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Blood Machines

Originaltitel: Blood Machines__ Herstellungsland: Frankreich_ Erscheinungsjahr: 2019__ Regie: Raphaël Hernandez & Savitri Joly-Gonfard (gemeinsam als Seth Ickerman)__ Darsteller: Anders Heinrichsen, Christian Erickson, Elisa Lasowski, Joëlle Berckmans, …

Blood Machines

Zum Trailer (engl. OV) geht’s hier!

Mal wieder Lust auf etwas Ungewöhnliches? Bei „Blood Machines“ haben wir es mit der (ohne Abspann) knapp 45-minütigen indirekten Fortführung des 2016er Musikvideos zum Carpenter Brut Track „Turbo Killer“ zutun, mit welchem die beiden (unter dem vereinten Pseudonym Seth Ickerman schaffenden) Regisseure Raphaël Hernandez und Savitri Joly-Gonfard drei Jahre zuvor eine Menge Aufsehen und Begeisterung erregten. Realisiert wurde dieser ambitionierte, dem Mainstream ferne Synthwave-Science-Fiction-Fantasy-Mix u.a. mit Hilfe zweier erfolgreicher „Kickstarter“-Kampagnen – an einer derer ich mich damals gern beteiligte – sowie per Unterstützung von „Shudder“; einem „AMC Networks“ zugehörigen Genre-bezogenen Streaming-Service…

Eigentlich sollte die Laufzeit bloß rund eine halbe Stunde betragen – allerdings wurde die sich um spezielle „Instrumentalstück-Passagen“ herum entfaltende Handlung kurzerhand noch ausgebaut und befand sich das bereits Ende 2017 abgedrehte Werk zudem relativ lange in der Post-Production-Phase, da nahezu jede Einstellung noch um „Visual Effects“ ergänzt werden musste. Mit den meisten Haupt-Beteiligten, die an „Turbo Killer“ mitgewirkt hatten, erneut mit von der Partie, entstand auf diesem (von den finanziellen sowie sonstigen Ressourcen her) „erweiterten Wege“ letztlich ein beachtenswerter, interessanter Streifen, der im September 2019 schließlich seine Premiere auf verschiedenen internationalen Film-Festivals feierte…

Die in mehreren Kapiteln erzählte Geschichte ist schon eine ziemlich eigenwillig-schräge: Ihr Einstiegspunkt bildet der Absturz des schwer beschädigten, sich vor einem anderen auf der Flucht befindenden Raumschiffs Mima auf dem Planeten Apus 7, auf dem wenig später dann auch Captain Vascan (Anders Heinrichsen) und sein Kollege Lago (Christian Erickson) landen. Ersterer ist ein Blade Runner – jip, richtig gelesen! – dessen Profession es ist, Maschinen mit abtrünnigen künstlichen Intelligenzen zu jagen. Vor Ort treffen die Männer sogleich auf eine Gruppe rothaariger Frauen, die sich ihnen entgegen stellen sowie sie eindringlich darum anhalten, Mima doch bitte zu verschonen…

Vascan lässt sich davon jedoch nicht umstimmen und feuert einige „tödliche“ Laser-Strahlen auf das Schiff ab – wonach man ihn rasch überwältigt und er fortan dabei Zeuge wird, wie eine der Besorgt-Erzürnten (Elisa Lasowski als Corey) ein Ritual auszuführen beginnt, welches darin resultiert, dass sich „die Seele Mimas“ in Gestalt einer nackten jungen Dame (Joëlle Berckmans) aus dem Wrack heraus „manifestiert“ sowie unmittelbar im Anschluss daran ins All davonfliegt. Als das geschehen ist, nutzt der merklich verwunderte Vascan eine sich ihm bietende Gelegenheit, um Corey zu ergreifen und sie mit zurück zu sich und Lago an Bord zu zerren, wo er sie fesselt und sich an die Verfolgung Mimas begibt…

An dieser Stelle ist gerade einmal der Pre-Credits-Auftakt von „Blood Machines“ vorüber. Als Ziel Mimas entpuppt sich ein Gebiet in einem fernen Teil des Universums, in welchem unzählige zerstörte Raumschiffe in einem Orbit um einen „metallischen Kern“ eben solchen Ursprungs schweben. „It’s like a huge cemetery.“ Um Mima zu erreichen, entern Vascan und Corey die „zentrale Masse“, während Lago im Cockpit verbleibt – u.a. da ihm (mit fast 70) sein Herz Probleme bereitet. Obendrein häufen sich die „Fehlfunktionen“ ihres eigenen K.I.-Systems. Die Männer bewegen sich „auf unbekanntem Terrain“ – und schon bald wird ihnen bewusst, dass es ein Fehler war, dorthin zu kommen…

Es ist evident, dass Hernandez und Joly-Gonfard die volle Freiheit besaßen, dieses Projekt getreu ihrer Vorstellungen umzusetzen, ohne dass ihnen bspw. ein Studio irgendwie in die Sache reingeredet hat. Daraus ist nun also ein Ergebnis hervorgegangen, das mit deutlich mehr Style als Substance aufwartet sowie (aufgrund einer Reihe von Faktoren) bloß einer begrenzten Zuschauerschaft wahrhaft gefallen dürfte – zu der ich mich übrigens zähle. Unabhängig meiner Zufriedenheit mit dem Gebotenen sind mir ein paar konkrete Schwächen nichtsdestotrotz gewahr: Sie sind unverkennbar – und es ist echt schade, sie zu registrieren – allerdings trüben sie das Vergnügen alles in allem (glücklicherweise) nur eingeschränkt…

Die eingebundenen Einflüsse sind vorrangig auf Veröffentlichungen aus den 1970ern und ’80ern zurückzuführen: Psychedelisch-bunte, simultan aber auch „düstere“ Genre-Kost unkonventioneller Natur, deren Spanne klar über bestimmte (augenfällige) Filme, Romane und Comics (á la „Métal Hurlant“ oder „Heavy Metal“) hinausreicht. In variierter Form wurde eine Metapher sogar recht direkt aus „Blade Runner“ übernommen: Als der Replikant Roy Batty in jenem Klassiker stirbt, steigt eine Taube gen Himmel auf, welche seine „Seele“ symbolisiert – im Vorliegenden ist es ein sich aus dem Schiff (quasi auf der Basis dessen K.I.) herauslösender Frauenkörper; sozusagen der Geist in der Maschine

Sexy und Musik-getrieben, kann man „Blood Machines“ als eine unsubtile, hyper-stilisierte Fusion diverser Sci-Fi-Cyberpunk-Fantasy-Motive beschreiben – samt eines sich seit einigen Jahren ja kräftiger Beliebtheit erfreuenden „Retro-Vibes“. By the way: „Kung Fury„-Schöpfer David Sandberg war hier als Executive Producer mit tätig und kam mir überdies ein verspürtes B-Movie-Feeling vergangener Tage in den Sinn – u.a. in Anbetracht einzelner Plot-Elemente sowie eines durchaus existenten „Zwinkerns“ (wie als Vascan anmerkt: „Am I the only one that sees a naked girl in the sky?“). Dialoge gibt es insgesamt nicht viele – wobei jene wiederum qualitativ leider meist nicht besser als die von Videogame-Cutscenes sind…

Ähnlich „unfiligran“ sind die Charakter-Zeichnungen geraten. Bei Vascan´s Ausübung seiner Arbeit ist eine „Bösartigkeit“ in seinem Verhalten auszumachen: Er ist also nicht unbedingt ein Sympathie-Träger. Lago ist Mechaniker und verfügt von daher über ein empathisch-positiveres Verhältnis zur Technik sowie den damit verknüpften „künstlichen Intelligenzen“, welche Corey ihrerseits (mit ihrer „Schwesternschaft“) beschützt. Als Mima ist Joëlle Berckmans („Dulcinea“) erneut „schön anregend“ zu beäugen – die mit dem „Drumherum“ harmonierenden Performances Anders Heinrichsens („Valerian and the City of a Thousand Planets„), Christian Ericksons („Hitman“) und Elisa Lasowskis („Hyena“) gehen jeweils in Ordnung…

Hernandez und Joly-Gonfard spinnen ihre ungewöhnliche Story in einem „breiteren Rahmen“ weiter – ohne sie dabei jedoch mit wesentlich mehr Substanz anzureichern. Fehl am Platze dürften all jene sein, die beim Konsumieren von Filmen gern alles haarklein aufgedröselt haben möchten: So gut wie keinerlei gelieferte Erläuterung sowie so mancher WTF?!-Moment stehen dem im Wege. Entsprechend schadet ein bisschen Aufmerksamkeit nicht – z.B. beim Erfassen und Einordnen unterschiedlicher Gleichnisse, Symbole und Subtexte; unter ihnen die rothaarigen Frauen und ihre Rituale (Hexen?), umgekehrte Kreuze (primär im weiblichen Schritt) sowie „betörende“, Männer-anlockende Beautys (Sirenen?)…

Obgleich „Blood Machines“ etliche „Inspirationen“ in sich vereint – HR Giger muss da definitiv noch Erwähnung finden – ist es die Kreativität des zur Schau gestellten, der großes Lob gebührt und welche erfolgreich verhindert, dass der Streifen zu stark in Richtung eines „Zitate-Sammelsuriums“ tendiert. So mag das Hufeisen-förmige Schiff der beiden Blade Runner zwar wie eine Kreuzung aus „The Derelict“ (der „Alien„-Franchise) und etwas in der Art einer Kreatur anmuten, bei der mich der Bereich der Zugangsrampe jedes Mal an ein Maul erinnerte – doch sind die Designs ziemlich cool und ist die „Eye-Candy-Dosis“ so dermaßen hoch, dass man gewisse Dinge einfach als nachrangig einstuft und akzeptiert…

Generell ist der Look ein überaus künstlicher – was eine bewusste Entscheidung war und nicht allein bloß daher stammt, dass umfangreich mit „Green Screens“ und CGIs gearbeitet wurde: Realismus war nie ein Ziel. Einzelne Effekte mögen schwächer sein als der Rest – im Ganzen überzeugt das Geschaffene allerdings hervorragend. Die intensiven Farben und kräftigen Kontraste sehen toll aus: Feurige Pentagone bilden sich an unterschiedlichen Orten, grüne Laser-Strahlen brennen sich durch die Atmosphäre und hinterlassen zudem auch „nachhallende Spuren“ in der Luft, Gas-Wolken und vorbeirasende Sterne verleihen den Szenen im All einen wunderbar trippy-psychedelischen Eindruck – und so weiter und so fort…

Die elektronische Musikuntermalung von Carpenter Brut kommt mit den arrangierten Images „zu einer festen Einheit verschmolzen“ daher: Das Sound-Design (Geräusche, Klänge etc.) ist klasse – die pulsierenden Beats untermalen und intensivieren die Geschehnisse einträglich. Gerade das Finale, im Zuge dessen Corey die „befreiten Seelen“ einiger Raumschiffe (sprich: nackte Mädels) im Rhythmus des eingespielten Tracks koordiniert umherwirbelt, deren (mit ihren Bewegungen verbundenen) „metallische Hüllen“ sie simultan dazu Kamikaze-esk als Waffen gegen Vascan´s anrückenden Boss (Walter Dickerson) einsetzt, schwört erneut dieses famose, schwer unterhaltsame Gefühl wie bei „Turbo Killer“ seinerzeit herauf…

Kurzum:  „Blood Machines“ ist ein „audiovisuelles Fest“ – eine ungemein stylishe, inhaltlich aber schlicht geratene, sowohl den Bekanntheitsgrad Carpenter Bruts als auch den Seth Ickermans dienlich erweiternde Kombination aus einem Synthwave-Videoclip, einem Themen-bezogenen experimentellen Filmkunst-Projekt und einem eigenwilligen Sci-Fi-Fantasy-Indie. Raphaël Hernandez und Savitri Joly-Gonfard scheinen zwei ebenso kreative wie talentierte Regisseure zu sein, denen es auf jeden Fall zu wünschen wäre, dass sie in Zukunft mal auf der Basis eines wahrhaft hochwertigen Drehbuchs loslegen können – worüber hinaus ich persönlich nichts dagegen hätte, ein weiteres „Kapitel“ dieser Geschichte geboten zu erhalten…

„Blood Machines“ ist hierzulande noch nicht erschienen – war im November 2019 bspw. aber auf dem „Shivers Film Festival“ in Konstanz zu sehen. Im Ausland ist er u.a. via Stream bei „Shudder“ (USA und GB) verfügbar – während entsprechende Backer der betreffenden Crowdfunding-Kampagnen bereits Digital Downloads und BluRays erhalten haben…

Stefan SeidlBlood Machines

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zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Blood Machines

Copyright des „Blood Machines“ Postermotivs und der Pics: Logical Pictures / Rumble Fish Productions / Shudder__ Infos zur dt. VÖ:__ DVD/BluRay: noch nicht

 

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