Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Compulsion

Originaltitel: Compulsion__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Neil Marshall__Darsteller: Anna-Maria Sieklucka, Charlotte Kirk, Zach McGowan, Emily Corcoran, Cinzia Monreale, Giulia Gorietti, Mikhail Basmadjian, Antonella Axisa, Matthew Camilleri u.a.
Compulsion mit Charlotte Kirk DVD-Cover

Irgendwas mit Erotik: „Compulsion“ von Neil Marshall.

„Compulsion“ ist nach „The Reckoning“, „The Lair“ und „Scarlett – Diamond of Revenge“ die bereits vierte Zusammenarbeit von Regisseur Neil Marshall und seiner Muse Charlotte Kirk. Nach Mittelalterhorror, Creature Feature und Gangsterfilm versucht sich das Liebespaar nun an einem erotischen Thriller.

Die von Marshall und Kirk erdachte Story erzählt von Evie. Die junge Dame ist soeben mit ihrem Segelboot in Malta angekommen und gedenkt, im familiären Urlaubswohnsitz einzukehren. Hier bemerkt sie schnell ihre Nachbarn Reese und Diana: Er entpuppt sich flott als eitler Pfau, sie als seine laszive Gespielin. Evie, die in sexueller Hinsicht Frauen zugetan ist, verguckt sich sofort in die heiße Diana. Und die scheint ihre Avancen durchaus zu begrüßen.

Was Evie freilich nicht weiß: Reese ist total abgebrannt und mit seiner Diana will er Evie abzocken. Das gestaltet sich jedoch alles andere als leicht, kommen sich Evie und Diana doch unvermutet nahe, was bei Reese die Eifersucht hochkochen lässt. Obendrein bekommt das Dreieck immer wieder Besuch von der Polizei. Auf Malta geht nämlich ein ultrabrutaler Killer um. Und die Indizien führen die Cops immer wieder zu dem Liebesdreieck aus Diana, Evie und Reese.

Schaut in den Film hinein

Oberflächlich belangloser Thrill von Neil Marshall

„Compulsion“ steigt mit einem wirklich derben Mord an einem duschenden Mann in seine Story ein. In POV-Sicht wird der Kerl förmlich zerlegt und die gesamte Duschkabine sieht aus wie ein Schlachthaus. Derartige Momente gibt es in „Compulsion“ noch einige. Und alle werden sie extrem zelebriert und heftig ausgekostet. Dank viel Handarbeit wirken sie auch sehr intensiv und dreckig.

Parallel zu diesen Morden erzählt „Compulsion“ seine Story über Diana, Evie und Reese. Im Fokus steht zunächst der Wille von Reese und Diana, Evie abzuziehen. Ein Story-Part, der frei von Konsequenzen im Nichts endet. Neil Marshall hat sichtlich mehr Spaß daran, seine holde Charlotte nackt zu präsentieren.

Charlotte Kirk in Compulsion

Charlotte Kirk keusch verhüllt.

Dabei tut sich der Zuschauer schwer, das Präsentierte als erotisch zu deuten. „Compulsion“ wirkt wie eine Aneinanderreihung von Playboy-Clips. Es gibt eine Menge nackter Haut zu sehen, das wird aber so steril und sauber präsentiert, dass es kein Stück Erotik ausstrahlt. Fleischbeschau an schönen Farben, aber eben ohne Leidenschaft. Man kann „Compulsion“ aber nicht vorwerfen, dass er es nicht versuchen würde. Immerhin ist auch Anna-Maria Sieklucka (hatte schon in „365 Days“ eine offenkundige Kleidungsphobie) als Evie ein echter Hingucker, der wie Charlotte Kirk gerne mal blank zieht.

Und im Vergleich zu Charlotte Kirk, die mit dem beständig gleichen Gesichtsausdruck durch den Film stolziert, kann Frau Sieklucka auch spielen. Aber dem Drehbuch fällt zu ihrer Figur nicht wirklich etwas ein. So ist einem auch relativ Rille, ob sie nun übers Ohr gehauen wird oder eben nicht. Zwischendurch wird immer mal wieder irgendwer brutal ermordet, die Polizei tappt im Dunkeln und der Plot um Diana, Reese und Evie kommt nie zu Potte.

Anna-Maria Sieklucka in Neil Marshalls Erotik-Thriller

Anna-Maria Sieklucka bespritzt mit… Blut!

Final findet natürlich alles irgendwie zusammen. Sehr logisch ist das alles nicht. Zumal der Film alle möglichen Figuren fürs Finish herbei zitiert, um irgendwie einen runden Schluss hinzubekommen und auch ein paar Motive zu haben. Wer aufmuckt, krepiert. Die Lösung hat sich der Zuschauer allerdings längst selbst erarbeitet – was nicht sonderlich schwerfällt. Ende. Zumindest selbiges gefällt, denn Neil Marshall will kein politisch korrektes Finale und verschafft allen Lumpen im Film so etwas wie eine Art Happy End.

Dieser wenig spannende Wirrwarr sieht zumindest wirklich schön aus. Gedreht wurde „Compulsion“ auf Malta und Neil Marshall präsentiert wirklich schöne Bilder der Inselgruppe. Und es war offensichtlich genug Geld da, um sich mondäne Schauplätze leisten zu können. Entsprechend wirkt der Film auch dank Marshalls sauberer Regie richtig wertig. Und auch der elektronische Score zum Film macht Laune.

„Compulsion“ ist ein verunglückter Erotik-Thriller

„Compulsion“ stolpert lange Zeit total ziellos durch die Gegend. Keiner der Story-Stränge wirkt zwingend, keiner baut irgendwie Spannung auf und keiner sorgt für Tempo. Neil Marshall hätte mal lieber ehrlich zu sich selbst sein und seiner Charlotte einfach einen simplen Softporno ohne jedwede Handlung auf den wirklich tollen Körper schreiben sollen. Vermutlich wäre nicht nur Charlotte, sondern auch der Zuschauer mehr als zufrieden gewesen.

Stattdessen gibt es nun gleich mehrere nicht funktionierende Geschichten, die gegen Ende auf teils absurde Weise zusammengeführt und aufgelöst werden. Überraschungen gibt es da keine mehr, denn der Zuschauer weiß längst, was hier Phase ist. Obendrein müssen wir Frau Kirk zusehen, wie sie versucht, eine Femme Fatale zu geben. Wobei sie einfach nur durchscheitert. Doch auch andere Darsteller im Film dilettieren brutal vor sich hin. Genannt seien Giulia Gorietti, deren Polizistin einfach nur eine der schlechtest geschriebenen Figuren der letzten Zeit ist, und Zach McGowan („Death Race: Anarchy“) als Reese, der nie im Film ankommt.

Man muss „Compulsion“ ein paar schöne Bilder zugestehen und auch die gebotenen Nackedeis gefallen. Derweil lassen die wirklich derben Morde hoffen, dass Neil Marshall vielleicht mal wieder mehr in diese Richtung denkt. Aber lecker Charlotte Kirk scheint ihm da mit ihren Reizen zu intensiv das Hirn zu vernebeln.

Das Ergebnis ist ein Erotik-Thriller, der weder erotisch ist noch thrillt. Eine peinlich schlechte Szene um eine blutig endende BDSM-Erotikparty steht stellvertretend für dieses gewaltige Manko. Wer also auf einen guten Neil-Marshall-Film gehofft hat, den muss ich enttäuschen. Wer sich von „Compulsion“ eh nicht mehr als eine – prüde bleibende – Nackt-Show von Charlotte Kirk gewünscht hat, der kann zumindest mal einen Blick riskieren.

04 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 19. Dezember 2025 von Lighthouse Home Entertainment. Der Film kommt mit einer Freigabe ab 18, hat keinerlei Extras zu bieten und ist freilich auch streambar.

In diesem Sinne:
freeman

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Lighthouse Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 21477319 andere Actionnerds