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Dark Prince

Originaltitel: Dark Prince: The True Story of Dracula__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Joe Chappelle__Darsteller: Rudolf Martin, Jane March, Roger Daltrey, Michael Sutton, Christopher Brand, Peter Weller, Radu Amzulescu, Dan Badarau, Claudiu Bleont, Dan Bordeianu, Niels Brinks u.a.
Dark Prince mit Peter Weller DVD Cover

Peter Weller bringt etwas Glanz in den gut gemeinten, aber schlecht gemachten “Dark Prince”.

Dracula und Vampire… kaum etwas beflügelt die menschliche Fantasie mehr. Zumindest hat man diesen Eindruck, wenn man sich vor Augen führt, in wie vielen Filmen Dracula und seine vampirische Brut bereits verbraten wurden. Doch von dem Menschen hinter Dracula erfuhr man bislang eher wenig. Francis Ford Coppola versuchte in seinem „Bram Stokers Dracula“ ein wenig hinter die „Kulissen“ zu schauen, blieb dabei aber sehr oberflächlich und bog sich die Historie ziemlich zurecht. Wobei es aus heutiger Sicht freilich schwer ist, zu sagen, was nun wirklich historisch verbürgt ist und was nicht.

Dennoch versucht der Film „Dark Prince: The True Story of Dracula“ dem Ungetüm Dracula ein menschliches Gesicht zu verleihen. So werden wir Zeuge, wie Vlad Dracula mit seinem Bruder Radu aufwächst und wie beide von einem osmanischen Sultan – der in Rumänien eingefallen war – gefangengenommen werden. Radu muss fortan dem Sultan sexuell gefällig sein und schafft es auf diesem Wege sogar, seinen Bruder freizupressen (wie oft er dafür die Kiste hinhalten musste, wird allerdings nicht erwähnt).

Kaum wieder auf freiem Fuß, muss Vlad verkraften, dass sein Vater vom rumänischen Adel lebendig begraben wurde und dass der Adel es zugelassen hat, dass das Land in viele kleine Parzellen zerfallen ist, in denen jeder macht, was er will. Mit unbarmherziger Härte rächt er den Tod seines Vaters, löscht dabei fast den gesamten Adelsstand aus und eint so das Land unter seiner Knute. Den Menschen geht es unter seiner Führung sogar ziemlich gut und er selbst findet seine große Liebe, die ihm auch einen Sohn schenken wird.

Wenig später, er hat gerade erneut einfallende Türken zurückgeschlagen, wird er Opfer eines Verrates und vom ungarischen König festgesetzt. So verbringt er einige Jahre hinter schwedischen Gardinen und kommt erst wieder frei, als der ungarische König einsieht, dass Vlad einst hintergangen wurde. Als Wiedergutmachung bietet er Vlad an, ihm zu helfen, das Land wieder zu beherrschen. Vlad müsse als „kleine“ Gegenleistung nur zum Katholizismus übertreten.

Da Vlad einwilligt, wird er von seinen orthodox gläubigen Gefolgsleuten auf ewig verdammt. Dies wird der Grundstein für die vielfältigen Gerüchte sein, Vlad könne nicht verwesen und sei unsterblich, da es dank des Fluches seiner verdammten Seele nicht erlaubt ist, in Frieden von Dannen zu gehen…

Schaut in “Dark Prince” mit Peter Weller hinein

Im Schweinsgalopp durchs Leben vom “Dark Prince”

„Dark Prince“ rast im Schweinsgalopp durch ein sehr faszinierendes Leben. Wie immer bei derartigen „Biopics“ sind freilich nicht alle Hintergründe hundertprozentig belegt, doch insgesamt hangelt sich der Film recht beeindruckend durch die als halbwegs verbürgt geltenden Fakten. Dabei verbindet der Film eine gewisse Oberflächlichkeit (was aufgrund des rasant abgehandelten Lebenslaufes fast schon unumgänglich scheint) mit kleinen Details (wie der Goldbecher, der frei und ungesichert an einem Brunnen stand und niemals gestohlen wurde, was ein Zeichen für die allgemeine Zufriedenheit der rumänischen Bevölkerung unter Vlad war) und erschafft so ein wirklich lebendiges Portrait eines ewig getriebenen Menschen, der irgendwie nie der Norm zu entsprechen schien und der seine Ansichten mit heute grausam erscheinendem Nachdruck durchsetzte.

Immerhin kam sein Name – Vlad der Pfähler – nicht von ungefähr. Doch man sollte immer bedenken, dass alle Grausamkeiten, derer er sich bediente, für die damalige Zeit nichts Besonderes darstellten und er bei weitem nicht grausamer als andere gleichzeitig lebende Herrscher war! Bei der Bebilderung von Vlads Leben, bleibt „Dark Prince“ im übrigen immer in realen Gefilden, einzig in den letzten fünf Minuten erlaubt sich der Film (überflüssige) Andeutungen auf die Legende hinter Vlad.

Diese hätte es allerdings wahrlich nicht gebraucht. Eine schlichte Texttafel zu den Vampirlegenden, die nach seinem Tod aufkamen, hätten absolut gereicht. Hier mutiert der Film dann ganz plötzlich zu dem, was er eigentlich nicht sein wollte: Ein Film zur Legende. Ohne dieses Ende wäre er ein Film über den Menschen hinter der Legende gewesen. Dennoch überwiegt im Storypart ein positiver Gesamteindruck. Die Probleme von „Dark Prince“ liegen in ganz anderen Punkten.

Hauptdarsteller Rudolf Martin bekommt von Peter Weller gezeigt, wie Schauspielern funktioniert

Und damit sind wir bei den Darstellern angelangt: Rudolf Martin („Passwort Swordfish“) als Vlad ist ein absolut zwiespältiges Ding. Vom Auftreten und seiner Ausstrahlung her ist er absolut ideal besetzt, strahlt er doch definitiv etwas Düsteres und Gefährliches aus. Doch der Mann kann einfach nicht Schauspielern! Wenn er sich an die süße Jane March („Color of Night“) ranschmeißt, macht er das mit dem Schmäh eines Sacks voll Kohlen.

Wenn er ihr gegenübersitzt und die Jane so süß zu ihm rüberschmachtet, fragt man sich permanent, ob hinter Martin ein süßes Mitglied der Filmcrew gestanden hat oder ob die Jane wirklich so eine geniale Schauspielerin ist, dass sie dem Typen so etwas wie Sympathie entgegenbringen kann. Mit genau demselben Verve schlägt sich Martin durch den ganzen Film und man wartet immer nur darauf, dass er irgendwann scheintot zu Boden fällt – und, soviel sei verraten: Er tut es sogar wirklich!!! Echt übel.

Unterirdisch wird es dann, sobald er das Maul aufmacht und die Synchro ertönt: Jene ist so nervtönend monoton und bar jeglichen Gefühls für die Betonung von Worten, dass man fast meint, man habe Diane Krugers Stimme auf männlich gepitcht …! Das geht echt gar nicht! Und das Schlimmste ist, man gewöhnt sich nicht einmal an dieses Stimmfiasko!

Der Rest der Besetzung agiert solider. Jane March hat dabei das Problem, dass über ihre Figur zu viel im Unklaren bleibt und man nie weiß, ob sie nun komplett irre ist oder einfach ihre Umgebung irgendwie negativ auf sie abfärbt. Auch wird sie viel zu naiv gezeichnet. Dennoch spielt sie Martin in JEDER gemeinsamen Szene an die Wand. Das gilt auch für Roger Daltrey („Teen Agent“) als Ungarnkönig und NATÜRLICH auch für Peter Weller („Leviathan“) als orthodoxen Priester, der seinen Part mit ungeheurer Präzision abspult und als einziger so etwas wie echte Leinwandpräsenz entwickeln kann.

“Dark Prince” ist storytechnisch interessant, ansonsten gründlich missraten

Was auch nicht wirklich funktioniert ist die Optik von „Dark Prince“. Man merkt, dass der Regisseur nicht wirklich unbeleckt ist, was sein optisches Gespür angeht. Insbesondere manche Dialoge sind edel abfotografiert und auch die eine oder andere Schlachtenszene funktioniert ganz ordentlich. Leider versagt Joe Chappelle („Wolf Lake“) immer dann, wenn es darum geht, die damaligen Verhältnisse zu bebildern: Seine Ausstattung wirkt detailarm und nicht hundertprozentig stimmig oder durchdacht. Auch ist seine Verfilmung konsequent zu hell und freundlich und auch das Treiben auf damaligen Marktplätzen usw. stelle ich mir einfach viel atmosphärischer, dichter, dreckiger und vor allem direkter/wuchtiger vor.

Mit ein paar Statisten mehr, Schlamm oder nur etwas frei herum rennendem Getier hätte das richtig ordentlich ausfallen können, so bleibt der Film auf einem seltsam steril anmutenden Fernsehniveau stecken und verschenkt unheimlich viele Atmosphäre! Das gilt unisono für die absolut nicht präsente Filmmusik, die nicht ein einziges wirklich druckvolles oder interessantes Thema besitzt.

Somit ist Dark Prince ein storytechnisch interessanter Streifen, der aber bis auf seinen netten Ansatz wirklich NICHTS zu bieten hat, was besondere Aufmerksamkeit verdienen würde. Insbesondere der unheimlich schwache Rudolf Martin macht den Film fast im Alleingang kaputt! Dabei war er als Dracula in einer Folge der Fernsehserie „Buffy“ gar nicht mal soooooo übel…

4 von 10

Die FSK 16 DVD von dem Label Sunfilm ist uncut und kommt als „Dark Prince“. Alive! Brachte Jahre später eine Neuauflage mit dem ungeheuer beknackten Titel „Vampire Darkthrone – Rise of the Antichrist“ auf den Markt. Wer auch immer bei einem solchen Kauderwelch zugreift, er möge Spaß mit dem Film haben.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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