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Backdraft 2

Originaltitel: Backdraft 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Gonzalo López-Gallego__Darsteller: Joe Anderson, William Baldwin, Donald Sutherland, Alastair Mackenzie, Alisha Bailey, Mark Arnold, Emily Barber, Ross O’Hennessy, Cristina Flutur, Cyril Nri u.a.
Backdraft 2 DVD Cover

“Backdraft 2” ist die DtV Fortsetzung zum feurigen Klassiker “Backdraft”.

28 Jahre nach dem großartigen „Backdraft“ schob Universal eine DtV-Fortsetzung nach. Über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion ließe sich freilich angeregt diskutieren, doch auf dem Papier klang das Unterfangen gar nicht mal soooo übel. Immerhin war der Regisseur von Teil eins, Ron Howard, als Produzent an Bord. Der Drehbuchautor von „Backdraft“, Gregory Widen, schrieb auch die Fortsetzung. Und die Besetzung von William Baldwin und Donald Sutherland deutete bereits an, dass man diverse Bezüge zum Original herzustellen bereit war. Dazu gesellte sich ein Regisseur, der mit „King of the Hill“ und „Open Grave“ zwei interessante Einträge in seiner Filmografie aufzuweisen hat.

Sean ist der Sohn von Stephen McCaffrey und damit der Neffe von Brian McCaffrey. Zu letzterem distanziert er sich stark, da er ihn für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. An diesem frühen Verlust hatte Sean schon immer schwer zu knabbern. Er ließ ihn gar eine gefährliche Obsession für Feuer entwickeln. In der Folge erweist er sich als ungeeignet für den aktiven Dienst als Feuerwehrmann, weshalb er den Job als Brandermittler der Feuerwache 17 in Chicago dankend annimmt.

Hier entwickelt er ein untrügliches Gespür für verschiedenste „Handschriften“ von Feuerteufeln und verknackt mehr Brandstifter als jeder andere Brandermittler vor ihm. Seine ruppige, definitiv von seinem Vater geerbte Art macht ihn zum Einzelgänger, der wenig erfreut ist, als man ihm eine neue Partnerin aufbürdet. Doch er braucht tatsächlich Hilfe, denn in Chicago scheint wieder ein Brandstifter mit gezielten Backdrafts zu wüten. Als dabei fünf Kinder ihr Leben verlieren, stürzt sich Sean mit aller Verbissenheit in den Fall.

Schaut in die DtV-Fortsetzung des Kurt-Russell-Klassikers hinein

Feuerwache 17, Chicago als Schauplatz, Auftritte von William Baldwin als Brian und Donald Sutherland als bekanntester Brandstifter der Stadt, Bilder von Kurt Russell, die Weiterentwicklung der Figur Sean McCaffrey, das Töten mit Backdrafts und und und. Die Anknüpfungspunkte von „Backdraft 2“ an den Vorgänger sind Legion und funktionieren ordentlich. Storytechnisch fokussierte man sich bei der Fortsetzung auf den starken Mittelteil des grandiosen Originals. Infolgedessen ist „Backdraft 2“ in erster Linie ein Thriller auf den Spuren von Ermittlungsserienformaten wie “CSI”, “FBI” und wie sie sonst alle heißen.

Obschon die Tätigkeit des Brandermittlers durchaus interessant dargereicht wird und lange Zeit gut funktioniert, stellt sich alsbald das Gefühl ein, dass der Film letzten Endes „nur“ ein filmlanges Special einer solchen Ermittlungsserie ist. Denn es fehlt deutlich an Dramatik, an Spannung, an Tempo und einer wirklich packenden Story. Das Motiv der Täter hängt seltsam in der Luft, das große Ganze wirkt wenig sinnig erdacht und spätestens wenn der Showdown vorbei ist und der Abspann rollt, tun sich doch einige echte Lücken und Fragen (etwa nach dem Auftraggeber des Ganzen) auf.

Backdraft 2 mit Joe Anderson als Feuerwehrmann

Sean McCaffrey greift höchst selten zum Feuerwehrschlauch. Außer er kann damit Lumpen fangen!

Wovon der Film zehrt, ist sein bockiger Hauptcharakter. Denn dieser Sean McCaffrey, der nicht nur seine Vorgesetzten und Kollegen von sich wegstößt, sondern auch den Zuschauer, hat etwas. Das Drehbuch von Widen arbeitet sich dabei vor allem an Seans seltsamer Einstellung zum Feuer ab. Häufiger kommt das Gefühl auf, dass wenn Sean seine Vorliebe für Feuer nicht als Brandermittler kanalisieren könnte, er großes Potential hätte, selbst zu einem Feuerteufel zu werden. Mehrfach steht er vor Feuern. In seinen Pupillen spiegeln sich dann wiederholt die alles verzehrenden Flammen und ihm entfleucht gerne mal ein „Wunderschön“.

Infolgedessen wäre es toll gewesen, Sean häufiger mit Donald Sutherland interagieren zu lassen. Der legt seine Rolle des Brandstifters Ronald nämlich wieder schön manisch an und stellt ein cooles Spiegelbild für Sean McCaffrey dar. Die gemeinsamen Szenen sind dann auch die Highlights des Filmes. Euch entfleucht ein „Echt jetzt?“ Jupp. Denn wie erwartet, kann „Backdraft 2“ in Sachen Feuer niemals mit dem Original Schritt halten. CGI-Flammen, CGI-Rauch, eher klein skalierte Feuer, keinerlei heldenhafte Feuerwehrmänner-Momente, der Film muss sich mit den Schauwerten schon extrem zurückhalten. Spielt auch an eher abgerissenen Schauplätzen. Es gibt zwar den einen oder anderen feurigen Moment und auch eine nette LKW-Explosion, insgesamt hätte ich mir jedoch vor allem von Ron Howards Mitwirken als Produzent deutlich mehr versprochen. Dass vor allem die Bebilderung des DtV-Sequels so nüchtern und eher langweilig gerät, hätte ich nicht vermutet.

Joe Anderson in der Fortsetzung zum Feuerwehrfilm mit Kurt Russell

Sean McCaffrey hat eine seltsame Obsession für Feuer.

Darstellerisch ist Joe Anderson („The Grey“) Dreh- und Angelpunkt des Filmes und er macht seine Sache mehr als ordentlich. Was ihm fehlt, ist echter Support. So hat nicht nur Donald Sutherland („Assassin’s Bullet“) als Überbleibsel aus dem Vorgänger eine eher kleine Rolle abbekommen, auch William Baldwin („Maximum Impact“) ist als Brian viel zu selten dabei, um echten Impact für den Film haben zu können. So bleibt nur eine farblose Alisha Bailey als neue Partnerin von Sean, mit der weder Drehbuch noch Film wirklich etwas anzufangen wissen. Was in erster Linie fehlt, ist ein echter Gegenspieler von Format.

“Backdraft 2” tut weder dem Original noch dem Zuschauer weh

Ohne den prestigeträchtigen Titel würde „Backdraft 2“ an der DtV-Front sang- und klanglos untergehen. So ist der Film aufgrund seiner zahlreichen Bezüge zum Original zumindest für Fans desselben einigermaßen nett wegzuschauen. Zumal der Film weder das Original besudelt noch dessen Abläufe einfach nur kopiert. Auch die Tatsache, dass man die Fortsetzung komplett in Richtung Thriller rückte, nimmt man durchaus anerkennend zur Kenntnis.

Leider wirken die Thriller-Elemente zu harmlos und reichlich 0815 in ihrer Anlage. Es gibt keinerlei zwingende Momente, echte Höhepunkte, geile Feuer-Szenarios oder Action. Von einem coolen Bösewicht ganz zu schweigen. Immer wieder wirkt das Tempo künstlich verschleppt, was den Film häufiger wie eine viel zu lang geratene, wenig prickelnde TV-Episode eines x-beliebigen Ermittler-Franchises anmuten lässt. „Backdraft 2“ von Regisseur Gonzalo López-Gallego ist zwar in keinster Weise ein totaler Reinfall oder ein mieser Film, aber er ist auch kaum mehr als egal. Genau wie der Score von Randy Edelman, der sich mit seinem belanglosen Gedudel wahrlich kein Denkmal wie einst Hans Zimmer setzt.

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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 28. November 2019 von Black Hill Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Das Label bringt den Film auch als Doppelpack mit dem großartigen Vorgänger. Hier sei aus Qualitätsgründen definitiv der Griff zur Blu-ray empfohlen, denn auf DVD kommt das Original in beschämender Qualität daher.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Black Hill Pictures / Universal Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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