| Originaltitel: Dirty Angels__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Martin Campbell__Darsteller: Eva Green, Maria Bakalova, Ruby Rose, Reza Brojerdi, Rona-Lee Shimon, Jojo T. Gibbs, Aziz Çapkurt, George Iskandar, Christopher Backus, Hadi Khanjanpour, Emily Bruni u.a. |

Martin Campbell dirigiert sein Bond-Girl Eva Green durch taffe Action.
Martin Campbell („The Foreigner“) gilt vielen als versierter Auftragsregisseur, der vor allem im Actiongenre zu glänzen versteht. Dabei fällt gerne mal hinten herunter, dass er mit „GoldenEye“ und „Casino Royale“ gleich zwei Mal das Bond-Franchise mit neuem Leben füllte. Mit „Dirty Angels“ will er nun Bond-Girl Eva Green („300: Rise of an Empire“) zur neuen Actionheldin stilisieren.
Der IS überfällt eine Mädchenschule in Pakistan und nimmt die meisten Schülerinnen als Geiseln. Darunter auch zahlreiche Mädchen internationaler Herkunft. Die USA entsenden daraufhin die Delta Force, die allerdings scheitert. Eine neue Spezialmission muss nun schnellstmöglich die Lage klären. Eine kleine Spezialeinheit soll – als medizinische Hilfstruppe getarnt – die Mädchen befreien. Teil der Einheit sind zahlreiche Frauen – um die Hilfstruppe authentisch wirken zu lassen. Doch wie Soldatin Jake sind die Damen allesamt Spezialistinnen auf ihrem Gebiet.
Im Chaos angelandet, wird schnell offenbar, wie extrem improvisiert der Einsatz ist. Ein Problem türmt sich auf das nächste. Doch die Damen erweisen sich als zäh. Vor allem Jake blüht im Feindesland förmlich auf. Denn sie weiß, dass der Anführer der IS-Truppe genau der Mann ist, der bei einem Einsatz in Afghanistan ihr ehemaliges Platoon brutal ausradierte und sie steinigen lassen wollte.
Derbe Action von Bond-Regisseur Martin Campbell
Martin Campbell, der auch am Drehbuch von „Dirty Angels“ mitschrieb, schiebt seinen Film sehr flott an. Wir bekommen einen Rückblick auf einen Einsatz in Jakes Militärkarriere, der alles andere als rühmlich endete. Direkt danach wird auch schon die Geiselnahme in Pakistan durchgezogen. In beiden Szenen wird der wirklich fiese Fieswicht des Streifens eindrücklich etabliert. Zwar wirkt er brutal überzeichnet, aber für die folgenden 105 Minuten wünscht man ihm einen möglichst brutalen Abgang.
Landen dann unsere Heldinnen im Krisengebiet, hat „Dirty Angels“ seine schwierigste Phase zu überstehen. Denn Martin Campbell versäumt es, seine Figuren mit Leben zu füllen. Seine Heldinnen unterhalten sich nur über Oneliner, geben nichts von sich preis und haben auch keine wirkliche Screentime zu verzeichnen. Campbell klebt fast schon verzweifelt an Eva Greens Jake, mit der man aber zu Beginn extrem fremdelt.
Einen wesentlichen Grund dafür nimmt die Tagline auf dem Artwork der deutschen Veröffentlichung vorweg. Hier heißt es: „Krieg ist hart. Eva Green ist härter!“ Und das ist wirklich anstrengend, denn Eva Greens Interpretation dieser Sätze ist einfach nur drüber. Sie ist ultracool, ultrataff, ultrahart und immer die Chefin im Ring. So etwas kann funktionieren, hier funktioniert es aber null. Greens Charakter ist unsympathisch und unnahbar und als Heldin ein Totalausfall. Ich könnte auch keinen männlichen Schauspieler nennen, der jemals so eine Nummer abgezogen hätte.

Eva Green (links) mit Jojo T. Gibbs in „Dirty Angels“.
Auch wirkt es, als sei die Handlung pausiert. Drehbuch und Regie türmen ein Problem aufs nächste. Allesamt verhindern sie, dass sich die Heldinnen ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. „Dirty Angels“ hängt fest. Und er nutzt die Zeit nicht nur nicht, um die Heldinnen vorzustellen, er nutzt sie auch nicht, um die Situation der Geiseln zuzuspitzen oder den Terrorwichten mehr Profil zu geben.
Dass man kein Stück in der Nummer drin ist, wird spätestens dann offenbar, wenn Geiseln oder einige der Heldinnen sterben. Schade. Erst in Richtung Finale zieht „Dirty Angels“ wieder an. Dann aber umso eindrücklicher. Was Martin Campbell auch die Gelegenheit gibt, wieder mehr zielgerichtete Action zu machen. Die geht insgesamt angenehm häufig auf den Zuschauer nieder, liefert einiges an dringend benötigter Ablenkung und hilft dem Actioner auch über manch langsame Abschnitte.
Und Campbell hatte sichtlich Lust auf seine Action. Die gerät sehr ruppig und bietet vieles, was andere Actionfilme den Fans inzwischen verwehren. Dabei ragen vor allem einige angenehm druckvolle Explosionen heraus. Einige davon geraten nicht sonderlich hübsch, etwa eine Hubschrauberexplosion und die Detonation eines Hauses, die beide komplett aus dem Rechner kommen. Aber Campbell und sein Stuntteam jagen auch zahlreiche Karren in die Luft – und das darf richtig geil knallen.

Die Dirty Angels sind bereit für Action.
Hier herrschen handgemachte Explosionen vor, bei denen es die Gefährte geil zerledert, auseinanderreißt oder abheben lässt. Zumeist fliegen dann auf den Ladeflächen verteilte Lumpen in hohem Bogen durch die Gegend. Und um die Karren herumstehende Lumpen werden weggeschleudert. Highlight bildet ganz klar die Attacke auf einen Konvoi mit Panzerfäusten. Hier gibt es Bilder, die man lange nicht mehr geboten bekommen hat.
Abseits der Explosiv-Action wird allerdings auch eine Menge geboten. Die Ladys gehen teils sehr derb zur Sache. Sie lassen ihre Gegner mittels Feuerwaffen blutig zusammenklappen und verteilen gerne saftige Headshots. Hier kommt zwar viel Blut aus dem Rechner, es sieht aber sehr ordentlich aus. Bekommen die Damen Stichwaffen in die Hand, wird es derb. Die Klingen werden zumeist ordentlich durch gegnerische Körper durchgezogen und landen auch gerne mal in Schädeln. Die Choreografien sind dabei immer sehr geradlinig, tough sowie direkt und die Inszenierung stimmig.
Viel Spaß macht vor allem der alles klärende Showdown in einem ehemaligen Bergwerk. Dieser wirft alle Tugenden der bisherigen Actionszenen – Explosionen, Geballer, harte physische Konfrontationen – in einen Topf und sorgt für einen sehr stimmigen und auch befriedigenden Ausklang.

Ruby Rose (vorn) erholt sich von den Strapazen.
Wirklich nicht leicht haben es die Darsteller. Erst nachdem Eva Greens Charakter irgendwann auch ein wenig aufgebrochen wird, geht ihr Schauspiel in Ordnung. Sie wird dann etwas menschlicher und damit auch nahbarer. Hier wirkt Greens Spiel deutlich besser. Flankiert wird sie von Maria Bakalova („Borat 2“) als Bombenexpertin, Emily Bruni als Scharfschützin, Jojo T. Gibbs („DogMan“) als Tech-Expertin und Rona-Lee Shim’on („Black Lotus“) als Kampfsau. Wie Ruby Rose („John Wick: Chapter 2“) als Sanitäterin werden sie alle vom Drehbuch vergessen und entwickeln keinerlei Profil.
Bei einem Film dieser Ausrichtung, der die Schlagkraft der Damenwelt abfeiern will, verwundert es schon, dass die sympathischsten Charaktere zwei Männer sind. Aziz Çapkurt und Reza Brojerdi machen als ortskundige Helfer alles richtig und sorgen für ein paar auflockernde Momente. Derweil bekommt es George Iskandar als Oberlump wie die Heldinnen nicht leicht vom Drehbuch gemacht. Er bleibt wie die Damen arg eindimensional.
Griechenland und Marokko doubeln in dem Actioner überzeugend Pakistan und Afghanistan. Kameramann David Tattersall, der bereits häufiger mit Campbell kollaborierte, liefert durchweg wertige Bilder ab. Problematisch sind neben manchen Großexplosionen nur noch Bilder von Fluggeräten, bei denen ebenfalls die für das Produktionsstudio Millennium ab und an typischen Effekt-Ausreißer zu verzeichnen sind. Etwas arg egal bleibt leider der Score zum Film. Den hätte man sich zackiger gewünscht.
„Dirty Angels“ vertraut nicht in sich selbst
Fiese IS-Wichte entführen Schülerinnen, ein Haufen verwegener Heldinnen will sie befreien. Eigentlich müsste sich die weitere Story zu „Dirty Angels“ nahezu von alleine schreiben. Blöderweise scheint Martin Campbell selbst aber seiner Story nicht vertraut zu haben. Denn statt eines straighten Actioners, der einen mit Verve auf die Seite seiner Heldinnen zieht, plätschert der Actioner gerne mal vor sich hin. Das Schlimmste: Er vergisst seine Heldinnen – komplett.
Zum Glück weiß der Regisseur, wie Action geht. Und er hatte für den Film sichtlich ein üppigeres Budget zur Verfügung. So holt er noch die eine oder andere Kohle aus dem Feuer und haut vor allem im Showdown ordentlich einen raus. Abgesehen von der blutig brutalen Action ist da aber nicht viel, was an „Dirty Angels“ mitzureißen weiß. Verschenkt.
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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 22. Mai 2025 von SquareOne. Er kommt mit einer Freigabe ab 18 ungeschnitten. Extras zur Entstehung des Actioners gibt es leider keine. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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