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Reclaim – Auf eigenes Risiko

Originaltitel: Reclaim__Herstellungsland: China, Malaysia, USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Alan White__Darsteller: John Cusack, Ryan Phillippe, Rachelle Lefevre, Jacki Weaver, Luis Guzmán, Briana Roy, Jandres Burgos, Veronica Faye Foo, Alex Cintrón, Millie Ruperto u.a.
Reclaim

Ryan Phillippe und John Cusack geraten in dem Menschenhandel-Thriller “Reclaim” hart aneinander.

Steven und Shannon haben einst bei einem verheerenden Autounfall ihr ungeborenes Baby verloren. Und schlimmer noch: Aufgrund der erlittenen Verletzungen ist Shannon unfruchtbar geworden. Doch die beiden wollen ihre Liebe unbedingt mit einem Kind vervollständigen. Also beschließen sie, ein Kind zu adoptieren. Ihre Wahl fällt auf Nina. Ein Kind aus Haiti, das bei dem unfassbaren Erdbeben von 2010 seine Eltern verloren hat. Über eine Adoptionsagentur in Puerto Rico soll alles zur vollsten Zufriedenheit von Steven und Shannon abgewickelt werden.

Zunächst läuft auch alles absolut reibungslos. Nina scheint gut in das Beziehungsgefüge von Steven und Shannon zu passen und die beiden jungen Eltern sind sofort hin und weg von der Kleinen. Zwei Tage später jedoch ist Nina verschwunden. Auch die Adoptionsagentur und ihre Internetseite ist von einem Tag auf den anderen weg! Die örtliche Polizei ist überzeugt, dass es sich hier um einen Fall von „Wiederverwertung“ (= der Originaltitel „Reclaim“) handelt. Diese Betrugsmasche funktioniert so: Paare mit Kinderwunsch zahlen Unsummen für die Vermittlung eines Adoptivkindes. Dieses flieht nach einer gewissen Zeit zurück zu den Vermittlern und wird dann für weitere, ähnlich ablaufende Abzocken missbraucht…

Steven und Shannon versuchen nun natürlich alles Mögliche, um ihre Nina zurück zu bekommen. Dabei kreuzen sie den Weg des sinistren Benjamin, der ihre Notlage zu seinen Gunsten ausnutzen und richtig Kohle abräumen will…

Das gestaltet sich insgesamt durchaus spannend, leidet allerdings auch unter einer etwas septischen Dramaturgie. Diese hakt in „Reclaim“ besonders dann, wenn Steven und Shannon ihre Nina kennenlernen und mit ihr auf eitel Familienleben machen. In diesen Momenten weiß man nicht so recht, ob „Reclaim“ Involvierung schaffen oder doch lieber als Werbevideo für das fraglos schöne Puerto Rico herhalten will.

Reclaim

Steven und Shannon versprechen sich von einer Adoption die Vervollkommnung ihrer Beziehung.

So erleben viel zu perfekte junge Eltern mit ihrem viel zu perfekten Kind einen viel zu perfekten Annäherungsurlaub in viel zu perfekten Kulissen. Irgendwann fühlen sich die hier transportierten Emotionen einfach nur noch kalt und berechnend an und eigentlich bringen nur die Auftritte von John Cusack so etwas wie Bewegung in die Chose. Denn der kreuzt die Wege von Shannon und Steven mehr als nur einmal. Aufgrund der Art und Weise wie Cusack seine Rolle anlegt, ist aber auch schnell klar, in welche Richtung der Storyhase hier laufen wird.

Ist Nina dann verschwunden und wird das „Reclaim“-Konzept erklärt, hat der Film seinen ersten und einzigen beklemmenden Moment. Denn das hier eher oberflächlich angerissene Motiv des Menschenhandels ist nach wie vor brandaktuell und in seiner Konsequenz immer wieder beängstigend. Doch „Reclaim“ fokussiert schnell auf den Thriller-Ansatz und strickt den Film zu einem Duell zwischen Steven und Shannon auf der einen und Benjamin auf der anderen Seite um. Der hat zwar noch ein paar Handlanger, diese sind für den Film aber eher unwichtig. Die Handlung selber verläuft nun in geordneten und gewohnten Bahnen: Benjamin erpresst mehr Geld, Steven und Shannon müssen sich gegenseitig Geheimnisse beichten und die örtliche Polizei ist eher unfähig in ihrem Vorgehen. Das ist alles nicht über die Maßen spannend, lässt einen aber durchaus dranbleiben. Zumal vor allem Ryan Phillippe („Chaos“) als Steven nun viel besser funktioniert und Rachelle Lefevre („White House Down“) mit Shannon eine erstaunlich toughe Frauenfigur entwerfen darf, die sich von der überzogenen Emotionalität der vorhergehenden Minuten überzeugend frei strampeln kann.

John Cusack („The Prince“) dagegen setzt seine Profession als Nicolas-Cage-Bad-Hair-Day-Lookalike fort und agiert leider vollkommen auf Standgas. Er scheint sich vor Ort eine schöne Zeit gemacht zu haben, wirklich Lust auf seinen Fiesling hatte er aber offensichtlich nicht. Was schade ist, da ihm dieser Part durchaus gut gestanden hätte. Jackie Weaver („Stoker“) und Luiz Guzman („War“) runden den Cast ab, haben zum Film aber leider nicht viel beizutragen.

Reclaim

Mit dem Auftauchen des windigen Benjamin wird es für Steven und Shannon problematisch.

„Reclaim“ selbst setzt in seinem letzten und besten Drittel vollends auf Action und reiht eine Verfolgungsjagd an die nächste. Zu Fuß und mit Autos hetzt man nun hintereinander her und versucht die Fronten zu klären. Als gedachter Höhepunkt fungiert ein wortwörtlicher Cliffhanger-Moment, der leider erbärmlich getrickst ist. Auch mischen sich in den Verfolgungsjagden seltsam anachronistisch wirkende Rückprojektionen unter, die dem Film nicht wirklich gut stehen. Dennoch stimmt zumindest jetzt der Thrill- und Spannungslevel und die wenigen Gewalteskalationen geraten überraschend blutig. In diesem letzten Abschnitt hat auch der Score zum Film ein paar tolle Momente.

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der mit dem Herausnehmen aus dem Player bereits zu verblassen beginnt, der während seiner Laufzeit aber durchaus gut unterhält und vor allem mit seinen wirklich tollen, farbsatten und fernwehweckenden Bildern des Drehortes Puerto Rico zu punkten versteht. Auch das grundlegende Thema des Filmes ist alles andere als uninteressant und wirkt vor allem in der Bebilderung der Methoden der Menschen-/Kinderhändler durchaus profund recherchiert. Leider gelingt es den Drehbuchautoren (darunter Luke Davies, Drehbuchautor des mitreißenden Heath-Ledger-Filmes „Candy“) nicht, aus dieser Anlage eine spannende, tiefgehende Story zu stricken. So will die Spannungskurve erst im actionreichen letzten Drittel funktionieren, welches dann durch technische Nachlässigkeiten geerdet wird. Zudem will die Chemie zwischen Phillippe und Lefevre einfach nicht stimmig wirken und John Cusack hatte definitiv schon deutlich bessere Tage. Unterhaltsam ist „Reclaim“ aber alle mal…

PS.: Auf Seite zwei erwarten euch Portraits der Hauptdarsteller Ryan Phillippe und John Cusack.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 15. Mai 2015 von Universum Film und Square One in den deutschen Handel und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten. Ein Behind the Scenes und eine kleine Featurette bilden die Extras zum Film.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film/Square One__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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