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Die Bestimmung – Insurgent

Originaltitel: Insurgent__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Robert Schwentke__Darsteller: Shailene Woodley, Theo James, Miles Teller, Jai Courtney, Naomi Watts, Kate Winslet, Maggie Q, Ansel Elgort, Zoë Kravitz, Ray Stevenson, Jonny Weston, Octavia Spencer, Daniel Dae Kim, Mekhi Pfifer, Ashley Judd, Tony Goldwyn u.a.
Die Bestimmung - Insurgent

Mit „Die Bestimmung – Insurgent“ wird die Reihe fortgesetzt, erneut mit Maggie Q als Tori

Während manche jüngere Young-Adult-Adaption es zur Franchise brachte, neben den extrem erfolgreichen „Hunger Games“ beispielsweise auch „The Maze Runner“, schafften andere wie „Ich bin Nummer Vier“ oder „Mortal Instruments“ die Versequelung nicht. „Divergent“ gehörte zu ersterer Gruppe und wird nun mit „Insurgent“ fortgesetzt.

Nach den Ereignissen des Erstlings haben Tris (Shailene Woodley), ihr Bruder Caleb (Ansel Elgort), ihr Lover Four (Theo James) und Peter (Miles Teller) als Flüchtige Zuflucht bei der Farmer-Fraktion Amity gefunden, die Fraktionsflüchtlingen Obdach gewährt. Wie auch Dystopie-Kollegin und großes Vorbild Katniss seit „Catching Fire“ wird auch Tris von Alpträumen geplagt, in denen sie von ihren Taten heimgesucht werden: Die Eltern sind gestorben, einen Freund musste sie umbringen, weil dieser unter der Gedankenkontrolle der fiesen Erudite-Leaderin Jeanine (Kate Winslet) stand. Das rekapituliert dann auch schnell noch mal wichtige Punkte des Erstlings, falls Zuschauer doch ohne Vorwissen in die Reihe einsteigen wollen.

Als jedoch Dauntless-Truppen unter der Führung von Eric (Jai Courtney) und Max (Mekhi Phifer) antraben, auf der Suche nach Divergents wie Tris, welche Jeanine für Experimente mit einem Relikt der Gründerväter braucht, da muss der kleine Trupp stiften gehen und sich auf einen Zug retten, den Fraktionslose in Beschlag genommen. Nach Animositäten kommt es zu einer ganz gut choreographierten und überraschend heftigen Wemmserei mit einigen Verletzten und Toten, die dann allerdings damit aufgelöst wird, dass Four seinen richtigen Namen nennt. Warum er das nicht von Anfang an gemacht und den einen oder anderen eingedellten Schädel dadurch verhindert hat, fragt man lieber nicht.

Die Fraktionslosen bringen das kleine Häuflein zu ihrer Anführerin. Es ist – surprise, surprise – Fours tot geglaubte Mutter Evelyn (Naomi Watts), die schon vorher mit Sohnemann Kontakt aufnahm, nun im Untergrund den Aufstand plant und Four überreden will jene Angehörige der Dauntless-Fraktion, die sich nicht Jeanine und den Erudite angeschlossen haben, dazu zu bringen sich wiederum ihrer Rebellion anzuschließen…

Die Bestimmung - Insurgent

Tris (Shailene Wooley) kämpft nun mit Kurzhaarfrisur für Freiheit und Selbstbestimmung

Mit einen Länge von rund zwei Stunden ist „Insurgent“ etwa 20 Minuten kürzer als der Erstling, aber leidet trotzdem noch stärker unter dessen Hauptproblem: Dem Zuschauer wird etwas viel Film für etwas wenig Handlung geboten. Und wo der Erstling immerhin noch den Bonus eines Einführungsfilms hatte, da ist bei „Insurgent“ unverständlich, dass die Handlung nach Etablierung sämtlicher Figuren und Konflikte durch den Vorgänger derart auf der Stelle tritt. Das, was von „Insurgent“ von Aufstand und Rebellion erzählt, das hätten andere Filme vermutlich in 60 oder sogar 30 Minuten abfrühstücken können.

So bietet die Geschichte einen steten Wechsel zwischen Flucht, dem Finden von Unterschlupf und Gefangennahme für Heldin Tris, dessen Spannungskurve sich jedoch arg in Grenzen hält. Selten ist wirklich die Fallhöhe zu spüren, dass es hier um eine weltverändernde Revolution und einen Regime-Umsturz gehen könnte: Da gammeln die Ausbrecher aus dem angeblich so rigiden Fraktionssystem mehr oder weniger unbehelligt bei anderen Fraktionen im Asyl herum, gleichzeitig führen dort den Erudite folgende Dauntless-Truppen gewalttätige Aktionen gegen jene anderen Fraktionen durch und hören dafür gerade mal eine lauwarme Beschwerde beim Oberstenrat. So krankt „Insurgent“ schon an seinem Szenario, das voller Widersprüche und Logiklücken ist, was durch willkürlich eingeführte Gadgets nicht besser wird, etwa die Schlaf induzierenden und Gedankenkontrolle ermöglichenden Geschosse, mit denen die Bösewichte dann um die Ecke kommen als es dramaturgisch gerade notwendig ist.

Dabei schmeißen Regisseur Robert Schwentke („R.E.D.“) und seine drei Drehbuchautoren Brian Duffield („Jane Got a Gun“), Akiva Goldsman („Batman Forever“) und Mark Bomback („The Wolverine“) auch gleich freudig sämtliche interessanten Subtexte zum Coming-of-Age der Hauptfigur und der Suche nach Identität über Bord, was dem drögen Revolutionsplot nicht gut bekommt. Auch mit vielen Figuren des Erstlings wissen sie nichts anzufangen: Fours Papa Marcus (Ray Stevenson) taucht nur anfangs in ein paar Szenen auf, womit die spannungsreiche Vater-Sohn-Dynamik im Keim erstickt, Tätowiererin Tori (Maggie Q) langt hin und wieder mal in Kampfszenen zu und löst (auch noch off-screen) ein Tech-Problem der Rebellen und Tris‘ Freundin Christina (Zoë Kravitz) wird von ihr enttäuscht, der Konflikt wird durch ein Anschmollen seitens Christinas kurz „vertieft“ und mit der nächsten Rettungsaktion kommentarlos wieder vergessen – mehr haben sie nicht zu tun. Auch neue Figuren, sei es Rebellenführerin Evelyn oder Candor-Chef Jack Kang (Daniel Dae Kim), haben nur bessere Stichwortgeberfunktion, viele erst aufgebaute Momente werden hektisch runtergerattert, etwa ein Gerichtsverfahren bei den Candor-Rechtsgelehrten, bei dem Tris und Four jeweils drei oder vier läppische Fragen gestellt werden.

Die Bestimmung - Insurgent

Bei der Flucht kriegen sich Tris, Four (Theo James) und Peter (Miles Teller) in die Haare

Tatsächlich ist es am Ende schwer zu sagen, warum bei so viel Hetze und so wenig Charaktermomenten trotzdem zwei Stunden draufgehen. Vielleicht deshalb, weil der Film selbst dem dümmsten Zuschauer durch stete Wiederholung Tris‘ Schuldgefühle einbläuen will: Als wären mehrere Traumsequenzen nicht genug, muss gefühlt jede Nebenfigur Tris auf das Thema ihrer scheinbar letalen Wirkung auf ihre Liebsten ansprechen. Natürlich ist damit vor allem Lover und Mit-Revoluzzer Four gemeint, der nun ja auch ganz dolle im Kreuzfeuer steht. Was allerdings ein weiteres Problem des Films ist, denn die romantischen Parts sind noch steifer und hölzerner als im Erstling inszeniert, in die Gegend salbaderte Schwüre von ewiger Liebe prägen das Bild einer Leinwandromanze, die sich über die volle Laufzeit nie weiter entwickelt, da sie eh schon von Anfang an perfekt war in der Logik des Films.

Da ist es natürlich nicht hilfreich, dass Theo James („Underworld: Awakening“) immer noch wirkt wie ein Holzklotz mit eingeschnitztem Dackelblick, der erneut zu den darstellerischen Schwachpunkten zählt. Jai Courtney („I, Frankenstein“) hat nicht nur weniger Screentime als im Erstling, sondern hat sich von total nervig auf einigermaßen erträglich gebessert, während andere Nebendarsteller, darunter Maggie Q („Stirb langsam 4.0“), Zoë Kravitz („X-Men: First Class“), Ray Stevenson („G.I. Joe 2“), Daniel Dae Kim („Cradle 2 the Grave“), Mekhi Phifer („8 Mile“) und die für Rückblenden und Traumsequenzen zurückkehrenden Tony Goldwyn („…denn zum Küssen sind sie da“) und Ashley Judd („Olympus Has Fallen“), kaum etwas zu tun haben. Brauchbaren Support liefen Miles Teller („Project X“) und Ansel Elgort („Carrie“). Kate Winslet („Titanic“), deren Arier-Look aus Teil eins nun auch noch mit entsprechendem Scheitel komplettiert wird (Subtilität geht anders), spielt die böse Giftspritze trotz aller Eindimensionalität der Rolle mit Verve, Naomi Watts („King Kong“) als zwielichtige Rebellenchefin ist ein weiterer Lichtblick und Shailene Woodley („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) überzeugt erneut als Powerfrau, womit die drei Damen darstellerisch ein paar Kohlen aus dem Feuer holen.

Die Bestimmung - Insurgent

Tori (Maggie Q) packt auf Rebellenseite mit an

Tatsächlich hat „Insurgent“ ein paar Meriten neben diesem Schauspielerinnentrio: Die Nahkämpfe der Actionszenen sind recht schnittig choreographiert und nett in Szene gesetzt (und damit wesentlich ansprechender als die 08/15-Schießereien mit den Zukunftswummen). Mit den Schicksalen Calebs und Peters kann der Film immerhin zwei Nebenfiguren halbwegs interessant erzählen, auch wenn Peters Entwicklung relativ vorhersehbar ist. Überraschender dagegen die Tatsache, dass einige Figuren schon in diesem Film aus der Handlung genommen werden, gerade mit Blick auf das Ende: Einerseits geht die Geschichte konsequent den Schritt weiter, der sich in der Weltkonstruktion bereits angedeutet hat, andrerseits müssen die beiden Abschlussfilme der Saga in vielen Punkten neue Konflikte und neue Ansätze etablieren.

Was erneut tadellos ist, das ist die visuelle Präsentation des Ganzen: Die Kameraarbeit von Schwentkes Stammkameramann Florian Ballhaus ist hervorragend, ebenso die Ausstattung, auch wenn der Film plotbedingt oft in eher kargen Untergrundsettings oder sterilen Laboren bleiben muss. Gegen Ende, wenn Tris in einer Art Matrix unterwegs ist, dürfen die Effektspezialisten sich noch kreativ bei virtuellen Proben wie dem Beklettern eines fliegenden, brennenden Hauses oder einem freien Fall durch das sich auflösende Chicago austoben, was trotz sichtbarer Budgetlimitierungen recht imposant gemacht ist. Die Präsentation des Films in 3D kommt dann auch in erster Linie in diesen Szenen ganz gut zur Geltung, insgesamt hätte „Insurgent“ dieses Feature sicher nicht gebraucht.

Insofern kann man den Ausstattern, den Effektspezis und dem Kamera-Department nur gratulieren und ihnen gleichzeitig einen besseren Film wünschen: Der wenig gehaltvolle Plot von „Insurgent“ ist unspannend, lässt fast alle interessanten Subtexte des Erstlings hinter sich und kann mit seinen Nebenfiguren herzlich wenig anfangen. Neben den optische Reizen wissen ein paar der Actionszenen zu gefallen, Woodley, Winslet und Watts spielen ziemlich gut, aber für einen wirklich aufregenden Film reicht das noch lange nicht.

„Die Bestimmung – Insurgent“ läuft ab dem 19. März in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 19.3.2015 in den deutschen Kinos

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