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Deathly Weapon

Originaltitel: Pistol Whipped aka Marker__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Roel Reinè__Darsteller: Steven Seagal, Renee Goldsberry, Blanchard Ryan, Lance Henriksen, Wass Stevens u.a.
Deathly Weapon

Steven Seagal trifft auf Lance Henriksen in Roel Reines “Deathly Weapon”

Matt ist ein hoffnungslos verschuldeter Ex-Cop, der nur noch in Spielcasinos oder Bars sitzt und sein Leben irgendwie an sich vorüberziehen lässt. Eines Tages meldet sich bei ihm allerdings eine geheime Organisation, die bereit ist, seine gesamten Schulden zu bezahlen sowie obendrein noch was draufzulegen, wenn er verschiedene hoch angesehene Gangster eliminiert. Er willigt ein, bis er eines Tages einen Auftrag erhält, der ihm gar nicht gefallen will…

Die Story hört sich auf dem Papier doch ziemlich cool an. Nichts noch nie Dagewesenes, aber dennoch etwas Interessantes und Passendes für einen Seagal-Film. J.D. Zeik, Autor von „Ronin“ (mit Robert de Niro), hat ein tolles Drehbuch geschrieben, das mit ziemlich vielen Dialogen versetzt ist, was für einen Seagal-Film nicht unbedingt positiv sein muss. Hier stört es aber nicht, da der Film im Gegensatz zu Trash wie „The Foreigner“ eine tolle Story, haufenweise motivierte und gute Schauspieler sowie eine hervorragende Inszenierung aufbieten kann.

Im Gegensatz zu den meisten Vorgängern, inklusive „Urban Justice“, sieht man „Deathly Weapon“ sein niedriges Budget von nur 10 Millionen Dollar und die kurze Drehzeit von gerade mal 20 Tagen nicht an. Ich denke, den Löwenanteil daran muss man dem holländischen Regisseur Roel Reine („The Marine 2“) und dem Kameramann Richard Crudo, der schon beim optisch soliden „Out of Reach“ dabei war, zuschreiben. Ob edles Spielcasino, Sea-Aquarium, Kirche oder offene Straßen, der Film kann einige optische Leckerbissen aufbieten und entzückt damit den Zuschauer. Darüber hinaus ist die Inszenierung wie erwähnt ausgezeichnet geworden. Mit optischem Firlefanz hält man sich mehr oder weniger zurück, stattdessen gibt es schöne Kamerafahrten und weitere tolle optische Ideen. Dass der Film in den Staaten gedreht wurde, ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Anstatt verrosteter Dacias stehen nun protzige Hummer am Straßenrand.

Steven Seagal selbst („Maximum Conviction“) scheint auch wieder mehr Interesse an dieser Produktion gehabt zu haben und ist wie schon in „Urban Justice“ mit viel Elan bei der Sache. Die Dialoge werden alle von ihm selber gesprochen und wurden nicht nachsynchronisiert. Die Fights absolviert er wieder alle selber. Erfreulich auch hier, dass diese in recht anständiger Zahl vorhanden sind und ohne lästige Close-Ups gedreht wurden. Die Choreographie der Fightszenen ist ziemlich gut und dürfte so manchem Action-Fan ein Lächeln bereiten. Ferner trägt Seagal keine langen Bademäntel mehr, sondern meist eine Lederjacke oder einen Anzug. Das einzige, was negativ bleibt, ist seine Beziehung zu einer mal wieder deutlich jüngeren Frau, da kommt manchmal schon fast ein bisschen Eifersucht auf.

Die restlichen Darsteller sind allesamt motiviert und spielen ihre Parts überzeugend. Lance Henriksen hat leider nicht allzu viel Screentime, allerdings agiert er gewohnt überzeugend.

Deathly Weapon

Matt leidet an einer Spielsucht. Hier fantastisch gespielt von Steven Seagal!

Die erste halbe Stunde von „Deathly Weapon“ ist etwas zäh, da der Film wie erwähnt relativ viele Dialoge hat. Doch die überzeugende Inszenierung und die guten Schauspieler können die meisten Szenen retten. Während es in der ersten Hälfte größtenteils nur Kampfszenen und relativ kurze Erschießungen zu betrachten gibt, geht’s danach so richtig ab. Erste große Actionszene ist eine minuten- lange Schießerei mitten auf der Straße in der City. Wirklich liebenswert inszeniert und mit einigen tollen Kamerafahrten garniert. Ganz wie ein kleiner Bruder von „Heat“. Dazu kommt ein treibender Score, der noch mal viel herausholt. Allgemein ist der Sound- track für so eine B-Produktion wirklich sehr gut geraten. Elektronische Klänge gemischt mit rockigen oder melancholischen Einlagen dürften jeden geschmackvollen Zuschauer überzeugen. Anschließend gibt’s unter anderem noch eine toll choreographiere Auto-Verfolgungsjagd mit einigen Stunts. Die Hintergrund-Projektionen mögen nicht perfekt sein, sind aber diesmal besser geraten als in anderen Seagal-Filmen neuerer Prägung und werden selten gezeigt. Wer hier noch meckert, verliert jede Glaubwürdigkeit, da der Film ansonsten toll aussieht, gerade gemessen am begrenzen Budget.

Der lang ausgespielte End-Showdown darf als eindeutiges Highlight angepriesen werden. Tolle Bilder, teilweise auch in stilvoller Zeitlupe, ein grandioser Schnitt sowie ein treibender Score werden jeden Actionfan entzücken. Man sieht an allen Ecken und Enden, dass hier ein nicht unwesentlicher Teil des Budgets mit eingeflossen ist.

„Deathly Weapon“ ist in meinen Augen eine Überraschung und dürfte jeden Actionfan entzücken. Die Story ist erfreulich gelungen und hält den Film stets zusammen. Die erste Hälfte hält sich actiontechnisch noch etwas zurück, doch die guten Dialoge, die tolle Inszenierung und die motivierten Schauspieler trösten locker über manche Länge hinweg. Die Action kommt nicht allzu oft vor, aber wenn, dann richtig. Insbesondere die Straßenschlachten a la „Heat“ und der ausgezeichnete Showdown werden jeden Actionfan überzeugen.

© John Woo


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Deathly Weapon

Lässt er die Karten ruhen, übt er sich als Kauleisten-Masseur

Ob man im zunehmend unübersichtlichen Post-„Exit Wounds“-DTV-Fließbandschaffen von Aikido-Koloss Steven Seagal an kreuzlahmen Billigschmu oder unterhaltsame Überraschungshighlights gerät, besitzt seit Jahren Glücksspielcharakter und um Glücksspiel geht es auch im 08er Output des Dicken in „Pistol Whipped“. Dieser erblickte hierzulande unter dem höchst strange anmutenden Form Alternativtitel „Deathly Weapon“ das Licht der Kaufhäuser und Videotheken. Nachdem Seagal bereits im Jahr zuvor mit der “Moppel in da Hood Blutfontänenorgie” „Urban Justice“ eine trotz trister Hinterhof-Locations und nervenstrapazierendem Hip-Hop-Settings positive Überraschung präsentiert hatte, klettert „Deathly Weapon“ auf der Qualitätsleiter gar noch eine Stufe nach oben und stellt unter der Regie Roel Reinés den oftmals an selige 90er-Zeiten gemahnenden, besten DTV-Film des Dicken seit „Into the Sun“ oder vielleicht sogar seit „Belly of the Beast“ dar. Geschieht es auf diesem Niveau, so möge der Home-Entertainment-Markt-Stakkatdobedienung seitens des Dicken noch ein langes Fortleben beschert sein.

Wie schon „Urban Justice“ ist auch „Deathly Weapon“ nicht in fader Ostblock-Tristesse, sondern den USA angesiedelt und bietet statt verworrener, wannabe-komplexer Verschwörungskonstruktionen auf Handlungsebene einen geradlinigen, klassischen Ablauf, der im Ansatz gar ein wenig Abwechslung zum Seagalschen Einerlei hinsichtlich des ambivalenten Charakters unserer Hauptfigur Matthew in petto hat: Die hat nämlich ein Spielsucht- und ein Alkoholproblem und eine gescheiterte Ehe sowie einen Rausschmiss aus ihrem Polizei-Job hinter sich. So bleibt ihr auch keine andere Alternative, als sich zum Abzahlen ihrer Spielschulden von einem mysteriösen alten Mann in Gestalt von Genre-Kultveteran Lance Henriksen („Last Assassins“) als Hitman engagieren zu lassen. Nur ist der Dicke leider nicht der Belgier und vermag mit dem mimischen Repertoire eines einzigen in Stein gemeißelten Gesichtsausdrucks die etablierte Seagal-Mixtur nicht durch Schauspielerei oder dramatischen Tiefgang zu variieren. Ob er sich gerade im Casino um Kopf und Kragen zockt, mit der Filmtochter ein Aquarium besucht oder Attentate ausführt – das Stoneface sitzt und das Ziel seiner Präsenz an jedweder Location und Interaktion mit jedwedem Charakter bleibt stets, dass Arme gebrochen, Kauleisten poliert und Kugeln in gegnerische Körper geballert werden. Nach diesem Prinzip machen Seagal-Film seit nunmehr 20 Jahren Spaß und wo der Dicke sich wie hier zum einen nicht doublen und den Actionanteil mit Stock Footage auffüllen lässt und zum zweiten das Drumherum stimmt, hat der Genrefan auch bei ausbleibender schauspielerischer Brillanz wahrlich keinen Grund zur Klage.

Zwar ist „Pistol Whipped“ alles andere als ein Nonstop-Actionfeuerwerk und offenbart, wenn sich Seagal allzu ausgiebig der Family-Schiene widmet, auch die eine oder andere Länge, wann immer die Kampfeshandlungen jedoch losbrechen, geschieht dies auf einem Niveau, das kaum Wünsche offenlässt. Die Aikido-Fights sind ausgewogen über den Film verteilt und kurz, hart und knackig wie eh und je. Die Shootouts glänzen durch Roel Reinés stylishen Slow-Motion-Einsatz und aufgrund seiner exzellenten dynamischen Kameraarbeit. Eine hübsche Autojagd sowie ein wenig Pyrozauber runden die Palette gelungen ab.

Daneben verbucht ein cooler, rockiger Score Punkte und gestaltet sich die straighte Story als zweckdienlich-solides Konstrukt. Leider lässt sich aus dem Tiefgangs-Ansatz in Hinsicht auf die Hauptfigur aufgrund des beschränkten schauspielerischen Talents des Dicken wenig machen. Dafür vermag „Deathly Weapon“ vor allem mit optischer Klasse zu punkten: Der Look ist hochwertig und bietet mit Reinés inszenatorischen Qualitäten einen tollen visuellen Rahmen für die Geschichte. Die Locations gestalten sich deutlich attraktiver als das Basketballplatz/Hinterhof-Billigrepertoire der „Urban Justice“schen Hip-Hop-Hood. Seagal unter diesen Umständen wie in alten Zeiten durch die Reihen der Gegner pflügen zu sehen, bereitet alles in allem einen Heidenspaß und weckt in seinen besten Momenten durchaus Erinnerungen an die glorreiche Schaffensphase der frühen 90er.

Deathly Weapon

Mit dem Schießprügel weiß der Zocker auch umzugehen!

Nichtsdestotrotz ist „Deathly Weapon“ nun kein Meisterwerk des B-Actionfilms geworden und hat durchaus seine Schwächen: Die körperliche Konstitution des Dicken ist füllig wie eh und je. Lance Henriksens prominent vom Cover prangendes Mitwirken mündet in ein besseres Cameo mit Minimalscreentime. Die Familien- drama-Komponente der Story führt zu Längen und die hölzernen Dialoge zwischen Seagal und seiner Filmtochter sind ein einziger Graus. Den Unterhaltungswert des Ganzen mildern diese Aspekte jedoch kaum. So trumpft Steven Seagal nach „Urban Justice“ mit der nächsten positiven Überraschung auf und präsentiert mit „Deathly Weapon“ eines der besten Werke seiner Post-„Exit Wounds“-Ära. Zwar scheitern der Ansatz einer ambivalenten Hauptfigur ebenso wie mehr Storytiefe an der schauspielerischen Beschränktheit des Dicken, fügen einige Dialoge regelrecht physische Schmerzen zu und führt die teils zurückhaltende Actionfrequenz zu gelegentlichen Längen. Roel Reinés gekonnte Inszenierung, attraktive Optik und Locations, coole Sprüche und die exzellent eingefangene, in einem stylishen Showdown kulminierende Action mit einem höchstselbst zur Aikido-Tat schreitenden Seagal machen den Streifen jedoch zu einer klaren Empfehlung für alle Fans des Dicken im Speziellen und durchaus auch des Genres im Allgemeinen.

© Ed Hunter


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Steven Seagal spielt in „Deathly Weapon“ den Ex-Cop Matt, einen spielsüchtigen Alkoholiker, zudem hoch verschuldet, von der Frau verlassen und mit dem Leben im Allgemeinen nicht klarkommend. Eines Tages wird eine dunkle Organisation unter dem Kommando eines unbekannten “Old Man” auf ihn aufmerksam und bezahlt seine Schulden im Wert von über einer Million Dollar. Der Deal: Matt willigt ein, einige brutale Gangster zu “terminieren”. Das geht solange gut, bis er jemanden umbringen muss, der zu seiner Familie gehört…

Die Seagal-Regel der Neuzeit lautete bisher: Ein Schritt nach vorne, drei Schritte zurück. Nun, diese Regel wurde mit „Deathly Weapon aka Pistol Whipped“ eindeutig gebrochen. War „Urban Justice“ vom Drive und von Seagals Auftreten her beinahe ein kleines „Out for Justice“, hat man bei „Deathly Weapon“ noch einige Dinge verbessern können.

Erstmal muss erwähnt werden, dass die Optik in „Deathly Weapon“ eindeutig interessanter und abwechslungsreicher gestaltet wurde als noch in „Urban Justice“, wo man praktisch nur Hinterhöfe und Basketballplätze einer US-Kleinstadt erleben durfte. „Deathly Weapon“ ist farbenfroher, heller und alleine schon optisch ein kleiner Höhepunkt der B-Movies der letzten Jahre.

Und Regisseur Roel Reine („Dead in Tombstone“) hat da einiges mitzuverantworten. Fast schon unverständlich, dass er mir die letzten Jahre über unbekannt geblieben war. Für die Story ist J.D. Zeik verantwortlich, der 1998 schon Robert DeNiro in „Ronin“ einem Paket nachjagen ließ.

Die Story ist auch das Exotischste am ganzen Film, ist man von Steven Seagal doch Prügeleien im Zehn-Minutentakt gewohnt, erleben wir ihn diesmal als Matt in der Rolle des absoluten Losers – Hoch verschuldet, Säufer, Spieler – eigentlich eine Rolle, die Bruce Willis damals früher auf den Leib geschrieben war (siehe „Last Boy Scout“) und an der ein Seagal eigentlich nur scheitern kann. Jedoch gibt er im Rahmen seiner schauspielerischen Möglichkeiten sein Bestes und zieht seinen Kopf geschickt aus der Schlinge. Zudem – egal wie sehr man über Seagals derzeitiges Äußeres auch ablästern mag – passten für diese Rolle seine Speckrollen und die Augenringe wie die Faust aufs Auge. Als Versager und Säufer passte Seagal in gewisser Weise also auch optisch perfekt ins Bild.

Deathly Weapon

Und höflich, wie er nun einmal ist, geht er auch zur Beerdigung der Lumpen, die er umgenietet hat!

Auch der Rest der Schauspiel-Crew machte einen motivierten und guten Job. Lance Henriksen („Harte Ziele“) ist wohl der populärste Nebendarsteller, dessen Rolle doch sehr klein ausgefallen ist. Jedoch kommt er auf deutlich mehr Screentime als etwa ein Danny Trejo in „Urban Justice“.

Unterstützt werden die Schauspieler von ordentlichen Dialogen. Auch in diesem Punkt ist „Deathly Weapon“ dem Vorgänger „Urban Justice“ klar überlegen. Zudem wurden die Szenen mit einem exzellenten Score unterlegt, der sich ebenfalls klar vom üblichen B-Movie-Standard abhebt. Und, einer der wichtigsten Punkte, die Choreo- graphien von Stevens Kampfszenen: Da ist nichts verwackelt und Steven legt auch absolut selbst Hand an. Well done!

Wie jeder Film hat auch „Deathly Weappon“ seine Schwächen. Jedoch sind diese weit weniger zahlreich als bei manch anderem Seagal-Streifen zuvor. Als Schwachpunkt könnten die ersten 25 Minuten gelten, die sehr dialoglastig sind, jedoch bei weitem nicht so langweilen wie die Dialogszenen in „Into The Sun“. Ein weiterer Schwachpunkt sind die Rückprojektionen während der Verfolgungsjagd, welche jedoch nur ein paar Sekunden andauern. Der Rest dieses kleinen Blei-Autorennens ist jedoch sehr gut inszeniert worden.

Natürlich wird sicher auch dieser Seagal verglichen werden mit den neuesten Werken der Konkurrenz. „Until Death“ von Van Damme sei als Beispiel genannt. Während jedoch Van Damme mit ein wenig mehr schauspielerischem Talent ausgestattet wurde und so auch die Marschrichtung seiner Filme vermehrt dem Drama annähert, ist und bleibt Steven Seagal die Kampfmaschine, die seine Fans so verehrten. Er ist älter, nicht mehr in der besten Form seines Lebens, doch macht es auch dank „Deathly Weapon“ wieder Spaß, sich seine neuesten Werke anzusehen. Was bleibt, ist ein B-Movie der höheren Qualität.

© DomPatHug

Die DVD von Sony Pictures Home Entertainment ist mit einer FSK 18 Freigabe uncut und hat neben Trailern auch entfernte Szenen als Extra. Am 3. April 2014 liefert Sony nun auch die Blu-ray zum Film nach.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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