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Cage of Glory – Sieg um jeden Preis

Originaltitel: Chavez: Cage of Glory__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Hector Echavarria__Darsteller: Hector Echavarria, Danny Trejo, Steven Bauer, Heath Herring, Patrick Kilpatrick, James Russo, Patricia Ponce de León, Josh Samson, Liam Patrick, Robert Miano, Cela Scott u.a.
Cage of Glory

Der Martial-Arts-Streifen “Cage of Glory” ist leider vollkommen vergurkt… Danny Trejo schaut trotzdem mal vorbei.

Hector Echavarria ist ein Martial-Arts-Darsteller, den ich lange Zeit wirklich nur mit äußerst unspektakulären und vor allem miesen Actionfilmen in Zusammenhang gebracht habe. Bis ich seinen Film „Unrivaled“ erleben durfte. Dieser erinnerte in seiner ganzen melancholischen Art an einen „Rocky Balboa“ im MMA-Sujet und wusste mich wirklich prächtig zu unterhalten. Würde Echavarria diesen Erfolg mit einem von ihm selbst geschriebenen, produzierten und gedrehten Film wiederholen können? Leider nein…

In „Cage of Glory“ geht es um den mittlerweile 42 Jahre alten Hector Chavez. Eine ehrliche Haut, die sich all ihren Erfolg mit eigener Hände Arbeit verdient hat. Eigentlich ist er auch glücklich, wäre da nicht die beständige Geldknappheit und sein sterbenskranker Sohn, dessen Behandlungen das letzte Geld der Familie Chavez auffressen. Keine einfache Situation im Amerika der Weltwirtschaftskrise, die Hector und seine Frau arbeitslos zurückließ. Doch Hector will nicht aufgeben. Er beschließt, seine Kampfsportskills zu Geld zu machen und so kämpft er in brutalen Underground-Fights. Diese lässt er von einem Freund filmen und ins Netz stellen, was ihn tatsächlich zu einem Internetstar macht. Über diese Filme stolpert die MMA-Liga „UXC“ und möchte einen Titelfight zwischen Chavez und dem brutalen Champ der Liga anleiern. 100 000 Dollar alleine fürs Antreten lassen Chavez nicht lange zögern…

Amerika in der aktuellen Rezessionsphase oder die Rolle der sozialen Medien… zumindest in einigen Punkten wirkt „Cage of Glory“ ansatzweise modern. Warum ich das hervorhebe? Weil der Film ansonsten in allen Sparten komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Die Handlungsmuster, die Dramaturgie, die Dialoge, alles wirkt, als käme es aus den Anfängen des Martial-Arts-Genres. Und das ist diesmal nicht aus irgendwelchen Gründen nostalgisch gemeint. „Cage of Glory“ ist wahrlich altbacken und infolgedessen auch absolut vorhersehbar und vollkommen spannungsbefreit – mal ganz davon abgesehen, dass der Film sich zu großzügig bei „Rocky“ bedient. Da ist es nicht förderlich, dass sich das Drehbuch zum Film immer wieder in uninteressanten Nebenschauplätzen verheddert. Da geht es um die Spielsucht eines Buddys von Hector, um den kranken Sohn Martin, um die Zweifel und Ängste von Hectors Frau und Hectors ach so schwere Kindheit. Nichts davon ist für die eigentliche Handlung von Belang und so mancher Storystrang läuft sogar komplett ins Leere…

Die negativen Highlights bilden die vollkommen entbehrlichen Szenen rund um Danny Trejos Figur. Deren Handlungen geben einem den ganzen Film über Rätsel auf. Trejos Charakter taucht immer einfach vollkommen unmotiviert auf, droht irgendwem Prügel an und verschwindet wieder. Dabei sondert Danny Trejo („Vanish“) ausschließlich verbalen Sondermüll ab und überzieht mit seinem Gehabe gnadenlos. Etwas besser kommt da Steven Bauer („The Last Sentinel“) als Bruder von Hector weg. Als Priester ist er per se zwar eher unglaubwürdig, an der Seite von Hector bzw. als dessen Trainer funktioniert er allerdings prächtig. Patrick Kilpatrick („Mit stählerner Faust“) als schmieriger „UXC“-Chef und James Russo („Charlie Valentine“) als vermeintlicher Buddy von Hector runden das Schaulaufen der B-Fressen ab.

Hector Echavarria macht als Hector einen insgesamt guten und glaubwürdigen Job und… man muss es leider so sagen: Er spielt besser als er kickt. Und damit wären wir bei dem größten Problem des Filmes: Die Martial-Arts-Szenen rocken einfach nicht. Sie sind schwach choreografiert und noch schwächer inszeniert. Vermutlich aus Budgetgründen wählt Regisseur Hector Echavarria den seltsamen Ansatz, das MMA-Octagon nur in dem Bereich auszuleuchten, wo die Action stattfindet. Der Rest säuft in schwärzestem Schwarz ab. Man bekommt so gar kein Gespür für den Ring und für die Dimensionen der Schauplätze, in denen der jeweilige Ring steht. Vom Publikum sieht man gleich gar nichts. Das hört man nur. Die Fighter bewegen sich dann immer nur in einem gewissen, schmalen Korridor und bekommen in diesem einfach keine spektakulären Aktionen gestemmt…

Dazu kommt, dass die Action viel zu selten gezündet wird. Die ersten Fights Hectors sind viel zu kurz. Im Mittelteil steigt gar keine Action. Und das an „Rocky 4“ gemahnende Training (Champ trainiert in moderner Sporthalle, Hector nutzt alles aus seiner Umgebung, was zum Training geeignet sein könnte) wird in seiner Wirkung durch die bereits erwähnten Subplots unterlaufen und jeder Wirkung beraubt. Absoluter Tiefpunkt ist allerdings die Parallelmontage vom Finalkampf mit der Operation von Hectors Jungen. Sowas hat man wahrlich noch nie gesehen. Man wollte es aber auch nie sehen…

Unglaublich klebrig ist obendrein die Zuspitzung der dramatischen Situation rund um Hector und seiner Familie geraten. Permanent wird auf die Tränendrüse gedrückt und kommt immer noch ein Unglück mehr hinzu. Das nimmt dann irgendwann absolut unglaubwürdige Dimensionen an. Doch die Story von „Cage of Glory“ ist selbst mit heruntergeschraubten Erwartungen keine Zierde im Genre. Von den Dialogen ganz zu schweigen. Die technische Umsetzung des Filmes setzt auf kräftige, stark gesättigte Farben und eher abgerissene Schauplätze. Der Soundtrack wird vornehmlich von hart rockenden Klängen dominiert, die ab und an nicht wirklich auf die Bildinhalte passen. In den Fights ist Hector Echavarria immer ein Stück zu nah dran und einige Zeitlupen und eine gedämpfte Tonkulisse sollen besonders spektakuläre Aktionen im Ring untermalen. Leider sieht man keine. Wie die harsche FSK 18 Freigabe zustande kam, bleibt auch ein Rätsel, da weder die Fights noch die wenigen Actionszenen im Vorfeld irgendwie sonderlich brutal ausfallen. So bleibt am Ende leider nicht viel mehr als ein durchaus sympathischer, gut aufspielender Hauptdarsteller und die Gewissheit, dass „Unrivaled“ nur ein Glückstreffer war…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 19. Mai 2015 von Maritim Pictures und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Nach wie vor bleibt die Synchronisation das größte Problem bei den Maritim-Pictures-Veröffentlichungen. Die deutschen Stimmen von Trejo und Russo gehen wirklich so gar nicht! Beim Rest durften diesmal offenkundig professionellere Sprecher ran…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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