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Donnybrook – Below the Belt

Originaltitel: Donnybrook__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Tim Sutton__Darsteller: Frank Grillo, Jamie Bell, Margaret Qualley, James Badge Dale, Chris Browning, Adam Bartley, Pat Healy, James Landry Hébert, Valerie Jane Parker, Judy McQueen Bauer u.a.
Donnybrook DVD Cover

“Donnybrook – Below the Belt” bietet keine wirklich leichte Filmkost.

Ex-Marine ‘Jarhead’ Earl lebt seit seinem Ausscheiden aus der Armee in einem Trailerpark am Rande der Gesellschaft. Seine Frau ist drogensüchtig. Die zwei gemeinsamen Kinder bringen sie mit Mühe durch. Um seiner Familie ein angenehmeres Leben zu ermöglichen, beschließt Earl, am Donnybrook teilzunehmen. Einem illegalen Bare-Knuckle-Fight, bei dem 100.000 Dollar Siegprämie ausgeschüttet werden. Doch um daran teilnehmen zu können, muss Earl eine hohe Startgebühr entrichten. Das Geld hierfür besorgt er sich bei einem Raubüberfall.

Derweil ziehen der soziopathische Meth-Dealer Angus und seine Schwester Delia eine blutrote Spur des Chaos’ hinter sich her. Auch ihr Ziel besteht darin, ein besseres Leben zu finden. Eines Tages geraten sie mit Earl aneinander. Eine Begegnung, die etwas in Angus auslöst und ihn antreibt, Earl abzupassen und ihm sein Leben zu zerstören. So befinden sich auch Angus und Delia bald auf dem Weg gen Donnybrook.

Beiden Parteien auf der Spur ist der absolut unberechenbare Cop Whalen, der sowohl Earl als auch Angus und Delia wegen deren Verbrechen an den Kragen will. Eines ist gewiss: Wenn diese Menschen aufeinanderprallen, wird Blut fließen.

Schaut in den finsteren Thriller mit Frank Grillo und Jamie Bell hinein

„Donnybrook – Below the Belt“ ist ein teils quälend finsterer Film. Sowohl was seine Gestaltung als auch seine Figuren angeht. Wo einerseits Sonnenstrahlen nur höchst selten etwas Licht in die finsteren, rauen und rohen Bilderwelten von „Donnybrook“ bringt, wird andererseits jeder Anflug von Hoffnung für die Figuren im Keim erstickt oder nur mittels extremer Opfer erkauft. Das ist über 100 Minuten hinweg nichts für depressive Gemüter und macht den Film wahrlich schwer verdaulich.

Als Identifikationsfigur dient der von Jamie Bell („Snowpiercer“) gespielte „Jarhead“ Earl. Seit seiner Rückkehr aus dem Krieg hält ihn die White-Trash-Kultur eng umschlungen. Trotzdem sorgt er sich um seine kleine Familie, will ihr mehr bieten. Koste es was es wolle. Genau das macht seine Figur sehr sympathisch und lässt ihn als Anker für den Zuschauer durchaus funktionieren. Leider hält sich „Donnybrook“ mit tiefergehenden Informationen zu Earl extrem zurück und vertieft auch seine Beziehung zu seiner Familie viel zu wenig.

Donnybrook mit Frank Grillo und Margaret Qualley

Angus und Delia verbindet eine höchst seltsame Beziehung.

Ein Problem, dass auch die weiteren wichtigen Hauptfiguren Angus und Delia betrifft. Hier jedoch noch weitaus mehr als im Fall von Earl. Wir erleben die beiden als höchst dysfunktionales Geschwisterpaar. Sie killt ihre Opfer am liebsten auf deren sexuellen Höhepunkt, trägt sich mit finsteren Selbstmordgedanken und gibt sich ihrem Bruder gegenüber höchst distanziert. Er verachtet seine Schwester, bespuckt und schlägt sie, ohne dass man erfahren würde, warum dem so ist.

Frank Grillo („Wheelman“) verschafft diese Anlage seiner Figur des Angus’ ein paar großartige, unverhohlen brutale und grobschlächtige Auftritte, die der Mime mit einem Minimum an auswendig gelernten Dialogzeilen bewältigt. Und so aus wenig viel macht. Auf Seiten von Margaret Qualley („Death Note“) wird es da leider etwas schwieriger, da die selbstzerstörerische Motivation ihres extrem komplex scheinenden Charakters nie begründet wird. Die hübsche Tochter von Andie MacDowell spielt stark und zeigt sich in einer Szene sogar mutig komplett nackt, aber gerade ihre Figur hatte so viel mehr Potential, das einfach nicht genutzt wurde. James Badge Dale („13 Hours“) verkörpert die Rolle seines absolut nicht einzuordnenden Cops Whalen ebenfalls stark, muss aber auch mit einem Minimum an Informationen zu seinem Charakter beim Zuschauer ankommen. Was selten gelingt.

Donnybrook mit Jamie Bell und Frank Grillo

Angus und Earl treffen in einem Käfig aufeinander.

In der Folge bleibt der Zuschauer über weite Strecken kaum mehr als neutraler Beobachter. Selbst die finalen, eigentlich erschütternden Momente des Filmes touchen nicht wie erhofft. Auch die seltsam kalt wirkende Schlussszene unterstreicht diesen Eindruck nur: Und so ist man, obschon die Vorzeichen stimmten, nie so richtig drin in „Donnybrook“.

Infolgedessen klammert man sich mehr an das Filmische. Nimmt anerkennend zur Kenntnis, dass der Film vor allem soundtechnisch äußerst interessant geraten ist. Mit seinem zu Beginn vornehmlich klassischen Score anmutet, als geriere er sich als griechische Tragödie. In der Folge schwillt die Musik zum Beginn neuer Akte an und begrüßen Fanfaren neu in der Handlung auftauchende Figuren. Im weiteren Verlauf werden zwar immer wieder klassische Stücke eingestreut, doch die Führung übernehmen nun Songs von Death Metal Bands wie Jungle Rot oder Hammer Horde. Der eigentliche Score passt sich derweil dem drückenden Grundton des Filmes an und gerät immer finsterer.

Wilder Boxkampf in Film von Tim Sutton

Der Donnybrook ist am Laufen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist natürlich der Donnybrook selbst. Denn Regisseur Tim Sutton inszeniert das Drumherum wie ein schräges Festival. Es wird gefeiert, gekifft und dem Beisammensein gefrönt. Die Besucher nächtigen in Zelten und nebenher verkaufen ein paar Händler Knarren, als wäre es das Normalste der Welt. Inmitten dieses Treibens steht ein gewaltiger Käfig, in dem mehrere Männer aufeinanderprallen und auf einen guten Start in ein neues Leben hoffen.

Leider ist der Fight, und damit der Höhepunkt, auf den in „Donnybrook – Below the Belt“ alles zusteuert, zu nüchtern geraten. Man hätte ihn sich als drastische und intensive Gewaltorgie gewünscht. Weil genau das zu den Charakteren und ihren hochgekochten Emotionen gepasst hätte. Aber letzten Endes ist der Fight erstaunlich schnell vorbei und hat wenig Impact. Zwar beharken sich die Charaktere ordentlich und wirkt die unkontrollierte Gewalt genauestens orchestriert, was man vor allem an Grillos smoothen Moves merkt, aber es zündet einfach nicht im Bauch des Zuschauers.

“Donnybrook” ist ein stilistisch interessanter Independent Film

Eigentlich will man „Donnybrook“ richtig gut finden. Die düsteren Bilderwelten und die stilistisch interessante Musikuntermalung erzeugen eine dichte Atmosphäre und haben durchweg großes Potential in den Film hineinzuziehen. Auch die Schauspieler geben ihr Bestes, um den finsteren Nachtmahr von einem Film in der Magengrube des Zuschauers eskalieren zu lassen. Selbst die Story birgt zumindest auf dem Papier richtig viele Anlagen für eine ordentliche Involvierung.

Aber letzten Endes will „Donnybrook“ einfach nicht richtig durchstarten. Das Panoptikum der Verlierer, die längst geplatzten Träumen hinterherjagen, bleibt zu gewollt nichtssagend. Die Motivationen der Figuren sind teils nicht klar. So gerät „Donnybrook“ immer mal wieder sehr sperrig, atmet zudem wenig Spannung und hält den Zuschauer viel zu sehr auf Distanz. Was man vor allem im Finale merkt, das EIGENTLICH einem emotionalen Vorschlaghammer gleichkommt. Am Ende des Filmes schnauft man dennoch durch, weil man diesen depressiv stimmenden Filmbrocken durchgestanden hat. Vollkommen kalt lässt er einen ergo nicht.

06

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 28. November 2019 von Koch Media und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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