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Crimson Peak

Originaltitel: Crimson Peak__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Guillermo del Toro__Darsteller: Mia Wasikowska, Charlie Hunnam, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Doug Jones, Burn Gorman, Jim Beaver, Leslie Hope, Javier Botet, Kimberly-Sue Murray, Bruce Gray u.a.
Crimson Peak

Guillermo del Toros „Crimson Peak“ ist eine prominent besetzte Gothic Romance

Nachdem „Scott Pilgrim vs. the World“ für Universal trotz massivem Marketing zum Flop wurde, legte man die Finanzierung von Guillermo del Toros Herzensprojekt „The Mountains of Madness“ auf Eis. Doch während del Toro noch auf die Chance einer offiziellen Lovecraft-Verfilmung wartet, so sind Motive des Autors und des Gothic Horrors stets in seinen Filmen präsent, so auch in „Crimson Peak“.

Dass die literarische Gothic-Tradition eine wichtige Rolle für den Film spielt, daran lässt der Beginn bereits keinen Zweifel. Heldin Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist zwar nach dem Horrorfilmstar Peter Cushing benannt, hat aber schriftstellerische Ambitionen und schreibt eine Geistergeschichte, der nach Ansicht des Verlegers allerdings die Romanze fehlt. Dass in einem Dialog auch noch Vergleiche zu Jane Austen und Mary Shelley gezogen und der Filmtitel intradiegetisch als Buchtitel präsentiert wird, festigt die literarischen Bezüge nur noch, die ganz klar auf die Gothic Romance abzielen, in der sich immer Grusel und Begehren mischten.

Besagtes Begehren lässt bei Edith der verarmte englische Edelmann Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) aus, der bei Ediths Vater Carter (Jim Beaver) finanzielle Unterstützung für ein Tonförderprojekt haben möchte. Weder Thomas noch seine Schwester Lucille (Jessica Chastain) sind Carter besonders geheuer und so versucht er diese durch Bestechung loszuwerden, um seine Tochter vom Einfluss der suspekten Adligen fernzuhalten. Jedoch erwischt es Carter bereits nach Überstellung des Schecks, als ein Unbekannter ihn im Baderaum meuchelt und das auf ziemlich graphische Weise, mit der del Toro nochmal klar auf das R-Rating hinweist, das der Film nach anfänglichen PG-13-Überlegungen bekam.

Bald ehelicht Edith Thomas und zieht ihm nach England, auf das Anwesen der Sharpes auf einem an roter Tonerde reichen Berggipfel, dem titelgebenden Crimson Peak. Doch schon bald merkt sie, dass etwas faul ist, nicht zuletzt, da sie bereits der Geist ihrer verstorbenen Mutter vor diesem Ort warnte…

Crimson Peak

Ob man Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) trauen kann? Edith Cushing (Mia Wasikowska) jedenfalls ist von ihm begeistert

Dass das hier ein Liebhaberprojekt mit quasifamiliärer Attitüde ist, sieht man schon am Darsteller der Geister: Der hagere Doug Jones erweckt die Gespenster zum Leben, nachdem er vor allem als Fischmensch Abe Sapien in del Toros „Hellboy“-Filmen bekannt wurde, aber auch Rollen in del Toros „Mimic“, „Pans Labyrinth“ und „The Strain“ spielte. Aus „Pacific Rim“ sind Charlie Hunnam („Sons of Anarchy“) und Burn Gorman („The Dark Knight Rises“) dabei, letzterer in einer kleinen, aber feinen Nebenrolle als zwielichtiger Ermittler, während Hunnam als alter Freund und Rivale um Ediths Gunst etwas unterbeschäftigt bleibt, gegen das Hauptdarstellertrio verblasst. Das sind natürlich Mia Wasikowska („Spuren“) als aufgeweckte Heldin, vor allem aber Tom Hiddleston („The Avengers“) als blasierter und dennoch charismatischer Verführer und Jessica Chastain (die schon im von del Toro produzierten „Mama“ mitspielte), welche die hinter der Fassade ihrer Figur schlummernden Abgründe spürbar werden lässt. TV-Haudegen Jim Beaver („Harper’s Island“) ist dazu noch wunderbar als harter wie herziger Vater besetzt, auch wenn er drehbuchbedingt relativ früh aus dem Film ausscheidet.

So sehr der Film sich für seine Exposition in Amerika Zeit lässt, die wahre Attraktion ist natürlich das alte Schloss in England, auf das es die Heldin später verschlägt. Das Design ist der Star in diesem Film und da haben sich del Toro und sein Produktionsdesigner Thomas E. Sanders („Maverick“) nicht lumpen lassen: Nicht nur, dass man soweit es ging echte Kulissen verwendet und den Einsatz von CGI begrenzte, das Gruselschloss erscheint als lebender, atmender Organismus, aus dessen Wände die flüssige Tonerde blutgleich heraustritt. Die Rot-Symbolik beherrscht den Film von der Tonerde über echtes Blut bis hin zu entsprechenden Kleidungsstücken, wobei del Toro das leuchtende Rot immer wieder mit anderen Farben kontrastiert, etwa dem blau-schwarzen Interieur des Schlosses oder dem weißen Schnee. Farbpalette und Design wurden genau abgestimmt: Während in Amerika warme Farben und eckige Formen dominieren, so sind es in England kalte Tön und Rundungen.

Crimson Peak

Ebenso düster gewandet wie Thomas ist seine Schwester Lucille (Jessica Chastain)

Trotz der Verwendung möglichst vieler realer Bauteile lassen die Kulissen jedoch Raum für opulente Kamerafahrten, für die ausnahmsweise nicht del Toros Stammkameramann Guillermo Navaro verantwortlich zeichnet, sondern Dan Laustsen („Pakt der Wölfe“), der aber genauso souverän für lange Plansequenzen und beeindruckende Bilder sorgt. Egal ob die Kamera der Hauptfigur bei den Erkundungen des Schlosses folgt, beobachtend die Geschwister ins Visier nimmt oder Hetzjagden durchs Schloss an den Figuren klebt – die Kameraarbeit ist einfallsreich und dabei nicht bloß Spielerei, sondern sie erzählt auch durch ihre Funktion.

Dabei ist das Script dann irgendwo zwischen Hommage an und Nacherzählung von klassischen Gothic-Topoi anzusiedeln. Gerade die bedrohte Ehefrau als Protagonistin ist klassischer Gothic-Stoff, der Ehemann als (potentielle) Bedrohung auch sowie die Geistererscheinungen, die sowohl Bedrohung als auch Warnung vor dem wahren Grauen sein könnten. Dabei orientiert sich del Toro stilistisch sichtlich an älteren Universalhorrorfilmen, lässt seine Darsteller etwas expressiver als gewohnt spielen, was jedoch mit Blick auf das historische Setting (um 1901) nicht unpassend wirkt. Auch auf neuere Universalhorrorfilme wird angespielt, etwa wenn ein Buch mit orientalischer Erotika der schüchternen Heldin ähnlich präsentiert wird wie jener aus „Bram Stokers Dracula“ von Francis Ford Coppola. Und natürlich steht Liebe als zentrales Thema der Gothic Romance im Raum: Reine wie fanatische Liebe, gesunde wie ungesunde, wobei beide Formen die Figuren ins Verderben führen können, weil sie Risiken aufnehmen, weil sie dem oder der Falschen verfallen, weil sie diese Liebe über alles andere setzen – auch über das Leben anderer. Und bei dieser Verbindung von Romantik und Grusel steht Ediths Leseanweisung zur von ihr verfassten Geschichte, dass die Geister nur eine Metapher sind, immer noch als mögliche Interpretation im Raum.

Crimson Peak

Hat gegen Sharpes Charme kaum eine Chance: Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam)

Mit diesen Zitaten und sanften Verweisen auf weiteren Horror (etwa die Schriften Lovecrafts) baut „Crimson Peak“ sanft Spannung auf, blättert nach und nach die Schichten vom düsteren Familiengeheimnis der Sharpes herunter, das immer wieder angedeutet wird. Dabei ist die Stimmungs- und Spannungserzeugung wichtiger als die Geschichte, die einige Figuren wie etwa Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam) vernachlässigt und deren Showdown dann eine Standardkonfrontation zwischen Rein und Verderbt ist, die durchaus mit schönen Bildern aufwartet, aber dem vorigen Film nicht ganz gerecht wird, als Entladung der aufgebauten Spannung etwas stärker ausfallen dürfte.

Man kann del Toro, allen geschickten Verweisen auf Gothic Romance und Universalhorror zum Trotz, sicherlich den Vorwurf machen hier nach dem Motto „Style over Substance“ vorzugehen, doch eigentlich ist es eher so, dass Stil hier Substanz ist, denn Kameraarbeit und Design erzählen mehr als das in seinen Grundzügen simple Drehbuch. Das ist nicht immer perfekt, hat Ecken und Kanten, bietet aber auch wohligen wie gut besetzten Grusel mit einigen netten Jump Scares, vor allem aber einer famosen Bilderwelt zum Drinversinken.

Starke:

„Crimson Peak“ läuft ab 15. Oktober 2015 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 15.10.2015 in den deutschen Kinos

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