als die beiden noch überzeugt sind, er sei zu einer Art Superheld geworden, muss Derek bemerken, dass im Sonnenlicht sein Fleisch von seinen Knochen kocht. Beiden ist klar: Derek ist ein Vampir. Und als solcher hat er riesigen Durst auf Blut. Doch nicht irgendwelches. Es muss Menschenblut sein. Als Clif beschließt, Derek sein Blut zu verabreichen, kommt es zu einer Katastrophe…

Jetzt mutiert „Afflicted“ vom unterschwelligen Horrortrip zur actionreichen Hetzjagd auf Derek. Arbeitete „Afflicted“ bis dahin eher subtil mit dem Motiv des Vampirismus, was sich auch in ebenso subtilen Special Effects niederschlug, nimmt „Afflicted“ nun richtig Fahrt auf und stürzt seinen „Antihelden“ in eine Kaskade wilder Verfolgungsjagden und Konfrontationen mit Spezialeinheiten. Und dank der First Person Optik ist man als Zuschauer diesmal mal wirklich mittendrin. Anstelle von verwackelten Bildern kreischend umher rennender Opferlämmer ist man diesmal hautnah dabei, wie Derek Cops abmurkst, von Häusern springt, über Straßenschluchten hechtet und im flotten Tempo durch belebte Gassen sprintet. Dabei gelingen dem Film einige großartige Momente, die dem Zuschauer mehr als einmal den Boden unter den Füßen wegreißen. Auch spielt der Film jetzt gerne mit der Vorstellung der Zuschauer. Wenn Derek etwa über Straßen hechtet, die vom Sonnenlicht durchflutet sind, hört man nur, was die Sonne gerade mit ihm anrichtet. Man malt sich aus, was mit ihm passieren wird, nur um erschaudernd zusammenzufahren, wenn man gewahr wird, wie übel es ihn tatsächlich erwischt hat.

Zudem spielt der Film auch mit dem Vampirmythos. Übertragen wird die „Krankheit“ durch einen Biss, der auch die üblichen Folgen hat: Blutdurst, Verbesserung aller Fähigkeiten, Selbstheilungsfähigkeiten und die stetig präsente Gefahr durch Sonnenlicht. Doch „Afflicted“ erlaubt sich auch Freiheiten. So sind seine Vampire verdammt, ewig zu leben. Kein Pfahl ins Herz, kein Knoblauch und kein Weihwasser können ihnen etwas anhaben. Sie können sich maximal ihrem Hunger verweigern, doch dann, so erklärt Dereks “Schöpfer” irgendwann, verwandeln sich die Vampire in etwas noch weitaus Schlimmeres. Auch davon bekommt man in „Afflicted“ eine Ahnung, wenn der ausgehungerte Derek einem Zombie gleich in eine katatonische Starre fällt und nur auflebt, wenn Menschenblut in seiner Nähe ist. Was vor allem in der ersten Hälfte creepy Momente zur Folge hat.

Frei von Problemen ist aber auch „Afflicted“ nicht. Zwar wird ein halbwegs nachvollziehbarer Grund etabliert, warum andauernd eine Kamera an ist, irgendwann wird aber auch das unglaubwürdig. Zumal es wieder Momente gibt, in denen kein normaler Mensch weiter filmen würde, weil er vielmehr versuchen würde, seinem Kumpel zu helfen. Auch gibt es die gewohnt dummen Momente, in denen der eine den anderen bittet, das Filmen einzustellen, dieser aber dennoch weiterhin drauf hält. Diese grundsätzlichen Probleme scheint wohl kein Mockumentary-Projekt mehr in den Griff zu bekommen. Oder man hat diese Probleme auf Seiten der Filmemacher längst als unabdingbare Klischees hingenommen.

„Afflicted“ ist eine interessante Variation im Mockumentary-Genre. Wir sind sozusagen mal live bei der Genese eines Vampirs dabei und verfolgen danach, wie er sich mit seiner Situation arrangiert und seine Bestimmung findet. Der Weg dahin zerfällt in zwei Teile. Während der Einstieg eher dem Horrorgenre verhaftet ist, mutiert „Afflicted“ mit zunehmender Laufzeit mehr und mehr zu einem mit erstaunlichen Bildern aufwartenden Actiontrip, der den Zuschauer mal richtig in den Film hineinzieht. Die agile Kamera, welche vor den Bauch des Protagonisten Derek geschnallt wurde, erlaubt unfassbare Stunts und macht uns sozusagen zu Mittätern, wenn er seine Verfolger ausschaltet. Das ist maximal gerüttelt brutal, hat aufgrund des unmittelbaren Beiseins des Zuschauers aber einen enormen Impact. Auch die Special Effects des Filmes funktionieren vortrefflich und die beiden Hauptdarsteller machen in ihren Rollen einen sehr guten und vor allem einnehmenden Job.

Der Film erschien von Sony Pictures Home Entertainment auf DVD und Blu-ray und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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