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Der Krieger und die Hexe

Originaltitel: The Warrior and the Sorceress__Herstellungsland: USA/Argentinien__Erscheinungsjahr: 1984__Regie: John C. Broderick__Darsteller: David Carradine, Luke Askew, Maria Socas, Anthony De Longis, Harry Townes, Guillermo Marín, Armando Capo, Daniel March, John Overby, Richard Paley, Marcos Woinsky u.a.
Der Krieger und die Hexe

In “Der Krieger und die Hexe” räumt David Carradine in “Yojimbo”-Marnier in einer Fantasy-Welt auf

Im Zuge der Sword-and-Sorcery-Welle nach „Conan“ produzierten Roger Corman und seine Firma New World gleich mehrere Trittbrettfahrer, oft mit ähnlich angelegter Story über Barbaren und finstere Herrscher. Mit John C. Brodericks „Der Krieger und die Hexe“ ging das Studio immerhin begrenzt innovative Wege.

Denn der Film spart sich die Barbaren und den „Conan“-Plot, ist aber dafür ein Rip-Off von „Yojimbo“ bzw. dessen Italowestern-Variante „Für eine Handvoll Dollar“, worauf bereits der westernartige Soundtrack von Luis María Serra verweist. Anstelle eines Samurai oder Gunslingers ist es hier der einsame Krieger Kain (David Carradine), der in ein Dorf gestapft kommt, in einer Welt, die entweder ein Fantasyreich ist oder eine postapokalyptische, postzivilisatorische Sci-Fi-Landschaft – manchmal verweisen Inhaltsangaben auf den Planeten Ura, doch im Film hört man nicht viel davon. Allerdings hatten auch schon erste Drehbuchentwürfe den Original-„Conan“ in einer mutantenverseuchten und dementsprechend teuer umzusetzenden Endzeit angesiedelt, was Produzent Dino De Laurentiis dann von dieser Variante abhielt.

Mangelndes Budget hielt einen Roger Corman dagegen nie von irgendetwas ab, wobei es auch wenig Effekte oder Ähnliches in „Der Krieger und die Hexe“ gibt und es dementsprechend egal ist, ob das Ganze nun Fantasy oder doch Sci-Fi ist. Ein paar Masken missgestalteter Sklavenhändler, ein ultrakurz zu sehendes Schlingpflanzen- bzw. Tentakelmonster im Kerker und ein Echsenwesen sind da das Äußerste der Gefühle. Letzteres sitzt als Berater an der Schulter des fetten Schurkenchefs Bal Caz (Guillermo Marín), der aus Rip-Off-Gründen wie eine menschliche Version von Jabba the Hutt aussieht. Die gefangene Zauberin (ausnahmsweise mal nicht Prinzessin) hat sein Rivale Zeg (Luke Askew) dagegen eingekerkert: Naja (Maria Socas). Bal Caz und Jeg streiten sich um die Vorherrschaft über einen Brunnen in der Dorfmitte, denn wer das Spice, ähhh, das Wasser kontrolliert, der herrscht hier.

Kain, der in der Originalversion eigentlich immer nur als The Dark One bezeichnet wird (vermutlich als Anspielung auf den Mann ohne Namen aus „Für eine Handvoll Dollar“) macht zur Präsentation seiner Kampfkünste erst einmal Jegs Schergen am Brunnen zur Minna und lässt sich dann von Bal Caz anheuern. Getreu dem Vorbild spielt der Söldner allerdings beide Seiten gegeneinander aus…

Der Krieger und die Hexe

Der dunkle Krieger (David Carradine), in manchen Quellen auch Kain genannt, bekommt es mit einer ganz besonderen Tänzerin zu tun

Mit der fröhlich zusammengeräuberten Prämisse, die sich mal bei etwas anderen Quellen als den sonst üblichen bedient, könnte „Der Krieger und die Hexe“ eigentlich mal für Leben in der Bude der trashigen Fantasy-Rip-Off-Reißer sorgen. Dummerweise hat Broderick („Georgia Road – Die Unschlagbaren“) als Regisseur und Drehbuchautor nicht verstanden was die Vorbilder ausmachte. So droht Kain erst gegen Ende aufzufliegen (und das, obwohl er sich oft ziemlich doof anstellt), wodurch die Spannung versandet. Noch dazu ist zur Filmhälfte der Status Quo immer noch vorhanden, da Kain zwar Naja befreit, diese sich dann aber (wohl ebenfalls aus Doofheitsgründen) bei Bal Caz versteckt, dessen Echsenwesen Kain entführt, woraufhin es zum Gefangenenaustausch der beiden kommt. Im Gegensatz zu seinen Vorgängerfiguren macht Kain (diese Betitelung in manchen Quellen dürfte Carradines „Kung Fu“-Rolle geschuldet sein) auch keine Entwicklung durch: Er ist kein Söldner, der sich doch noch ein Herz oder Werte leistet, sondern er spielt die anderen eben gegeneinander aus und hilft Naja dabei ein bisschen, aber es gibt keine erkennbare Motivation, keinen Antrieb. Es wird zwar angedeutet, dass er noch eine Rechnung mit dem Sklavenhändlerchef Burgo (Armando Carpo) offen haben könnte, aber das bleibt – wie so vieles in diesem Film – nur schlampig angerissen und dementsprechend uninteressant.

So passiert vieles in diesem Film dann auch nur, weil es in den Vorbildern auch passierte, etwa die Rivalität zwischen Kain und Zegs Nr. 2, Kief (Anthony De Longis). Und manche neue Idee gereicht dem Film sogar zum Nachteil, etwa wenn nach all den Rivalitäten der beiden Clans auf einmal Burgo und seine Truppe zu den Hauptschurken des Films gemacht werden. Dass Naja Zeg ein Zauberschwert schmieden soll, ist ein weiteres dieser hingeworfenen und nie wirklich entwickelten Plotelemente. Wenn sie es dann für Kain schmiedet, macht das keine großen Unterschiede, denn es hat keine besonderen Kräfte, verbessert noch nicht einmal sichtlich seine Skills als Schwertkämpfer. Doch die Inszenierung passt sich dem Nullniveau des Buches an: „Der Krieger und die Hexe“ plätschert mit dem Tempo einer fußlahmen Schildkröte vor sich hin und füllt seine Laufzeit von nur ca. 80 Minuten mit Ausschussmaterial. Etwa wenn Zeg und seine Leute eine Gefangene zur Belustigung umnieten, diese aber nicht (wie etwa in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) einem Monster vorwerfen, sondern einfach nur in einem Wassertrank ersäufen lassen. Aber diese und andere Szenen (z.B. alle mit der stets halbnackten Naja) dienen in erster Linie der Fleischbeschau, was aber öde ist. Blöde hingegen sind manche Drehbuchideen: Etwa wenn Bal Caz keine drei Sekunden, nachdem Kain seinen Saal verlassen hat, verkündet, dass er diesen beseitigen wird, sobald Zeg Geschichte ist – was der noch an der Tür lauschende Kain natürlich postwendend mitbekommt.

Der Krieger und die Hexe

Der Held gegen seinen Rivalen Kief (Anthony De Longis)

Aber bei aller Ödheit und Idiotie könnte hier ja vielleicht noch zünftige Schwertkampfaction angesagt sein. Doch auch hier: Fehlanzeige. Die meisten Kampfszenen wirken wie das Kuddelmuddel einer Schulhofschlägerei der Klasse 3b, sind unübersichtlich und schlecht inszeniert. Lowlight des Ganzen ist eine Konfrontation zwischen Zegs und Bal Cazs Truppen, die sich aus kurzer Entfernung anbrüllen, abwechselnd vor- und zurückrücken und am Ende den Kampf vertagen, weil gerade der Sklavenhändler frische Ware bringt. Einzig und allein ein Übungskampf Kiefs und der Showdown lassen mal so etwas eine Choreographie in der Action erkennen und machen so zumindest mal punktuell Laune. Aufwändige Blut- oder Schmaddereffekte darf man beim Hauen und Stechen freilich nicht erwarten, denn das Budget war sichtbar knapp, weshalb sich das meiste an drei Locations abspielt: Der Platz mit dem Brunnen und die jeweiligen Hallen, in denen Zeg und Bal Caz residieren.

Dass man ausgerechnet hier, wo man mit David Carradine („Crank 2“) mal einen bekannteren Namen am Start hatte, nicht etwas mehr Budget locker gemacht hat und etwas mehr Aufwand walten lässt, verwundert schon etwas. Andrerseits ist Carradine hier auch kein Ausbund an Enthusiasmus, schauspielert sich auf Autopilot routiniert durch diesen Film, ist aber immer noch besser als die meisten Nebendarsteller. Gerade Maria Socas („Hollywood Boulevard II“) bleibt bessere Staffage, aber auch Luke Askew („Bulletproof – Der Tiger II“) und Guillermo Marín („Operation Gold“) nutzen das Potential ihrer Schurkenrollen kaum aus. Bleibt nur Anthony De Longis („Gangster Squad“), der dem Overacting-Affen ordentlich Zucker gibt und damit noch etwas punktet – vielleicht wäre er ein besserer Hauptschurke gewesen.

Doch so ist „Der Krieger und die Hexe“ ein äußerst traniger Fantasy-Actioner, ohne viele Fantasy-Elemente und mit meist mauer Action, der aus seiner „Yojimbo“-Prämisse, die mal etwas anderes in dem Genre ist, enttäuschend wenig macht. Öde geschrieben, lahmarschig inszeniert – da helfen auch ein paar Highlights wie das Kerkermonster, der Mordversuch durch eine mehrbrüstige Frau (mehrere Jahre vor „Total Recall“) beim Tanz der sieben Schleier und das brauchbare Schwertgefuchtel im Showdown auch nichts.

Hierzulande gibt es „Der Krieger und die Hexe“ bisher nur auf VHS, ab 16 Jahren freigegeben und um rund 4 Minuten gekürzt, wobei das meiste Handlungscuts zur Straffung sind. Die ungekürzte Variante gibt es in den USA auf DVD, wo der Film als Viererpack gemeinsam mit „Barbarian Queen“, „Deathstalker“ und „Deathstalker 2“ bei Shout! Factory erschienen ist. In Großbritannien gibt es eine ungekürzte DVD vom Label Film 2000.

© Nils Bothmann (McClane)

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