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Discopath

Originaltitel: Discopathe__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Renaud Gauthier__Darsteller: Catherine Antaki, François Aubin, Sandrine Bisson, Nancy Blais, Catherine Castellucci, Katherine Cleland, Jérémie Earp-Lavergne, Ivan Freud, Sibylle Gauthier, Francesca Gosselin u.a.
Discopath

Der “Discopath” geht um und killt promiskuitive Discofans!

Ein Hauch von Trash umweht permanent diesen garstigen kleinen „Maniac“-Wiedergänger. Denn der Auslöser für den Mordtrieb in Duane Lewis, seines Zeichens Hauptfigur von „Discopath“, ist schmissige Disco-Musik. Das mag zunächst absurd klingen, sorgt aber dennoch für die eine oder andere wirklich alptraumhafte Szenerie voller verstörender Kraft…

Duane Lewis hat gerade seinen Job verloren. Ziellos irrt er durch New York, bis er von einem dieser promiskuitiven Mädels angesprochen wird, die mit Rollschuhen durch die Gegend sausen und ständig viel zu enge Turnhosen tragen, die sich tief zwischen den Pobacken eingraben und da auch nicht mehr hervorkommen. Sie baut sofort große Sympathie zu dem verschlossenen Typen auf und nimmt ihn mit zu sich in ihr Studentenwohnheim. Hier taut sie ihn ein wenig auf und möchte mit ihm am Abend eine Disco besuchen.

Dort passiert das Unglück: Duane tickt bei den Takten der neuen Supermucke vollkommen aus und jagt die junge Dame durch die Disco, wo er sie in einer mörderstark inszenierten Szene unter der durchsichtigen Tanzfläche des Clubs – quasi vor den Augen aller Gäste – umbringt. Allerdings wird er dabei freilich nicht bemerkt, denn wer schaut in einer Disco schon nach unten?

Am nächsten Morgen kommt Duane verstört und blutverschmiert zu sich. Er beschließt, sofort aus der Stadt zu flüchten. Sein Ziel: Ein Mädcheninternat in Montreal. Hier findet er eine Anstellung als Hausmeister. Um sich selbst zu schützen, trägt er fortan ein Hörgerät, das seine Hörleistung herabsetzt. Doch eines Tages nützt ihm auch das nichts. Wieder hört er die treibenden Klänge leichtfüßiger Musik. Und wieder tickt er aus…

Hat man sich mit dem etwas abseitigen Auslöser für Duanes Taten arrangiert und den Fakt als gegeben akzeptiert, funktioniert „Discopath“ in all seinen Szenen rund um Duane prächtig. Jeremie Earp Lavergne verleiht seiner Figur eine großartige Getriebenheit, verpackt in ein trügerisches, extrem normales Äußeres. Das steht freilich in extremem Kontrast zu den Taten Duanes. Diese sind nämlich alles andere als normal. Wenn dann Duane im Keller des Mädcheninternats zu seinem eigenen Remix eines aktuellen Discosongs tanzt und die zuvor abgeschnittenen Köpfe zweier Schülerinnen mit in sein Ritual einbindet, erreicht der Film eine enorm verstörende Dimension, die noch länger nachhallt, wenn der Zuschauer auch noch bemerken muss, dass Duane obendrein eine Geisel hält.

Die Umsetzung des Filmes begünstigt derartige Momente noch. „Discopath“ sieht Filmen wie dem originalen „Maniac“ zum Verwechseln ähnlich: Der Look ist gritty, Ausstattung, Dekor, Settings, filmische Mittel, Frisuren, Mode,… alles an „Discopath“ schaut aus, als sei er im unmittelbaren Anschluss an den stilprägenden, düsteren Thriller gedreht worden. Zudem wirkt er durchgehend wie ein Kind seiner filmischen Erzählzeit (späte 70er, frühe 80er). Die fantastisch ausgewählten Discosongs verstärken diesen Eindruck nur noch. Selbst in den durchaus derben Effekten greift man nicht auf den Rechner zurück, sondern setzt auf Handgemachtes. Wie früher eben.

Torpediert in seiner Wirkung wird „Discopath“ durch einige Nebenfiguren. Vor allem die Cops des Filmes verhalten sich durchweg nicht glaubwürdig, wirken extrem unsympathisch und haben die unglücklichsten Dialogzeilen abbekommen. Sobald sie am Wirken sind, meint man, „Discopath“ wolle das Psychopathengenre aufbrechen, es ironisieren – nur will er das gar nicht. Auch ein geifernder Priester fällt leider in diese Sparte und sorgt für diverse unrunde Momente.

In diesen Momenten wirkt „Discopath“ alles andere als stilsicher. Was wirklich schade ist, denn rein von der verstörenden Qualität des Stoffes her ist der Streifen ein echter Kracher. Zumal wir mit Duane Lewis einem Psychopathen folgen, der sich seine Opfer nicht bewusst aussucht, ihnen nicht ewig hinterher schleicht oder ihre Gewohnheiten studiert. Er ist vielmehr ein Killer, der sich bewusst ist, dass das, was er da in seinen speziellen „Momenten“ veranstaltet, von Grund auf falsch ist. Obendrein ist er sich seiner eigenen Ohnmacht bewusst, wenn sein Trigger anschlägt und ihn quasi in eine Art Black Out befördert. Dieses interessante Psychopathenportrait trifft in „Discopath“ auf eine prächtig funktionierende filmische Umsetzung und einige grandiose Highlight-Momente, die man dem Film so gar nicht zugetraut hätte.

Die deutsche DVD und Blu-ray kommen von Mad Dimension und sind mit einer FSK 18 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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