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Atlantis Inferno

Originaltitel: I Predatori di Atlantide__Herstellungsland: Italien, Philippinen__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Ruggero Deodato__Darsteller: Christopher Connelly, Gioia Scola, Tony King, Stefano Mingardo, Ivan Rassimov, Giancarlo Prati, Bruce Baron, George Hilton, Mike Monty, Michele Soavi, Adriana Giuffrè, Maurizio Fardo u.a.
Atlantis Inferno

Als Atlantis wieder auftaucht, brennt auf unserer Welt die Luft: “Atlantis Inferno”

Eine Ölbohrplattform dient ein paar Wissenschaftlern als „Basislager“ für ein Unternehmen, in dessen Verlauf ein russisches Atom-U-Boot vom Boden des Atlantischen Ozeans geborgen werden soll. Dabei findet man eine alte Schrifttafel, verfasst in einer unbekannten Sprache. Man zieht darum eine Sprachwissenschaftlerin hinzu, die sofort irgendetwas von Atlantis brubbelt. Derlei Geschwafel ist den Wissenschaftlern freilich egal und man beginnt das U-Boot zu heben. Und plötzlich beginnen Natur und Technik verrückt zu spielen. Eine riesige Welle trifft die Ölbohrplattform und zerstört sie komplett. Die Sprachwissenschaftlerin und einige wenige andere Überlebende werden irgendwann von den Abenteurern Mike und Washington aus dem Meer gefischt. Die beiden waren im Übrigen Zeuge, wie Teile einer Insel, umgeben von einer seltsamen Kuppel, plötzlich aus dem Ozean auftauchten. Was hier noch niemand ahnt: Mit der Insel Atlantis kehrten auch sehr mörderische Gestalten auf die Erdoberfläche zurück und überziehen die Welt fortan mit Angst, Gewalt und Terror. Natürlich stemmen sich die Überlebenden gegen die Fieslinge, müssen allerdings auch sehr bald merken, dass sie etwas zu haben scheinen, was die fiesen Atlantis-Lumpen unbedingt brauchen.

Atlantis Inferno

Endzeitpunks … sexy!

„Atlantis Inferno“ klaut sich fast schon respektlos durch alle Filme, die kurz vor Beginn der Dreharbeiten dieses Streifens ansatzweiße Erfolg gehabt haben. Dabei vor allem jene, die man dem Action- und Endzeitfilmgenre zuordnen würde. Obendrauf gibt es eine Ladung schräge Ideen und fertig ist das Trashfest mit erstaunlich hohem Tempo und ebensolchem Bodycount. Alles beginnt mit einem Abenteuer aus dem Leben von Mike und Washington, die einen Typen aus seiner Villa entführen und dessen Bodyguards eiskalt umnieten. Dann etabliert „Cannibal Holocaust“ Regisseur Ruggero Deodato das sehr schräge Fantasy-Setting seines Filmes. Aufgrund von Strahlung (WTF?) wird Atlantis zum Wiederauftauchen gebracht. Was es wieder an der Oberfläche will, man weiß es nicht. Auf jeden Fall scheinen seine Bewohner am Meeresgrund gerne „Mad Max“ geschaut zu haben und so durchstreifen Lederklamotten tragende Motorradpunks fortan die restliche Welt auf der Suche nach … ja … wonach? Achja, einer Dame. Warum? Das hebt sich Deodato für sein bizarres Ende auf, in dem Laserstrahlen zischen und seltsam geschwurbelt wird. Interessant für den Actionfan wird es aber zwischen diesen Eckpunkten.

Atlantis Inferno

Peng, Peng … macht es oft in “Atlantis Inferno”! Sehr oft!

Denn sobald Mike und Washington mit den geretteten Ölbohrinsel-Wissenschaftlern wieder an Land gehen, treffen sie auf eine zerstörte Welt. Plötzlich kommt richtig gut funktionierendes Endzeitfilmflair auf und die Settings wissen rundweg zu gefallen bzw. sorgen für eine äußerst stimmige Atmosphäre. Und in diesem Abschnitt gibt Deodato richtig Gas! Der Bodycount steigt und steigt und das Tempo nimmt ebenfalls immer weiter zu. Erst stolpert man noch recht planlos durch zerstörte Straßenzüge, wird dann aber „Assault on Precinct 13“ mäßig eingekesselt und wehrt sich seiner Haut gegen nicht enden wollende Gegnerwellen. Hier werden Menschen brutal abgefackelt, wird enthauptet, aufgeschlitzt und aus allen Rohren geballert. Pfeile durch offene Münder dürfen dabei freilich nicht fehlen. Dann flüchtet man mit einem Bus vor den Fieslingen und lanciert ein paar hübsche Stunts mit fliegenden Motorrädern und aus beachtlichen Höhen von einem Helikopter auf das Busdach springenden Bösewichtern. Dann schaut man freilich noch in Atlantis vorbei und dreht weiter an der Bodycountschraube. Leerlauf kommt so nie auf, weil „Atlantis Inferno“ wirklich immer in Bewegung ist und aus seinen geringen Mitteln verdammt viel herausholt. Alleine die Tatsache, dass man für seine Actioneinlagen immer neue, recht unverbrauchte Settings nutzt, ringt dem geneigten Zuschauer Anerkennung ab.

Atlantis Inferno

Barbecue im Atlantis Style!

Abseits dieser rein kinetischen Merkmale sieht es allerdings nicht so gut aus. Die Story ist wirklich totaler Kokolores und nimmt sich selbst leider viel zu ernst. Worauf Deodato am Ende hinaus will, weiß er vermutlich selbst nicht. Wie das alles wirklich zusammenhängt, kann man sich auch nicht wirklich erklären. Selbst die Filmfiguren sprechen im Zusammenhang mit der eigentlichen Handlung des Filmes in der deutschen Fassung immer nur im Konjunktiv! Kurzum: So wild wie die Story von „Atlantis Inferno“ auch klingen mag, sie ist nicht mehr als die Zündflamme für die folgende Explosion an Action. Ein Zuviel an Spannung sollte man sich daher nicht erwarten, denn da man eh nicht weiß, wo der wilde Ritt hingehen soll, muss man auch nicht irgendwie mitfiebern. Des Weiteren wirkte so mancher Special Effect vermutlich schon zur Entstehungszeit naiv und komplett durchschaubar. Etwa die köstlichen Miniatureffekte bei der Zerstörung der Ölplattform. Oder bei Hubschrauberexplosionen. Apropos Hubschrauber: Deodato scheint einen echten Narren an den Fluggefährten gefressen zu haben. Eine fast 5-minütige Anflug- und Landesequenz eines Helis gleich zu Beginn des Filmes spricht dahingehend Bände. Derartige Pacingprobleme hat Deodato ansonsten aber seltenst.

Was bleibt, ist ein wilder Genremischmasch aus etwas Agenten-/Abenteueraction, ordentlich Endzeitgeballer und schräger Sci-Fi mit beachtlichem Bodycount, einigen Härten, engagierten, gut aufgelegten Darstellern (vor allem die Mike (Christopher Connelly) und Washington (Tony King) Darsteller haben sichtlich Spaß an der Sache!), herrlich bekloppten Dialogen („Washington, wo würdest du auftauchen, wenn du eine Insel wärst?“) und fast schon atemlosem Tempo. Optisch wirkt der Film wie ein Kind der 70er und auf die Ohren bekommt man seltsam schräge Musik von Oliver Onions, die schon diverse Bud Spencer und Terrence Hill Streifen veredelten. Etwas weniger Storyballast, ein paar Moppen, noch mehr coole Action, etwas mehr Humor und der Film wäre eine echte Perle des Genres. So bietet er zumindest absolut solide, niemals langweilig werdende Action!

Der Film erscheint am 19. August 2013 erstmals uncut auf DVD von dem Label KSM im Rahmen der Reihe „KSM Klassiker“. Neugeprüft kommt der Film nun mit einer FSK 16 Freigabe.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: KSM__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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